Apocalyptica: 20 Years of „Plays Metallica By Four Cellos“-Tour 2017 22.02.2017 Stadthalle Chemnitz

Wenn ein Album seinen 20. Geburtstag feiert, dann ist das schon mal eine Jubiläumstournee wert. So geschehen bei Apocalypticas Scheibe „Plays Metallica By Four Cellos“. 2017 feierte die CD sozusagen seine „Silberhochzeit“ und die vier Finnen zelebrierten das in besonderen Konzerten. Am 21.02.2017 waren sie mit ihrem Jubiläumsprogramm in der Stadthalle in Chemnitz zu Gast. Wir mussten da unbedingt dabei sein, denn DAS konnten wir uns nicht entgehen lassen – dieses Album einmal live erleben – Wahnsinn!

Apocalyptica

Wir Pressevertreter wurden kurz vor Konzertbeginn in den Saal geführt und dort nahmen wir unsere Plätze ein. Auf der Bühne waren vier Schemel zu sehen, die vor vier großen Leinwänden standen – mehr nicht. Dann ging das Licht aus und unter Jubel betraten Eicca, Perttu, Paavo und Antero die Stage und nahmen ihre Plätze ein. Und dann spielten die Herren das Jubiläumsalbum Stück für Stück ab – so wie es einst erschienen war. Den Anfang machte also „Enter Sandman“. Die Fans klatschten von Beginn an mit und Eicca feuerte sie noch an. Vier Spots setzten die Musiker toll in Szene und Paavo grinste übers ganze Gesicht – die gute Laune war schier greifbar. Der Sound war echt super und auch wir konnten uns das Grinsen nicht verkneifen – irre! Die Songs gingen dann ineinander über und es folgte „Masters Of Puppets“. Die ersten Reihen grölten den Text mit, wenn auch anfangs noch recht verhalten. Ich hatte echt Gänsehaut! Pommesgabeln wurden hier und da erhoben und Haare flogen nicht nur auf der Bühne. Dann schalteten sich die Scheinwerfer im hinteren Bühnenbereich an und die vier Cellisten wurden von hinten angestrahlt. Mit Hingabe zupften sie an den Saiten ihrer Instrumente, bangten wie verrückt und dann standen sie sogar auf, um noch wilder spielen zu können. Antero hingegen blieb die ganze Zeit sitzen – er sah dabei recht cool aus mit seiner Sonnenbrille. Dann schließlich griff Eicca zum Mikrofon und begrüßte das Publikum mit einem „Hello Chemnitz – it’s all night Metallica music.“ Er kündigte an, dass sie im ersten Teil der Show das ganze Album spielen wöllten und „you are being the singers tonight“. Und so ging es weiter im Programm mit „Harvester Of Sorrow“. Hier spielte Perttu sein Cello mit elektronischer Verstärkung, was es wie eine E-Gitarre klingen ließ.

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Als „The Unforgiven“ erklang, tobten die Zuschauer und die Bühne war in rotes Licht getaucht. Da musste ich echt schlucken – der Sound und diese Stimmung ließen mich inne halten – Gänsehaut und feuchte Augen – danke für diesen tollen Live-Moment! Da war es dann gut, dass Eicca wieder das Mikrofon zur Hand nahm – so konnten wir alle einen Augenblick durchatmen. „Really amazing to being here“, so seine Worte. „Thank you very much for supporting us all these years.“ Der charismatische Musiker berichtete von ihren Anfängen als Formation, als sie dachten, dass ein paar Gigs schon cool seien – doch dann „something different happens“. Der Erfolg stellte sich ein und es wurde immer größer. Weiter ging es dann musikalisch mit „Sad But True“. Mir fiel auf, dass bei den einzelnen Stücken immer wieder mal ein anderer die Leadstimme spielte – hier war es mal Perttu, der für sein Solo dann auch aufstand – der Jubel war ihm da sicher. Es folgte „Creeping Death“ wo alle, außer Antero, wieder im Stehen spielten. Die erste Reihe reckte die Arme nach oben und die Musiker stellten sich zusammen an den vorderen Bühnenrand – so heizten sie mächtig ein und die Zuschauer sangen immer lauter die Texte der Tracks. Auch die vier Finnen sangen den Text mit – allerdings ohne Mikrofon – schade! Was mir hier besonders gefiel, war, dass sich alle vier Celli-Bögen im Gleichtakt bewegten – das war schon beeindruckend. Hiernach zog Eicca seine Jacke aus, verwies auf die Alben, die nach diesem Jubiläumswerk erschienen und meinte dazu: „Check them out – cool shit!“ Das nun folgende Lied sei „a song about us travellers life“. Gemeint war hier „Wherever I May Roam“. Blaue Spots setzten sie dabei in Szene. Perttu war voll bei der Sache und Eiccas Solo wurde beklatscht. Und für ihr Gründungsmitglied Antero spielten sie abschließend gemeinsam den Track „Welcome Home (Sanitarium)“ – „it fits very well for his comeback“. Sie zupften hier zum Teil wieder nur die Saiten, während die Scheinwerfer immer wieder wie Blitze aufflackerten. Der Beifall wollte hiernach kaum enden – doch es folgte eine Pause, in der die Stage auch umgebaut wurde.

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Nach der etwa 20-minütigen Unterbrechung bildete ein riesiges Drumset das Zentrum der Bühne. Die vier Cellisten kamen hervor – alle hatten sie sich bequemere Klamotten angezogen und so ging es gemeinsam los – weiter natürlich mit Metallica-Stücken. Zu „Fade To Black“ konnte wieder abgerockt werden und Perttu hielt sein Cello dabei fast wie eine Gitarre vor dem Bauch, wenn ihr wisst, was ich meine. Dann erschien auch Drummer Mikko und drosch auf den Fellen drauf los. Auf und vor der Bühne flogen wieder die Haare durch die Lüfte. Das Strobo zuckte wild und heizte die Stimmung nur noch an – es wurde gejubelt und gefeiert. Antero saß auf seinem Schemel und spielte cool vor sich hin, während seine drei Kollegen bei „For Whom The Bell Tolls“ vor den Drums standen und sich gegenseitig zu Höchstleistungen anstachelten. Blaues und rotes Licht wanderte hierbei über die Stage. Anschließend meinte Perttu auf Deutsch: „Willkommen zu unserer Rock-Show!“ Die Herren grinsten wild und verausgabten sich regelrecht – die Menge im Saal ging ordentlich ab und die Gesänge wurden von Stück zu Stück lauter. So auch bei „Fight Fire with Fire“, wo Mikko in einer Art Blitzlichtstern eingerahmt wurde. Die Haare flogen im Kreis umher – dass sie sich nicht in den Saiten der Celli verhedderten, wunderte mich immer wieder.

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Eicca spielte Antero an und lief immer wieder hin und her während Paavo die Drums anspielte. Es war nun viel Bewegung auf der Stage – das machte echt Freude! „Until It Sleeps“ wurde von Mikko angestimmt und die Cellisten stiegen dann ein – am Schluss beendete der Drummer auch den Song. Blaues und türkises Licht waren hier bestimmend für die Szene. Überhaupt war die Lichtshow echt irre anzusehen! Perttu meinte scherzhaft, es seien „zu viele cello on the stage – anyway“. Er stellte sich und seine Kollegen namentlich vor und dann ging es weiter mit „Orion“. Hier verschwand Eicca aber kurz von der Stage – hatte er sich etwa eine Saite am Instrument zerlegt? Schnell war er aber wieder da und konnte wieder drauf los spielten. Lila Lichtkegel wanderten hierbei zwischen den Musikern hin und her. Anschließend kamen wir in den Genuss von „Escape“ – des „very first song we played“. Wieder standen drei der Herren zusammen und spielten sich die Seele aus dem Leib. Das mehrstimmige Spiel war echt genial und ein echter Trommelfellschmeichler und auch die Soli wurden gebührend beklatscht. Mit „Battery“ folgte dann einer der drei Bonustracks, die auf der Jubiläumsausgabe von “ Plays Metallica By Four Cellos“ enthalten sind. Mitten im Stück wechselte Antero auf einmal sein Cello – war es etwa auch kaputt? Fast mochte ich es glauben, denn das neue Instrument begann zu qualmen – dann leuchtete es auf einmal von innen und sah wie ein Totenschädel aus – was für ein cooler und total abgefahrener Effekt! Währenddessen bangten seine Kollegen mit dem Publikum um die Wette und die Menge im Saal sang lauthals. Und weil es so schön war, folgte dann auch schon das letzte Lied des Sets – zu „Seek And Destroy“ wurde im Takt mitgeklatscht und selbstverständlich auch wieder gesungen, während die Herren Musiker kaum still stehen mochten und wieder viel herum liefen beim Spielen. Die Party war voll im Gange und am Ende spielte einer der vier sogar im Liegen. Der Jubel war groß und mit einem fetten Grinsen im Gesicht verabschiedeten sich die Finnen von uns.

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Das sollte es aber noch nicht sein. Es wurde geklatscht und getrampelt und so kamen die fünf – samt Drummer – doch noch einmal nach vorn. Ein Stück durfte doch nicht fehlen – und wir bekamen, was wir wollten. „Nothing Else Matters“ wurde angestimmt und die Stimmung explodierte schier noch einmal in der Stadthalle. Die Meute vor der Stage sang aus vollem Hals mit und dafür wurde sie von der Band gelobt – „absolute fantastic“. Das war so genial! Als letztes meinte Perttu dann: „We live in strange times – take care of yourselves – take care of each other“ – starke Worte! Und so stimmten sie gemeinsam „One“ an. Drummer Mikko wurde hierbei blau angestrahlt in einem Lichterstern und die vier Cellisten gaben noch einmal alles – Haare flogen und die Arme im Publikum waren oben. Als die letzte Note verklungen war, gab es Standing Ovations, Mikko warf seine Drumsticks in die Menge, gemeinsam verbeugten sich die Musiker mehrfach und winkten uns zum Abschied. „Have a good night – we come back!“

Mit diesen letzten Worten verließen die Finnen die Bretter, die die Welt bedeuten und wir machten uns beseelt auf den Heimweg. Mensch, war das geil – anders kann ich es einfach nicht beschreiben. Wer nicht auf dieser Tour war, hat wahrlich ein musikalisches Meisterwerk verpasst! Apocalyptica haben da ordentlich abgeliefert – und natürlich gilt der Dank auch Metallica, die ja die Vorlagen dazu geschrieben hatten. Bei der nächsten Tour sind wir auf jeden Fall wieder mit von der Partie – und ihr?!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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