Festival Mediaval 2017: 07.-10.09.2017 Goldberg Selb – Tag 3

Der Samstag verwöhnte uns wettertechnisch leider nicht unbedingt, es war Regen angesagt, also wanderten die Capes ins Tagesgepäck und wir zur frühen Mittagsstunde auf den Goldberg. – by Pitchfairy

Fuchsteufelswild feat. Tommy Krappweiss

Den Opener des dritten Tages stellten Fuchsteufelswild, die im vorigen Jahr verdient den Goldenen Zwerg mit nach Hause nehmen konnten. Frontmann Bastian Brenner, den viele noch als Cordoban den Verspielten von Saltatio Mortis kennen, lockte mit seinem neuen Projekt jede Menge Fans und Zuhörer an die Burgbühne. Die Band spielte viele Stücke aus dem aktuellen Album „Weltenmeer“, welches sich mit alten Märchen, Mythen und Sagen beschäftigt. Doch das tun die Regensburger keineswegs leise und bedächtig, sondern mit ganz viel Feuer und Energie. Besonders gut gefielen uns die zweistimmigen Parts von Bastian und Sängerin Ella. Musikalische Unterstützung kam an diesem Tag außerdem von El Silbador (Saltatio Mortis), der auch bei Fuchsteufelswild eine gute Figur machte. Gegen Ende des Sets stieß dann auch noch Tommy Krappweis dazu, der zusammen mit der Band seinen „Echten, wahren Helden“ auf die Bühne brachte, der – nebenbei bemerkt –  auch in dieser Version großartig klang. Das Publikum feierte jedenfalls trotz der ersten Regentropfen, was das Zeug hielt. Die Zuhörer wollten Tommy auch nicht gleich wieder gehen lassen und so wurde auch noch „Tanz das Brot“ zum Besten gegeben, was erstaunlicherweise fast jeder mitsingen konnte. Das war großes Kino, meine Herren! – by Pitchfairy

Impressionen

Die nächsten Bands musste leider einem Termin und diversem Rahmenprogramm weichen, der einsetzende Regen trug auch ein Stück weit dazu bei, dass wir uns im Tross unter die schützende Zeltplane verzogen. Außerdem meldete sich ein Hüngerchen, also schlenderten wir nach dem Schauer auf der Genussmeile ein wenig herum, um uns etwas Leckeres auszusuchen. Ein Teil des Teams pilgerte weiter ins Literaturzelt, um euch auch vom dortigen Programm zu berichten. – by Pitchfairy

Tommy Krappweiss & Prof. Rudolf Simek

Wieder zog es mich zum Literaturzelt hin – Prof. Rudolf Simek und Tommy Krappweiss wollten gemeinsam zu „Fantasy und Wissenschaft“ referieren und das wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Autor Krappweiss erzählte davon, wie Prof. Simek ihm beim Schreiben seiner Mara-Trilogie geholfen hat. Die wissenschaftliche Genauigkeit, die Tommy unbedingt einhalten wollte, war hierbei oftmals ein Streitpunkt zwischen den beiden und die Zuschauer des Vortrages hatten ihre wahre Freude daran, wie die Diskussionen zu einzelnen Details hier auf der Bühne spontan wieder zu Zwistigkeiten führten – ein Brüller. Diese beiden Originale sind aber auch herzig! So erfuhren wir unter anderem, dass die Figur des Prof. Weissinger viele Züge des Herrn Simek enthält – auch wenn dieser das entschieden abstreitet. Sehr gelacht habe ich, als Tommy verriet, dass Rudi, wie er den Prof. liebevoll nannte, immer noch ein uraltes Telefon hat, was einen üblen Nachhall erzeugt – so hörte er sich immer doppelt, wenn er den Wissenschaftler wieder einmal um Rat bitten musste. Doch Rudi meinte gelassen: „Also ich höre dich nur einmal – ganz normal also…“ Wahnsinnige Situationskomik, denn Tommys Gesicht war echt zum Schießen! Und so ging es die ganze Zeit. Gegen Ende konnten das Publikum noch einige Fragen stellen und so erfuhren wir zum Beispiel, welches mystische Tier die Herren am spannendsten fanden – es ist das Ratatöskr. Die Stunde Vortrag ging echt schnell rum und im Anschluss holte nicht nur ich mir ein Autogramm bei den beiden ab. – by Scratchcat

Rhiannon

Frisch gestärkt begaben wir anderen uns zum nächsten Jubiläumsauftritt, derer es an diesem Wochenende wohl so einige zu bestaunen gab. Rhiannon aus Österreich erklommen die Schlossbühne und präsentierten die klassische Marktmusik. Wobei wir uns zunächst wunderten, denn irgendwie hatten wir die Formation anders in Erinnerung – leiser, ruhiger, gesetzter. Davon ist im Laufe der letzten zehn Jahre aber nicht mehr viel übrig geblieben, so dass uns der Auftritt jetzt nicht sonderlich mitnahm. Schade eigentlich! – by Pitchfairy

Kelvin Kalvus

Uns zog es als nächstes an die Theaterbühne, um dem Kontaktjongleur Kelvin Kalvus wenigstens einmal am Wochenende unsere Aufwartung zu machen. Zum Glück, wie sich herausstellte, denn der Dresdner ist nicht nur ein Meister seiner Kunst, sondern auch ein großer Fan der südafrikanischen Formation Die Antwoord. Das bewies er in seiner Zugabe, als er zum Stück „I Fink U Freeky“ die Kugeln rollen ließ und den Goldberg mit technoiden Klängen beschallte. Neben einigen verwirrten Gesichtern waren auch tanzende Zuschauer zu sehen. Wir grinsen immer noch – vielen Dank dafür! – by Pitchfairy

Dunkelschön

Zurück an der Schlossbühne hieß es jetzt Albumpräsentation von Dunkelschön, die wir vom ersten Jahr auch deutlich ruhiger in Erinnerung hatten. Die neue Scheibe „Abraxas“, die pünktlich zum Festival Mediaval erschien, geht allerdings eher in die rockige Richtung. Zwar bemühte sich die süddeutsche Band redlich, die Zuhörer mitzunehmen. Es gab auch ordentlich Applaus und einige Tänzer im Publikum, aber so richtig mochte der Funke nicht überspringen. Hinzu kam, dass Sängerin Vanessa in unseren Ohren nicht für die Rockmusik geschaffen ist und so gingen wir wieder auf Tour über den Goldberg oder in die Goldbergbucht. – by Pitchfairy

Impressionen

Zu sehen gab es auch abseits der großen Bühnen genug, wie zum Beispiel die Raubvögel der Falknerei Bielriet, das Strassentheater Vir aus Weißrussland und das Theater Fritz und Freunde, die mit bezaubernden Stücken nicht nur die Kinderaugen zum Leuchten brachten. Neu war in diesem Jahr auch das Gruselkabinett, das von einigen Helfern und den Darstellern des Grusel-Gewusels betrieben wurde. Besonders die Kinder hatten einen Heidenspaß im Bogengang, der durch eine schwarze Plane vollständig verdeckt und im Inneren mit allerlei schaurigen Dingen ausgestattet war. Die lange Warteschlange zu fast jeder Tageszeit sprach jedenfalls Bände. In der Bucht waren auch in diesem Jahr die Piraten mit ihrem Floß zu Gast, die neueste Errungenschaft der Freibeuter war das Schiff, in dem die Kokosnussbar ihr neues Domizil fand. Musikalische Unterhaltung boten hier an den verschiedenen Tagen die Pyrates, Pampatut, Heiter bis Folkig, The Violet Moon, PurPur und die Blackbeers. Es war also immer piratenmäßig Stimmung in der Bucht und auch die vielen Besucher ohne Festivalbändchen hatten ihren Spaß. – by Pitchfairy

Lurte

Frisch gestärkt kamen wir am frühen Abend zurück von unserem Bummel über das Gelände, um der spanischen Band Lurte an der Schlossbühne zuzuhören und zu sehen. Die Formation aus Aragonien im Nordwesten der Iberischen Halbinsel macht vor allem optisch viel her. Alle acht Musiker waren martialisch geschminkt und hatten sichtlich viel Spaß an ihrer Musik. Wie der Frontmann – falls ich das so sagen darf – verriet, hatten die Spanier bei ihrem Besuch auf dem ersten Festival Mediaval ihren Erstkontakt mit den Marktdudelsäcken. Mittlerweile bestimmt dieses Instrument die Klangwelt der Formation, die ihren Stil selbst als Folkmetal bezeichnet. Mit mächtig viel Getöse brachten Lurte das Volk zum Tanzen und sprachen damit nicht nur die Feierfraktion an. Auch die Damen und Herren auf der Bühne waren von der Stimmung angetan und ließen sich vom Applaus der Besucher nur noch mehr anfeuern. Unbestritten ein Highlight des Festivals! – by Pitchfairy

Entr’Act

Inzwischen war die Dunkelheit hereingebrochen und unser Weg führte uns ein letztes Mal an diesem Abend zur Burgbühne, wo ein großes Gestell aufgebaut war. Die Familie Alvarez aus Frankreich – besser bekannt als die Formation Entr’Act – bietet einen Einblick in ihr artistisches und musikalisches Können. Beeindruckende Artistik in Verbindung mit den Kostümen und der Musik fesselten die Zuschauer in der kühlen Nacht. In der Tradition der alten Zirkusfamilien wechselten atemberaubende Trapezkünstler mit zauberhaften Jonglageeinlagen und faszinierten die Festivalbesucher, die jedes Mal bei einem besonders waghalsigen Kunststück den Atem anhielten. Daumen hoch für Entr’Act, die eben nicht nur als Walking Act oder Rahmenprogramm funktionieren, sondern auch durchaus auf einer großen Bühne zu überzeugen wussten. – by Pitchfairy

In Extremo

Den Headliner des Abends stellten In Extremo, die schon lange ein Wunschkandidat für das Festival Mediaval waren und es zum Jubiläum dann auch auf den Goldberg geschafft haben. Die Band war bereits am Vormittag angereist und nutzte den Tag für einen Bummel übers Gelände und ausgiebige Gespräche mit alten Bekannten. Das Publikum schien auch nur auf die Formation gewartet zu haben, denn der Samstag war gefühlt der am besten besuchte Festivaltag. Viele Fans der Band waren extra für diesen Tag angereist und bevölkerten nun die große Wiese vor der Schlossbühne. „Quid Pro Quo“ stand also auf dem Plan und von heftigen Pyros begleitet, stürmten Micha Rhein und Co. die Bühne. Mit „Zigeunerskat“ legten die Mittelalterrocker los, fetzten über die Bühne und hatten sichtlich Spaß. Sänger Micha bedankte sich auch direkt bei Blaecky für die Einladung und erklärte, dass sich die Band wirklich darüber freute, endlich mal auf dem Goldberg zu spielen. Entsprechend entspannt und trotzdem energiegeladen feierten die Musiker dann mit dem Publikum eine fette Party, inklusive aller InEx-Hits älteren und neueren Datums. Wir sahen uns das Schauspiel vom hinteren Ende der Wiese an und bekamen so auch mal das ganze Ausmaß der Lichtshow und des Feuerwerks mit. Beeindruckend! Das war längst überfällig und so bekam die Formation aus Berlin auch jede Menge Beifall von einem sehr textsicheren Publikum. Großes Kino, meine Herren! – by Pitchfairy

Für uns war nach diesem Konzert aber Schluss. Der lange Tag, das nicht ganz kooperative Wetter und die nächtliche Kälte forderten ihren Tribut und trieben uns in die Pensionsbetten. Und schließlich wartete ja noch ein Festivaltag auf uns. – by Pitchfairy

Weiter zu Tag 4

Autor: Pitchfairy & Scratchcat

Photos: Michi, Scratchcat & Chrounos

Hier geht es zu den Galerien des Festivals

Schreibe einen Kommentar