Festival Mediaval 2015: 11.-13.09.2015 Goldberg Selb – Tag 1

Alljährlich ruft der Goldberg uns nach Selb zum Festival Mediaval und natürlich war es auch am zweiten Septemberwochenende 2015 soweit. Das Eröffnungskonzert am Donnerstag mussten wir jedoch leider ausfallen lassen, da uns Arbeit und „normales Leben“ eine Teilnahme nicht erlaubten. So fuhren wir am Freitag, dem 11.09.2015, bei strahlendem Sonnenschein nach Franken und freuten uns auf das Festival. Die Sonne begleitete uns an den Rand des Fichtelgebirges und so stand einem tollen Wochenende auf dem Goldberg nichts mehr im Weg.

Impressionen FM 2015
Impressionen FM 2015

In diesem Jahr war das Motto des Festivals der keltischen Musik gewidmet, so dass im Line-Up einige Bands auftauchten, die mir persönlich nicht einmal namentlich bekannt waren. Wir waren also gespannt und begannen den ersten Festivaltag, zusammen mit den Besuchern, dem Orga-Team und vielen Mitwirkenden pünktlich um 16 Uhr an der Schlossbühne, wo die offizielle Eröffnung stattfand. Organisator Bläcky Schwarz begrüßte alle Anwesenden und bedankte sich, wie immer eigentlich, zunächst bei den vielen Helfern und seinem Team. Außerdem erklärte er alle Neuerungen des Festivals, wie zum Beispiel die Wikingerboote in der Goldbergbucht und das Kinozelt, und verkündete in einer kurzen, aber sehr emotionalen Ansage, dass er sich entschlossen habe, die neuen „Nachbarn“ des Festivals für den zweiten Tag aufs Gelände einzuladen. Neben dem Goldberg sind nämlich seit Kurzem Flüchtlinge untergebracht und er wollte den Menschen gern eine Freude machen. Diese Ansprache und die Geste brachten ihm sehr viel Beifall und Zustimmung ein – auch wir fanden die Idee super. Anschließend begrüßte der Selber Bürgermeister die Gäste auf dem Festival und eröffnete damit das Wochenende.

Pyrates!
Pyrates!

Musikalisch begann der Tag mit den Pyrates! aus den Niederlanden. Die hatten bereits 2014 auf dem Piratenfloß einige Vorstellungen gegeben und freuten sich sichtlich, auf der großen Bühne zu stehen. Mit ihren Folkweisen in echter Seefahrermanier brachten sie auch sofort alle Anwesenden zum Tanzen. Die markante Stimme von Sänger Captain Gallows passt aber auch super zu der Musik und so kam direkt Piratenstimmung auf.

Impressionen FM 2015
Impressionen FM 2015

Mit diesen Klängen im Ohr pilgerten wir das erste Mal übers Gelände, um uns zu orientieren und den Außenbereich – also die Goldbergbucht – in Augenschein zu nehmen. Der war, im Gegensatz zum letzten Jahr, deutlich größer und sehr liebevoll gestaltet. Sogar echte Palmen waren auf die fränkische Wiese gepflanzt worden und die Piraten von Flint’s Buccaneers hatten dort ihr Lager aufgeschlagen. Es gab eine Kokosnussbar, wo die Besuchern köstliche Cocktails aus echten Kokosnüssen genießen konnten. Das Floß lud zum Verweilen ein und die Raubvögel der Falknerei Blum fehlten auch nicht. Auch für die kleinen Seeleute war gesorgt – das Märchenzelt von Luginsland hatte einen Piratenparcours aufgebaut, wo sich die Jungpiraten messen konnten. Auf dem Hainteich durften die Gäste in echten Drachenbooten rudern und sich so das Treiben vom Wasser aus anschauen. Da dieser Bereich auch ohne Festivalbändchen zugänglich war, waren dort auch viele Besuchern aus dem Ort, genossen das beinah karibische Feeling, ließen sich vom Gaukler Jolandolo bespaßen oder bestaunten die Show der Buccaneers inklusive der Kanone „Betty Boom“, die in regelmäßigen Abständen lautstark abgefeuert wurde.

Ashley Davis
Ashley Davis

Wir schauten uns auf dem Rückweg noch kurz den Auftritt der Amerikanerin Ashley Davis an, die auf der Bühne von Harfenist Cormac de Barra unterstützt wurde. Die Künstlerin wird in ihrer Heimat als „zweite Loreena McKennitt“ gehandelt, ich persönlich kann dies aber nur teilweise bestätigen. Natürlich spielt auch Ashley Davis keltische Melodien, aber stimmlich unterscheidet sie sich doch sehr von Loreena. Nichtsdestotrotz war die Wiese vor der Burgbühne relativ gut gefüllt, viele Besucher saßen auf ihren Decken und genossen das unaufgeregte und ruhige Set der Frau aus den Staaten. Mir persönlich war es fast zu entspannt und so statteten wir dem Tross einen Besuch ab, um die dort lagernden Freunde zu besuchen. Das Konzert von Ashley war dabei eine schöne Begleitung, denn vom Tross aus konnten wir die Musik hören und bekamen auch den Beifall der Zuhörer mit, der recht ordentlich ausfiel.

Danach schlenderten wir über die Märkte, begutachteten die Auslagen der Händler und suchten uns ein leckeres Abendessen, denn die Sonne stand schon recht tief und unsere letzte Mahlzeit war an diesem Tag das Frühstück gewesen.

Klanggespinst
Klanggespinst

Frisch gestärkt begaben wir uns wieder in die Goldbergbucht, denn auf dem Floß stand das Releasekonzert von Klanggespinst an. Die beiden Duos PurPur und Saitenweise haben sich nämlich unter diesem Namen als Quartett zusammen geschlossen und Anfang September ihr Album „Zankapfel“ veröffentlicht. So gaben sie uns einen Querschnitt durchs Album zum Besten, zum großen Teil vierstimmig, was das Projekt ja eigentlich ausmacht. Die Zuschauer saßen auf den Bänken am Ufer und lauschten verzückt den Stimmen von Tini und Judith Rauscher, Michael Höfer und Sarah Krause, die auch zu jedem Stück eine kleine Geschichte zu erzählen hatten. Das wir für dieses Konzert den Auftritt von Poeta Magica verpassten, war zwar ein wenig schade, aber wir haben es nicht bereut, dem Klanggespinst zuzuhören. Mehr zu dem Projekt könnt ihr in unserem Interview erfahren, dass wir zwei Tage später mit den vier Musikern führen durften.

Skerryvore
Skerryvore

Die nächste Band für uns war Skerryvore aus Großbritannien. Die jungen Männer machten eher den Eindruck einer Popband und wollten so gar nicht auf ein mittelalterliches Festival passen, aber was sie musikalisch ablieferten, überzeugte uns. Eine tanzbare Mischung aus Singer-Songwritermusik im Stil von Ed Sheeran, traditionellen Instrumenten wie dem schottischen Dudelsack und einem Hauch Pop klang da von der Bühne und versetzte die Menge recht schnell in Bewegung. Ich glaube, der Begriff „Runrig 2.0“ passt am besten als Beschreibung, diese Art Musik kann allerdings auch problemlos im „normalen“ Radio laufen, denn im Gegensatz zu manch anderem Act des Festivals war das durchaus massentauglich und das ist nicht als Kritik aufzufassen. Uns hat es gefallen und so tanzten wir noch ein wenig mit den Besuchern des Konzerts vor der Burgbühne in die Nacht.

Moya Brennan
Moya Brennan

Den Abschluss des Tages bildete für uns „die Stimme von Clannad“, gemeint ist natürlich Moya Brennan, die ebenfalls zusammen mit Cormac de Barra die Bühne betrat. Der Platz vor der Schlossbühne war rappelvoll, alle wollten die Sängerin sehen und hören und so löste Moya bereits mit ihrem Erscheinen viel Beifall aus. Aber sie wäre nicht Moya Brennan, wenn sie nicht auch stimmlich und musikalisch überzeugt hätte. Wir schwelgten in ihrer Musik, die sie mit viel Emotion und auch viel Humor während der Ansagen vortrug und ließen uns nach Irland entführen. Ihr Harfenspiel, im Einklang mit ihrem Mitstreiter sogar zweistimmig, tat sein Übriges und so konnten wir überall im Publikum lächelnde Gesichter sehen und Menschen, die sich im Takt der Musik bewegten. Ich persönlich war schwer beeindruckt und war fast ein wenig traurig, als wir den Goldberg für diesen Tag verlassen mussten. Aber unsere Betten riefen lautstark nach uns und der nächste Tag hielt viele Eindrücke für uns bereit.

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Autor: Pitchfairy

Photos: Michi & Chrounos

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