Dark Storm Festival 2016: 25.12.2016 Stadthalle Chemnitz

20 Jahre Dark Storm Festival – das ist doch mal was. Ich kann mich noch sehr gut an die frühen Jahre erinnern, als das Festival im E-Werk in Chemnitz stattfand. Am 25.12.2016 war dann wieder einmal die Stadthalle in Chemnitz Ort des Geschehens und selbstverständlich war das Team von UnArt für euch beim Jubiläum dabei.

Der Einlass begann dieses Mal etwas früher – es sollte ja auch zur Feier des Tages etwas mehr geboten werden. Es verlief alles recht zügig und so warteten wir dann auf die ersten Auftritte des Tages.

Große Halle

DJ Elvis & Mark Benecke

Der Vorsaal füllte sich recht schnell, wohingegen es in der großen Konzerthalle noch recht leer blieb. Doch nicht eine Band betrat als erstes die Stage, sondern erstmals waren Moderatoren mit von der Partie. Elvis und Dr. Mark Benecke kamen hervor und begrüßten uns mit den Worten: „Hallo in Chemnitz. Dies ist einer der schönsten Tage, um das Weihnachtsfest elektronisch-besinnlich zu begehen.“ Die beiden Herren verrieten schon einmal, was uns heute so alles erwarten würde und Mark nutzte die Gelegenheit direkt, um als „Brigadearzt“ auf die Aktion der Patenbrigade:Wolff hinzuweisen – „Leiht euch Winkelemente aus“, um dann beim Auftritt der Brigade ordentlich winken zu können.

Felsenreich

Doch dann war es endlich soweit – die Musik sollte starten und so kündigten sie den Opener Felsenreich an, die mit einem Musiker als Ersatz am Start waren. Die Chemnitzer Formation hatte sozusagen Heimvorteil und so betrat das Quartett hoch motiviert die Bühne. Frontmann Mathias begrüßte das Publikum mit einem knappen „Hi“ und schon ging es los. Die Musiker waren in rotes Licht getaucht und die Klänge waren arg laut. Mathias schlug beim Singen auf eine kleine Trommel neben seinem Mikrofon ein – so erzeugte er für das Stück „Island of glory“ einen Marschrhythmus. Sängerin Romy bewegte sich sanft im Takt der Musik hin und her. Nach dem ersten Lied sagte der Sänger schließlich: „Herzlich Willkommen – wir sind Felsenreich – es ist uns eine Ehre, heute für euch zu spielen.“ Und schon wurde der nächste Track angestimmt. Keyboarder Carsten spielte dazu Trompete, was ein besonderer Sound war im sonst recht ruhig Klangkosmos der Formation. Mathias lief am Bühnenrand hin und her und am Ende fiel er mit einem irren Lacher auf die Knie. Bevor „Uterus“ zu seinen Ehren kam, meinte der Frontmann, dass es ein „ziemlich schlechtes Jahr“ gewesen sei, doch „unsere Szene ist ein Beispiel dafür, dass es auch anders geht“. Hier gefiel mir die Gitarre ganz gut und endlich kam in der doch recht rar gesäten Zuschauerschar etwas Bewegung auf. Romys Stimme war echt gut und absolut klar, ging aber ab und zu in der Musik unter – schade. Noch waren die Festivalgäste wohl etwas müde vom Weihnachtsessen – auch wir mussten uns erstmal noch ein wenig akklimatisieren und begaben uns noch einmal ins Foyer der Halle.

Heldmaschine

Als nächste waren dann Heldmaschine an der Reihe, für Stimmung zu sorgen. Wieder kam das Moderatoren-Duo nach vorn. Sie kündigten die Formation als „Neue Deutsche Härte“ an und Marks Frage „Seid ihr auch heiß?“ wurde mit lautem Jubel beantwortet. Der Jubel blieb dann gleich erhalten, als die Musiker endlich auf die Stage stürmten. Sänger Rene stand direkt auf einem Podest am vorderen Bühnenrand und stimmte „Wer einmal lügt“ an. Die Gitarristen Tobias, Dejan und Marc rockten ordentlich drauf los. Drummer Dirk stand leider mit seiner Schießbude zu weit hinten auf der Bühne und war so kaum zu sehen. Die erste Reihe war wohl mit lauter Fans gespickt, denn da wurde direkt im Takt mitgeklatscht – so konnte es weiter gehen. „Hallo Chemnitz“, so die knappen, begrüßenden Worte der Band, bevor es nahtlos mit „Gegenwind“ weiterging im Set. Nebel waberte hierzu über die Bretter, die die Welt bedeuten, und Rene sprang im Takt herum. Die Arme im Publikum waren immer wieder oben. Die Lichtshow war ganz ansehnlich – von hinten wanderten Strahlen durch den Saal und ein Blitzlichtgewitter zeigte den Rhythmus an. Die Musik war so laut, dass der Bass den Boden im Raum beben ließ – für mich ein wenig zu laut. Die Herren an den Saiten standen kaum still – genau wie ihr Sänger – so war immer etwas los auf der Stage. Bei „Auf allen Vieren“ regte der wilde Beat dazu an, dass die Haare flogen und die Musiker sich gegenseitig anrockten – vor und auf der Bühne hatten also alle ordentlich Spaß. Die zweite Stimme kam gut rüber und das rot-weiße Licht machte das Ganze zu einem schicken Gesamtbild. Wir machten uns dann aber so langsam auf, um im kleinen Saal den ersten Gig mitzubekommen.

Machinista

Von da zurück, bekamen wir gerade die Moderatoren mit, die Machinista als „einfach nur Schweden“ und „Elektro-Pop-Projekt“ bezeichnete. Speziell für diesen Abend hatte sich das Duo einen Gitarristen mit dazu geholt – BRD sollte das Ganze abrunden – wir waren gespannt. Bei einem Intro kamen die drei nach vorn und tauchten so aus dem Nebel auf. BRD hatte eine Art Vogelschädel und Federn auf den Schultern – das sah recht cool aus. Frontmann John strahlte übers ganze Gesicht und begrüßte die Menge mit einem saloppen „Hallo“. Dann nahm er seine Brille ab und legte mit „Seconds minutes hours“ los. Seine Stimme klang echt super und nicht wenige Zuschauer ließen sich direkt vom Rhythmus zum Mitwippen und Tanzen anregen. Da bedurfte es auch nicht erst seiner Aufforderung „Let’s dance“. Die zweite Stimme von Richard war ebenfalls ein Ohrenschmaus – das war doch mal ein guter Start. John konnte kaum stillstehen – lief mal hin und her oder aber er stand auf den Boxen im Bühnengraben, um so seinem Publikum noch näher zu sein. Dabei sah ich auch, dass er um die Augen glitzerte – fesch. Weiter ging es musikalisch mit „Picture frame eternity“, was echt toll klang. Nicht nur mir schon das zu gefallen, denn der Beifall fiel anständig aus. Mittlerweile war es auch wieder etwas voller im Saal geworden. Das bemerkte auch die Band und so meinte der Sänger: „It’s getting feeling hot.“ Richard war an seinem Keyboard ’ne coole Sau und verzog kaum eine Miene. BRD kam immer mal zu ihm, um dort abzurocken mit seiner Gitarre. Der mehrstimmige Sound, der echt ins Tanzbein ging, kam gut an und ich hatte wahrlich Freude an diesem Gig. Doch leider musste ich zu „Salvation“ los – der kleine Saal rief – gern hätte ich ihn ganz miterlebt. Davon brauchen wir mehr!

Joachim Witt

Der nächste Künstler, der den großen Saal zum Beben bringen wollte, war – so Elvis – „der Herbergsvater“ Joachim Witt. Mark meinte noch schelmisch dazu: „Begrüßt den Ältesten mit uns.“ Und so kamen zuerst die Musiker von Witt beim Intro nach vorn und dann der Altmeister unter Jubelrufen selbst. Die Musik legte so laut los, dass wieder der Boden vibrierte. Zuerst lud uns der Sänger „Über das Meer“ ein – er sang mit Inbrunst und die zweite Stimme des Keyboarders passte vom Klang her super dazu. Was mir gut gefiel, war die Tatsache, dass der Sänger auch seinen Musikern den Raum ließ, wenn sie etwa ein Gitarrensolo spielten, und sich dabei etwas zurückzog. Im Konzertraum war es voll – viele wollten bei diesem Gig mitfeiern. „Schönen guten Abend“ war dann die Begrüßung durch Joachim und als die ersten Töne von „Jetzt und ehedem“ erklangen, jubelten die Fans lautstark. Der Frontmann war gut drauf und lief beim Singen hin und her. Der Keyboarder und die Gitarristen bangten um die Wette und hatten auch ihre Freude. Die wilde Gestik beim Singen ist die Besonderheit des Sängers – er lebte seine Texte auf der Bühne. So auch bei „Es regnet in mir“, wo der Text im Publikum mitgesungen wurde. Wie hatte Mark am Anfang gesagt – „der Älteste“, aber keinesfalls müde. Das konnte sich durchaus sehen lassen und die Zuschauer honorierten es mit viel Applaus.

Das Ich

Nach einem Altmeister folgten die nächsten – die „Urgesteine“ von Das Ich standen auf dem Plan und Mark meinte, es sei ihr „666. Konzert“. Das Trio kam schnell nach vorn gestürmt und dann begrüßte Keyboarder Bruno die zahlreich erschienene Menge mit einem enthusiastischen „Guten Abend Chemnitz“. Die beiden Keyboards waren an einem riesigen Gestell installiert, was sich bewegte – so konnten die Herren an den Tasten nach vorn und hinten laufen und dabei immer noch spielen. Auch das Mikrofon von Frontmann Stefan war an einem großen Gestell befestigt – das wirkte schon martialisch. Der Sänger selbst war von Kopf bis Fuß rot angemalt und so ging es mit „Kannibale“  direkt in die Vollen. Der zweistimmige Gesang klang gut, doch leider hatte Stefan einige Probleme mit seinem Mikrofon und war immer wieder mal nicht zu hören – echt schade! Dennoch gab er alles, lief herum oder stand auf den Boxen im Graben. Nach dem ersten Stück, stellte Bruno den neuen Live-Keyboarder Kevin vor und dann kam der Klassiker „Kain und Abel“ zur seinen Ehren. Stefan zog beim Singen wilde Grimassen und Bruno hielt es nicht hinter seinem Instrument. Immer wieder kam er nach vorn, um am Bühnenrand die Stimmung anzuheizen – wessen es kaum bedurft hätte. Die Stimmung war super und der Saal so voll, dass ich immer mehr an den Eingang gedrängt wurde. Dann wurde es dreistimmig und die Fans tobten regelrecht mit. So auch, als „Die Propheten“ erklangen. Der Text wurde überall mitgebrüllt und die Musiker ließen sich feiern. Gelernt ist eben gelernt – hier lief alles super und im Saal wurde es immer heißer. Hit folgte auf Hit – so muss das sein!

Combichrist

Nachdem wir uns etwas gestärkt hatten, begaben wir uns in den nun wieder etwas leereren großen Saal. Elvis meinte: „Jetzt wird es laut – jetzt wird es hart!“ Gemeint war, dass nun die Herren von Combichrist an der Reihe waren, die Bühne „abzureißen“. Nach einem wilden Intro sprangen schon die Musiker aus den USA herum. Drummer Joey saß wie immer seitlich, so dass wir ihm beim Spielen gut zusehen konnten. Die Gitarristen griffen wild in die Saiten und gaben uns „Slakt“ zum Besten. Leider war anfangs der Sound etwas dumpf, doch zum Glück wurde es nach und nach etwas besser. Frontmann Andy tobte wild los und lief schnell auf der Bühne herum. Die Gitarristen Eric, Brent und Nick rockten, was das Zeug hielt und Joey war gewohnt irre und drosch nur so auf seine Felle ein. Die Fans jubelten und grölten den Text laut mit. Nach diesem ersten Stück begrüßte uns der Sänger mit einem irren Grinsen und einem lautstarken „Dark Storm – merry fucking Christmas“. Und dann ging es wild weiter mit „Skullcrusher“, der mehrstimmig dargeboten wurde. Andy war gut drauf und kam immer wieder an der vorderen Bühnenrand. Musikalisch war das ganz schon recht metal-artig – einst war er ein „Electrohead“ und nun gab uns die Formation den wilden Heavy Metal zum Besten. Der nächste Track war dann „Can’t control“, wo sich in den ersten Reihen ein Moshpit bildete – hier hatte also jeder seinen Spaß. Die Arme waren oben und es wurde gut gefeiert. Die Gitarristen wirbelten beim Spielen nur so herum und der Frontmann heizte noch zusätzlich mit den Worten „Are you gonna party with us“ ein. Bei „Throat full of glass“ stand der Sänger in einem Scheinwerfer-Kegel, der ihn von hinten anstrahlte. So in Szene gesetzt hopste er wild herum. Im Anschluss verkündete Andy: „We are gonna back in time“ – „Blut royale“ war an der Reihe und die Fans brüllten die Textzeilen nur so mit. Passend dazu war das Licht rot. Bevor „Fuck that shit“ angestimmt wurde, musste das Publikum erst „Fuck you Combichrist“ rufen – so motiviert wurden die Herren dann noch ausgelassener, auch wenn das kaum ging. Joey randalierte und warf einige seiner Drums um – so kennen wir das von ihm. Die Party hätte nicht besser sein können. Bei einem Blitzlichtgewitter stand keiner der Musiker auch nur eine Sekunde still und dann kam der Smashhit „Get your body beat“ dran. Die Zuschauer tobten los – das war wahrlich ein Höhepunkt des Abends. Danke dafür! So kann ein Weihnachtsfest also auch begangen werden…

Diary of Dreams

Diary of Dreams war die nächste Größe, auf die die Zuschauer nur warteten – der Saal war mächtig voll. Als wir den Saal betraten, war die Musik schon in vollem Gange – doch wo war Gaun:A? Die Band war gut gelaunt und an der Gitarre jemand anderes als bisher zu Gange – das machte aber nichts, der Sound war hier ganz gut und die Fans feierten schon gut zu „Sinferno“ ab. Frontmann Adrian lief hin und her und seine Stimme erfüllte den Raum. Rotes Licht tauchte das Ganze in eine besondere Stimmung. Anschließend begrüßte uns der Sänger mit den Worten: „Einen wunderschönen guten Abend – wir dürfen wieder bei euch sein.“ Mit einem Lächeln im Gesicht, griff er zur Gitarre und stimmte nun „The wedding“ an, was die Zuschauer jubeln ließ. Viel Nebel hüllte hierbei die Band ein und das Publikum bewies, dass es sehr textsicher war. Weiter ging es beim Hits-Reigen mit „Butterfly:Dance!“. Dabei wurde die Szenerie blau angeleuchtet. Leider waren die Musiker hier zuweilen kaum zu erkennen, weil zuviel Nebel auf die Stage gepustet wurde. Der zweistimmige Gesang hingegen kam gut an und die Fans klatschten im Takt mit. Auch war überall Tanzende zu sehen. Wer nicht tanzte, rockte mit – also alles richtig gemacht die Herren! Ich war zu diesem Zeitpunkt schon recht abgekämpft und hörte mir den restlichen Gig aus dem Vorsaal an.

VNV Nation

Den Abschluss bildete dann VNV Nation mit einer Fulltime-Show. Doch zuvor kam noch einmal das Moderatoren-Duo nach vorn. „Danke, dass ihr her gekommen seid“ ließen sie verlauten. Mit einem Dank an die Techniker, die Crew und die Stadthalle verabschiedeten sich Elvis und Mark von uns und dann überließen sie VNV das Feld, die in diesem Jahr schon zum 6. Mal mit dabei waren. Schon beim Intro wurde im Takt mitgeklatscht und dann kamen Drummer Mark und die Herren an den Keyboards nach vorn. Als dann auch noch Sänger Ronan auf der Bildfläche erschien, tobten die Zuschauer los. „Space + time“ wurde angestimmt und die Party konnte ihren Lauf nehmen. Ronan lief, wie wir es von ihm kennen, beim Singen hin und her und winkte dabei ins Publikum. Vor der Stage wurde getanzt und die Arme waren oben. Das beeindruckte den Frontmann sichtlich und nach dem ersten Jubel bedankte er sich mit den Worten: „Was für ein Weihnachtsgeschenk…“ Zu „Sentinel“ drehte er dann noch mehr auf, griff sich ein Handy aus dem Bühnengraben und filmte davon von der Bühne aus – es stellte sich im Nachgang als das Gerät von Moderator Mark Benecke heraus, der das Filmchen im Netz veröffentlichte. Dann flog eine Mütze aus dem Publikum auf die Stage. Diese griff sich Ronan und setzte sie seinem Kollegen Mark auf – echt schick. Das Licht war super und passte zu den Klängen. Der Sound hätte hier kaum besser sein können – nicht zu laut – fein! Als die ersten Töne von „Darkangel“ zu hören waren, fragte der Sänger: „Kennt ihr das?“ Viele Zuschauer jubelten als Zustimmung und Ronan sagte erleichtert: „Gott sei Dank!“ Kaum eine Sekunde, wo er nicht still stand und für Stimmung sorgte. Es war ein wahrlich würdiger Festivalabschluss. Doch bei „Carbon“ mussten wir dann geschafft und zufrieden die Segel streichen.

Kleiner Saal

Accessory

„Hallo im kleinen Saal“, so die begrüßenden Worte der Moderatoren, bevor es auch dort musikalisch ordentlich zur Sache gehen sollte. Elvis und Mark verrieten, dass Accessory bereits „zum vierten Mal am Start“ seien und dass der Drummer der Formation „Busenblitzer zu sehen“ wünsche. Na, das konnte ja spannend werden. Die beiden Ansager zogen sich zurück und zwei Mädels mit großen Accessory-Fahnen kamen hervor. Diese schwenkten sie zu seinem Intro, das von Keyboarder Mike und Drummer begleitet wurde. Dann verschwanden die Damen wieder und Frontmann Dirk kam nach vorn gesprungen. Mit seiner Sonnenbrille sah er ein wenig futuristisch aus – das passte ja zur elektronische Musik, die auch direkt losdröhnte. „Guten Abend Chemnitz“, so begrüßte er dann seine Heimatstadt und das Publikum und zu den eigenen Klängen tanzte nicht nur er drauf los. Mir fehlte da aber irgendwie etwas der Bums dahinter – ich war von der Band irgendwie mehr Bass und Druck gewohnt – der Sound war wohl noch nicht ganz astrein eingestellt. Nichtsdestotrotz wurde getanzt und mit ausgebreiteten Armen ließ sich der Sänger von den Fans feiern. „Geil, dass ihr hier seid“ waren die Worte nach dem ersten Streich. Nachdem Drummer Daniel namentlich vorgestellt wurde, ging es weiter mit „Voran“. Auch wenn auf der kleinen Bühne kaum Platz war für den riesigen Sänger – Dirk tobte nur so hin und her, tanzte immer wieder und holte sich sogar eine der Fahnen von hinten, um damit rumzuwedeln. Bei den Zuschauern waren die Arme immer wieder oben und gemeinsam wurde für Stimmung gesorgt. Mit Jubel wurde die Ankündigung aufgenommen, dass als nächstes ein neues Lied dargeboten wurde. Dazu wurde sogar zur Gitarre gegriffen – ungewöhnlich für eine sonst reine Electro-Formation, doch beim Publikum kam es gut an. Nach neuen Klängen ging es dann aber altbewährt zur Sache – „Do you wanna fuck me?“. Hier wurde der Text mitgegrölt und Dirk heizte immer weiter ein. Das machte echt Spaß – danke dafür!

Patenbrigade:Wolff

Dann wollte ich davon überzeugen, ob auch viele Zuschauer der Aufforderung von Mark Benecke nachgekommen waren und sich Winkelemente für den Gig der Patenbrigade:Wolff besorgt hatten. Als Einleitung gab es die „Ansage der Ansage“ vom „offiziellen Brigadearzt“ – „Diese Band ist tief in meinem Herzen verwurzelt“. Das hat der Mark aber lieb gesagt. Dann war es soweit und das Wunsch-Set der Fans nahm Fahrt auf mit „Feind hört mit!“. (Die Fans konnten im Vorfeld bei Facebook über die Songs des Abends abstimmen – Anm.d.Red.) Azubi Andre grölte hier den Text mit dem Megaphon laut heraus. Und wie erwartet, waren viele Brigade-Fahnen im Publikum zu sehen – das war ziemlich cool und die Herren freuten sich sichtlich darüber. Wie gewohnt hatten sie kleine Videokameras dabei – die Livebilder waren dann auch immer wieder im Hintergrund auf der Leinwand zu sehen (wenn auch seitenverkehrt). Es wurde im Takt mitgeklatscht und nahtlos ging das erste Stück über in die „Stalinallee“. Die Fans hatten mächtig Spaß und tanzten nur so mit. Viel Nebel waberte zwischen den Bauarbeitern der Brigade herum und der Text wurde lauthals mitgesungen. Die Warnwesten von Andre und Stefan blinkten im Takt mit, was cool wirkte. Das nächste Wunschlied war „Fehler 404“, was Stefan darbot, nicht jedoch, ohne vorher die Zuschauer mit einem „Hallo Chemnitz“ zu begrüßen. Das war eine echte Party und das Gewusel der Brigadiere auf der Stage war echt unterhaltsam. Im Anschluss entführte uns Andre „Im Eis“, wobei seine Stimme hätte lauter sein können – die Musik war schon recht laut. Überhaupt war Andre sehr wild drauf – bei „TU 144“ sprang er mal im Bühnengraben herum, klatschte mit den Zuschauern um die Wette oder aber kletterte auf den Boxen am Bühnenrand herum, von wo er eine Laola-Welle anstimmte. Zum „Schusswechsel“ zog er dann die Flex hervor und ließ Funken über die Bühne fliegen – Special Effects der spartanischen Art. Die „Volksarmee“ wurde von den Konzertbesuchern selbstverständlich mehr als lautstark mitgesungen und auch Lance kam mal hinter seinem Keyboard hervor und tanzte am Bühnenrand herum. Alle in der Band hielten hier kleine und große Fahnen hoch und machten sich ihren Spaß draus. Und passend zu „Der Brigadier trinkt Bier“ bekamen auch die Fans in den ersten Reihen ihren Bieranteil ab – über eine Röhre wurde das „flüssige Brot“ an die Leute verteilt – glücklich, wer einen Becher parat hatte. Ich musste so lachen, denn einige wurde da echt geduscht. Als dann noch der „Demokratische Sektor“ erklang, machte ich mich wieder auf den Weg in den anderen Saal. Die Herren haben für mich auf jeden Fall an diesem Abend für die unterhaltsamste Show gesorgt – danke!

Rotersand

Der nächste elektronische Tanzbefehl kam dann von Rotersand. Mark meinte scherzhaft, dass nun der „kleine Electroboy“ kommen würde – dabei ist Frontmann Rascal doch so ein Riese. Schnell übernahm die Band das Ruder und donnerte mit „Merging oceans“ drauf los. Im Hintergrund war ein Video mit einem Mustermix zu sehen und die Fans der Formation aus Gelsenkirchen tanzten von den ersten Tönen an, was das Zeug hielt. Der Sänger hatte gute Laune und stand keine Sekunde still – mal hier, mal dort heizte er den Zuschauern ein. Oder aber er drehte sich zur Musik auf der Stelle, wenn er nicht gerade zu den eigenen Tönen das Tanzbein schwang. Krischan drehte hinten an den Knöpfchen herum und nahm kaum seinen Kopfhörer von den Ohren. Dann ging es mit „Waiting to be born“ noch energiegeladener zur Sache – irgendwie passte das Tunnelvideo hier zum Text. Die Hände waren oben und Rascal zog seine Jacke aus, um noch ausgelassener tanzen zu können. Die Stimmung hätte nicht besser sein können und im kleinen Saal war es mehr als voll. Wer konnte, sprang im Takt auf und ab – der Rest tanzte und feierte. Mit einem Hinweis auf das neue Album ging es mit „About us“ weiter. Ein Schädel auf der Videoleinwand rundete hier das Gesamtbild ab. Wenn der Frontmann nicht gerade sang, sprang er nur so auf und ab – eine Energie hatte der Mann – Wahnsinn! Zu den Klängen von „Electronic World Transmission“ musste ich mich dann von diesem Spaß aber verabschieden – der Bühnenplan war dann doch enger gesteckt, als anfangs erwartet.

Suicide Commando

Den Headliner im kleinen Saal gaben schließlich Suicide Commando, auf die schon viele Anwesende sehnlichst gewartet hatten – das war an den vielen Bandshirts zu sehen. Wie Elvis es treffend formulierte, waren Johan und seine Kollegen „schon so lange dabei“ und an diesem Abend wollten sie für die Fans alles geben. Mit „Bind, torture, kill“ war der Belgier unter anderem bekannt geworden, wobei es diesen Mörder, der dieses Tötungsmuster hatte, wirklich einmal gab, wie Mark bei der Anmoderation verriet. Dann erklang das Intro und mit Maske, Hut und Mantel bekleidet, sprang Johan endlich selbst auf der Stage herum. Dazu hörten wir „Severed head“. Die Zuschauer tobten los und tanzten ausgelassen. Der Sänger kreischte seinen Text nur so raus und ließ sich mit ausgebreiteten Armen von der Menge feiern. Dann legte er Maske und Mantel an und gab das bereits von Mark erwähnte Stück „Bind, torture, kill“ zum Besten. Dabei poste er immer wieder für die anwesenden Fotografen und grinste wie ein Irrer. Auf der Leinwand im Hintergrund waren dazu Bilder von bekannten Serienmördern und ihren Opfern zu sehen. Nicht nur das – ja, ich gebe es zu, ich kann so etwas nicht so gut anschauen – sondern auch die sehr laute Musik brachte mich dazu, dann diesen Auftritt zu verlassen. Der Bass wummerte dort, wo ich stand, so arg, dass ich ihn am Kehlkopf vibrieren merkte, was mehr als unangenehm war. Den Fans machte das wohl aber nichts aus, also ließ ich sie weiter feiern und machte mich vom Acker.

Fazit

Insgesamt muss ich sagen, was das 20. Dark Storm Festival wieder einmal ein voller Erfolg. Für fast jeden musikalischen Geschmack wurde etwas geboten und von alten Klassikern bis neuen Live-Bands war alles dabei. Wir hatten viel Spaß, auch wenn der Sound ab und an zu wünschen übrig ließ. Wir sagen gern Danke und freuen uns auf weitere 20 Jahre mit diesem tollen Festival zum Weihnachtsfest!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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