Festival Mediaval 2016: 09.-11.09.2016 Goldberg Selb – Tag 3

Kilkenny Knights
Kilkenny Knights

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit den Kollegen startete der Sonntag für uns mit dem Opener-Gig der Kilkenny Knights, die im letzten Jahr den Goldenen Zwerg für die Mittelalterrock-Kategorie für sich entscheiden konnten. Ihr irisch-rockiges Set auf der Burgbühne ging direkt in die Beine, so dass die tanzwütigen Besucher sofort nach dem Aufstehen den Schlaf aus den Gliedern schütteln konnten. Da die junge Band aus Franken stammt, waren auch entsprechend viele Fans anwesend, die ihre Jungs ausgiebig feierten. Wir blieben eine Weile stehen und ließen uns mitreißen. Die Kilkenny Knights haben den Goldenen Zwerg durchaus zu Recht mit nach Haus genommen, wie der anhaltende Applaus und die vielen Tänzer vor der Bühne bewiesen. Auf unserer Suche nach einem Kaffee führte uns der Weg noch kurz an der Theaterbühne vorbei, wo gerade Waldkauz ihren Beitrag zum FM-Award in der Kategorie „Spielleute“ leisteten. Am Ende des Tages durfte die Hildesheimer Paganfolk-Formation den Goldenen Zwerg 2016 auch in Empfang nehmen und hat sich damit einen Slot auf dem 10. Festival Mediaval erspielt.

Emian
Emian

Auf der Schlossbühne begann der Tag auch mit Paganfolk, allerdings aus Italien. Emian, die zum ersten Mal in Selb zu Gast waren, konnten auf zahlreiche interessierte Zuhörer schauen und überraschten uns mit feinen, außergewöhnlichen Melodien, die sich hauptsächlich an mediterranen und keltisch-nordischen Traditionals orientierten. Das Ganze verbinden die Italiener um Bandgründer Emian Cozza mit Einflüssen aus dem Schamanismus und verschiedenen Tribalrhythmen. Unaufgeregt stand das Quartett auf der großen Bühne und verzauberte da Publikum unter anderem mit den Stücken ihres aktuellen Albums „Khymeia“. Für mich persönlich eines der Highlights und durchaus eine Neuentdeckung des Festivals.

Irfan
Irfan

Ebenso ruhig und gelassen ging es danach auf der Burgbühne bei Irfan zu. Die Bulgaren begeisterten mit ihrem musikalischen Können und wurden ausgiebig beklatscht. Natürlich hielt es auch hier die Tänzer nicht auf ihrem Allerwertesten, im Sonnenschein wiegten sie sich im Takt, während andere einfach nur im Schatten dösend zuhörten und zur Musik träumten. Auch wir suchten uns ein schattiges Plätzchen und verschnauften ein Weilchen, bevor es zum nächsten Auftritt an die Schlossbühne ging.

Ratatosk
Ratatosk

Dort erwarteten uns die Finnen von Ratatosk, die ihren Namen von einer Figur aus der nordischen Mythologie „geborgt“ haben. Ratatosk ist nämlich das Eichhörnchen, das am Baum Yggdrasil als Bote zwischen den Welten fungiert, wie uns Sänger Frank in erstaunlich gutem Deutsch erklärte. Die junge Formation, die in fantasyartigen Kostümen auftrat, spielte für meine Begriffe ein etwas zu ruhiges Set an traditionellen Melodien mit meist schwedischen Texten. Hin und wieder blitzten Klassikeinflüsse durch, wie etwa bei der Interpretation des Liedes „Der Leiermann“, die mich ein wenig an eine Oper erinnerten. Zumal ich genau diesen Track nur in der Version der schwedischen Electroband Covenant kenne. Das verwirrte mich und wir verließen den Auftritt nach gut der Hälfte, um uns beim „Piratenschmaus“ ein spätes Mittagessen zu gönnen.

Grex Confusus-Gig
Grex Confusus-Gig

So kamen wir in der Goldbergbucht gerade richtig zu den Klängen von Grex Confusus, die dort in der prallen Sonne für Unterhaltung sorgten. Hut ab an dieser Stelle für so viel Einsatz, denn während die Besucher sich weitestgehend in den Schatten verzogen hatten, spielte die fränkische Mittelalterformation auf der kleinen Bühne in der Bucht – ganz Profis – ihr Programm und Frontmann Flo versuchte alles, um die Gäste zum Mitmachen zu animieren. Das funktionierte zwar nicht so wie geplant, aber der Applaus und ein kühles Bier zum Schluss zeigten der Band, dass sie alles richtig gemacht hatten.

Romengo
Romengo

Frisch gestärkt ging es danach für uns mit Romengo aus Ungarn weiter. Auf der Burgbühne hatte sich das Ensemble aufgestellt und entführte uns alle nach Südeuropa. Wie bei einem Zigeunerclan ging es mit flotten Rhythmen, Getrommel auf einer Milchkanne aus Blech, die schon seit Jahrzehnten in Familienbesitz ist, seufzenden Geigen und mitreißenden Gesängen zur Sache. Die Band erklärte zwischendurch, dass sie sogenannte Olah-Zigeuner-Musik machen und präsentierten mit ihrem Programm das, was ich mir unter Balkanmusik vorstelle. Romengo vermittelten nicht einfach nur traditionelle Klänge, sondern schlicht und ergreifend ein Lebensgefühl. Als die Sängerin dann auch noch mit einem ihrer Mitmusiker anfing, auf der Bühne zu tanzen, fühlte ich mich fast wie in Ungarn auf einem Familienfest. Großartig!

Omnia & Irfan
Omnia & Irfan

Nun stand schon das nächste angekündigte Special-Konzert an. Auf der Schlossbühne waren Stühle aufgestellt und dort nahmen Omnia und Irfan Platz, um eine Balkan-Roots-Show zu präsentieren. Auch das Publikum saß zum größten Teil vor der Bühne und harrte, was da wohl auf sie zukam. Wer allerdings etwas anderes erwartete als am Vortag beim Jubiläumskonzert der Niederländer, wurde bitter enttäuscht. Steve Sic hatte zwar sichtlich Spaß an der Tatsache ein Sitzkonzert zu bestreiten und betonte (überflüssigerweise) mehr als einmal, dass Irfan die „einzige Balkanband des Festivals“ sei, aber ansonsten war das Special leider eine nur leicht veränderte Kopie des Samstagsauftritts von Omnia. Der Fokus lag eindeutig auf den Titeln der holländischen Band, Irfan kamen kaum zur Geltung und so geriet das Ganze für mich zu einem Dejavù. Schade drum!

BerlinskiBeat
BerlinskiBeat

Wir nutzten die Zeit bis zum nächsten Auftritt für einen letzten Bummel über die Marktplätze des Festivals und schlenderten dann ein letztes Mal zur Burgbühne, wo sich schon viele Fans versammelt hatten. BerlinskiBeat luden zum Tanz, im Gepäck das neue Album „Fräulein, könn ‚Sie linksrum tanzen“ und das war dann auch Programm. Mit Berliner Schnauze, flotten tanzbaren Beats und jeder Menge Trompetenklängen ging es für knapp 90 Minuten in die Berliner Ballsäle der 20er Jahre. Die Band schwitzte oben auf der Bühne, das Publikum schwitzte vor der Bühne und zusammen feierten alle eine Balkan-Beats-Party vom Feinsten. Mit Liedern wie „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“, „Haus auf Rädern“ und natürlich dem Titeltrack des Albums rissen die Herren in Türkis wirklich jeden anwesenden Gast mit und sogar das Tavernenpersonal konnte nicht stillstehen. Ein toller Auftritt, bei dem den Musikern der Spaß deutlich ins Gesicht geschrieben stand. Das Publikum klatschte, was das Zeug hielt, alle tanzten mit und die von Castus vorgegebenen Tanzschritte wurden auch super umgesetzt. Vielen Dank dafür an BerlinskiBeat!

Fiddler's Green
Fiddler’s Green

Ein letzter Gig stand noch an und so pilgerten wir zum guten Schluss noch einmal den Berg hinauf zur Schlossbühne, wo das neunte Festival Mediaval nun mit Speedfolk beendet werden sollte. Auf vielfachen Wunsch der Fangemeinde des Festivals standen Fiddler’s Green auf dem Plan und die Erlanger Formation kam diesem Wunsch nur allzu gern nach. Vor der Bühne hatten sich scheinbar alle noch anwesenden Gäste versammelt, um den Abend tanzend zu beschließen. Das ließen sich die Fiddlers nicht zweimal sagen und legten direkt los. Zu Gehör kamen vor allem ältere bis fast aktuelle Stücke, aufs neue Album „Devil’s Dozen“ wollten sich die Musiker dann doch nicht gucken lassen. Aber das tat dem Ganzen auch keinen Abbruch, denn so waren die Fans sehr textsicher, tanzwütig und feierten mit Albi und Co. um die Wette. Als die Band schlussendlich noch eine Runde durchs Publikum drehte, war die Stimmung auf dem Höhepunkt und so endete ein traumhaftes Festival mit einem fulminanten Abschlusskonzert.

Wir verließen den Goldberg wie immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge, verschwitzt, kaputt und trotzdem überglücklich, dass wir dabei sein konnten. Das neunte Festival bescherte uns das fast tollste Sommerwochenende des Jahres, wir haben gute und nicht so gute Konzerte gesehen, tolle Menschen getroffen und wieder einmal bemerkt, wie viel Herzblut Blaecky Schwarz und seine unzähligen Teammitglieder in dieses Event investieren. Auch dafür möchten wir uns beim gesamten Orga-Team in Selb bedanken – ihr macht einen großartigen Job! Und der Erfolg des Wochenendes gibt ihnen recht, denn immerhin haben knapp 19000 Besucher in diesem Jahr auf dem Goldberg gefeiert, getanzt und das Festival mit Leben erfüllt. Chapeau!

Nun heißt es warten, denn im nächsten Jahr steht das zehnte Jubiläum des Festivals an. Blaecky hat schon verraten, dass In Extremo als Headliner dabei sein werden. Außerdem werden viele Bands vom ersten und zweiten Festival auch wieder zu Gast sein. Ihr dürft also gespannt sein, was da auf euch zukommt. Solltet ihr bis dahin allzu viel Sehnsucht haben, die Festival-Orga-Familie lädt in diesem Jahr noch zur Silvesterparty ein. Und ansonsten heißt es für uns – wir sehen uns 2017 auf dem Goldberg zum 10. Festival Mediaval!

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Autor: Pitchfairy

Photos: Michi & Chrounos

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