Gothic meets Klassik: 04. & 05.11.2016 Leipzig – Tag 2

Für den Abend im Gewandhaus hatten wir uns, wie jedes Jahr, wieder hübsch gemacht. Nach einem leckeren Essen mit Freunden kamen wir pünktlich zum Einlass vor Ort an und dann hieß es warten, bis die Türen zur Konzerthalle auf gingen. Die Wartezeit überbrückten wir mit angenehmen Gesprächen unter Freunden.

Forced to Mode

Endlich ging es rein und dieses Mal saßen wir ganz oben rechts in den Rängen – wir hatten also einen Ausblick auf die komplette Szenerie samt Zuschauer. Den Anfang machten an diesem Abend die Herren von Forced to Mode und ihren Varianten von Depeche Mode-Klassikern. Aber zuerst kam das Sinfonieorchester Zielona Gora hervor und wurde mit Applaus begrüßt. Thomas, Matthias und Christian kamen zusammen mit Dirigent Czesław Grabowski nach draußen und der Jubel war groß. Matthias griff zur Gitarre, Thomas setzte sich ans Keyboard und Christian nahm Aufstellung am Mikrofon und dann begann ein langes instrumentales Intro. Der Sänger erhob schließlich die Stimme und die klassische Version von „Sister of night“ erklang – dabei wippten die drei Musiker mit und das Orchester sorgte für Gänsehaut bei den Zuhörern. Der zweistimmige Gesang erfüllte den ganzen Saal und nicht wenige im Publikum schauten sehr verzückt – es klang wahrlich schön! Christian selbst schien absolut erfüllt von der Stimmung im Raum. Er tänzelte herum und strahlte dabei übers ganze Gesicht – er schien das richtig zu genießen. Auch das Gitarrenspiel, das die klassischen Klänge gut unterstützte, kam super an. Dabei wurde die ganze Szenerie in rotes Licht getaucht. Nach dem ersten Stück, dass mit Begeisterungsstürmen honoriert wurde, verriet der Frontmann, dass für ihn an diesem Abend ein „absoluter Kindheitstraum“ in Erfüllung gehen würde und er „außerordentlich dankbar“ sei.

Forced to Mode

Nach diesen ergreifenden Worten bat er eine Künstlerin auf die Bühne, die er selbst schon viele Jahre verehrt und die sie hier nun unterstützen würde – die Rede war von Christiane Hebold, besser bekannt als Bobo von Bobo in White Wooden Houses – wie genial war das denn bitte?! Ich persönlich mag diese Sängerin ebenfalls schon lange und war absolut freudig überrascht. Gemeinsam boten sie uns dann eine Version von „Halo“ vor, die ihresgleichen sucht. Bobo sang im Refrain mit und die beiden Stimmen waren im absoluten Einklang. Dabei strahlten sich die beiden am Mikrofon gegenseitig an. Auch Thomas sang noch mit, so dass es dreistimmig wurde – ich hatte Tränen der Begeisterung in den Augen – DAS war herrlich! Nachdem der Applaus dann wieder abgeflacht war, wurde die Sängerin wieder verabschiedet und Thomas begann am Keyboard. Lila Strahlen leuchteten durch den Saal, die Blechbläser setzten ein und wir erkannten „Little 15“, wo einige Fans leise mitsangen. Das Orchester machte hier einen total guten Job – wir waren alle so begeistert. Dann kam Thomas hinter dem Keyboard vor und gemeinsam mit Christian sang er im Anschluss den Hit „Judas“. Matthias gab wieder alles an der Gitarre und wurde mit Applaus belohnt. Das lange Instrumental am Ende des Liedes lud zum Träumen ein und das Publikum wollte immer kaum aufhören zu Klatschen.

Forced to Mode

Wo Thomas nun einmal vorn war, übernahm er das Mikro gleich ganz für einen Track und sein Kollege übernahm am Keyboard. So aufgestellt gaben sie uns „One caress“ zum Besten. Das einzige, was hier nicht so ganz zur tollen Stimmung passen wollte, war, dass Thomas seine Hand in die Hosentasche steckte beim Singen. Ansonsten war alles perfekt und die roten Lichtstrahlen an der Decke sorgten für schöne Stimmung. Hiernach bedankte sich Christian beim Orchester und lud zum Mitklatschen ein – auch wenn es der edle Rahmen eigentlich nicht so zuließ, einige Fans kamen der Einladung nach, doch nicht lang. „Enjoy the silence“ bildete den Abschluss des Depeche Mode-Sets – es begann erst langsam und wurde dann immer flotter. Die Herren von Forced to Mode hatten sichtlichen Spaß an der Sache und gaben noch einmal alles. Der Sänger bedankte sich im Song noch einmal bei Organisator Steven Dornbusch und dem Orchester – „wir sehen uns wieder“. Dann rockte er seinen Gitarristen an, sang den Dirigenten direkt an und hatte seine Freude. Am Ende verbeugte sich das Trio gemeinsam und auch der Dirigent applaudierte ihnen. Das hat uns richtig gut gefallen! Und wenn Depeche Mode irgendwann einmal selbst auf die Idee kommen sollten, ihre Stücke klassisch aufzuführen – hier wurde es in Bestform vor gemacht!

Sven Friedrich

Nach einem flotten Umbau ging es direkt mit der zweiten Formation weiter – also eigentlich mit dem Sänger Sven Friedrich, der Stücke seiner verschiedensten Projekte in der klassischen Version präsentieren wollte. Das Orchester begann, als sein Solar Fake-Kollege Andre am Keyboard Aufstellung genommen hatte und endlich kam auch der Sänger heraus, wo ihn seine Fans lautstark bejubelten. Mit einem Lächeln trat er ans Mikrofon heran und seine Stimme schmeichelte unseren Trommelfellen. So ging es mit dem Solar Fake-Lied „The Pages“ in die Vollen. Das Licht war absolut schick und diese Variante kam gut an beim Publikum. Auch Sven selbst schien zufrieden und lächelte nur so vor sich hin. „Nochmal herzlich willkommen zum Gothic meets Klassik“, so seine begrüßenden Worte. Er schien trotz allem etwas nervös und so ging es direkt weiter mit „More than this“ – das hatte er bereits am Vorabend angekündigt. Zuerst erkannten wir das Stück nicht so recht, doch als er los sang, war alles klar. Und auch wenn Solar Fake eigentlich für tanzbare elektronische Klänge bekannt ist – die klassischen Fassungen funktionierten wahrlich super!

Sven Friedrich

Doch dann wurde es waviger – zuerst begrüßte der Sänger einige Kollegen von Zeraphine und gemeinsam mit dem Orchester gab es dann auch ein Stück dieser Band auf die Ohren – „Sterne sehen“. Dabei stand er in einem Lichtkegel und an der Decke waren lila Sterne aus Licht zu sehen, was der edlen Stimmung im Saal noch einen drauf setzte. Das Gesamtpaket war extrem stimmig! Mit „Die Wirklichkeit“ erklang der nächste Zeraphine-Klassiker, wobei Svens Stimme leider ein wenig zuviel Hall hatte. Schade! Trotz allem sangen die Fans leise auf ihren Plätzen mit und genossen die Darbietung mit einem seligen Lächeln im Gesicht. Und dann ging wieder mit Solar Fake im klassischen Gewand weiter – „Stay“. Der Frontmann sang hier mit geschlossenen Augen und viel Gefühl in der Stimme – Gänsehaut war garantiert. Dabei wurde hinter dem Orchester alles in rotes und blaues Licht getaucht. „Es ist so unfassbar, hier zu stehen“, war der Kommentar von Sven zu der tadellosen guten Stimmung im Gewandhaus. So begeistert stimmte er „I don’t want you in here“ an. Die Lieder waren doch insgesamt sehr gut zu erkennen, auch wenn die orchestrale Umsetzung einen völlig anderen Höreindruck bot – uns gefiel es aber super!

Sven Friedrich

Bevor es dann Zeit für den letzten Track war, bedankte sich auch Herr Friedrich beim Orchester, bei Conrad, der für die klassische Umsetzung verantwortlich zeichnet und „Danke an euch“. „Es ist unbegreiflich!“ Mit einer kleinen Verbeugung ging es dann auf zum Endspurt und „All the things you say“. Das Licht wechselte hier immer wieder zwischen lila und rot und Svens Stimme bildete eine Einheit mit dem Orchester. Zum Abschluss bedankte sich der Sänger mit Handschlag beim Dirigenten und unter vielen Applaus und mit zahlreichen Verbeugungen verabschiedeten sich Sven und seine Kollegen beim Publikum. Wir hätten gern mehr davon gehabt und wie schon zuvor bei Forced to Mode wurde sie mit Standing Ovations belohnt. Danke für diese besondere Darbietung!

Peter Heppner

Nun war es Zeit für die Pause. Im Saal wurde etwas umgebaut und wir hatten kurz die Möglichkeit, uns die Beine zu vertreten. Doch schnell ging es wieder zurück auf unsere Plätze – immer noch wartete ein Künstler auf uns. Das Orchester kam wieder unter Beifall herein und schließlich auch Peter Heppner und seine Musikerkollegen. Die Fans bejubelten ihn direkt und nach einem Handschlag mit dem Dirigenten ging es los mit „Wir sind wir“. Peter selbst schien noch ein wenig nervös und hielt sich an seinem Mikrofon fest, während er mit fester Stimme sang. Das Ganze klang wahrlich wundervoll und der Beifall war im Anschluss entsprechend frenetisch. Weiter ging es ohne große Worte mit „Leben…I feel you“, was ich persönlich ohne den Gesang irgendwie nicht erkannt hätte – diese Version war so ganz anders als das Original. Lila Lichtstrahlen wanderten hier durch den Saal und Peter gab alles. Als nächstes hatte er „Meine Welt“ in petto, wo auch hier buntes Licht, passend zum Text, aufflackerte. Seine Stimme ist echt etwas Besonderes und die Zuschauer waren mehr als begeistert. Nach jedem Stück verbeugte er sich kurz und weiter ging es – Ansagen fehlten irgendwie gänzlich. Nach „Being me“, was mir eine Gänsehaut bereitete, ging es weiter im Programm mit „Künstliche Welten“, wo die Musiker in gelbes und grünes Licht gehüllt wurden.

Peter Heppner

Den Text summten nicht wenige Zuschauer leise mit und Peter sang mit geschlossenen Augen. Stimmlich war er an diesem Abend besser drauf, als noch am Vorabend – die Nervosität war wohl allmählich von ihm abgefallen und er genoss das Ambiente. Hiernach begeisterte das Klavierspiel zu „Once in a lifetime“ besonders – es erfüllte den Saal mit seinen Klängen und wir schwebten auf den Tönen. Der Sänger bewegte sich so gut wie nicht und gab einfach nur alles, was seine Stimme hergab. So auch zu „Kein Weg zurück“, wo er sich bei dem instrumentalen Zwischenstück einfach mal umdrehte und die Musiker bei ihrer Arbeit beobachtete – er schien genauso fasziniert zu sein wie wir alle. Bei „Dream of you“ fand ich persönlich ja den Part der Geigen besonders schön anzuhören und der Beifall war mehr als gut. Als „Die Flut“ begann, wurde zuerst der Dirigent mit einem Spot in Szene gesetzt – toll auch mal diesen wichtigen Mann des Abends so richtig zu ehren und besonders hervorzuheben. Dann aber wechselte das Licht und die gesamte Szenerie wirkte getragen. Ich hatte den Eindruck, dass das Licht hier eine etwas andere Tonart erhalten hatte, doch trotzdem war es ein Genuss. Am Ende verbeugte sich Peter in alle Richtungen im Saal und genoss den Applaus. „Dankeschön! Wir wünschen euch noch einen schönen Abend“, so seine kurzen verabschiedenden Worte und schon verschwand er mit dem Dirigenten.

Impressionen

Doch das konnte es noch nicht gewesen sein. Das Publikum rief „Dacapo“ und „Zugabe“ und bald kam Peter wieder nach vorn: „So schnell werdet ihr mich doch nicht los“, war sein schelmischer Kommentar. Er bedankte sich bei Conrad für die tolle Umsetzung der Kompositionen, beim Orchester und seinem Dirigenten Czesław Grabowski und dann gab es „noch Mal ein Lied, das für mich eine ganz besondere Bedeutung hat – immer wenn wir im östlichen Teil der Republik zu Gast sind“. Gemeint war hier selbstverständlich „Wir sind wir“ und so genossen wir noch einmal dieses Stück. Am Ende holte Peter alle anderen Künstler des Abends auf die Bühne, wo sie sich gemeinsam bei Standing Ovations verbeugten. Der Dirigent kam von seinem Podest herunter und gab jedem die Hand als Dank für die gute Zusammenarbeit – für Bobo gab es sogar ein kleines Küsschen auf die Wange. Organisator Steven kam noch mit einem Strauß Blumen auf die Bühne, die er der Dame an der 1. Geige überreichte.

Das war dann auch ein besonders schönes Abschlussbild und wir verließen glücklich und begeistert das Gewandhaus. Die klassischen Versionen der Stücke waren allesamt gelungen und kamen beim Zuschauer gut an. Wir sind schon jetzt gespannt, was dann im Jahr 2017 so geboten wird – wir sind auf jeden Fall wieder mit von Partie! Und ihr?

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Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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