Jimmy Eat World: Integrity Blues-Tour 2016 16.11.2016 Skaters Palace Münster

Drei Jahre haben sich Jim Adkins und seine Bandkollegen von Jimmy Eat World Zeit genommen, um ihr neues Album „Integrity Blues“ zu veröffentlichen. Mit ihrem mittlerweile elften Album in dreizehn Jahren Bandgeschichte kamen die sonnenverwöhnten Amerikaner aus Arizona nun auch auf Tour in das graue und nieselige Münster. Mit im Gepäck hatten sie die erfolgreiche englische alternative Rockband Deaf Havana.

Deaf Havana

Pünktlich und geordnet strömten die Besucher am 16.11.2016 in den Skaters Palace, um sich nach dem langen Anstehen in der Kälte nun in der Skatehalle aufzuwärmen und die besten Plätze zu sichern. Der Raum füllte sich schnell, sodass es nur noch wenige Möglichkeiten gab, einen guten Stehplatz mit freier Sicht auf die Bühne zu ergattern. Diese war bereits beleuchtet und als Deko und interessantes Beleuchtungsmittel dienten Straßenlaternen, welche wie die üblichen Scheinwerfer zum Einsatz kamen. Als die Briten die Bühne betraten und ihren ersten Song „22“ begannen, kam sofort gute Laune bei den Konzertbesuchern auf. Kaum ein Zeh oder Knie wippte nicht mit, kaum ein Gast rief nicht „Yeah, nobody but you!“ Sänger James Veck-Gilodi entgegen, als er vom Song getragen über die Bühne fegte. Auch Deaf Havanas letztes Album wurde im Jahr 2013 veröffentlicht, sodass die Band nun im kommenden Januar ein neues auf den Markt wirft. Um „All These Countless Nights“ schon einmal zu promoten, spielten sie gleich vier neue Songs und luden bei „Sing“, welches Mitte diesen Jahres bereits als Lyricvideo erschien, zum Mitsingen ein. „Trigger“, ein Song mit absolutem Tanzpotential, trieb die Stimmung dabei auf ihren Höhepunkt. Fast schon schade, dass nach insgesamt sechs Liedern und einer halben Stunde Spielzeit die sympathischen Briten schon wieder von der Bühne mussten. Mit den Worten „Thank you, you’ve been beautiful!“ verabschiedeten sich Deaf Havana und das Publikum klatschte noch einmal ekstatisch zu „Mildred (Lost A Friend)“ mit. Wer nicht lautstark mitsang oder klatsche, ließ sich von den bereits so willig in die Luft gestreckten Armen der anderen Besucher über die Köpfe tragen.

Jimmy Eat World

Klar, dass nach viel Enthusiasmus der Akku während des Umbaus erst einmal aufgeladen werden musste. Eilig strömten die Konzertgänger, welche zum Teil über die Jahre mit Jimmy Eat World aufgewachsen waren, zur Theke, um auf den bevorstehenden Höhepunkt anzustoßen. Was die Menge zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Es sollte ein energiegeladener Abend werden, der alles von Band und Publikum abverlangte. Schnell füllte sich der Raum wieder und es gab kaum noch freie Stellen, um sich ungehindert zu bewegen. Als die Pausenmusik und das Licht endlich ausgingen und die Band auf die Bühne trat, wurde sie mit sehr lautem Applaus und Jubelrufen begrüßt. Mit der Ankündigung „we gotta play some really, really new songs“ und dem Opener „Get Right“ aus ihrem aktuellen Album sowie der gleichnamigen Tour „Integrity Blues“ eröffneten Jimmy Eat World den fulminanten Abend. Sänger Jim Adkins schien über die Jahre stimmlich wie äußerlich kaum gealtert zu sein und haute bereits zu Anfang in die Vollen. Bereits beim Gitarrenintro des zweiten Song „Bleed Amarican“ fing das Publikum an, im Takt zu hüpfen. Den mangelnden Platz ertanzte sich ein ganz besonderer Besucher – der mitgerissen von der Musik hin- und hertanzte, in Trance sein Bier in die Luft streckte und bereits jetzt vollkommen durchgeschwitzt war. Auch die Musiker hauten energiegeladen in die Saiten, Tasten und Drums, sodass nach einem fulminanten Auftakt ein ruhiger Block mit Akustik-Gitarre folgte. Zu „Hear You Me“ wurde zunächst das Licht gedimmt, die Feuerzeuge gezückt, die Freundin oder der Freund in den Arm genommen und im 6/8 Takt mitgeschunkelt. Ein Song auch für die Band, um sich zu erholen und einmal durchzuatmen.

Jimmy Eat World

Doch trotz lautem Beifalls und zustimmenden Beifalls ließ sich die Formation nicht bremsen und motivierte das Publikum zu „If you don’t, don’t“ mit „If you don’t know, why would you say so?“ zum starken Dialog, wobei alle laut mitsangen und die Arme in die Luft streckten. Wie ein Wirbelwind fegte der der Frontmann in den musikalischen Interludes über die Bühne, sprang und drehte sich, sodass er durch die heißen Strahler bereits nach der Hälfte des Konzerts ein neues Hemd benötigt hätte. Doch Sänger und Kollegen ließen sich keine Pause und spielten sich und ihre Fans mit „This Is Heaven“ und den Worten „You guys look amazing!“ in den Himmel. Ihren wohl bekanntesten Song hoben sich die fünf durch und durch gut gelaunten Amerikaner, die auch noch nach über 20 Jahren Bandgeschichte und unzähligen Konzerten Spaß auf der Bühne haben, jedoch für das Finale auf. Nach einer gut gemischten Reise durch elf Alben und insgesamt über 20 Song verabschiedete sich die Band, um sich nur kurze Zeit später durch die lauten „Zugabe“ Rufe wieder auf die Bühne zurück rufen zu lassen.

Jimmy Eat World

Wortführer Adkins bedankte sich in aller Form beim Publikum, gab beim wohl bekanntesten Song „The Middle“ noch einmal alles und reaktivierte alle Reserven. Dies taten ihm die Konzertbesucher gleich und rockten noch einmal ordentlich ab. Spätestens jetzt gab es wirklich niemanden mehr im Raum, der in irgendeiner Form noch still stehen konnte und nicht wenigstens mittanzte oder in die Luft hüpfte. Auch nach mittlerweile fünfzehn Jahren ist der Song immer noch der Gassenhauer mit absolutem Ohrwurmcharakter, den wohl jeder auf dem Nachhauseweg noch im Ohr gehabt haben wird.

Ausgelaugt und mit einem zufriedenen Gesicht entließ die Band das Münsteraner Publikum nach insgesamt drei Zugaben in die kalte graue Nacht, aus der sie in Strömen gekommen waren. Willig ergatterten einige noch neben den unvergesslichen Erinnerungen des Konzerts einige Schmuckstücke in Form von Plektren oder Merchandise-Artikeln, um noch an diesen Abend zurückzudenken. Aber auch die Letzten mussten schließlich aus der Halle gefegt und ins Nasskalte hinaus ihrer Wege geschickt werden. Noch aus der Ferne waren vereinzelt singende Fans zu hören, die im Dunkel der Nacht verschwanden.

Autor & Photos: Mistifly

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