3. Kasematten Festival: 21.&22.04.2017 Sandsteinhöhle Langenstein – Tag 2

Nach einem angenehmen Nachmittag in der Innenstadt von Halberstadt kamen wir gestärkt wieder an der Höhle in Langenstein an. An diesem Tag war es kühler als am Vortag und kleinere Regenwolken sagten sich an – mal schauen, was das noch gab.

Amnistia

Aber wir hatten ja wie immer mit wärmender Kleidung vorgesorgt und so konnte es mit der ersten Band des zweiten Tages losgehen. Es standen Amnistia auf dem Plan und mit einem „Schönen guten Abend oder Mahlzeit Halberstadt – fang mer mal an“ begann das Trio dann auch rasant. Frontmann Tino war gut drauf und lief vom ersten Ton an auf der Bühne hin und her. „Bursting Into Life“ war vom Sound her recht gut und die ersten Reihen begannen direkt zu tanzen. Stefan und Jan, die Herren an den Keyboards, hatten gute Laune und auch sie wippten zu den eigenen Beats mit. Das sehr lange erste Lied kam super an und so energiereich wie dieser Track ging es auch weiter. Tino feuerte die Anwesenden mit einem „Macht mal Krach“ an und schon erklang „Money“ „vom aktuellen Album“. Auf der Videoleinwand im Hintergrund waren dazu Geldscheine aus aller Welt zu sehen und auch einige Textzeilen wurden da dargestellt zum Mitgrölen. Die Stimmung war schon ganz gut und die Musiker bedankten sich mit folgenden Worten dafür: „Vielen Dank fürs zeitige Erscheinen!“ Weiter ging es dann direkt mit „Echoes“, wozu gelbes und blaues Licht die Bühne erhellte. Immer mehr Zuschauer strömten hier vor die Stage und ließen sich von den Rhythmen erfassen. Das Ganze war ja auch „Tanzmusik“, so Tino – wie eben auch „Humiliation“, wo ordentlich Bewegung aufkam. Der Frontmann stand keine Sekunde still und immer wieder war er auch am vorderen Bühnenrand zu Gange. Für den Opener des Tages war da schon gut war los – coole Nummer!

She Past Away

Musikalisch gingen wir dann mit She Past Away auf eine Reise in die Türkei – wobei die Post Punk-Klänge so gar nichts Orientalisches an sich hatten – außer eben die türkischen Lyrics. Mit kleiner Verspätung kam das Duo auf die Stage und schon ging es in die Vollen. Rotes und gelbes Licht setzte die Darbietung in Szene. Volkans tiefe Stimme beeindruckte ziemlich, auch wenn sein Mikrofon etwas leise eingestellt war. „Asimilasyon“ war der Anfang und als nächstes kamen Stücke wie etwa „Rituel“ zu ihren Ehren. Die Fans waren sehr zufrieden und applaudierten nach jedem Track lautstark. Diese Oldschool-Wave-Sounds waren genau richtig, um mit geschlossenen Augen einfach nur zu Tanzen oder Mitzuwippen – so machten es auch viele im Publikum. Die Lichtshow wechselte immer wieder in den Farben und an der Höhlendecke waren ab und zu Muster zu sehen, was sehr schön wirkte. Die Musiker verzogen dazu aber kaum eine Miene, sondern gaben sich ganz ihrer Darbietung hin. Doruk gab an den E-Drums den Takt an. Und immer wenn ein neues Stück von den Fans erkannt wurde, jubelten sie allesamt auf und genossen dann aber die Show. Aber auch Mitklatschen war drin – rundum hätte es sich die Band nicht besser wünschen können.

Death in Rome

Mit einer Covershow der besonderen Art wartete dann das Festival-Lineup auf – Death in Rome waren als Ersatz für die leider erkrankten Legend da. Im Hintergrund war das Bandlogo, die Zombie-Marilyn Monroe, auf der Leinwand zu sehen. Mit einem Gong oder eher Glockenschlag verstummte das Publikum und die Musiker konnten ihr Werk beginnen. Nebel hüllte die Herren dabei ein und zuerst war nur Wind oder dergleichen zu hören. Hinten war das Weltall zu erkennen. Dann erklang auch Musik und der Bass dröhnte ganz schön. Frontmann Jerome wurde durch einen Spot von hinten angestrahlt. Nach dem instrumentalen Intro ging es dann auf in den Cover-Reigen – mit „Careless whispers“ von Wham! im Neofolk-Kleid begeisterte die Herren ihre Fans. Es wurde direkt mitgewippt und einige sangen sogar leise den Text mit. Der Sound war recht reichhaltig – Gitarre, Theremin und Drums bildeten eine tolle Einheit. Irgendwie ist es schon erstaunlich, wie verschieden ein und dasselbe Lied interpretiert werden kann. Das nächste Stück war dann der A-ha-Klassiker „Take on me“. Hierbei bildeten die Scheinwerfer wieder einmal dieses Gittermuster, was echt schick aussah. Die Darbietenden waren von vorn kaum zu erkennen, da sie lediglich von hinten angestrahlt wurden. Aber hier stand ja auch die Musik im Vordergrund. Mit „The sign“ von Ace of Base war im Anschluss wieder ein Track an der Reihe, der im Original ja eher fröhlich und flott ist. In der Variante von Death in Rome war das dann aber eher düster und langsam und gar nicht mehr so happy. Diese Verwandlung war schon erstaunlich! Das Mitraten bei den Stücken war auch unterhaltsam – wer wohl zuerst das Original erkannte. Wir überließen aber den Fans das Feld und schnappten ein wenig frische Luft – auch wenn es etwas zu regnen begonnen hatte.

Escape with Romeo

Wenig spät gab es dann Escape with Romeo zu erleben – das Trio betrat bei einem Intro die Stage und sah in Anzug und mit Hut richtig cool aus. Drummer Frenzy war leider kaum zu sehen, trotz dass rote und weiße Lichtkegel umherwanderten, da er leider in einer dunklen Ecke Stellung bezogen hatte. „Helicopters in the Falling Rain“ erklang und die Zuschauer waren sehr angetan. Das Gitarrensolo von Sänger Thomas war echt Klasse und mit den Worten „Guten Abend Kasematten – wir sind Escape with Romeo“ begrüßte er uns. Weiter ging es dann mit dem Stück „Glitter on the snow“, wobei Keyboarder Martin absolut in den eigenen Klängen aufging und tanzte. Es gab keine großen Pausen zwischen den Liedern und so kam direkt „Fake Lover“ „von unserer letzten LP“ zu seinen Ehren. Der Beat war hier fast technoid und das Licht flackerte hier im Takt mit – die Farben wechselten hier hin und her. Thomas‘ Stimme war leicht verzerrt und die zweite Stimme von Martin kam auch ganz gut rüber. Zu „Anteroom For Your Love“ wippten viele Fans mit oder es wurde ausgelassen getanzt – die Musiker freuten sich darüber. Und so ging es auch weiter, denn der Track „Here Comes the Night“ war wieder recht dance-lastig gestaltet. Allerdings wunderte ich mich an dieser Stelle – wo kam denn der Frauengesang her – da war doch gar keine Sängerin auf der Bühne?! Ich gab es dann auf, nach einer weiblichen Gesangsunterstützung auf der Bühne zu sehen, denn der Hunger trieb mich ins Freie.

Agent Side Grinder

Mit etwas Besonderem wartete dann das Festival-Lineup auf – das letzte Konzert von Agent Side Grinder in dieser personellen Konstellation. Zahllose Fans warteten gespannt vor der Bühne auf diesen Gig. Im Hintergrund war das Bandlogo der Schweden zu sehen und ungeduldiges Klatschen holte die Herren dann doch endlich nach vorn. Frontmann Kristoffer trug eine weiße Jacke, die mich irgendwie an Elvis Presley erinnerte und schon legten sie mit „Into the Wild“ los. Die Menge tobte und jubelte lautstark. Der Sänger war gut drauf und tanzte mit den Zuschauern um die Wette. Die zweite Stimme von Keyboarder Henrik klang auch super – insgesamt hätte der Sound nicht besser sein können. Beim nächsten Stück ging Gitarrist Thobias mächtig ab und spielte wie irre mit geschlossenen Augen. Niemand in der Höhle konnte mehr ruhig stehen, denn der Electronic – PostPunk-Sound war mitreißend. „We are Agent Side Grinder – welcome“, so die begrüßenden Worte von Kristoffer und wieder jubelte das Publikum. Die Lichtshow war hier ebenfalls tadellos und so standen die Musiker in einer Lichterstern und gaben ihr absolut Bestes. Die Arme waren erhoben, es wurde mitgeklatscht und Tanzen war angesagt. „You’re wounderful“, so der Kommentar der Band zur guten Stimmung. Der nachfolgende Song war „dedicated to Trump“ – gemeint war hier „Giants fall“, wo der Sänger dann auch seine Jacke beiseite legte, um sich noch ausgelassener bewegen zu können. Außerdem hatten sie uns „one of the first songs“ mit im Gepäck – „Mag 7“. Hier war die Lichtstimmung in grün gehalten und jeder der Musiker hatte hier die Gelegenheit für ein ausführliches Solo – Kristoffer hatte sich derweilen zurückgezogen – tolle Geste! Als der Frontmann zurückkam, verriet er: „This is the last show with me as singer“ – der Beifall war sagenhaft! Er bedankte sich beim Publikum für die tollen Jahre und sagte außerdem, dass die Liveerlebnisse für ihn „the greatest moments in life“ waren. Aber – „Agent Side Grinder is not dead – they come back to you to carry on the flame“. Diese Ankündigung machte die Fans glücklich – zwei der Musiker halten die Formation am Leben und machen eben weiter – zum Glück! „For the young“ war dann für alle Zuschauer und wurde gemeinsam zelebriert. Der Frontmann erhob hier im Refrain immer wieder die rechte Faust und nicht wenige taten es ihm gleich. Hiernach tat der Sänger etwas, dass er immer bei Konzerten gemacht hatte – „for the last time – present the men“ und schon stellte er uns alle Kollegen auf der Bühne namentlich vor. Es folgte der große Smashhit „This is us“, der lauthals mitgesungen wurde. Und dann – „There is another swedish wounderful person“ – mit dieser Ansage bat Kristoffer Henric de la Cour auf die Stage und zusammen sangen sie „Wolf hour“ – großartig! Die beiden Stimmen passten perfekt zusammen und wirklich jeder tanzte hier. Am Ende des Stückes lagen sich die Sänger in den Armen und drückten sich. Henric war dann wieder weg und schon kamen wir in den Genuss eines „new song“, der „dedicated to the star man“. Dieser kam mehr als gut an und wieder waren die Arme oben. Doch dann war es langsam Zeit, für immer Abschied zu nehmen – noch ein Stück wurde zusammen genossen. Die Gitarristen gaben alles und alle verausgabten sie sich noch einmal für ihre Fans. Als die letzte Note gespielt war, verbeugten sie sich und warfen uns Kusshände zu. „Thank you – see you next time“. Zugaberufe wurde leider nicht erhört, denn nun war diese Ära von Agent Side Grinder vorbei. Danke die Herren – das war ganz großes Kino!

Henric de la Cour

Schwedenpower war nun wieder angesagt – eben hatten wir ihn ja schon gesehen – die Rede ist selbstverständlich von Henric de la Cour. Ich kam leider zum Anfang etwas zu spät, weil an den Bars viel los war. Henric gab hier schon alles mit „Dracula“ und die Fans tanzten schon wieder aus voller Seele. Der Sänger und seine Co-Sängerin Yvonne ergaben eine tolle Harmonie und der gute Sound war ein Ohrenschmeichler. Im Hintergrund lief ein Video auf der Leinwand mit – so war der charismatische Frontmann direkt zweimal zu sehen. Die tiefe Stimme war echt hypnotisierend und erinnerte mich zuweilen an die alten The Sisters of Mercy-Stücke. „Two Against One“ sorgte für eine geniale Stimmung, obwohl der Sound hier leider etwas dumpf klang – zumindest an der Stelle in der Höhle wo ich Stellung bezogen hatte. Henric war sehr präsent – er war ja auch nicht zu übersehen, so groß wie er ist. Immer wieder lief er hin und her auf der Stage oder aber er sang direkt am vorderen Bühnenrand. Beim Hit „Chasing Dark“ sangen die Fanreihen laut mit – ein toller Moment! Und auch die Musiker gingen hier ordentlich ab. Nach „Gothic“ folgte „Machine“, wo die Lichter lila und gelb leuchteten. „Worthless web“ war etwas ruhiger und so hatten alle einen Moment zum Verschnaufen. Immer wieder standen der Sänger und seine Kollegin eng zusammen und trällerten gemeinsam – schöne Augenblicke. Und als sie bei „Shark“ wieder zweistimmig sangen, küssten sie sich sogar – Jubel war ihnen hier sicher! Weil ich mich aber schon verausgabt hatte, ruhte ich mich an dieser Stelle ein wenig im Discofloor aus, wo Boris May und Schubi, die DJs des Tages, schon für Unterhaltung sorgten.

Project Pitchfork

Dann war es Zeit für den Festivalabschluss – der Headliner des zweiten Tages wurde wieder ungeduldig erwartet und so wurden die Herren von Project Pitchfork mit viel Beifall empfangen. Dieses Mal hatten die Hamburger nur zwei Drumsets mit auf der Bühne und vier große runde Lampen strahlten in die Zuschauerschar. Es war immer noch arg voll, denn viele hatten auf diese Formation gewartet. Blaue und weiße Lichtkegel bestrahlten Frontmann Peter und seine Mannen. Im Hintergrund leuchteten große LED-Leisten hell auf und „Conjure“ wurde zusammen gefeiert. Die Menge tanzte ausgelassen und auch Sänger und Kollegen schwangen das Tanzbein. Zu „Titanes“ wurde mitgeklatscht und die zweite Stimme von Scheubi kam gut rüber – der Soundmann wusste hier, was er tat. Als dann auch noch „Rain“ angestimmt wurde, waren die Zuschauer kaum noch zu halten. Der Bass dröhnt zwar etwas, so dass alles mitvibrierte, aber was soll es – die Party war in vollem Gange und niemand ließ sich hier noch halten. Die LED-Leisten erstrahlten gelb und orange und Peter war immer wieder am vorderen Bühnenrand, wo er die ersten Reihen ansang. „Danke, dass wir bei euch sein dürfen“, so die begrüßenden Worte der Formation. Mit den Klängen von „Acid ocean“ in den Ohren machten wir uns dann aber auf den Heimweg – wir waren ausgepowert und überließen den Festivalbesuchern das Feld.

Wieder einmal war das Kasematten Festival zu Ende und wir haben tolle musikalische Momente miterleben dürfen. Danke dafür an das Orga-Team um Veranstalter Holger Troisch. Immer wieder konnten wir uns warm tanzen in der kühlen Höhle und auch die Bands hatten alle ihren Spaß. Das war toll – bis zum nächsten Durchgang im Harz!

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Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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