2. Kasematten Festival: 15. & 16.04.2016 Sandsteinhöhle Langenstein – Tag 1

Nachdem wir für euch im letzten Jahr bei der erfolgreichen Premiere des Kasematten Festivals in Langenstein im Harz dabei waren, gab es selbstverständlich auch bei der zweiten Ausgabe des Höhlen-Events keine Ausreden – da mussten wir hin. Am 15. & 16.04.2016 lud das Team um Organisator Holger Troisch in die natürliche Sandsteinhöhle ein und zahlreiche Besucher folgten diesem Ruf. Das LineUp versprach zwei tolle Tage – also auf:

Evi Vine
Evi Vine

Nachdem wir nach Arbeit und Anfahrt dann pünktlich zum Einlass vor Ort waren, wurden erst einmal alle Freunde begrüßt und gemeinsam warteten wir auf den Opener des Festivals. Das war dieses Mal Evi Vine aus London. Das Licht in der Höhle ging aus und dann startete die Sängerin mit ruhigen Tönen. Sie war nur mit einem ihrer Musiker angereist, der direkt beim ersten Stück seine Gitarre mit einem Geigenbogen spielte. So erzeugte er mehrere Soundlinien, die er dann als Loops abspielte. Ihre Stimme passte gut in diese Location und die Akustik der Höhle ließ das Ganze noch voller klingen. Ich wurde bei diesem Klang ein wenig an Loreena McKennitt erinnert. Ein leise gehauchtes „Guten Abend“ war die knappe Begrüßung und dann ging es direkt weiter mit „Down“. Bei diesen ruhigen Klängen war es total leicht, den Alltag abzuschütteln und hier beim Festival anzukommen – ein toller Start ins Wochenende. Auch Evi schien von der Stimmung beeindruckt, denn sie bezeichnete das Ganze als „pretty beautiful place“. Das Licht erstrahlte immer wieder in anderen Farben – von blau über lila bis hin zu gelb. Auch füllte sich der Platz vor der Bühne allmählich und die Sängerin meinte: „It’s a special kind for us. Thanks for having us.“ Es folgte „a very sad song from my second album – hope you like it“. Gemeint war hier „My hands are tied“. Die Zuschauer waren recht fasziniert und applaudierten am Ende. Sie selbst bewegte sich kaum und war eher in ihr Gitarrenspiel vertieft. Rote Lichtstrahlen setzten die Künstlerin dabei immer wieder gut in Szene. Hiernach erzählte Evi davon, dass sie viele „100 miles“ gefahren waren, um hier zu sein und sie war froh, dass schon so viele vor Ort waren, um sie zu sehen. Außerdem berichtete sie davon, dass im letzten Jahr ein Freund von ihr gestorben war und diesem widmete sie das nächste Lied – „for Jackson“. Die Stimmung war zwar traurig, aber auch faszinierend – eine wahrlich besondere Künstlerin. Sie bedankte sich für den Beifall mit einem fast schüchternen „Thank you so much“. Hier musste ich dann aber erstmal wieder ins Freie – an die Kühle in der Höhle gewöhnte ich mich nicht so schnell. Dennoch – der Anfang war gemacht und dieser war schon mal sehr schick.

Still Patient?
Still Patient?

Nachdem drinnen umgebaut war, ging es dann etwas flotter weiter – und zwar mit Still Patient? aus Worms. Während eines langen Intros kamen die vier Herren nach vorn – zuletzt natürlich Sänger Andy mit einer Sonnenbrille auf der Nase. Der Boden dröhnte schon ein wenig, da das Intro so laut war und eine Stimme ließ verlauten: „Ladies and gentlemen – please welcome Still Patient?“ Im Hintergrund war das Bandlogo auf einer Videoleinwand zu sehen. Strobolicht blitzte herum und die Gitarristen griffen zu „Chamelion III“ in die Saiten. Der Frontmann stand mit ausgebreiteten Armen da und ließ sich feiern. Bassist Guido bangte kräftig drauf los und die Fans gingen schon gut mit. Bei „Seconds of fame“ sorgte eine Technikpanne dafür, dass das Logo hinten verschwunden war, die Band hingegen gab weiterhin alles. Gelbe Lichtstrahlen leuchteten durch die ganze Höhle und Nebel waberte über die Stage. So war dann das Gitter aus weißen Licht noch besser zu sehen – echt schick. Hiernach meinte Andy: „Wir sind Still Patient? Wir haben keine Zeit, deshalb verschon ich euch mit irgendwelchem Gebrabbel.“ Er zog sein Jackett aus und stimmte „God and Satan“ an. Die Gitarristen rockten, beieinander stehend, im Gleichtakt ab, während das Publikum mitklatschte. Das Set war insgesamt gut gemischt – oder wie der Sänger es nannte: „Ein munteres Potpourri aus den letzten 25 Jahren“. Mit geschlossenen Augen oder am vorderen Bühnenrand rockend performten die Musiker, ihren Gig genießend, die Songs und heizten damit schon gut ein. Die anwesenden Fans der Jungs hatten ihren Spaß und so wurde „Metropolis“ leise mitgesungen. Eine runde Sache! Und wieder musste ich mich dann aufwärmen gehen.

Near Earth Orbit
Near Earth Orbit

Als nächstes folgte nun eine Formation, die wir noch nie live gesehen hatten – was allerdings nicht so schwer war, denn Near Earth Orbit gibt es noch gar nicht so lang. Auf der Stage waren im Hintergrund drei Bildschirme aufgestellt worden, auf denen erst einmal Newsausschnitte zu sehen waren. Es wurde von „strange sounds“ aus dem All berichtet und „This is the End“. Dann erschienen auch die drei Musiker auf der Bildfläche – Gitarrist Ashley – auch bekannt von Whispers in the Shadow – E-Drummerin Jawa – die ihr sicher von Merciful Nuns kennt – und Sänger Artaud – ebenfalls bekannt von Merciful Nuns. Artaud trug eine Art Pilotenkappe und erinnerte mich in seinem Outfit stark an den Laibach-Frontmann Milan. Musikalisch begannen sie mit „Trans Neptunian Objects“, wo der Text auf den Bildschirmen mitgelesen werden konnte. Ashley ging gut bei den eigenen Klängen ab und rockte, was das Zeug hielt. Jawa war immer im Dunkeln und so kaum zu erkennen. Artaud trug eine Sonnenbrille und so waren seine Augen ebenfalls nicht zu ergründen. Bei „Planet X“ blitzte das Licht immer wieder wie bei einem Gewitter auf – überhaupt war das Bühnenbild und die Stimmung somit eher düster gehalten. Jawa schaltete zum nächsten Stück vorn eine ominöse Box an – was diese allerdings machte, war leider nicht so ganz zu erkennen. Der Sound war total abgefahren und erinnerte an eine Mischung aus Merciful Nuns, Laibach und ganz alten Fields of the Nephilim- Tracks – durchaus hörenswert und neu. Immer wieder brüllte der Sänger der Text regelrecht heraus. Bei einem Lied wurde auf den Bildschirmen davon berichtet, dass die NASA dafür gesorgt hatte, dass drei Tage lang totale Finsternis auf der Erde herrscht – hierbei wurde das Publikum geblendet und der Takt wurde auf der Gitarre getrommelt. Dafür war dann der Bass bei „THEM“ sehr cool und animierte zum Mitwippen. Immer wilder wurde der Sound, Jawa spielte später auch vorn Bass und die Zuschauer wurden textlich dazu aufgefordert: „Feel save inside outer space“. Die Band ließ verlauten, dass sie die Erde dann verlassen werden, wenn am 16.03.2034 der letzte Tag der Erde sein wird – das ist gar nicht mehr sooo lang hin. Würden wir denn mitgehen? Auf jeden Fall würde ich mir diese Band noch einmal live anschauen – tolles Konzept und abgefahrener Sound. Die Zugaberufe am Ende waren durchaus berechtigt, doch leider konnten sie nicht erhört werden, denn noch standen weitere Formationen auf dem Plan.

Syntec
Syntec

Nach diesen dunklen Klängen, wurde es dann wieder etwas lebensbejahender und fröhlicher – es war an Syntec, mit ihren Synth-Pop-Klängen für gute Laune zu sorgen. Als Intro ertönte hier eine Computerstimme und dann war der Jubel der Fans groß, als Tobias, Jens und Uwe nach vorn kamen. Zu „Devil in heaven“ wurde auch direkt mitgetanzt, während der zweistimmige Gesang die Trommelfelle unserer Ohren streichelte. Im Hintergrund bildeten mehrere Scheinwerfer wieder ein Gitter aus Licht. Tobias fasste sich beim Singen ans Herz und war sichtlich über den herzlichen Empfang erfreut. Mit einem kräftigen „Guten Abend Höhle“ begrüßte er die große Zuschauerschaft und dann erklangen auch schon die ersten Töne von „The blind love the blind“. Der Sänger stellte sich in Pose mit einem erhobenen Arm und dann wurde gefeiert. Die Fans sangen beseelt mit und so wurde es richtig gut. Das Lichtgitter war hier sehr präsent und immer wieder öffnete es sich in Richtung des Publikums, was toll aussah. Nach „Leave me – love me“ wurde eine Frage gestellt: „Sind hier Menschen über 40? Dann kennt ihr dieses Lied.“ Die Rede war natürlich von dem Hit „It’s a lie“, wo die Menge ordentlich abging. Und dann wurde es noch älter, denn „Don’t give me pain“ „von unserem ersten Album“ ertönte. Die Stimmung kam an ihren Höhepunkt und die Tanzenden waren in der Überzahl. Und weil es gerade so schön Oldschool war, holten die Herren ein Stück aus der Kiste, die 1995 „Single der Woche“ in der BRAVO gewesen war. „Damals gab’s noch die BRAVO – wir sind noch da.“ Die Rede war hier von „Angel Angel“, das wieder mehrstimmig für uns performt wurde. Die Arme waren oben und es hätte nicht besser sein können. Nach all den alten Liedern, war es dann an der Zeit für frischen Sound – mit „Catch my fall“ bekamen wir ein Stück auf die Ohren, dass auf dem kommenden Album mit enthalten sein wird. Auch das war natürlich schöner Arschwackel-Pop, wie ich gern zu sagen pflege. Die kommende Scheibe wird mit Sicherheit wieder ein Kracher werden. So standen die Musiker beisammen und feierten sich selbst – mit gutem Recht, denn die Höhle hatte wahrlich ihren Spaß. Das war doch mal fein!

Wayne Hussey
Wayne Hussey

Nach diesen elektronischen Klängen und einer kleinen Pause ging es dann weiter mit einem Mann, der schon seit vielen, vielen Jahren auf den Bühnen dieser Welt daheim ist. Wayne Hussey, Frontmann der Kultformation The Mission, war an diesem Abend solo zu Gast und zog das Publikum in seinen Bann. In der Mitte war neben einem Mikrofon etwas Technik aufgebaut worden und im Hintergrund standen mehrere Gitarren bereit. Mit viel Beifall wurde der Brite begrüßt, er griff zu einer der Gitarren und los ging es. „Hello – are you warm enough – cause I’m not“, so seine begrüßenden Worte. Dann startete er mit „Sleeping pills“, wobei ihn gelbe Lichtstrahlen in Szene setzten. Der Klang war echt schön und die Zuschauer schauten allesamt sehr zufrieden. Weil er ganz allein nicht alle Instrumente, die für ein Lied notwendig wären, spielen konnte, spielte er immer wieder einmal einen Teil vom Band ab, was aber nicht so schlimm war. Seine Stimme nahm uns alle mit auf eine faszinierende Reise und es wurde vielerorts mitgewippt. Nach dem The Mission-Stück „Neverland“, wo Lichtstrahlen den Sänger von hinten beleuchteten, griff dieser zur Ukulele und bot uns Wayne „Like a child again“ in der akustischen Variante dar. Dabei war er so vertieft – Augen zu und völlig in die Musik versunken – ein Vollblutmusiker durch und durch. Anschließend setzte er sich an das Keyboard, das etwas weiter links stand und besang eine „Dragonfly“. Dieses ruhige Lied veranlasste einige Pärchen in der Höhle dazu, schmusend zuzuhören. Immer noch an den Tasten sitzend folgte ein Song, den viele Anwesenden mitsangen – der Sisters of the Mercy-Klassiker „Marian“ in einer sehr ruhigen Version – wunderschön! Hiernach ging es wieder zurück zu den Gitarren und „A night like this“ ertönte, während der britische Sänger rot und weiß angestrahlt wurde. Die Fans waren die ganze Zeit über total begeistert. Seine Stimme hallte wunderbar durch den Raum und was er da so auf den Saiten darbot – ein echter Gitarrengott! Ich kann es nicht anders sagen – da hatte Holger mal echtes Sahnestück der Musikgeschichte aufgetischt. Danke! Wir haben es sehr genossen!

Kirlian Camera
Kirlian Camera

Nach diesem besonderen Erlebnis war es dann Zeit für den Headliner des ersten Abends. Die Italiener von Kirlian Camera wurden durch das Bandlogo auf einer Leinwand hinten angekündigt. Ein monumentales Intro erklang und die Musiker kamen, mit einer Sturmmaske über dem Gesicht, nach vorn. Alle hatten sie eine Taschenlampe in der Hand und leuchteten so in die Höhle. Diese war nun richtig voll und alle waren sie gespannt. Nach dem Intro nahmen die Gitarristen und auch Sängerin Elena die Maske ab. Ansonsten war ihr Outfit gewohnt sexy – in knappen Hotpants und engem Oberteil legte sie los. Der Bass war so laut, dass er anfangs etwas dröhnte, doch schnell wurde es besser. Die Leinwand zeigte verschiedene Bilder und Elena tanzte vorn zur eigenen Musik, während Gitarrist Kyoo Nam beim Spielen saß. Die zum Teil etwas orientalisch angehauchten Klänge kamen gut an und als die Frontfrau dann auch noch mit einem Schellenring für den Rhythmus sorgte, bewegte sich schon fast das ganze Publikum im Takt mit. Die Sängerin war der Hingucker auf der Stage und als sie hin und her lief, folgten ihr alle Augen. Mal hockte sie sich hin, mal tanzte sie lasziv am Mikrofonständer, mal hielt sie den Ton sehr lang und zeigte stimmlich einfach ihr ganzes Können – aber immer war sie der Grund für lächelnde Fans und fulminanten Beifall. Die Lichtshow tat dann noch ihr Übriges – immer wechselnd von rot zu weiß oder lila/blau – die Augen hatten hier wahrlich in mehrfacher Hinsicht ihre Freude. Meist stand Elena am Ende eines Liedes in einer Pose da und ließ sich so beklatschen. Ihre Kollegen schienen ebenfalls zufrieden mit der Stimmung, denn auch sie lächelten – obwohl das bei Angelo nicht so gut zu sehen war, trug er doch immer noch die Sturmmaske. Es wurde gesprungen und getanzt – sowohl vor als auch auf der Bühne. Nach einigen älteren Stück folgte „a new song from th new album of Spectra Paris“ – die Menge jubelte. Dieses sehr kraftvolle und schnelle Lied kam super an und wild umherwandernde Lichtkegel setzten die Musiker dabei in Szene. Dann folgte ein eher technoides Instrumental, das uns Angelo und Falk darboten. Untermalt wurde dies im Hintergrund mit einem Video, wo Blumen zu sehen waren. Natürlich durfte an diesem Abend der Hit „Eclipse“ auch nicht fehlen und die Fans klatschten und sangen glücklich mit. E-Drum und Gitarre kamen hier auch zu einem Solo. „Great place, great audience“, so Elenas Kommentar zur regelrechten Party an diesem Abend. Nach einem Coversong, wo die Sängerin am Schluss auf dem Bühnenboden lag, ging es dann wieder weiter aus dem eigenen Fundus mit einem Smashhit. Und anschließend wurde es richtig toll – die Frontfrau verkündete: „I have a surprise for you“. Hinter ihr betrat Eskil, Sänger von Covenant, die Bühne und begrüßte uns mit einem „Meine Damen, meine Herren – guten Abend.“ Seine Glatze schockte einige der Zuschauer anfänglich, doch ansonsten war er gewohnt schick gekleidet im Anzug und gemeinsam wurde nun für uns gesungen. Die Musiker stimmten den Covenant-Klassiker „I stand alone“ an, den Elena nun mitsang. Die beiden Stimmen harmonierten wahrlich super und die Menge tobte vor Begeisterung. Die Arme waren überall oben und es wurde mitgeklatscht. Und wer nun nicht tanzte, der war entweder zu müde oder ein Banause. Der Beifall fiel entsprechend frenetisch aus. Doch war das noch nicht das Ende der Zusammenarbeit – es folgte noch „a new song – Kirlian Camera – Covenant“. Auch hier wurde getanzt und abgefeiert – was für ein Spaß. Doch dann verabschiedeten sich die Band und auch der Gastsänger mit einem Winken und so sollte der Abend vorbei sein.

Selbstverständlich war das nicht hinzunehmen und es wurde nach einer Zugabe geschrieen. Diese wurde auch gewährt, doch wir machten uns an dieser Stelle vom Acker. Die kühlen Temperaturen und die späte Stunde forderten ihren Tribut und so ging es schnell ab ins Pensionsbett. Wollten wir doch auch im zweiten Festivaltag fit sein. Wenn es da auch so gut zugehen würde, konnten wir ja zufrieden sein – wir hofften auf jeden Fall das Beste!

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Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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