Drangsal: No Sleep ´Til Harieschaim-Tour 2017 03.03.2017 Atomino Chemnitz

Max Gruber ist ein junger Künstler, der schon seit Längerem von sich reden macht – die meisten kennen ihn eher unter dem Namen Drangsal. Am 03.03.2017 war er mit seinen Mitmusikern zu Gast im Atomino in Chemnitz. Hier sollte die „No Sleep ´Til Harieschaim“-Tour 2017 starten. Und weil wir die Musik von Max sehr mögen, waren wir für euch natürlich mit von der Partie.

Der kleine Kellerclub in der Innenstadt von Chemnitz füllte sich nach und nach – die Mischung des Publikums war sehr bunt – junge Girlies, alternative Studenten, ältere, adrett gekleidete Herrschaften und mehr – das konnte spannend werden. Auch die Musikmischung vor dem Konzert war total abgefahren – irgendwie mochte ich das.

Nuage & Das Bassorchester

Dann war es aber soweit – die Vorband Nuage & das Bassorchester sollte aufspielen. Das Trio aus Bergkamen betrat einfach so die kleine Bühne – im vielen Nebel waren sie aber anfangs kaum zu erkennen. Phillip an den Drums legte los – das war aber irgendwie zu laut. Auch der restliche Sound war aus meiner Sicht eher dumpf und nicht so super anzuhören. Die Gitarristen Julian und David schauten sich die ganze Zeit über nur gegenseitig an und rockten so gemeinsam ab – einen Blick fürs Publikum hatten sie nicht übrig – schade. Nach dem ersten Stück begrüßte Julian die Anwesenden mit den Worten: „Wir sind Nuage & das Bassorchester aus dem Ruhrgebiet – einen schönen Abend noch.“ Den machten sich die Zuschauer dann auch, denn es wurde leicht mitgewippt zum Sound der Herren. Für mich hatte das Ganze einen Touch von 60er/70er-Jamrock – alles noch recht ungeschliffen und experimentell. Der dreistimmige Gesang war oftmals zu leise – vor allem Phillips Stimme war an meinem Standort im Raum so gut wie gar nicht zu verstehen. Lichttechnisch wurden die Musiker eher in rot und blau getaucht – meist war es aber eher neblig und düster.

Nuage & Das Bassorchester

Die einzelnen Stücke waren sehr lang – dann waren kurze Pause drin, dass das Auditorium schon zum Applaudieren ansetzte, und dann ging das Lied doch noch weiter. Weil absolut keine Interaktion mit den Menschen vor der Bühne stattfand, empfand ich den Gig eher als Jamsession mit Publikum. Die Rhythmus-Spuren haben ab und an für etwas Bewegung gesorgt – es wurde mitgewippt und ein wenig getanzt und das Gitarrenspiel von Julian war immer wieder sehr experimentell. Er fiel auch mal auf die Knie beim Spielen und gab echt alles. Dabei brüllte er den Text des Tracks schier raus. Zwischendrin berichtete der Sänger, dass sie sieben Stunden angereist wären, „aber es hat sich gelohnt – es ist sehr schön hier.“ Die einzelnen Songnamen habe ich leider nicht herausbekommen können. Am Ende meinte die Band begeistert: „Es war uns eine Riesenfreude.“ Sie bedankten sich noch bei Drangsal und dem Atomino und zum Abschluss spielten sie uns ein Lied, das „noch keinen Namen“ hat. Die Tempi-Wechsel innerhalb des Stücks waren ganz cool und durch die Tänzer im Raum wurde es immer wärmer. Zum Ende hin wurden die Geräusche aus der Gitarre immer abgefahrener, bis schließlich der letzte Ton verklang. Die Zuschauer spendeten Beifall und das Trio verabschiedete sich schnell.

Drangsal

Dann wurde umgebaut auf der kleinen Bühne – warteten doch alle auf die Hauptband des Abends. Und endlich war es soweit – Max und seine Kollegen kamen hervor – Drangsal was in the house. Der Sänger sah in seinem Anzug sehr schick aus – seine Kollegen waren eher leger gekleidet. Den musikalischen Anfang machte dann „Der Ingrimm“, wobei Max grinsend und tänzelnd am Mikrofon stand. Die Fans tanzten von der ersten Sekunde an mit und selbstverständlich wurde auch mitgesungen. Das spornte die Musiker an und alles legten sich mächtig ins Zeug. Es wurde vor und auf der Stage herum gesprungen und der zweistimmige Gesang klang super – der Sound war nun um Welten besser als noch zuvor. „Wie geht’s euch?“ war die begrüßende Frage an die Zuschauer. Für die Ankündigung „Das ist unsere erste Solo-Show in Chemnitz“ erntete die Combo einen fetten Applaus – viele hatten wohl genau darauf gewartet. Max verriet, dass er ein wenig krank sei, aber sich die beste Mühe geben würde, den Abend super zu meistern. Sein Gitarrist hatte „beim ersten Song seine Gitarre kaputt“ gemacht – eine Saite war gerissen und musste im Schnellverfahren repariert werden. Das ging dann auch recht flott. Währenddessen stellte der Frontmann ihren Keyboarder Theo vor, denn sie spielten an diesem Abend das „erste Konzert zu fünft“. „Das einzige Manko an Theo – „er kommt aus Bayern“ – das war ein echter Lacher. Endlich konnte es dann weiter gehen mit „Hinterkaifeck“. Das Licht war hierbei rot und von hinten setzen helle Scheinwerferkegel das Ganze in Szene. Vor der Bühne war es eng und es wurde viel getanzt – Max meinte dazu: „Nichts, was Freude macht, kann peinlich sein.“ Und so stimmte er „Will ich nur dich“ an, was mit Jubelrufen begrüßt wurde. Alles bewegte sich und der Text wurde von den Zuschauern regelrecht mitgegrölt.

Drangsal

Dann wurde es aber wohl doch etwas zu wild in den ersten Reihen, denn der Sänger schlichtete mal so eben einen kleinen Streit zwischen zwei Fans. Dafür gab es Beifall und das Ende der Diskussion war der Aufruf „Respekt voreinander“ – gut aufgepasst! So beruhigt konnte wieder Musik genossen werden, denn es wurde „Zur blauen Stunde“ gerufen. Natürlich war das Licht hier in den entsprechenden Nuancen gefärbt – das wirkte echt Klasse! Und auch hier sangen die Zuschauer jede Zeile mit.

Die beiden Streithähne in den ersten Reihen war wohl immer noch auf Krawall aus, denn Max stoppte nach dem Lied wieder und diskutierte kurz mit den Hitzköpfen. Schnell war das aber wieder geklärt und dann kam der „Moritzzwinger“ an die Reihe. Da der Beat hier etwas flotter war, ging es gut ab – überall bewegten dich die Konzertbesucher zur Musik, wobei Bassist Sam in dem Moment eher der Ruhige und Stillstehende war. Anschließend legte der Sänger sein Jackett ab, was vor allem die Mädels zum Kreischen brachte. Es folgte „Do the dominance“ mit schön anzuhörendem mehrstimmigen Gesang. Den Musikern war hier ganz genau anzusehen, dass sie wahren Spaß an diesem Gig hatten und die Spielfreude sprang auf das Auditorium über, was ausgelassen feierte.

Drangsal

Hier war dann aber wieder eine kurze Pause von Nöten und sogar ein Security-Mann kam auf die Bühne – das bösartige Herumschubsen vor der Stage hörte wohl einfach nicht auf. Max war davon etwas angesäuert und meinte dann flapsig: „Wir spielen euch jetzt ’nen neuen Song vor, ihr Penner.“ Gesagt, getan – „Sirenen“ war dann versöhnlich und kam gut bei den Fans an – zweistimmiger Gesang ist immer ein schickes Stilelement, wie ich finde. Im Anschluss verriet der Frontmann, dass sie live wohl nicht die besten Stücke des kommenden Albums spielen würden, weil dann der Erwartungsdruck nicht so hoch sei. Aber bald ist es wohl soweit – die Band geht ins Studio, um CD Nummer zwei aufzunehmen. Mit „Mehr Hey’s“ starteten die Herren dann weiter durch und gaben uns „Love me or leave me alone“ zum Besten. Wieder hüllte sie Nebel ein und Max sang mit geschlossenen Augen voller Hingabe – ein schöner Augenblick! In der Pause vor dem nächsten Track verriet er: „Ich bin eine Kröte, die gestreichelt werden will – aber arrogant bin ich nicht“ – was für ein Geständnis. Gefühlvoll blieb es dann mit dem frischen Song „Und du? (10000 Volt)“, was am Ende schon von den Fans mitgeträllert wurde – so schnell werden Texte von den Anhängern der Formation auswendig gelernt. Und weil wir gerade so schön beim Singen waren, kam der „Wolpertinger“, wo ebenfalls mitgebrüllt wurde. Rote und weiße Lichtkegel wanderten über die Bühne und durch den Saal, während wirklich jeder im Takt mittanzte. Als hier die letzte Note gespielt war, verabschiedete sich die Band mit einem simplen „Tschüß!“

Drangsal

Die Zuschauer akzeptierten diesen abrupten Schluss aber nicht und forderten eine Fortsetzung ein – sie wurden auch recht schnell erhört und im Unterhemd setzte sich Max an die Drums – nun übernahm Sam das Mikrofon, auch wenn der Frontmann meinte: „Ich bin noch nicht betrunken genug, um mich zu trauen, für euch Schlagzeug zu spielen.“ Er stellte seine Musiker-Kollegen alle namentlich vor und gemeinsam spielten sie für uns den Misfits-Hit „Some kinda hate“. Dabei taute der Bassist auf einmal mächtig auf und wurde zur Rampensau. Auch er begeisterte hier stimmlich, während er auf der kleinen Bühne hin und her lief – cooles Ding. Nachdem Sam seinen Szenenapplaus genossen hatte, wechselte Max wieder nach vorn und griff sich das Mikrofon. Er stimmte ein kurzes Ständchen für Nadja an – ein weiblicher Fan, der ihnen immer hinterher reiste. Für uns alle gab es dann auch wieder ein Lied auf die Ohren – „Schutter“ war „eine Premiere“, die für viel Begeisterung beim Publikum sorgte. Es wurde getanzt und der Beifall fiel regelrecht frenetisch aus. Das versetzte Max in mächtig gute Laune und so tanzte auch er, während er für uns „Allan align“ sang. Dazu sagte er noch: „Mein 1. Mal klang ungefähr so…“ Was er damit wohl genau meinte?! Die Antwort blieb er uns auch schuldig, denn wieder verabschiedete sich die Formation mit Verbeugungen und Winken.

Drangsal

Die Zugabe-Rufe wollten aber nicht verstummen und so mussten die Herren doch noch einmal nach vorn kommen. Max gab offen zu: „Wir haben keine Songs mehr auf Lager.“ So spielten sie „das Einzige, was wir noch in unserem Repertoire haben“ – wir waren alle gespannt, was das wohl sein konnte. Der Sänger kam ganz vor an den Bühnenrand und stimmte das Metallica-Cover „For whom the bell tolls“ an. Auf und vor der Stage wurde gebangt. Der Sänger kam kurz in die erste Reihe und tanzte mit den Fans, dann war er schnell wieder zurück bei seinen Kollegen und sank am Schluss auf die Knie. Dann war aber wirklich das Ende erreicht – „Jetzt aber – Tschüß!“ Der sichtlich zufriedene Frontmann zerriss wie ein Hulk sein Unterhemd und war es in die Menge – doch dann winkte er seinem Publikum noch einmal und ein tolles Konzert war vorbei.

Zur Aftershow-Party blieben wir nicht mehr, sondern machten uns zufrieden auf den Heimweg. Das war doch mal gut! Drangsal haben auch mit den neuen Stücken bewiesen, dass sie abwechslungsreiche und gute Musik machen – ich freue mich schon auf die neue CD – hoffentlich dauert es nicht allzu lang, bis das Releasedatum feststeht. Und wenn es dann wieder Live-Dates gibt – geht unbedingt hin – da könnt ihr nichts falsch machen. Die Drangsal garantiert einen tollen Abend – versprochen!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

Hier geht es zu den Galerien des Abends

Schreibe einen Kommentar