Friends Will Be Friends: 06.04.2018 NAUMANNs Leipzig

All of the darkest music in Concert – so hieß es am 06.04.2018 im NAUMANNs in Leipzig. Und weil das Liveangebot des Abends sehr vielversprechend war, mussten wir unbedingt mit vor Ort sein. Angesagt hatten sich nämlich Edfulluran und die legendäre Patenbrigade:Wolff. Das Motto des Abends lautete „Friends Will Be Friends“ und selbstverständlich sollte es noch eine Aftershow-Party mit diversen DJs geben.

Wir waren recht pünktlich zum Einlass am NAUMANNs angekommen. Da wir den Club noch nie besucht hatten, waren wir neugierig, wie es wohl werden würde. Die Bar ist dort recht cool gestaltet – mit Alien-Schädel, altem Taucherhelm und vielem mehr. Ein tolles Sammelsurium an skurilen Gegenständen, die ein spannendes Flair erzeugen. Das gefiel uns schon mal. Im Gegensatz zu den Toiletten der Location – die waren irgendwie nicht so lecker, wenn ihr wisst, was ich meine. Die Empore im kleinen Saal war der Technik und den VIPs des Abends vorbehalten – schade. Links in der Ecke war die kleine Bühne und da sollte es dann zur Sache gehen.

Edfulluran

Den Anfang machten nun Edfulluran. Ihr kennt die Band nicht? Könnt ihr auch nicht, denn das Ganze war eine Art Zusammenfassung aus den drei Projekten des Musikers Andreas Schubert – Edriver69, Full Contact69 und Proleturan. Mit einem beschwingten „Hallo Leipzig“ begrüßte der Sänger dann auch das Publikum. Er verriet auch direkt, dass der Veranstalter des Abends „sich uns gewünscht“ hatte – er hatte nämlich an diesem Tag Geburtstag – „da müsst ihr jetzt durch“. Aber irgendwie spielte die Technik nicht mit – es kam keine Musik aus den Boxen. Also mussten die Herren der Kabel schnell auf Fehlersuche gehen, währenddessen Andreas die Zuschauer mit lockeren Sprüchen bei Laune hielt. Doch dann endlich rummste der Bass los und „Isolation“ von Proleturan erklang. Das war somit der erste Streich der „Melange“ aus drei Bands. Die Musiker verschwanden hierbei immer wieder in Nebelschwaden. Keyboarder Sebastian wippte im Takt mit und der Frontmann ging mächtig ab zum eigenen Beat. Als nächstes gaben sie „God is my personal asshole“ von Full Contact69 zum Besten, nachdem wieder einmal die Technik überlistet worden war. Andreas hatte mit einem Fan eine Wette ausgemacht – wenn sie denn drei Songs spielen könnten, würden sie zwei Bier spendiert bekommen. Es blieb also spannend! Der Sänger tanzte schließlich ab und auch Keyboarder Thomas hüpfte rum. Im Hintergrund waren auf der Videoleinwand die Flaggen von Israel, Großbritannien und vielen anderen Staaten zu sehen. Der Rhythmus war echt ansteckend und im Publikum kam nun auch ordentlich Bewegung auf.

Edfulluran

Dann klang doch tatsächlich schon Song Nummer 3 – ohne weitere Unterbrechung – Wahnsinn! „Master of Confusion“ von Proleturan war so laut, dass der Boden in dem kleinen Saal vibrierte. Strobolicht flackerte auf und erleuchtete so die tanzenden Fans – Andreas hatte nämlich auf der Bühne einige Scheinwerfer ausschalten lassen, weil sie ihn blendeten. So waren die Musiker noch weniger zu erkennen – aber das machte niemandem etwas aus – ging es hier doch eher um die Klänge. Nachdem der dritte Titel verklungen war, löste der Fan auch gleich seine Wettschulden ein und die Band erhielt Bier – „das ist mal ein Mann“. Zu „We need some Backup“ – ein Track von Full Contact69 – sahen wir auf der Videoleinwand Bilder von Atomtests und deren Auswirkungen. Wieder gingen die drei auf der Stage ordentlich ab und die Stimmung nahm Fahrt auf. Auch bei „Ma world“ von Proleturan waren sie oftmals nur als Silhouetten zu erkennen, da es so dunkel war. Die lauten Bässe lenkten aber eher die Aufmerksamkeit auf die eigenen zuckenden Beine – wir konnten einfach nicht stillstehen bei diesen Beats – gute Sache! Währenddessen konnten wir auf der Leinwand wilde Muster anschauen, als „Release my mind“ von Full Contact69 erklang. Im Anschluss gab es dann etwas „ganz spezielles“ – „Underneath“ von Edriver69 wurde von Rene „mit Gitarre“ begleitet. Das kam gut an und die Tanzenden hatten ihren Spaß.

Edfulluran

Andreas blieb nun auf Edriver-Pfaden und hatte für die Menge „Invisible“ mitgebracht. Er selbst ging mächtig in der eigenen Musik auf und tanzte mal mit breiten Armen hin und her oder er streckte eine Faust in die Luft und verlieh so seinen Worten noch mehr Power. Und auch wenn an der Gitarre nun eine Saite gerissen war – Rene spielte trotz allem weiter und so brachten sie uns „Suffocated“ dar. Vor und auf der Stage wurde geheadbangt – und das bei elektronischer Musik. Hiernach lud Andreas alle Anwesenden noch an den Merchandisestand ein, wo es auch „von unserer Kackband“ einiges zu kaufen gab. Die Technik streikte noch ein letztes Mal und so gab es das letztes Stück eben „ohne Gitarre“ auf die Ohren. Mit einem Dank an den Veranstalter verabschiedete sich Edfulluran mit dem Klassiker „Warm Leatherette“, wo einige im Publikum mitsangen. Der Frontmann brüllte die Textzeilen nur so raus, während er am Bühnenrand hin und her lief. Sebastian und Thomas gaben noch einmal alles an ihren Keyboards und am Ende erklangen recht fiese hohe Töne, die uns Sebastian bescherte. „Habt viel Spaß mit den Baustellenjungs“, so die verabschiedenden Worte von Herrn Schubert. Mit viel Beifall wurden die Musiker verabschiedet und dann konnte auf der Stage umgebaut werden. Trotz der technischen Hürden war es ein genialer Gig und wir hatten kolossale Freude an der Darbietung – danke!

Patenbrigade:Wolff

Nach dem Umbau erklang eine Tröte auf der Stage und aus den Boxen schalte das DDR-Kinderlied „Bonbonfabrik“. Währenddessen kamen die Patenbrigade:Wolff-Herren auf die Bühne. Im kleinen Saal war es nun ordentlich voll und überall waren orange Warnwesten zu sehen. Den musikalischen Anfang machte die allseits beliebte „Stalinallee“. Es war laut und gut und der Beat ließ die Boxen mächtig wackeln – im übertragenen Sinne. Die Fans gingen direkt mit und es wurde hier und da getanzt. Der Azubi Andre heizte der Meute ordentlich ein und so sangen die Zuschauer auch gleich mit. Die Videoleinwand wurde auch hier genutzt – entweder es liefen die Musikvideos der Songs oder aber Livebilder, die die Herren mit kleinen Kameras überall mitfilmten. Weiter ging es im Songreigen mit „Feind hört mit“, wozu Sängerin Antje hinzukam und streng schaute – sie ist eben die Inspektorin der Formation. Den Refrain brüllten die restlichen Bauarbeiter aber ebenfalls mit, indem sie Baustellenkegel als Flüstertüten nutzten. „Herzlich Willkommen zur Patenbrigade:Wolff“, so die Begrüßung durch Antje. Das Mikrofon übernahm nun Stefan, denn es galt den „Fehler 404“ zu beheben. Seine Stimme war hier echt gut – überhaupt war der Sound nach anfänglichen Problemen im Großen und Ganzen sehr ordentlich an diesem Abend. Weil hier ja nun alle Scheinwerfer wieder an waren auf der Bühne, war es nur verständlich, dass die Herren der Formation alle eine Sonnenbrille auf der Nase hatten – so konnten sie nicht geblendet werden. Stefan blieb weiter der Frontmann, denn er musste ja klarstellen, dass sie allesamt „Freunde der Technik“ sind. Hierzu kam Lance nach vorn, setzte sich einen kastenförmigen Roboterkopf auf und gab den Robo-Dance – das sah nicht nur witzig aus, es kam auch gut an bei den Zuschauern.

Patenbrigade:Wolff

Dann übernahm Andre das Mikro und entführte die Anwesenden in kalte Gefilde – „Im Eis“ wurde auf der Leinwand vom entsprechenden Musikvideo begleitet. Auch seine Stimme kam gut rüber und die Menge vor der Bühne feierte ihn ab. Und so wurde zu „TU144“ dann auch im Takt mitgeklatscht. Den Text sang für uns der Brigadier Wolff höchst selbst – allerdings durch einen Stimmmodulator verzerrt. Nach zwei weiteren Stücken, wo wir Bilder von einem SED-Bus oder auch Militärparaden zu sehen bekamen und Andre im Takt Funkenfontänen mit einer Flex gen Saaldecke schoss, ging es wieder weiter mit der überragenden Antje am Mikrofon. „Voyage“ sorgte für Gänsehaut beim Publikum – ihre Stimme ist aber auch einfach der Hammer! Andre schaute sich das Ganze ebenfalls aus Sicht der Fans an, denn er hatte sich unters Volk gemischt. Es folgte „ein ganz neuer“ Song – „Follow me“ erinnerte mit ein wenig an die 1990er-Klänge – tanzbar und sehr schick. Die Sängerin selbst hatte Spaß an ihrem Track und diese Freude übertrog sich auch auf die Fans, die viel Beifall spendierten. Hiernach wurde es „gefährlich“ – Antje zählte für uns die „Gefahrstoffe“ auf und damit uns nichts passierte, sprühten Andre und Stefan die ersten Reihen mit einer Substanz ein, dass uns schützen sollte – was auch immer das war?!

Patenbrigade:Wolff

Und da es noch nicht nass genug war, wurde es dann richtig feuchtfröhlich. Zu „Der Brigadier trinkt Bier“ rasteten Fans und Band richtig aus. Der Text wurde lauthals mitgegrölt und über eine Art Pipeline bekamen die ersten Reihen Bier dargeboten – das wurde mit Hüten, Mündern und Biergläsern aufgefangen und der Rest tropfte über Körper oder auf der Boden – was für eine wilde Party! Und es war so wild, dass Andre sogar vor lauter Spaß den Text vergaß – ein Brüller. Doch dann fand er wieder rein und gemeinsam konnte der Song zu Ende gebracht werden. Bei „Demokratischer Sektor“ griff Lance zum Hammer und zerlegte sein Keyboard mit derartiger Inbrunst, dass die Plastikteile nur so durch die Luft flogen. Dann griff er sich das Instrument und drosch es auf den Bühnenboden. Stefan und Andre griffen hierzu zu Baustellenschildern, die an den Rändern leuchteten, die sie wie Gitarren hielten. Musikalisch ging es dann direkt in die „Schallplattenunterhalter“ über und die Menge tanzte nur so dazu. Lance verschenkte hier schon erste Reste seines Keyboards an erfreute Fans. Dann kam Antje mit einem „Applaus“-Schild an den vorderen Bühnenrand und gemeinsam mit ihren Jungs verabschiedete sie sich von der feiernden Menge.

Patenbrigade:Wolff

Schnell waren die Bauarbeiter verschwunden, aber die Zugabe-Rufe waren laut. Und so kam Andre flugs wieder hervor und stimmte „Die Brücke“ an – ein Track, der mir besonders textlich sehr gut gefällt. Die Stimmung war direkt wieder am Siedepunkt und dann feierten wirklich alle im Saal ab, als die „Volksarmee“ erklang. Noch einmal wurde die Bierpipeline bemüht und die Zuschauer mit Flüssigem versorgt, bevor sich alle wieder mit einem Winken zurückzogen.

Die Menge sang aber „Einer geht noch…“. Und tatsächlich – es ging wirklich noch etwas. „Jetzt wird’s nochmal lustig“, meinte Andre und er sang, gemeinsam mit Antje, „Das Kraftfeld“. Ihre beiden Stimmen harmonierten wunderbar. Der Applaus war frenetisch und die Inspektorin meinte abschließend: „Es war wie jedes Mal eine Freude! Dankeschön!“

Dieses „Dankeschön“ kann ich nur zurückgeben – es war ein absolut großartiger Abend mit toller Musik und unterhaltsamen Gigs. Danke an das NAUMANNs und die Bands. Wer hier nicht dabei war, hat wirklich was verpasst. Glücklich und zufrieden überließen wir dann dem feierwütigen Volk das Feld für die Aftershow-Party und machten uns lächelnd auf den Heimweg. Bis zum nächsten Mal!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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