De/Vision: 13-Tour 26.11.2016 Kleinvieh Dresden

Das aktuelle Album von De/Vision trägt den schlichten Namen „13“ und so hieß die dazugehörige Tournee einfach „13-Tour“. Für die Konzertreise hatten sich Thomas und Steffen musikalische Gäste eingeladen – Adam is a Girl und Neocoma. Am 26.11.2016 machten die Musiker im Kleinvieh in Dresden Station. Auch wir waren für euch mit von der Partie und es sollte ein toller Abend werden…

Neocoma

Die neue Location, die direkt neben dem Alten Schlachthof in Dresden gelegen ist, war bereits zu Beginn gut gefüllt und dann startete die erste Formation. Neocoma aus Göttingen machte den Anfang und Keyboarder Ralf legte zuerst allein mit einem ruhigen Instrumental los. Dann kam auch Sänger Thomas dazu und gemeinsam stimmten sie das erste Stück an. Der zweistimmige Gesang bei „Like an angel“ kam gut an. Vor allem Thomas‘ Stimme erinnerte mich persönlich etwas an den jungen Dave Gahan – ziemlich cool. Ralf war zwar die meiste Zeit im Dunkeln, aber das machte ihm gar nichts – er wippte gut zur eigenen Musik mit und auch der Frontmann schwang das Tanzbein. „Guten Abend Dresden – wir freuen uns riesig, endlich mal bei euch zu sein. Wir sind die Band Neocoma und sprechen Hochdeutsch und – ich mag euch.“ Dieser letzte Spruch stieß auf einige ungläubige Blicke, aber dann ging es auch schon musikalisch weiter mit „Shut up“. Wieder tanzten die beiden ausgelassen und im Publikum gab es ebenfalls erste Bewegungen im Takt. Ralf haute in die Taste und drehte auch an diversen Knöpfchen herum, um verschiedenste elektronische Sounds hervorzurufen. Dem folgte „unser Gassenhauer“ – gemeint war „Mirror in your eyes“. Die Anfeuerungsversuche zum Mitklatschen fruchteten noch nicht so ganz, aber das Duo gab wirklich alles – zweistimmiger Gesang und gute Beats. Dabei wurden sie in grünes Licht gehüllt. Zu „Let you fall“ stellte sich Thomas dann für einen Moment mit geschlossenen Armen und ausgebreiteten Armen hin und genoss den Augenblick – tolles Bild. Am Ende des Stückes sang er noch weiter, auch wenn die Melodie schon vorbei war. Blaues Licht und die ruhige Musik kamen zwar ganz gut an, aber insgesamt waren die Songs eher zu ruhig, um eine ausgelassene Stimmung im Saal zu erzeugen. Nach einem etwas flotteren Track, wo die beiden Herren auf der Bühne herumtanzten, verschwand der Frontmann kurz von der Bildfläche – wo wollte er denn hin? Dann war er aber auch schon wieder zurück und mit „It’s all I need“ ging dieser Gig zu Ende. „Dresden – vielen Dank“ waren die verabschiedenden Worte der Göttinger und so schnell, wie es begann, war es auch schon wieder vorbei. Die beiden winkten noch kurz und dann wurde schon umgebaut.

Adam is a Girl

Nun folgte Adam is a Girl aus Berlin. Frontfrau Anja hatte einen schwarzen Strich über ihre Augen gemalt – ihr Kollege Alex bezog hinter ihr an der Technik Stellung – aber ohne Gesichtsbemalung. Überall auf der Bühne waren Birkenstämme verteilt, an denen Lichter leuchteten – das sah irgendwie anders aus – aber durchaus angenehm. Anja hatte vor sich ein Keyboard stehen und natürlich war das Mikrofon ihr Revier. Mit „World at your Feet / Heartbeat“ ging es dann ruhiger los, wobei die Sängerin von unten rot angestrahlt wurde. Ihre Stimme begeisterte von Beginn an und die Zuschauer wippten im Takt mit. Allmählich wurde es immer heller auf der Stage, so dass auch Alex hinter all seinen Instrumenten und Pulten gut zu erkennen war. „Wunderschönen guten Abend – wir sind Adam is a Girl – viel Spaß!“ Anja kam hinter dem Keyboard hervor und tänzelte fast elfengleich zu den eigenen Klängen herum. Alex drosch auf sein E-Drum ein und gelbes Licht hüllte die beiden ein. So präsentierten sie uns ihr Stück „Downstream“, bei dem die Frontfrau auch mal zur Triola griff, um eine Melodie einzuspielen. Den folgenden Song hatten sie „in Holland geschrieben – in einer Gewitternacht“ – die Rede war hier von „Sky“, wo viel Nebel über die Stage waberte. Die Sängerin hatte mächtig gute Laune – ihr Lächeln, das sie auch beim Singen nicht ablegte, steckte an und so kam immer mehr gute Stimmung auf und der Beifall viel von Mal zu Mal stärker aus. Die zweite Stimme kam bei diesem Song zwar vom Band, aber das machte gar nichts. Hiernach ging Anja wieder zurück an das Keyboard, denn sie hatten „ein Cover mitgebracht – zumindest die Frauen kennen das“. „Be my baby“ von den Ronettes erkannte ich allerdings erst anhand des Textes, denn musikalisch war es ganz anders gestaltet – viel ruhiger und eben Adam is a Girl-Style – sehr spannend und hörenswert! Weil das Ganze so sanft daherkam, waren im Publikum diverse schmusende Pärchen zu sehen – alles richtig gemacht also. Doch dann war nichts mehr mit Schmusen – Anja verkündete: „Wir befassen uns sehr viel mit Ängsten.“ Und so stimmte sie „Shadows“ an, wo sie die Haare fliegen ließ und ziemlich abgefahrene Sounds das Lied ergänzten – für meine Ohren aber leider etwas zu abgefahren – aber zum Glück ist so etwas ja Geschmackssache. Für alle neu gewonnenen und alten Fans hatte das Duo an diesem Abend eine „special Edition“ ihrer aktuellen EP mit dabei und Anja lud alle ein, im Anschluss an ihren Auftritt an den Merchandise-Stand zu kommen, um sich ein Exemplar zu sichern. Von dieser EP bekamen wir denn die „aktuelle Single“ auf die Ohren. Bei „Soldier“ spielte die Sängerin wiederum Triola. Dabei ging sie vollkommen in ihrer Musik auf und tanzte ausgelassen. Am Ende des Stückes salutierte sie dem besungenen Soldaten – ein tolles Bild. Mit einem letzten Track, der „über Fernweh“ erzählte, verabschiedete sich die Band dann von uns. Alex stand einmal von seinem Höckerchen im Hintergrund auf und beide zeigten noch einmal, dass sie echt Spaß hatten an ihrer Musik. Anja hopste herum und Alex grinste übers ganze Gesicht – es machte Freude, ihnen zuzusehen. Uns gefiel das echt gut und auch der Rest der Zuschauer schien begeistert, denn der Beifall wollte kaum enden. Mit einer letzten Verbeugung und einem „viel Spaß mit De/Vision“ verließ das Duo die Stage und überließ nun dem Headliner das Feld.

De/Vision

Nach der Umbaupause war es denn richtig voll im Saal und alle warteten sie ungeduldig auf das Konzert von De/Vision. Zuerst kam der Drummer und Keyboarder Thomas hervor – Jubel brandete auf. Die Musik startete und es wurde direkt mitgeklatscht. Blaues Licht und gelbe Lichtstrahlen, die umherwanderten, setzten das Ganze in Szene. Das Intro war recht lang und es wurde im Publikum mitgewippt. Dann endlich kam auch Frontmann Steffen hervor. Er und Thomas hatten das gleiche Shirt an – sie gehören eben zusammen. Dann tanzte der Sänger los und gab uns den ersten Song zum Besten. Hinter ihnen waren vier Würfel aufgebaut, die leuchteten und rote Lichtstrahlen irrten zwischen den Musikern umher. Die Arme der Fans waren oben und die Stimmung schnipste wahrlich auf 100% – so wird das gemacht! Steffen begrüßte uns dann mit folgenden Worten: „Hallo Dresden – schön hier zu sein. Seid ihr gut drauf? Dann zeigt’s mir!“ Zu „Brothers in arms“ ging es dann ab – es wurde getanzt und der Frontmann begeisterte mit seinem Gesang. Kleinere technische Probleme bekam der Bühnentechniker schnell in Griff – wir hörten davon auch gar nichts und so war es kein großes Ding. Immer wieder war Steffen am vordersten Bühnenrand zu Gange und tanzte über die Stage, während Thomas hinter seinem Keyboard ebenfalls tanzte und mächtig abging. Dann folgte das erste Stück von der Platte, die der Tournee den Namen gab – „Who Am I“ kam echt gut an und auch die Fans tanzten sich die Seele aus dem Leib. Allen war anzusehen, dass die Stimmung gut war und jeder Spaß hatte. Während fix die Mikrofone an den Drums getauscht wurden und Steffen scherzhaft meinte: „Ich hab schon gedacht, ihr wollt mich umtauschen“, überbrückte er die Wartezeit mit einer A capella-Nummer, die von den Zuschauern frenetisch beklatscht wurde. Und dann folgte „Under the ancient tree“ – ein Lied, wozu der Sänger meinte: „Der is och schön.“ Es wurde im Takt mitgeklatscht und die Arme blieben direkt oben, denn „Essence“ hatte einen mitreißenden Rhythmus. Der zweistimmige Gesang war hier ein besonderes Highlight und auch die Lichtshow war ein Augenschmaus. Was wollten wir mehr? Nach all den neueren Stücken ging es endlich einmal zurück in der Bandgeschichte. Eine etwas aufgepepptere Version von „I regret“ ließ die Fans lautstark mitsingen und selbstverständlich wurde wieder im Takt mitgeklatscht. Die Lichtstrahlen wanderten durch den Saal.

De/Vision

Das nächste Lied wurde von Thomas am Keyboard begonnen. Die Zuschauer erkannten natürlich sofort die Melodie und jubelten um die Wette. „Time to be alive“ sorgte für viele Tanzende und auch wir konnten nicht mehr stillstehen. Die Musiker waren recht zufrieden und Steffen bedankte sich nach jedem Stück für den tollen Applaus. Mit Tracks wie „I’m your son“ oder auch „Read your mind“ heizten sie mächtig ein. Die Lichtshow war wahrlich großartig und immer wieder stand Steffen mit geschlossenen Augen am Bühnenrand und sang mit viel Gefühl. Die älteren Lieder hatte alle eine Frischzellenkur hinter sich – wie etwa „Strange affection“, wobei es die Anfeuerungssprüche des Frontmanns gar nicht erst bedurft hätte – die Menge ging auch so ab. Gelbes Licht setzte das Ganze in Szene und überall wurde getanzt – auf und vor der Stage. Weiter ging es dann mit „Where’s the light?“, wo wieder einmal Thomas als zweite Stimme für Jubel bei den Fans sorgte. Während des Drumparts bei diesem Stück flackerte Strobo auf und die Arme des Publikums waren zum Mitklatschen erhoben. So ging es immer weiter – mal war die Band dabei angeleuchtet und mal wurden die Zuschauer angestrahlt – so konnte jeder auch jeden einmal sehen. Bei rotem Licht sang und Steffen die alte Version von „Moments we shared“ mit geschlossenen Augen – was waren die Konzertbesucher hier glücklich – das war tatsächlich eines der Highlights des Abends. Weiße Lichtkegel wanderten hierbei zwischen den Herrschaften auf der Bühne hin und her. Was für ein Spaß! Und es wurde sogar noch wilder, denn mit „Rage“ kam ein flotter Beat auf und alle tanzten hier ausgelassen. Der Text wurde lauthals mitgegrölt und Nebel hüllte die Szene ein.

An dieser Stelle zogen wir uns aber zurück und überließen es den Fans, diesen Abend mit ihren Helden musikalisch zu beenden. Wir waren müde und machten uns auf den Heimweg. Zusammenfassend kann ich sagen – es war ein gelungener Abend im Kleinvieh. Die Stimmung war super – bei den Vorbands hat mich besonders Adam is a Girl begeistert und De/Vision – ja, was soll ich sagen – damit kann ein Musikfan nie etwas falsch machen. Absolut perfekt! Vielen Dank an die Veranstalter und die Musiker – wir kommen gern beim nächsten Mal wieder vorbei.

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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