Heaven Shall Burn: 26.03.2017 Skaters Palace Münster

Ein gutes halbes Jahr ist es nun her, seitdem das achte Studioalbum „Wanderer“ von Heaven Shall Burn auf dem Markt ist. Kein Grund nach einer prompten Nummer drei Chartplatzierung für die fünf Jungs, die Füße hochzulegen, sodass sie auf ihrer aktuellen „Passage of the Crane“-Tour auch im Münsteraner Skater’s Palace Halt machten. Hier sollten sie am Abend des 26.03.2017 jedoch nicht nur den Schuppen zum Beben bringen, sondern zuvor auch nachmittags noch mit glücklichen Meet & Greet-Gewinnern eine Runde Fußball kicken. Zum Glück gab es hierbei keine Verletzungen, sodass der Einlass pünktlich von statten gehen konnte.

Selbst eine gute halbe Stunde vor Beginn des Supports Der Weg einer Freiheit hätten ambitionierte Fans noch einen Platz in den vorderen Reihen bekommen können. Die Stimmung war entsprechend entspannt und ein jeder unterhielt sich bei einem gepflegten Becher Gerstensaft. Trotz der noch kühleren Außentemperaturen waren die meisten schon sommerlich gekleidet, sodass es also zu erwarten war, dass der Abend heiß werden würde.

Der Weg einer Freiheit

Um das zum Teil entspannt auf dem Boden sitzende Publikum schon einmal aufzuwärmen, begannen die Würzburger (Black-)Metaller von Der Weg einer Freiheit mit einem gut durchgemischten Programm an härteren und ruhigeren Titeln. Wie gewohnt versteckten sich die Herren in reichlich Nebel und lugten nur durch spärliche Beleuchtung aus demselben hervor, gaben soundmäßig jedoch in ihrem etwa 40-minütigem Bühnenprogramm mit Titeln aus „Repulsion“ und „Stellar“ alles. Außerdem kündigten sie für August 2017 ein neues Album an, welches sie mit einem ausgewählten Stück auch gleich anteaserten. Das feierten die Konzertbesucher mit lauten Jubelrufen, hochgestreckten Pommesgabeln und gepflegter Moscherei. Anschließend lud die Band noch zum gemeinsamen Plaudern an den Merchstand ein – nur eine Gelegenheit, gleich einmal tiefer zu bohren, was das neue Material anging.

Heaven Shall Burn

Während der Umbaupause füllte sich der Raum vor der Bühne schon wesentlich mehr und die Leute drängten sich zusammen. Auf der Stage wurden indes große hängende LED-Wände in die Höhe gezogen, das Schlagzeug an die richtige Stelle gefahren und Mikros platziert. Schneller als erwartet gingen die Lichter aus und das Intro an, worauf die Fans Heaven Shall Burn mit tosendem Applaus und Jubelrufen zu „Hunters will be Hunted“ begrüßten. Sänger Marcus lobte das Publikum für das zahlreiche Erscheinen und konnte sich einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: „Im Osten wären wohl nicht so viele gekommen“. Dazu ist zu sagen, dass die Formation an einem Sonntag spielte – während der Tatort-Primetime. Das ging bei den Münsteraner Fans natürlich runter wie Öl und dies dankten sie den Herren mit inbrünstigem Gesang zu „Bring the War Home“. Während im Hintergrund die Bilder von Soldaten und Schlachtfeldern über die Leinwand flimmerten, starteten vereinzelt bereits die ersten Crowd-Surfer, die sich mit erhobenen Händen singend über die Köpfe des Publikums tragen ließen. Nach noch nicht einmal der Hälfte des Konzerts waren Band und Zuschauer schon völlig durchgeschwitzt und auch „Voice of the Voiceless“ sollte keinem Zeit zum Verschnaufen geben. Denn was Marcus mit „Macht was draus“ ankündigte, setzten die Fans frenetisch um. Das entging den Musikern natürlich nicht, wofür es immer wieder einen Daumen nach oben gab. Insgesamt war den Jungs auf der Bühne der Spaß förmlich anzusehen. Zu „Downshifter“ wechselten die LED-Wände zunächst zum Bild des aktuellen Covermotivs von „Wanderer“ und immer wieder schnipste Bischoff gut gelaunt hin und her, schrie in das Mikro, was das Zeug hielt und nutzte die kleinen instrumentalen Pausen um sich etwas zu erholen. Bereits am Vormittag hatte sich die Band sportlich betätigt. In der Soccerworld hatten einige Fans die Gelegenheit zusammen mit den Musikern beim Fan-Event ein paar Bälle zu kicken. Als Dank gab es aus dem Publikum etwa „Marcus ich liebe dich“-Rufe von einem männlichen Fan. Nach „The Old Man“ und „Passage of the Crane“ mussten Sänger und Kollegen erst einmal „Kurz Luft holen!“, bevor Publikum und Band noch einmal richtig Gas geben sollten. „Wollt ihr noch einmal einen Gang hochschalten?“, fragte Marcus die Fans, die natürlich frenetisch zustimmend jubelten. „Ihr habt bei unseren ruhigeren Liedern noch genug Zeit euch auszuruhen“, versprach er. Doch nun gab er den Zuschauern das Zeichen für einen langsamen Circle Pit: „Bewegung! Schön gemütlich.“, ordnete er an. Währenddessen spielte die Formation ihr Intro „Awoken“ zu „Endzeit“, bei dem das Publikum völlig ausrastete und zum Text und Breakdown „We are the Final Resistance“ die völlige Beherrschung verlor. Nach und nach schossen immer mehr Crowdsurfer in die Höhe und ließen sich über die Köpfe der anderen tragen, um wieder schnell zurück in die Menge zum weiteren Mitgrölen zu rennen. Ein furioses Finale, was Heaven Shall Burn da ablieferten und sich nach dem letzten Lied des Sets Backstage kurz frisch machten.

Heaven Shall Burn

Als hätten sich Band und Publikum nicht schon bis zum Äußersten verausgabt, fragte Sänger Marcus auch noch „Habt ihr noch Kraft?“, bevor er und seine Bandkollegen noch drei Zugaben zum Besten gaben. Natürlich durften hier die lang erwarteten Klassiker wie „Black Tears“ und „Godiva“ nicht fehlen, bei dem das Auditorium Gitarrensoli bekam und sie gemeinsam mit den fünf Thüringern noch einmal alles gaben. Erschöpft sprang der Frontmann von der Bühne in die Menge, ließ sich von ihr durch den Raum auf Händen tragen und klatschte anschließend noch mit den Fans in den vorderen Reihen ab.

Wer den Abend noch ruhig ausklingen lassen wollte, konnte mit der Band anschließend am Merchstand oder an der Bar die verlorene Flüssigkeit auffüllen und den Gig noch einmal Revue passieren lassen. Wer jedoch einen weiten Heimweg antreten musste, begab sich auf direktem Weg in das Dunkel der Nacht und summte das Intro von „Corium“ vor sich hin.

Autor & Photos: Mistifly

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