Gothic meets Klassik: 04. & 05.11.2016 Leipzig – Tag 1

Auch im Jahre 2016 sollte es wieder ein Gothic meets Klassik in Leipzig geben. Dieses Mal luden die Veranstalter freitags ins Haus Auensee und am Samstag dann ins altehrwürdige Gewandhaus zu Leipzig. Die angekündigten Bands versprachen spannende Abende und so machten wir uns für euch am 04. & 05.11.2016 auf, um dabei zu sein.

framheim

Im Haus Auensee kamen wir kurz nach Einlass an und da war schon einiges los. Der Saal füllte sich allmählich und alle Besucher warteten auf die erste Band des Festivals. Auf einmal ging dann das Licht aus, die Musik startete – und dann betraten die Musiker von framheim die Bühne. Das Trio aus Leipzig bezeichnet ihre Musik selbst als eine Mischung als Elektro, Progressive und Wave. Im Hintergrund war ein Video zu sehen, in dem Sängerin Dorain ebenfalls zu erkennen war. Ihre Stimme klang wirklich toll und sie sang mit sehr viel Gefühl. Von hinten leuchteten Lichtstrahlen durch den Saal, während Gitarrist Leo sein Instrument mit einem Geigenbogen spielte. Der dargebotene Song war sehr ruhig und sollte wohl erst einmal das Eis brechen. Der erste Applaus war ganz anständig und das nächste Stück war dann ein wenig flotter. Keyboarder Ray nickte im Takt mit und Dorain tänzelte etwas hinter ihrem Mikrofon hin und her. Auf der Leinwand waren ab und zu Livebilder des Gigs zu sehen, während rote und weiße Lichter aufflackerten. Ray und Leo droschen immer im Wechsel auf ihre E-Drums ein, was ganz cool aussah. Hiernach begrüßte uns die Sängerin: „Guten Abend – wir sind framheim und wir freuen uns sehr, den heutigen Abend zu eröffnen.“ Sie griff zur Gitarre und stimmte das folgende Lied an. Das war leider wieder eher ruhiger gestrickt, so dass nicht so richtig Stimmung aufkommen mochte. Für mich persönlich war diese Art der Musik eher etwas für einen Chillout-Bereich, um nach dem Alltag runterzukommen, aber nicht um einen stimmungsvollen Abend zu eröffnen – schade! Da war Lied Nummer vier dann schon eher etwas – da war ein Beat zu hören, zu dem sich dann auch einige Zuschauer bewegten. Die Frontfrau gab alles, lief immer wieder hin und her und ihre Stimme beeindruckte durchaus. Das Licht war auch recht schick anzusehen – mal gelb und dann wieder grün. Bevor es mit einem letzten Track zu Ende ging, bedankte sich die Formation bei allen, „die das heute möglich gemacht haben“. Besonderen Dank ging dabei an das Team der „Visualisten“, die für Licht und Live-Projektion verantwortlich waren – toll gemacht! Dorain stand beim Singen noch einmal in einer Art Lichterstern und wünschte uns allen zum Schluss noch einen „wundervollen Festivalabend“. Da ich die Band vorher nicht kannte, kann ich zu den Songnamen leider nichts sagen. Für mich persönlich war die Darbietung zwar ganz schick, aber insgesamt doch als Opener wirklich zu ruhig. In einem anderen Rahmen wirkt framheim sicher besser…

Forced to Mode

Nach einem Umbau war es dann auf einmal auch viel voller im Saal – nun waren Forced to Mode aus Berlin an der Reihe mit ihren Depeche Mode-Covern die Hütte zum Feiern zu bringen. Die Musik begann und die Menge vor der Stage jubelte, als die Herren nach vorn kamen. Den Anfang machte das Stück „World in my eyes“. Diejenigen, die die Formation noch nicht kannten, waren spätestens dann überzeugt, als Sänger Christian los sang – seine Stimme kommt nämlich verdammt nah an das Original Dave Gahan heran. Das war ein Fest! Er strahlte übers ganze Gesicht und wackelte tanzend mit seinem Hintern, was den weiblichen Fans besonders gefiel. Dann stand er mit ausgebreiteten Armen da und genoss, dass die Stimmung direkt Fahrt aufnahm. Dabei wurde er von hinten angestrahlt. Im Publikum wurde vom ersten Ton an mitgesungen und auch getanzt. „“Willkommen in Leipzig – willkommen im Haus Auensee – willkommen beim Gothic meets Klassik 2016 – schön, dass ihr da seid“, so die begrüßenden Worte. „Walking in my shoes“ erklang und überall sangen die Zuschauer lautstark mit. Christian sang mit geschlossenen Augen, hielt einzelne Töne extrem lang und hatte mächtig Spaß dabei – das war ihm anzusehen. Gitarrist Matthias gab hier alles und immer wieder kam der Sänger, um mit ihm gemeinsam zu feiern. Es wurde mitgeklatscht – so auch bei „Shake the disease“, wo der Frontmann den Takt angab. Keyboarder Thomas hatte ebenfalls seine Freude, als Matthias am vorderen Bühnenrand alles gab mit seinem Instrument. Die Arme war eigentlich ständig oben – es hätte nicht besser laufen können.

Forced to Mode

Das folgende Stück „Told you so“ wurde von den Fans regelrecht mitgegrölt und der Sänger heizte immer noch mehr ein. Thomas hatte über seinem Keyboard ein E-Drum hängen, auf das er am Ende des Liedes nur so eindrosch. Die Zuschauer feierten total ab! Als dann auch noch der Klassiker „Stripped“ angestimmt wurde, gab es auch für den letzten kein Halten mehr – so wird Stimmung erzeugt. Wieder wurde das E-Drum bejubelt und Christian tanzte im Dave-Style auf der Bühne hin und her. Mit „Question of time“ erklang der nächste Kracher, wo er die Arme ausbreitete und sich wie ein Derwisch um sich selbst drehte – gut abgeschaut beim Original. Die Menge beklatschte das ausgiebig. Anschließend meinte der Sänger: „Ick weeß gar nicht, wann ich das letzte Mal soviel Schiss hatte“ und meinte damit, dass er mächtig Respekt hat, vor dem Gig am folgenden Abend im Gewandhaus. Nach diesem offenen Geständnis ging es aber musikalisch weiter mit „Personal Jesus“, was sie akustisch und langsam begannen und dann aber doch flott und schnell zu Ende spielten. Da bedurfte es eigentlich keiner Aufforderung, doch mitzutanzen – das klappte von ganz allein. Der zweistimmige Gesang von Thomas und Christian war hier ein besonderes Highlight. Den Höhepunkt des Gigs bildete dann aber „Photographic“, wo der Bass cool rüber kam und der ganze Saal mitsang. Das war absolut gut! Und dann kam die Frage: „Wollt ihr noch einen? Dann soll es so sein.“ Wie konnte es anders sein, wurde hier nun „Never let me down“ angestimmt, wo das Licht wieder eine Augenweide war. Christian stellte hier seine Mitmusiker vor, bedankte sich beim Veranstalter-Team um Steven Dornbusch und auch bei den Zuschauern. Zum Abschluss gab es passend zum Song selbstverständlich das Armemeer, was für die Band bestimmt wahnsinnig toll aussah. Das obligatorische Bühnenbild wurde noch geschossen und dann musste das Trio unter Zugaberufen die Stage verlassen. Leider konnten sie nicht noch einen drauflegen – es warteten ja noch andere Künstler auf ihren Auftritt.

M.I.N.E

Es war dann an der Zeit, M.I.N.E. zu lauschen – dem neuen Projekt um Camouflage-Frontmann Marcus Meyn. Die Musik begann, als die Bühne noch leer war, doch dann kamen er und seine Kollegen Jochen, Volker und Jacob nach vorn und das Publikum erwartete gespannt, was da nun kommen mochte. Marcus sah mit seiner Brille irgendwie cool aus und tanzte auch direkt zu den eigenen Klängen los. Das Blitzlichtgewitter auf der Stage animierte irgendwie dazu, im Takt mitzuklatschen. Keyboarder Jacob trug eine Sonnenbrille, was bei diesem Licht sicherlich eine gute Idee war. Die Songs der Formation kenne ich noch nicht so, deswegen kann ich zu den Namen der Stücke leider wenig sagen. Der Frontmann überzeugte wie immer sehr mit seiner wunderbaren Stimme und dann sagte er: „Das ist das 2. Mal, dass ich hier bin dieses Jahr. Das hier ist unser neues Projekt – wir hoffen, es gefällt euch.“ Gitarrist Volker kam mit nach vorn an den Bühnenrand und griff in die Saiten. Weiße und rote Lichtkegel wanderten zwischen den Musikern hin und her. Im Saal war es mittlerweile etwas leerer, als noch beim Gig zuvor, aber trotz allem gingen die Zuschauer ganz gut mit. Dann gab es ein paar Mikrofon-Probleme, die von der Band aber gut gemeistert wurden.

M.I.N.E

Das folgende Stück begeisterte dann durch Mehrstimmigkeit, wobei die Herren von hinten angeleuchtet wurden. Sogar das Mitklatschen im Takt klappte hier ganz gut. Marcus war gut drauf und lief viel auf der Stage herum. Drummer Jochen wurde mit Licht gut in Szene gesetzt, während der Sänger „I love you too“ sang – was für eine schöne Liebeserklärung. Bei „Dangerous“ kam dann endlich wieder etwas Stimmung auf – bis dahin waren die Zuschauer noch etwas verhalten. Die Arme waren oben, während der Frontmann seinen Gitarristen ansang. Bei „Reach me“ hingegen sang er dann die Zuschauer in den ersten Reihen an. Die Bühne wurde hierbei in grünes und gelbes Licht getaucht. Das viele Tanzen war wohl etwas anstrengend und so hockte sich Marcus dann erst einmal hin und sang so die ersten Zeilen des Camouflage-Klassikers „All these words“ – das Publikum erkannte das Stück schnell und Jubel brandete auf. Auf solche Stücke hatte die Menge wohl gewartet. Nun tanzten auch viele und es wurde natürlich mitgesungen und im Takt geklatscht. Weiter ging es dann aber wieder mit einem neuen Werk von M.I.N.E. – „The reason is you“ wurde mit viel Hingabe dargeboten und Volker stand bei Jochen. Dann verkündete der Sänger, dass sie ihre „erste Single fertig gestellt“ hätten und diese gab es dann auch gleich auf die Ohren – „Things we’ve done“ kam auch ganz gut bei den Zuhörern an. Zum Abschluss des Sets gab es noch ein Schmankerl – der große Hit „The great commandment“ wurde gemeinsam mit den Fans zelebriert, die lauthals mitgrölten. Marcus sprang noch einmal herum und feierte ab. Am Ende meinte er nur kurz „Gute Nacht Leipzig“, verbeugte sich und dann war dieser Auftritt schon wieder vorbei.

Solar Fake

Weiter ging es dann mit der nächsten Formation, die wir dann auch im Gewandhaus sehen konnten – Solar Fake. Als Keyboarder Andre raus kam, jubelten die Anhänger der Band und schon ging es stimmungsvoll mit „Not what I wanted“ los. Sänger Sven folgte wenige Augenblicke später und die Massen tobten. „Guten Abend Leipzig“, so seine begrüßenden Worte. Bewegung kam im Publikum auf und gemeinsam wurde abgetanzt. „Meine Fresse“ war der Kommentar des Frontmannes zur absolut genialen Stimmung und gut gelaunt stimmte er „Under control“ an. Das Licht auf der Bühne flackerte so arg, dass ich fast an ein Gewitter erinnert war. Die Jacke wurde schnell ausgezogen, denn so konnte auch Sven ausgelassener tanzen und herumspringen. Andre drehte mächtig auf und kippte sein Keyboard des Öfteren fast um. Bevor es dann mit „Here I stand“ weiterging im Programm, meinte Sven „Ihr müsst ordentlich heute tanzen – morgen geht das nicht.“ Außerdem verriet er, dass auch er „bisschen Angst“ vor dem morgigen Abend habe. Doch diese Angst sollte ihn heute nicht hemmen – er gab alles, während Andre hinten an den Keys aufdrehte. Mit „All the things you say“ folgte die „erste Single vom aktuellen Album“. Sven lief viel hin und her und konnte wie auch sein Kollege kaum eine Sekunde stillstehen, wobei sie von hinten angestrahlt wurden. Die Party war in vollem Gange! Nach „Parasites“ erklang dann ein Lied, das „ooch älter“ war. Der Sänger verriet außerdem, dass sie „More than this“ „morgen ooch“ spielen würden, was für viel Begeisterung sorgte. Die Massen hatten ihren Spaß, was die Band beeindruckt mit „ihr seid Wahnsinn“ quittierte. „Wenn ihr uns morgen auch so helft, kann ja nix mehr schief gehen.“

Solar Fake

Nach „I don’t want you in here“ genoss Sven einen Augenblick den Beifall und war sichtlich glücklich. Mit einem fetten Grinsen im Gesicht sang er für uns „I hate you more than my life“ auf das „Reset to default“ folgte, wo seine Stimme mit einem Effekt ein wenig veränderte wurde im Refrain. Überall wurde getanzt. Das nächste Stück sollte ein Cover sein – doch der Frontmann meinte scherzhaft: „Eine Band hat uns gecovert – wir haben sie nicht verklagt, denn wir sind ja nett.“ Die Rede war hier von „Somebody told me“, das im Original von The Killers ist. Grünes und gelbes Licht setzte alles in Szene, bevor dann wieder eigene Klänge an der Reihe waren mit „Where are you“. Und dann konnten wir zu „If I were you“ ein letztes Mal „vortanzen“. Die Arme waren oben und Sven selbst sprang im Takt auf der Bühne hin und her. Es war absolut „fantastisch – wir sehen uns morgen“. Mit diesen abschließenden Worten verabschiedete sich das Duo – nicht ohne das obligatorische Bühnen-Fan-Bild. Danke für diese Fete – das war Klasse!

Peter Heppner

Nach all diesen schicken Darbietungen war es dann endlich Zeit für den Headliner – Peter Heppner und seine Kollegen betraten die Bretter, die die Welt bedeuten und die Menge jubelte ihnen zu. Das Mikrofon war zu Beginn ein wenig leise, doch trotzdem feierten die Fans zu „I won’t give up“. Keyboarder Dirk lächelte und haute in die Tasten. Dabei wurden die Musiker von hinten angeleuchtet. „Hallo Leipzig“, so die knappe Begrüßung durch den Sänger, bevor er direkt „Alleine sein“ anstimmte. Seine Stimme sorgte für Begeisterungsstürme und die Herren wurden in rosa Licht getaucht. Die Zuschauer wippten zu den Klängen mit und es wurde auch mitgesungen. Mir gefiel beim nächsten Stück „Meine Welt“ besonders gut, dass, passend zum Text, ein sehr buntes Licht aufflackerte – alle Farben des Liedes waren zu sehen. Peter selbst bewegte sich kaum, sondern stand eher still an seinem Mikrofon, wo ja auch sein Notenständer mit allen Liedtexten aufgestellt war. Bei „Vielleicht?“ wurde im Text mitgeklatscht und die Musiker gaben alles. Wer bis dahin mitgetanzt hatte, bekam zu „Being me“ die Chance, mit der oder dem Liebsten zu Schmusen. Die Stage war hier in blaues Licht getaucht und rote Lichtkegel wanderten umher. Doch dann war es wieder Zeit, die Glieder zu bewegen, denn eine dancige Version vom Wolfsheim-Klassiker „Once in a lifetime“ erklang – der Beat war extrem tanzbar.

Peter Heppner

Weiter ging es mit Wolfsheim und „Künstliche Welten“. Hier war zu merken, dass sich der Sänger sehr anstrengen musste, die Töne zu treffen – ab und zu traf er nicht ganz, aber schief klang es nicht. Die Lichtshow dazu war allerdings sehr genial! Nach „God smoked“ folgte ein langes instrumentales Intro, bevor die Menge endlich den Smashhit „The Sparrows And The Nightingales“ erkannte. Da explodierte die Stimmung wieder einmal und es wurde lauthals mitgegrölt. Die Musiker hatten ihre Freude an der Party und legten sich mächtig ins Zeug. So konnte gleich weitergefeiert werden, als „I feel you“ zu seinen Ehren kam. Viele Zuschauer tanzten ausgelassen. Das blieb auch bei „Wir sind wir“ so, wo die Lichter rosa und blau leuchteten. Peter bedankte sich nach jedem Stück und lächelte in den Saal. Gut gelaunt stimmte er nun „Kein Weg zurück“ an und Lichtkegel wanderten durch die Menge.

Und an dieser Stelle machten wir uns auf den Weg nach Hause – der Gothic-Abend des GMK war so gut wie zu Ende und wir hatten ordentlich Spaß. Wenn der folgende Abend dann auch so werden würde, konnte es nur gut werden. Zufrieden sanken wir daheim in die Betten und waren gespannt.

Weiter zu Tag 2

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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