Festival Mediaval 2016: 09.-11.09.2016 Goldberg Selb – Tag 1

Alle Jahre wieder ruft der Goldberg in Selb zur schönsten Altweibersommerzeit die Fans und Freunde der mittelalterlichen Musik zum Festival Mediaval – eine Einladung, der auch wir jedes Jahr gern folgen. 2016 stand das Festival, das im kommenden Jahr sein 10. Jubiläum feiert, unter dem Motto der Klänge aus dem Balkan – entsprechend viele Bands, die sich diesem Genre verschrieben haben, standen also auf dem Plan. Los ging das Spektakel allerdings bereits am Donnerstag mit einem Konzert von Almara in der Christuskirche Selb. Das haben wir persönlich leider nicht miterlebt, da unser Team noch arbeitstechnisch gebunden war und wir erst am Freitag anreisten. Einige Pressekollegen haben uns jedoch würdig vertreten und konnten gar nicht genug davon schwärmen. Wir machten uns also am Freitag, dem 09.09.2016, bei strahlendem Sonnenschein auf nach Bayrisch Sibirien und freuten uns auf ein sonniges Wochenende.

Impressionen
Impressionen

Pünktlich um 16 Uhr erschallten auf der Schlossbühne die Fanfaren, Basseltan, ihres Zeichens Gaukler und Festivalmoderatoren, eröffneten das Festival und Orga-Papa Blaecky Schwarz begrüßte das schon zahlreich erschienene Publikum. Das Team des Festivals stellte sich vor, der Bürgermeister sprach ebenfalls ein paar begrüßende Worte und dann ging es auch schon mit dem ersten Konzert los.

L.E.A.F.
L.E.A.F.

L.E.A.F. aus den Niederlanden übernahmen den Eröffnungsposten, Kati Ran war mit einer Reihe Musikern angetreten, um ihr aktuelles Album „Lys“ vorzustellen. Die Band L.E.A.F. ist im Normalfall Katis alleiniges Projekt, sie holt sich dafür immer wieder Gastmusiker, um ihre Konzerte zu zelebrieren. In diesem Fall wurde die Sängerin von Jaqueline Helisir (Harfe), Martine Kraft (Geige), Chantel Bleumink (Hackbrett), Kjell Braaten (Leier, Percussions) und HC Dalgaard (Drums) unterstützt. Und so schwebten nordisch-angehauchte, paganfolkige Klänge durch den nachmittäglichen Sonnenschein auf dem Goldberg. Kati brillierte an den verschiedensten Instrumenten und sang viele ihrer Titel zusammen mit Jaqueline, was das ganze Konzert zu einem tollen Einstieg ins Wochenende werden ließ. Das Publikum lauschte gebannt, sang mit und mehrere Besucher tanzten zur Musik. Wir ließen uns eine Weile von L.E.A.F. in den hohen Norden mitnehmen und spendeten selbstverständlich auch gebührend Applaus, so wie es die Zuhörer vor der Bühne und auf der Wiese auch taten. Mit diesen ersten Eindrücken im Kopf schlenderten wir dann zunächst einmal über das Festivalgelände, das schon recht gut bevölkert war und trafen auch die ersten Freunde, Bekannte, besuchten die Händler und den Tross.

Varius Coloribus Experience
Varius Coloribus Experience

Danach ging es auch schon gleich auf der Burgbühne zur Sache, die für die Berliner Band Varius Coloribus Experience reserviert war. Die Formation betrat unspektakulär die Bühne und begann mit ihrem Programm, was sich hauptsächlich an überlieferten Traditionals orientiert. Jedoch sind den Musikern bei Varius die eigenen Ideen noch nicht ausgegangen, was das Ganze durchaus erfrischend macht. Mit Gitarre, Dudelsack und Davul boten Don Kailypso, Sackwahn und Reynaldo „music of the old world“ und das wurde vom Publikum mit Applaus honoriert. Den Platz an den Drums übernahm Thomas Boose, der ab sofort auch offizielles Bandmitglied ist. Er nimmt den Platz von Abul ein, der leider am Tag vor dem Festival verstarb. Entsprechend gedrückt schien auch die Stimmung in der Band, was ihnen jedoch keiner der Anwesenden verübelte. An dieser Stelle möchten wir unser Beileid ausdrücken und uns bei Varius Coloribus Experience für den Auftritt bedanken.

PurPur
PurPur

Auf dem Rückweg hinauf zur Schlossbühne hielten wir kurz an der Theaterbühne an, um den letzten Titel des PurPur-Auftritts anzuhören. Schade eigentlich, dass die beiden Mädels immer genau dann spielten, wenn irgendwo anders ein weiteres Konzert lief. Für das nächste Jahr nehmen wir uns fest vor, ein ganzes Set der beiden Musikerinnen anzuschauen, versprochen!

Estampie
Estampie

Doch nun lockten Estampie, die ihr aktuelles Album „Amor Lontano“ im Gepäck hatten. Wenn jemand auf mittelalterlicher Musik beim Festival Mediaval besteht, dann war ihm mit diesem Auftritt aber sowas von geholfen. Für mich persönlich sind Estampie der Inbegriff dieses Genres. Die Band spielt seit knapp 30 Jahren sogenannte „Alte Musik“ auf authentischen Instrumenten oder entsprechenden Nachbauten – ohne Schnörkel, ohne elektronische Spielereien. Die Stimmgewalt von Sängerin Sigrid „Syrah“ Hausen, die von Sarah M. Newman (Mariko) hervorragend ergänzt wird, tut ihr Übrigens dazu und so bekamen die Besucher des Festivals einen Querschnitt durch das Schaffens Estampies zu hören und ließen sich auf eine Reise ins Mittelalter mitnehmen. Das führte zu donnerndem Applaus, vielen tanzenden Menschen auf der Wiese und verzückten Gesichtern im Publikum, was die Band sichtlich freute. Für mich war dieser Auftritt eines der Highlights, auch wenn ich auf den Qntal-Gig am nächsten Tag noch ein wenig gespannter war. Wir lauschten Estampie noch ein Weilchen von Weitem und gönnten uns erst einmal etwas zum Abendessen, bevor es wieder zur Burgbühne ging.

Oubéret
Oubéret

Dort wartete die erste Überraschung des Festivals, denn auf dem Programm standen Oubèret aus Frankreich. Die fünf Musiker betraten gespannt die Bühne, begrüßten das Publikum mit einem Mischmasch aus französischen, englischen und sogar deutschen Sätzen und legten direkt los. Oubèret bezeichnen ihren Stil selbst als „Steampunk Celtique“ und das würde ich genau so unterschreiben. Sänger und Flötist Jocelyn, der als König auftrat, moderierte den Auftritt halb englisch-halb französisch, was wirklich außergewöhnlich war. Das Repertoire der Band reicht von keltischen Melodien über irische Trink- und Tanzlieder bis hin zu verträumt-bretonischen Balladen. Oubèret schafften es innerhalb kürzester zeit, das Publikum für sich einzunehmen und als Jocelyn wie ein Tanzmeister eine bestimmte Schrittfolge dirigierte, verwandelte sich der nächtliche Goldberg in einen Tanzsaal. Das französische Quintett aus einem König, einem Leprechaun, einem Pirat, einem Luftschiffkapitän und einem Zeitreisenden hatte jedenfalls viel Spaß auf der Bühne und hat sich mit diesem Gig eine Menge neuer Fans erspielt. Chapeau, die Herren, das war magnifique!

Violons Barbares
Violons Barbares

Nach dieser Tanzeinlage machten wir uns zum letzten Mal an diesem Abend auf den Weg nach oben zur Schlossbühne, um den Violons Barbares unsere Aufwartung zu machen. Das Trio besteht aus  dem Mongolen Dandarvaanchig Enkhjargal – sein Spitzname ist Epi – an der Pferdekopfgeige, dem Bulgaren Dimitar Gougov an der Dabulka und dem Franzosen Fabien Guyot an den Percussions. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit lässt sich nur ganz schwer in Worte fassen, denn das Zusammenspiel der drei unterschiedlichen Instrumente und auch Stile hat keine eigene Genrebezeichnung. Nur soviel, es war überraschend, anders und durchaus mitreißend. An dieser Stelle lassen wir mal unsere Scratchcat zu Wort kommen, die sich den Auftritt von Anfang bis Ende angeschaut hat. „Dass ein Bulgare die deutschen Ansagen mit französischem Akzent vortrug, war ja schon irgendwie niedlich, aber dass er dann so ziemlich jedes Stück mit den Worten: „Das nächste Lied ist ein – Liebeslied“ ankündigte, sorgte für viele Lacher. Besonders die ungarischen Weisen waren so flott, dass vor der Bühne kaum ein Tanzbein stillstand. Jeder der drei Musiker hatte während des Auftrittes seinen Solo-Moment – Fabien drosch auf all seine Percussions und Drums ein, dass es nur so rhythmisch krachte, Dimitar trug ein kleines Schlaflied, das er für seine Tochter geschrieben hatte, auf der Dabulka vor und Epi sorgte mit seinem Obertongesang für Gänsehaut-Momente. Was für Geräusche er da so mit seiner Stimme erzeugte – absoluter Wahnsinn!“ Fakt ist, dass das Publikum diese Formation mehr als feierte und Violons Barbares von vielen als „verdienter Headliner“ am Freitag gehandelt wurden. Der donnernde Applaus sprach da eine sehr deutliche Sprache.

Müde vom Tag machten wir uns dann auf den Weg in unsere Unterkunft, wo gemütliche Betten auf uns warteten. Das Festival hatte gerade erst angefangen und es lagen noch zwei Tage vor uns, die mit allerlei Vorfreude lockten.

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Autor: Pitchfairy & Scratchcat

Photos: Michi, Scratchcat & Chrounos

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