Festival Mediaval 2015: 11.-13.09.2015 Goldberg Selb – Tag 2

Impressionen FM 2015
Impressionen FM 2015

Der Samstag begann für uns mit einem Interview. Wir hatten uns mit Tommy Krappweis, Erfinder von „Bernd, das Brot“ und Regisseur des Films „Mara und der Feuerbringer“, und seiner „Mara“-Darstellerin Lilian Prent verabredet, um über den Film zu plaudern, der mehrmals am Tag auf dem Festival in einem eigens dafür aufgestellten Kinozelt gezeigt wurde. Was Tommy uns zu erzählen hatte, welche Szene Lilian am tollsten fand und noch viel mehr, könnt ihr demnächst auf unserem Video-Channel bei Dailymotion begutachten. Es war jedenfalls ein sehr lustiges und aufschlussreiches Gespräch, soviel sei verraten.

Fiolka
Fiolka

Vom Kinozelt war es auch nur ein Katzensprung zur Theaterbühne, wo gerade noch die letzte Band des diesjährigen Newcomerwettbewerbs ihren Auftritt bestritt. Fiolka wollte ich sowieso sehen, da dies das Projekt ist, bei dem Alex und Robert – beide ehemals Ignis Fatuu – eine neue musikalische Heimat gefunden haben. Außerdem ist Lauren (Nachtgeschrei) Sängerin bei Fiolka und ein Debütalbum der Band namens „ElecTree“ gibt es auch schon. Nach einigen anfänglichen Soundproblemen kamen die Musiker ganz gut in die Gänge und gaben in den 20 Minuten Spielzeit ihr Bestes. Leider hat es am Ende nicht zum Goldenen Zwerg gereicht, der ging an ihre Mitbewerber von Kilkenny Knights, die nun im nächsten Jahr den dritten Festivaltag eröffnen dürfen.

Cuélebre
Cuélebre

Ein Schwenk über das Gelände führte uns noch an der Schlossbühne vorbei, wo wir ein wenig von der spanischen Band Cuelèbre mitbekamen. Die eher ruhigen und sehr traditionellen Klänge eigneten sich gut für die Mittagszeit und so sahen wir viele Besucher vor der Bühne sitzen und die Musik genießen.

Celtic Voyager
Celtic Voyager

Direkt im Anschluss stand schon das nächste Releasekonzert an. Auf der Burgbühne bereiteten sich Celtic Voyager aus Bochum auf ihren Auftritt vor. Mich beschlich ein wenig der Eindruck, dass die Formation aus dem Pott sehr unter dem Einfluss von Blackmore’s Night agiert. Dies bestätigte sich, als die Musik begann. Ein buntes Potpourri von Melodien, die es schon in unzähligen Varianten zu hören gab, unter anderem auch von oben genannter Band aus England. Einzig der zweistimmige Frauengesang bildete einen Unterschied zu Ritchie und Candice. Auch wenn die Celtic Voyager ihre Sache durchaus gut gemacht haben und das Publikum reichlich Beifall spendete, war es mir persönlich zu austauschbar und „nachgemacht“. Sorry!

Impressionen FM 2015
Impressionen FM 2015

Wir nutzten den kurzen Weg in die Bucht und versorgten uns mit Kokosnusscocktails, während auf dem Floß die Formation Heiter bis Folkig einen ihrer Gigs bestritt. Das kleine Konzert war wohl eine Art Generalprobe für das Jubiläumskonzert später am Tag. In solchen Proben darf immer mal etwas schief gehen und so hatten Heiter bis Folkig wenig Glück mit dem Sound. Sie boten einen Querschnitt durch ihr Repertoire und wir schlenderten zu ihrer Musik noch ein wenig durch die Bucht und nahmen die Raubvögel der Falknerei näher in Augenschein, um uns die Zeit bis zum nächsten Gig zu verkürzen. Der fand praktischerweise auf der Burgbühne statt, so dass der Weg dorthin wiederum sehr kurz ausfiel.

Cesair
Cesair

Dort hatten sich nämlich schon Cesair aus Holland bereit gestellt und warteten nun auf den Beginn. Wir hatten die Band schon zum diesjährigen WGT gesehen und für gut befunden, also wollten wir ihr Selb-Debüt nicht verpassen. Die Band bewegt sich eindeutig im Genre Paganfolk und lässt sich durch alte Mythen aus dem Zweistromland inspirieren. Ihre Musik riss das Publikum auch sofort aus dem nachmittäglichen Kaffeepausentief und so tanzten bereits nach den ersten Takten fast alle Besucher mit. Vor der Bühne waren auch die Mitglieder von Omnia zu sehen, die jedoch nach ein paar Liedern zu ihren Freunden auf die Bühne wechselten und einfach mitspielten. Paganfolk-Power in geballter Ladung also! Und das machte den Tänzern vor der Bühne gleich noch viel mehr Spaß. Sängerin Monique und ihre Band waren jedenfalls sichtlich angetan von soviel Stimmung und strahlten mit der Sonne um die Wette. Cesair haben auch in Selb überzeugt und wir freuen uns, dass die Band nun auch öfter in Deutschland auftreten wird, was ja bis vor einem Jahr noch nicht der Fall war. Die Auftritte beim WGT und zum Mediaval haben ihnen zu Recht eine Menge neuer Fans beschert.

Ignis Fatuu
Ignis Fatuu

Wir pilgerten weiter zur Schlossbühne, wo Ignis Fatuu schon in den Startlöchern standen. Ich gebe zu, ich war im Vorfeld skeptisch, da ich die Formation aus Nürnberg das letzte Mal vor einigen Jahren, ebenfalls in Selb, gesehen hatte. Damals spielte Ignis Fauu noch in der Ursprungsbesetzung, ich wollte also wissen, ob das neue Bandgefüge „was kann“. Vor der Bühne hatten sich schon jede Menge Fans versammelt, die Mittelalterrock-Fraktion war zahlreich vertreten und wartete ungeduldig auf die ersten Töne und begrüßte die Band mit viel Applaus und Lärm. Es wurde von Beginn an mitgesungen, gesprungen und überall im Publikum sahen wir erhobene Fäuste und „Pommesgabeln“. Mich persönlich konnten Ignis Fatuu aber nicht mitreißen. Zu sehr hatte ich die älteren Stücke und die charismatische Stimme des ersten Sängers der Band im Kopf. Frontmann P.G., der für mich schon optisch so gar nicht ins Bild passen wollte, hat sicherlich einen guten Job gemacht, aber gerade bei Liedern wie „Nordwind“ konnte er mich nicht überzeugen. Im Gegensatz zu mir fanden es jedoch die Fans vor der Bühne toll und feierten, was das Zeug hielt. Als die Band dann auch noch verkündete, dass sie gerade an einem neuen Album arbeiten und einen der neuen Tracks zum Besten gaben, war der Jubel groß.

Impressionen FM 2015
Impressionen FM 2015

Wir überließen die Feiernden sich selbst und schlenderten noch ein wenig über das riesige Gelände. So konnten wir einen Blick auf den Workshop „Historische Tänze“ werfen und unsere Kollegin Scratchcat beim Interview mit Ganaim beobachten. Auch dieses Gespräch könnt ihr demnächst auf unserem Videokanal begutachten. Schließlich verlangten auch unsere Mägen ihr Recht und so bezogen wir nach einem sehr leckeren arabischen Abendessen frisch gestärkt wieder Stellung an der Schlossbühne, um das drittletzte Konzert des Tages in Angriff zu nehmen.

Omnia
Omnia

Das war der Moment, auf den sich jedes Jahr viele Besucher des Festivals besonders freuen, denn der frühe Samstagabend „gehört“ traditionell der Band Omnia. Entsprechend voll war auch der Platz vor der Bühne und eine gut gelaunte Band blickte auf jede Menge jubelnde Fans. Auch hier wurde vom ersten Ton an mitgesungen und getanzt, da sind die Fans der Holländer immer sehr textsicher. Ebenfalls Tradition hat der Gastauftritt von Kelvin Kalvus, seines Zeichens Kontaktjongleur und langjähriger Freund der Formation. Die Setliste bot allerdings kaum Überraschungen für mich, es ging quer durch alle Omnia-Alben – Paganfolk-Power in Perfektion eben. Die holländische Band zelebrierte wie jedes Mal ihr Lebensgefühl und machte das auch gewohnt gut. So ist das mit Traditionen. Die Leute freuen sich drauf, aber getreu dem Motto „Never touch a running system“ ist es am Ende irgendwie wieder dasselbe wie in den vergangenen Jahren. Nichtsdestotrotz gehören Steve, Jenny, Rob, Daphyd und Satira zu gern gesehenen Gästen in Selb, die die drei Tage auch immer gleich für einen kleinen Urlaub nutzen und sich unters Volk mischen. Auch das gehört zum Festival Mediaval und eigentlich wäre es schade, wenn diese Momente fehlen würden.

Kila
Kila

Die nächste Band, die auf uns wartete, gibt es schon seit über 25 Jahren, auch wenn in Deutschland bisher kaum jemand von Kila aus Irland gehört hat. Die Geschwister Rónán, Rossa und Colm Ó Snodaigh spielen zusammen mit fünf weiteren Musikern ihre ganz eigene Version der keltischen Musik und des Irish Folk und nennen das Ganze „Contemporary Irish Music“. Es gibt traditionelle irische Instrumente wie Bodhran, Tin Whistle, Bouzuki, Uileann Pipe und Fiedel, daneben aber auch E-Gitarre, Drums und Akkordeon. Zusammen ergibt das eine erfrischende und ungewöhnliche Mischung, die ich als Crossover Folk bezeichnen möchte. Das Konzept der Band ging auch auf, denn innerhalb kürzester Zeit begannen sich die Besucher des Konzerts im Takt zu bewegen und ließen sich von Kila mitnehmen. Ich war sehr beeindruckt von der Art des Musizierens, so wurde zum Beispiel ein E-Drum kurzerhand zur Bodhran und Rònàn versank förmlich in seinem Spiel. Ein bisschen erinnerte der Auftritt an eine Jamsession, jedoch überließen die Musiker nichts dem Zufall und so kamen die Liedern „gewollt spontan“ beim Publikum an. Irre cool und total verrückt, aber echt genial – Kila waren in diesem Jahr definitiv eines meiner Highlights!

Carlos Núñez
Carlos Núñez

Auch der letzte Künstler des Abends kann auf eine lange Karriere und diverse Musik-Preise zurückblicken. Carlos Nunez aus Spanien veröffentlichte sein erstes Album bereits 1996 und gilt als einer der bedeutendsten Dudelsackspieler der Welt. Dieser Mann war nun also auch in Selb zu Gast und betrat in einem schlichten Anzug die Bühne, die er sich mit seiner Band teilte. Von Anfang an verbreitete der Galizier viel gute Laune und positive Energie. Seine Musik zog den gesamten Goldberg, inklusive des Orga-Teams und der anderen Bands, in seinen Bann. Carlos‘ kanadischer Geiger brillierte nicht nur an seinem Instrument, sondern auch mit irischem Steptanz, wofür er jeweils die Schuhe wechselte. Es ging von traditionellen keltischen Tanzstückchen über Dudelsacktunes bis hin zu einer mitreißenden Version von „Cotton Eye Joe“. Carlos selbst erklärte zwischendurch auf englisch jedes Stück und lobte das Festival als „sehr weltoffen und inspirierend“. Wir waren hellauf begeistert von diesem Auftritt, der seinen Höhepunkt in einem Rundtanz fand, zu dem der Spanier die Musiker, die ihm vom Fotograben aus zuschauten, auf die Bühne bat. Dort tanzten dann Steve und Jenny von Omnia, Tini von PurPur, Fieke von Cesair, Bläcky und einige aus dem Team zusammen mit dem Geiger der Band und vielen anderen einen Andro. Auch das Publikum ließ sich davon anstecken, übernahm die Schritte und der Goldberg tanzte unter dem Sternenhimmel. Wie großartig!

Übervoll mit Eindrücken verließen wir das Gelände, um uns für den nächsten Tag auszuruhen. Die Jamsession der Mediaval-Musiker schenkten wir uns, das war uns dann doch ein bisschen zu spät. Schließlich warteten am Sonntag noch einige Aufgaben auf uns, die wir nicht unausgeschlafen erledigen wollten.

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Autor: Pitchfairy

Photos: Michi, Scratchcat & Chrounos

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2 Gedanken zu „Festival Mediaval 2015: 11.-13.09.2015 Goldberg Selb – Tag 2

  • 31. Dezember 2015 um 0:15
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    Also Euren Kommentar über Celtic Voyager finde ich nicht so prickelnd! Habe die Band auch schon live gesehen, und muss sagen, dass sämtliche Bands irgend etwas covern! Und die CV machen das mit einem richtig guten, warmen Sound. Austauschbar gegen was ???! So eine Band sollte mehr auf Festivals spielen! Sorry, meine Meinung.

    • 31. Dezember 2015 um 7:46
      Permalink

      Das ist doch vollkommen in Ordnung. Geschmäcker sind ja zum Glück auch verschieden. Und ja Cover gibt es überall – für unsere Reporterin war es dann an diesem Tag eben zuviel des Guten. Aber danke fürs Lesen und danke auch für deine Meinung. Hab einen schönen Tag!

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