Kadavar: 12.11.2016 Sputnikhalle Münster

Am 12.11.2016 machte die deutsche Stoner-Rockband Kadavar Halt in der Sputnikhalle in Münster. Mit im Gepäck hatten die drei Berliner die Dresdener „Krautrocker“ Wucan sowie die slowenischen Blues-Rocker Stray Train. Während die Mehrheit der Besucher sich bereits in der Veranstaltungshalle mit Gesprächen und Gerstensaft die Zeit bis zum Beginn vertrieben, warteten andere Konzertgänge noch in der Kälte auf ihre Begleitung. Bereits beim Betreten der Sputnikhalle wurde klar, dass der Raum voll werden würde. Wer nicht schon seinen Platz vor der Bühne eingenommen hatte, stand an der Bar oder saß im hinteren Teil nahe der Garderobe auf treppenstufenartig angeordneten Erhöhungen.

Stray Train

Pünktlich starteten Stray Train mit „Soulseller“ als Opener. Die fünf Slowenen mussten sich schon sehr auf die kleine Bühne zwängen, sodass die Bewegungsfreiheit der Musiker etwas eingeschränkt war. Dafür heizte Sänger Luka Lamut mit weiteren Songs von ihrem Debütalbum kräftig ein, sodass die mittlerweile proppe gefüllte Halle zu wackeln begann. Auch die Besucher wippten hin- und her. Die erfahrenen Musiker gründeten Anfang 2015 ihre Band, um mehr oder auch weniger erfolgreiche Blues-Rock Titel zu covern. Ohne es anfangs geplant zu haben, entwickelte sich diese kleine Idee zu einem großen Abenteuer, welches dazu führte, dass ganz schnell auch eigene Songs zum Repertoire hinzukamen. Im Januar 2016 veröffentlichte die Band dann nun ihr erstes eigenes Album „Just ‘cause you got the monkey off your back doesn’t mean the circus has left town“, welches sie nun auch mit den nachfolgenden Songs „I wish I could be free“ und „Wander Man“ promoteten. Beinahe hätte die Combo sogar die Tour absagen müssen, doch alle waren froh, dass sie doch spielen konnten. Und so verabschiedeten sich Stray Train  nach etwa zwanzig Minuten feinsten Blues-Rocks.

Wucan

Mit der nächsten Supportband sollte es musikalisch psychedelisch werden. Die Formation Wucan um Frontfrau Francis bezeichnet ihren Stil dabei selbst als „Krautrock“. Das Publikum sollte nun eine energiegeladene Performance mit Psychedelic-Ausuferungen erwarten. Bereits zu Beginn des Konzert schienen einige Besucher den Begriff Krautrock etwas zu ernst genommen zu haben, da sie wie benommen hin- und herschwankten. Wer es bis nach vorn zur Bühne geschafft hatte, konnte die Band nicht nur hören, sondern auch sehen. Bei dem fast überfüllten Haus war dies jedoch nicht überall möglich. Mit „King Korea“ und „Owl Eyes“ starteten die Dresdener in ihren Showact, bei dem die Sängerin immer wieder zur Querflöte griff und die Massen mit ihren schnellen Läufen mitriss. Mit der Frage „Habt ihr Bock auf Rock?“ und „Habt ihr Bock auf Flötenrock?“ schienen alle Hemmungen beim Publikum gefallen und es wurde geheadbangt, was die Nackenmuskulatur hergab. Bei „Ebbe und Flut“ und dem fast fünfzehnminütigem „Wandersmann“ spielten sich die Musiker in Ekstase und brachten die Konzertbesucher zum musikalischen Höhepunkt.

Kadavar

Nach dem Kontrastprogramm und einer kurzen Umbaupause wurde das Licht zunächst stark gedimmt und die Bühne erstrahlte – mehr oder weniger – in einem dunkelblauem Licht, was die Leute bereits jetzt schon freidrehen ließ. Aus dem Dunkel betrat nun Schlagzeuger Tiger zuerst die Bühne. Im schwarzen Rüschenscherpen besetztem Hemd nahm der Berliner Platz hinter den Drums und neben seinem Ventilator. Mit „The Old Man“, „Last Living Dinosaur“ und „Lord of the Sky“ heizten die drei optisch in den 70ern gefangenen Hippies den Münsteranern ordentlich ein. Nachdem das Publikum der Band schon im vornherein mit lautem Applaus gebührend Tribute gezollt hatte, sollte es dafür mit einem Kracher nach dem anderen belohnt werden. Schlagzeuger Tiger schüttelte dabei unentwegt seine lange blonde Mähne im Takt. Auch bei ruhigeren und doomigeren Stücken wie „Forgotten Past“ hielten die Wände der „Sputte“ stand, als der Boden zu zittern begann. Mit „Creature of the Demon“ schien die Performance jedoch abrupt beendet und die Band verschwand im Dunkeln – wie sie gekommen war.

Da das Publikum aber hartnäckig blieb und nicht aufhörte zu klatschen und zu jubeln, ließ sich die Band um Gründungsmitglied und Sänger Lupus noch zu ihrem Beatles-Cover „Helter Skelter“ als Zugabe hinreißen. Insgesamt zeigten sich Kadavar von ihrer besten Seite und überzeugten nicht nur outfittechnisch, sondern auch musikalisch auf ganzer Linie, was das Publikum zu Recht mit einem frenetischem Applaus belohnte.

Autor & Photos: Mistifly

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