Hell Nights 2017: 27.10.2017 Conne Island Leipzig

Die Hell Nights sind jedes Jahr der Anlaufpunkt für alle Fans von Horrorpunk, Rockabilly und Rock’n’Roll. Die Veranstalter The Other suchen sich befreundete Bands, mit denen sie eine kleine Hell Nights Tour durch Deutschland machen – so auch dieses Mal. Mit von der Partie waren Scarlet and the Spooky Spiders aus Italien und die Formation Kitty in a Casket aus Österreich. Am 27.10.2017 machte der Tross im Conne Island in Leipzig Halt und wir waren für euch mit dabei.

Scarlet and the Spooky Spiders

Wir kamen pünktlich zum Einlass am Conne Island an – nachdem wir einen Parkplatz gefunden hatten, denn die Location liegt ein wenig versteckt abseits der Hauptstrasse. Die kleine Konzerthalle bot Sitzplätze und so warteten wir gespannt auf die erste Combo des Abends. Das waren dann Scarlet and the Spooky Spiders. Am Mikrofonständer warteten bereits mehrere Schädel auf Frontmann Scarlet Spider, der mit geschminkten Gesicht und Schlapphut auf dem Kopf daher kam. Auch seine Kollegen waren allesamt geschminkt, so dass es aussah, als ob Skelette oder Zombies für uns aufspielen würden. Mit einem knappen „Ciao Leipzig“ begrüßte uns der Sänger und schon ging es los „To the beach“. Die Stimme, die mich stark an Elvis Presley erinnerte, kam gut rüber und auch der dreistimmige Gesang beim Refrain kam gut beim Publikum an, das nach und nach immer zahlreicher wurde. Drummer Emilio war leider kaum zu erkennen, da er vollkommen im Dunkeln saß – schade, denn er sah aus wie ein Ork aus Isengard – mit der weißen Hand im Gesicht. Dafür war Bassistin DeathWish ein Hingucker mit ihren engen Hosen und der blonden Mähne, die sie immer wieder im Takt hin und her warf. „Freaky fucking Hell Nights – we are Scarlet and the Spooky Spiders“, so die kurze Vorstellung und schon wurde das nächste Stück „Kickin against the coffin“ angestimmt.

Scarlet and the Spooky Spiders

Immer mit Sonnenbrille auf der Nase legte Scarlet selbst immer flotter los – er war echt gut drauf. Die Gitarristen Lurch und Evil rockten, was das Zeug hielt – mal standen sie beieinander und mal liefen sie von links nach recht und wieder zurück. Und am Ende des Liedes gab es ein beeindruckendes Solo – „Oh yeah“. Die Tracks gingen hier nahezu nahtlos ineinander über, so dass es kaum einen Moment zum Verschnaufen gab. Nach „20th century radio“ wurde es sogar noch schneller mit „Bang bang bang“. Vor der Stage wurde schon etwas mitgetanzt und auch ab und zu mitgeklatscht – nach und nach nahm der Stimmungszug Fahrt auf. Mit einem Hinweis auf den Merchandisestand nahm der Sänger dann doch mal seine Brille ab, zog seine Jacke aus und stimmte „Horror play“ an. So konnte er noch ausgelassener zu den eigenen Klängen abtanzen und dann folgte ein Stück „from upcoming album – for all the Dr. Who fans“ – „The man in the box“. Passend dazu war hier die Bühne in blaues Licht getaucht – schließlich ist die Tardis von Dr. Who ja auch blau. Nach jedem Stück war der Beifall ganz gut und der Frontmann bedankte sich mit einem „big, big thank you“. Gegen Ende folgte dann ein großes Dankeschön an die gesamte Zuschauerschar, an The Other, die Merchandise-Crew und „Dankeschön Leipzig“. Als letztes kam noch ein neues Lied zu seinen Ehren, wo die Gitarristen wieder am vordersten Bühnenrand alles gaben und Scarlet Spider an seinem Schädel-Mikroständer tanzte. Als die letzte Note verklungen war, nahm er sogar den Hut ab und verbeugte sich tief. „Have a great Hell Night“, so die verabschiedenden Worte. Schnell war die Bühne leer und es wurde umgebaut für den nächsten Act.

Kitty in a Casket

Nach einem Intro kamen die Herren von Kitty in a Casket nach vorn und griffen zu ihren Instrumenten. Mittlerweile war es vor der Stage voll – die Fans warteten schon auf das Energiebündel Kitty und dann war sie auch schon da. Sofort sprang die Sängerin herum und die Zuschauer taten es ihr gleich. „White Lies“ wurde ordentlich gefeiert und überall flogen schon die Haare oder aber die Hände waren in der Luft zum Mitklatschen. „Leipzig, es ist so geil, wieder bei euch zu sein – geht’s euch gut?!“ Kitty heizte mächtig ein und in der ersten Reihe feierten auch die Herren von Scarlet and the Spooky Spiders mit ab. Mit „Run run“ folgte dann ein „Lauf und Sport-Song“ – das wurde ein regelrechtes Workout – wie kann die kleine Frau sich so verausgaben und dann auch noch ohne Schnappatmung singen?! Wahnsinn! Die Gitarristen Billy, Todd und Marc waren ebenfalls gut drauf und stellten sich immer wieder zusammen, um sich gegenseitig anzustacheln. Die anschließende Frage „Seid ihr schon in Helloween-Stimmung?“ wurde lautstark bejaht und so nahm uns die Band mit auf einen „Midnight Thrill-Ride“. Dreistimmig gaben sie alles und Kitty grinste die ganze Zeit über. Ihre gute Laune war absolut ansteckend und so wurde es immer ausgelassener vor der Bühne. Die ersten wurden sogar etwas übermütig, so dass Bier über alle Zuschauer spritzte. „Von unserem neuen Album“ folgte im Anschluss „Sweet love“, doch vorher lud uns die Sängerin noch an den Merch-Stand an, um mit ihr und den Kollegen nach dem Gig noch abzufeiern. Auch Drummer Max sang hier mit, während er wie ein Irrer auf die Felle eindrosch.

Kitty in a Casket

Für den Track „Monster Highschool Party“ wechselte Marc vom E-Bass zum Kontrabass, was ich persönlich ja immer total cool finde – ich mag das große Instrument. Weil die Meute so gut mitging, meinte Kitty glücklich: „Schön hier bei euch!“ Mit viel Applaus gaben die Zuschauer zurück, dass sie genauso viel Spaß hatten und zu „Dancing with the devil“ wurde noch wilder getanzt. Der Sound war echt gut und Kittys Stimme klang großartig. Besonders cool war hier der Rhythmuswechsel und der daraus folgende „Schunkel-Part“, wo alle im Takt hin und her wippten. Während „Stick & Stones“ sang die Frontfrau die Fans in der ersten Reihe an, während sich knapp dahinter ein Moshpit bildete. Auf einem Kontrabass steht es sich doch auch ganz gut, dachte sich die Sängerin wohl und schon führte sie uns diesen Gedanken auch vor – dabei wurde selbstverständlich weiter gesungen. Der Beifall war ihr dafür sicher. Anfeuer-Sprüche hätte es kaum noch gebraucht, dennoch heizte sie der Menge immer weiter ein – die Tanzenden wurde immer wilder, was nach und nach echt unangenehm wurde, wenn Bierfontänen oder das Knie eines wilden Tänzers im Rücken oder in der Seite des danebenstehenden Zuhörers landeten. Die Security griff sogar kurzzeitig ein – aber alles gut. Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Der folgende Track war „for Scarlet and the Spooky Spiders – because we are having so much fun on tour“. Die Angesprochenen bedankten sich mit Jubelrufen und dann wurde zusammen zu „Bride of the monster“ Party gemacht. Die Fans sangen hier laut mit und am Ende hob Marc hielt seinen Kontrabass in die Höhe – „Leipzig, ihr seid geil!“. Nach einem weiteren Stück vom „neuen Album“ gab es wieder einen Griff in die Klassiker-Kiste und so grölten wir alle mit bei „Kreepsville 666“ – der „Mitmach-Teil“ klappte tadellos. Kitty war sichtlich zufrieden und bedankte sich für die Beteiligung. Die Jungs an den Saiten machten sich einen Spaß und gaben sich wie einst die Herren von ZZTop – gemeinsam wurde gewippt – cooles Bild! Als letztes Stück gaben sie uns dann noch „Kiss my ass“ vom aktuellen Album zum Besten – ein Lied über die „all day Probleme“, wo alle Anwesenden noch einmal alles gaben. Die Arme waren oben und Zugabe-Rufe wurden sofort laut, nachdem der letzte Ton gespielt war. Die Band erhörte das auch direkt und mit einen „letzten Aufwärmrunde vor The Other“ kam noch „Feuer und Eis“ zur Geltung. Der deutsche Text kam gut an und die Zuschauer feierten die Sängerin und ihre Kollegen mit lautstarkem Jubel. Glücklich grinsend verbeugten sich die Musiker noch einmal und dann war auch schon wieder Bühnenumbau angesagt.

The Other

Schließlich wurde es Zeit, um dem Veranstalter und Headliner des Abends beizuwohnen – während des Intros kamen Drummer Dr. Caligari, Gitarrist Ben Crowe, Gitarrist Pat Laveau, Bassist Chris Cranium und Frontmann Rod Usher nach vorn und ein lauter Beifall empfing sie. Auf der Bühne brannten Kerzen und mehrere Banner standen herum – davor wurde direkt losgerockt und mit „A Party at Crystal Lake“ ging es in die Vollen. Leichte Soundprobleme begleiteten hier kurzzeitig den Auftritt, doch zum Glück gab sich das schnell wieder. Rod war gut drauf und stand kaum einen Moment still – mal war er am vorderen Bühnenrand und dann tanzte er wieder vor den Drums im Takt mit. Die Stimmung war hier direkt wieder am Siedepunkt und die Fans tobten sich mächtig aus. Wieder wurde es wild in der Menge, so dass ich persönlich lieber Abstand nahm, um keine blauen Flecken davonzutragen – schade eigentlich, wenn die Zuschauer keinerlei Rücksicht aufeinander nehmen und das wurde immer schlimmer im Laufe des Gigs. Weiter ging es musikalisch mit „Bloodsucker“, wo das Publikum den Refrain laut mitsang – „Ist das toll!“, so der Kommentar der Band dazu. Bassist Chris war absolut ausgelassen und auch seine Kollegen an den Saiten waren wild drauf. „Leipzig, ihr seid ’ne Herzensangelegenheit. Ihr seid super!“, so begrüßte der Sänger seine Fans. Nachdem sie „The other ones“ „lange nicht live gespielt“ hatten, fand es an diesem Abend wieder einmal seinen Weg in die Setlist und schon wurde es angestimmt – es ging mächtig ab und der Moshpit tobte. Der vierstimmige Gesang tat da noch sein Übriges. Rod hatte seinen Spaß und grinste übers ganze Gesicht. Nach „Dream of the devil“ gab es für uns alle einen Hinweis auf das neuste Album „Casket Case“ und daraus hörten wir sodann die aktuelle Single „Dead.and.Gone“. Hierbei wechselten die Gitarristen untereinander immer mal wieder den Standort – so wurde es nicht langweilig und es gab immer was zu schauen auf der Stage. Der Track kam gut an, was die Musiker sichtlich freute. Doch nicht nur die neuen Klängen fanden Zustimmung – auch die Klassiker wie etwa „The Creature from the black lagoon“ wurde wild abgefeiert. Genauso das nächste Stück, dass sie „von The Fright geklaut“ hatten – „End of days“ kam gut rüber und da die Musiker von The Fright im Publikum zugegen waren, wurde es besonders ausgelassen. Auch hier gab es kaum Verschnaufpausen zwischen den Tracks und so meinte Rod gut gelaunt: „Der Tod steht euch gut“ – die Fans sangen das Lied mit und die tanzende Meute war wilder denn je. Ich war echt froh, in Deckung gegangen zu sein, denn ab und an dachte ich, dass sich einige der Zuschauer gleich gegenseitig auf die Fresse hauen würden, was glücklicherweise nicht geschah.

The Other

Nicht nur dafür gab es „1000 Dank“ von der Band – sie fanden die großartige Stimmung super und feierten selbst so wild, dass ihre Shirts durchnässt an ihren Körpern klebten. Weiter ging es mit „Take you down“, wo überall die Haare flogen – auch wenn es kein Metal-Konzert war, wurde mächtig gebangt. Mit „She’s a ghost“ wurde es im Anschluss dann „etwas romantischer“ – wohl aber nur vom Text her, denn Rhythmus und Stimmung blieben ungezügelt und ausgelassen. Hiernach nahm uns die Formation mit zu einem „kleinen Ort vor Köln“, wo einst ein Mann lebte, der wohl ein Werwolf gewesen sein soll. Darüber machten sie einen Song und diesen gab es dann zu hören – „Werewolf of Bedburg“. Neue und alte Klänge wechselten sich hier immer gut ab und dieser neueren Melodie folgte mit „Skeletons in the Closet“ ein wahrer Klassiker, der so laut mitgebrüllt wurde, dass die Musiker kaum noch zu hören waren. So fielen die leichten Stimmprobleme von Rod auch kaum auf – er war schon ganz gut ausgepowert, aber von Müdigkeit keine Spur – es wurde weiter Gas gegeben. Mit einem Dank an Kitty in a Casket und Scarlet and the Spooky Spiders – „wir sind mit Freunden unterwegs“ – wurde schließlich „Puppet on a string“ angestimmt, was den beiden Vorbands gewidmet war. Alle im Saal klatschten hier im Takt mit und natürlich sangen die Fans auch jede Silbe mit. Leider war die zweite Stimme etwas leise, aber dafür war die Menge umso lauter. Rod lächelte die ganze Zeit über und so ging es weiter mit einer „kleinen Hommage an die beste Band der Welt – die Ramones“. Gemeint war hier „X-Ray eyes“ von der aktuellen CD. Das folgende Stück „Castle Rock“ entführte uns „in die Welt von Stephen King“ und wieder wurde es brutal im Moshpit. Und wem es noch nicht gruselig genug war – die Band besang hiernach die „Lover’s lane“, „wo viele Männer ihre Frauen hinbringen“. Das laute Mitbrüllen, was der Sänger einforderte, klappte selbstverständlich tadellos. Zum Lied „Counting the flies“ erklärte er, dass das Stück einst durch Madendoktor Mark Benecke inspiriert war, mittlerweile aber eine „ungeahnte gesellschaftliche und politische Message“ enthielt – gibt es doch in Deutschland immer weniger Insekten, was schlimm sei. Und so – „für alle Insekten“ wurde nun gespielt – coole Nummer! Wieder folgte dem neuen Stück ein bekanntes – dieses Mal war es „Back to the cemetery“, wo die Fans wieder lauthals mitbrüllten. Das machte so einen Spaß! „The lovesick mind“ hatten sie „lange, lange, lange nicht mehr gespielt“, also wurde es mal wieder Zeit und Bassist Chris ging hier absolut mächtig gewaltig ab – so schaut Spielspaß aus. Die Arme der Menge waren oben, denn es wurde mitgeklatscht. Und dann folgte der „wahrscheinlich letzte Song des Abends“ – die Rede war von „Little Black Riding Hood“, von der neuen CD.

Mit diesen Klängen in den Ohren machten wir uns dann auf den Heimweg, denn wir hatten uns so ausgepowert, dass wir allmählich müde wurden. Wir hatten auf jeden Fall viel Freude an den drei Gigs. Ein wenig nervten die rücksichtlosen Tänzer, aber nachdem wir uns ein wenig abseits positioniert hatten, ging es dann und wir konnten die Musik genießen. Danke an dieser Stelle an The Other und die beiden anderen Bands – diese Hell Nights Tour war definitiv einen Besuch wert und wir freuen uns schon auf die Fortsetzung im kommenden Jahr.

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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