Euzen: Spring Tour 2017 21.05.2017 UT Connewitz Leipzig

Wenn Bands sich rar machen, freuen sich die Fans natürlich besonders auf ein kleines Lebenszeichen. Das gab es im Fall der dänischen Band Euzen am 21.05.2017 im Leipziger UT Connewitz in Form eines Konzerts und wir konnten uns das natürlich auch nicht entgehen lassen. Also hieß es für uns auf nach Leipzig, um den Dänen und ihren beiden Supportacts framheim und Fiona unsere Aufwartung zu machen.

Der Abend begann schon mit dem Soundcheck, denn irgendwie waren wir viel zu zeitig am UT angekommen. Aber das machte überhaupt nichts, denn die Band lud uns zum Zuhören ein und machte uns damit noch mehr Lust auf den Konzertabend. Die Zeit bis zum eigentlichen Beginn, der sich aus technischen Gründen um fast eine Stunde verzögerte, überbrückten wir mit einem leckeren Pulled Pork-Burger im Willsons direkt am Connewitzer Kreuz – sehr zu empfehlen! Gegen 20 Uhr war die Warteschlange an Leipzigs ältestem Kino schon ziemlich lang, mit dem Einlass kamen aber alle Gäste ruhig und schnell in den Saal. Auf der Bühne stand ein Flügel, der beim ersten Konzert des Abends eine wichtige Rolle spielen sollte.

Fiona

Mit Fiona, die den meisten als Sängerin und Musikerin von FAUN durchaus ein Begriff ist, begann der Abend. Die Künstlerin hat im Frühjahr 2017 ihr Debütalbum „Of Rivers And Tides“ veröffentlicht und stellte dies nun den Besuchern live vor. Das Album besteht ausschließlich aus Klavierstücken, zwei davon sind Titel aus dem FAUN-Repertoire. Fiona war sehr aufgeregt, denn der Auftritt in Leipzig war erst ihr dritter Sologig. Aber die Nervosität wusste die Pianistin durch witzige Ansagen und mit einem Lächeln gut zu verstecken. Schon die Bemerkung, dass viele FAUN-Fans denken würden, sie könne nicht reden, sorgte für einen Lacher. Allein am Klavier präsentierte Fiona ihre irisch-keltisch inspirierte Musik, meist mit geschlossenen Augen, und verzauberte so das Publikum, das nach jedem Stück kräftig Beifall klatschte. Die mitgebrachten CDs am Merch-Stand wurden schon während des Konzerts deutlich weniger, weil immer wieder jemand an den kleinen Tisch ging, um sich sein Exemplar zu sichern. Die Musikerin zeigte mit diesem – leider zu kurzen – Auftritt, dass sie nicht nur mit Dudelsack, Drehleier und Nyckelharpa umzugehen weiß, sondern auch am Flügel eine sehr gute Figur machte. Bitte mehr davon!

framheim

Nach einem kurzen Umbau betraten framheim die Bühne des UT. Für uns war es schon das zweite Mal innerhalb weniger Monate, dass wir die Leipziger Band als Support sahen (zuletzt bei Mila Mar im Januar 2017). Dorain, Leo und Ray legten auch direkt los, um einiges lauter als Fiona, und präsentierten ihren Electronic Wave mit viel Druck in der Musik und in Dorains Stimme. Optische Unterstützung kam von einer großen Projektion im Hintergrund der Bühne, das UT ist für solche Dinge wie geschaffen, so dass Dorains Gesicht auch aus dem Hintergrund aufs Publikum herabschaute. Im Gegensatz zum fast melancholischen Gig im Januar, zeigte die Band hier, dass sie durchaus kraftvolle und tanzbare Tracks spielen können. Vor der Bühne gab es diverse Tänzer und mitsingende Fans, die den Lokalmatadoren den Rücken stärkten und die umstehenden Besucher mit ihrem Enthusiasmus ansteckten. Selbstverständlich wurde auch die neue EP „Port“ vorgestellt, die pünktlich zum diesjährigen WGT erschien. Alles in allem ein solider Auftritt, der leider ein wenig unter Lichtmangel und aus meiner Sicht zu wenig Interaktion mit dem Publikum litt. Aber der Applaus für die einzelnen Tracks sprach Bände und framheim verließen nach einer reichlichen halben Stunde glücklich und lächelnd die Bühne.

Euzen

Wieder wurde schnell umgebaut und die wartenden Fans vor der Bühne des altehrwürdigen UT konnten es kaum noch erwarten. So war es nicht verwunderlich, dass der Beifall aufbrandete, als die Herren der Band auf die Bühne kamen und zu den ersten Klängen von „The Stage“ auch Sängerin Maria erschien. Die legte auch direkt los und sorgte für so manche Gänsehaut im Publikum. Es gab insgesamt drei Titel zu hören, die vom Auditorium mit viel Applaus honoriert wurden. Die Band freute sich sichtlich, wieder in Leipzig zu sein, wie die erste Ansage an die Gäste bewies. Gleichzeitig „entschuldigte“ sich Christopher dafür, dass das Konzert nicht an einem Samstag stattfand, was irgendwie zum Running Gag wurde. Doch die Verschnaufpause dauerte nur kurz, denn Euzen und ihre Fans waren ja vor allem wegen der Musik gekommen. Die erste Konzerthälfte bestand vorwiegend aus Stücken der Alben „Sequel“ und „Eudaimonia“. Dabei gab es auch den Track „Myriads“, der es bisher noch auf kein Studioalbum geschafft hat, aber vor einigen Jahren im UT Premiere hatte. Die Band erhielt auch ein Geschenk, was Maria allen Anwesenden zeigte. Die Formation Other Day, die bei einem der letzten Konzerte im UT als Vorband zu Gast war, hatte ein großes Foto auf Leinwand drucken lassen und den dänischen Musikern als Erinnerungsstück verehrt. Tolle Sache, zumal die beiden Schenkenden auch im Publikum standen und dem Konzert gebannt folgten.

Euzen

Die zweite Hälfte des Gigs führte die tanzenden Gäste dann zu den neueren Titeln vom aktuellen Album „Metamorph“. Die Musiker aus Dänemark hatten jedoch auch ganz neues Material im Gepäck. Mit „Hourglass“ und „Catch Me“ bewiesen Euzen einmal mehr ihre Wandlungsfähigkeit und musikalische Vielfalt. Wie Christopher uns verriet, wird noch in diesem Jahr ein neues Album erscheinen, was mit dem Ruf „We all heard that!“ aus dem Publikum quittiert und auch heftig beklatscht wurde. Er kann es also nicht mehr zurücknehmen und wird dies auch hoffentlich nicht in Erwägung ziehen. Den Abschluss bildeten die Hits „Judged By“ und in der Zugabe noch „The Great Escape“, bei dem das komplette Publikum mitzuspringen schien. Danach war aber wirklich Schluss, denn durch die Verzögerung zu Beginn blieb leider keine Zeit für weitere Zugaben – schade! Sichtlich gerührt und selig grinsend verbeugten sich Harald, Thomas, Kristian, Maria und Christopher vor den pausenlos applaudierenden Besuchern und winkten zum Abschied. Die Band bat jedoch noch alle Anwesenden an den Merch-Stand für ein kurzes Gespräch, ein Foto oder das eine oder andere Autogramm, was auch wir nutzten, bevor es Richtung Heimat ging.

Fazit des Abends: es hat sich definitiv gelohnt an einem Sonntagabend nach Leipzig zu fahren. Zwar war die Veranstaltung nicht ausverkauft, was sicherlich auch am Wochentag lag. Aber wer sich auf insgesamt drei Bands eingelassen hatte und auch den verspäteten Beginn nicht krumm nahm, hatte einen Riesenspaß mit Euzen und ihren musikalischen Gästen. Leider wird es in diesem Jahr – außer dem erwähnten neuen Album – keine weitere Livebegegnung mit den Dänen geben, aber das Konzert im UT wird eine Weile vorhalten, mit schönen Erinnerungen an eine durchtanzte Nacht und viel Vorfreude aufs nächste Mal. Wir werden auf jeden Fall dabei sein und bedanken uns an dieser Stelle bei den Bands, dem Team des UT Connewitz und bei allen Gästen, die diesen Abend einmal mehr zu einem unvergesslichen Moment gemacht haben.

Autor: Pitchfairy

Photos: Michi

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