Leipziger Buchmesse 2017: 23.-25.03.2017 Messe Leipzig – Tag 1

Ein Besuch der Leipziger Buchmesse – ein MUSS für jede Bücherwurm, jede Leseratte und alle bibliophilen Menschen dieses Landes. Vom 23.-26.03.2017 war die Leipziger Neue Messe Ort des Geschehens – und UnArt war wieder einmal für euch mittendrin. Die Leipziger Buchmesse (LBM) bot zusammen mit der Manga-Comic-Con (MCC) in allen fünf Messehallen das breite Spektrum der Literatur. Lest hier, was wir für euch alles miterleben durften:

Impressionen LBM 2017 – Tag 2

Pünktlich 10Uhr öffneten die Tore und alle Lesewütigen stürmten in die Hallen – so auch ich. Dort gab es zahlreiche liebevoll gestaltete Messestände – mal bunt, mal utopisch, mal geradlinig oder auch mal überladen dekoriert. Am Stand des Verlages Edition Roter Drache etwa gab es ein Krimi-Gewinnspiel, bei den drei ??? konnten Besucher ebenfalls an Gewinnspielen teilnehmen und in der Halle der MCC boten vielen Stände eine Tombola mit verschiedensten Preisen an – so konnte jeder, der oder die wollte, ordentlich absahnen und viele Mitbringsel abstauben. Zu Essen gab es auch hier und da – gratis Dickmann’s wurden etwa gern genommen oder frisch zubereitete Nudelgerichte. Aber ich war ja nicht zum Futtern da, sondern um das reichhaltige Angebot der Lesungen zu genießen.

Thomas Galli

Den Anfang machte Thomas Galli, der sein Werk „Die Gefährlichkeit des Täters“ vorstellte. Als ehemaliger Leiter eines Gefängnisses hatte er Erfahrung mit Straftätern und schrieb über deren Antrieb. Das Buch, das „eigentlich kein Sachbuch“ sei, beschäftigte sich genauer mit der Frage „um die Gefährlichkeit“ der einzelnen Täter – „Wie kann man einschätzen, ob jemand gefährlich ist?“ Die realen Geschichten, die in dem Werk beschrieben waren, zeigten einen kleinen Ausschnitt der Erlebnisse Gallis. Der sympathische Mann las aus einer Story über einen Sicherheitsverwahrten und seine Entwicklung – „Die Frau im Käfig“. Der darin beschriebene Häftling hatte als Jugendliche eine Mitschülerin getötet und nach Verbüßung der ersten Haft wieder eine Frau vergewaltigt. Er hatte schon als Kind brutale Neigungen und wurde therapiert. Dort war er ein „dankbarer Patient“, der „selbstreflektierend“ mit den Ärzten zusammenarbeitete – allerdings fehlte es ihm an Empathie. Da er „auf einem guten Weg“ war, wurde seine Sicherheitsstufe „langsam gelockert“. Doch dann verschwindet er bei einem Freigang und eine „Frau im Käfig“ – eine Tierpflegerin im Zoo, die er einst gesehen hatte, war ebenfalls weg. Was war passiert? – Wie das ausging – ich weiß es leider nicht, da ich mich auf den Weg zur nächsten Buchpräsentation machte.

Sebastian Krumbiegel

Sebastian Krumbiegel, Mitglied der bekannten Formation Die Prinzen, las aus „Courage zeigen – warum ein Leben mit Haltung gut tut“. Mit einem fröhlichen „Guten Morgen, ihr göttlichen Wesen“ begrüßte er die vielen Zuhörer, denen er sein „sehr egozentrisches Buch“ vorstellen mochte. Das Ganze sei „keine Autobiographie“, sondern eher aneinander gereihte „Geschichten, die ich selbst erlebt habe“, die nicht in chronologischer Reihenfolge erzählt würden. Wir bekamen dann die Episode „Club 27“ zu hören – darin ging es um die friedliche Revolution in Deutschland. Im Herbst 1989 sei er „politisch angeknipst“ worden, als er beschloss, dass er „zu alt“ wäre, „um jung zu sterben“. Und ganze 27 Jahre später hat sich leider wieder „der Wind gedreht“ – „ist die friedliche Revolution tot?“. Heute engagiert sich Sebastian sehr umfassend für Frieden in der Gesellschaft. Er schreibt Liedtexte für die neue Revolution – einen davon zitierte er – leider sang er ihn nicht, was nicht nur ich schade fand. In dem Text richtete er sich an die Nazis von damals und wie sich auch diese verändert hatten – coole Idee. Im Anschluss hörten wir von seiner ersten Begegnung mit Udo Lindenberg und der „Udo Unterberg“-Tournee, die die Prinzen mit dem Mann mit der markanten Stimme einst bestritten. Das war echt unterhaltsam, aber auch erschreckend – Alkohol kann viele Dinge geschehen lassen. Was ich damit meine – lest es in Krumbiegels Buch nach.

Horst Evers

Gespannt war ich dann auf die Präsentation von Horst Evers, der sein neustes Werk „Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex“ im Gepäck hatte. An der LVS-Autorenarena war es übervoll und zahlreiche Fans bekamen keinen Sitzplatz mehr – ich auch nicht und so lauschte ich dem Ganzen von der Seite her. Zu Beginn berichtete der Kabarettist, „warum Sie immer rot tragen“. Einst sagte ihm eine Zuschauerin, dass ihm das rote Hemd gut stehe und seither hatte er immer rot an – ganz einfach eigentlich. Und weil es ja eigentlich um das Buch ging, las Evers dann auch daraus vor. So wurde etwa auch die Frage geklärt: „Redet dieser Schwachsinn aus dir raus oder musst du dafür Drogen nehmen? – Mal so, mal so.“ Aber eigentlich ist es so, wenn er ein Buch oder Texte schreiben möchte, „brauche ich immer einen sehr klaren Kopf“. Er sprach dann natürlich auch über Fußball – als Werder Bremen-Fan hatte er festgestellt: „Wir haben viel mehr, über das wir uns freuen können“, im Gegensatz zu den Fans der Vereine, die immer gewinnen würden. Dann sprang er zu einer Geschichte, bei der viel gelacht werden konnte – er geriet in Berlin auf dem Kurfürstendamm in eine Polizeikontrolle, weil er eine rote Ampel überfahren hatte. Dabei hätte die schöne Polizistin geredet, „als ob sie einen Schnauzbart hätte“, also mit sehr tiefer Stimme, wohingegen ihr männlicher Kollege eher hoch sprach. Die beiden hatten offensichtlich „ihre Dienststimme vertauscht“. Seine Ausreden aus dem Schlamassel wurden immer wilder und der Ausgang des Ganzen – ein absoluter Brüller. Mit einem breiten Grinsen verließ ich diese Lesung und schlenderte weiter.

Kestutis Kasparavicius

Da in diesem Jahr Litauen das Schwerpunktland der Leipziger Buchmesse war, wollte ich mir die Vorstellung des Werkes „Schlaraffenland – Gaumenfreuden für das Auge“ anschauen. Der litauische Illustrator Kestutis Kasparavicius präsentierte das Kinderbuch zusammen mit Moderator Michael Stehle. Die Bilder wurden hier mit einem Beamer an der Wand gezeigt, doch leider sprach der Zeichner kein Deutsch, so das das Gespräch immer parallel übersetzt werden musste – sogar eine Übersetzerin für die Gebärdensprache war dabei. Doch den anwesenden Kindern und auch mir wurde so schnell langweilig und deswegen wanderte ich wieder weiter. Schade – ich denke, vor allem für die Kleinen hätte das schöner gestaltet werden können.

Akram El-Bahay

An der neu gestalteten Leseinsel Fantasy las hier bereits Akram El-Bahay aus „Flammenwüste – Der Feuerlose Drache“ – dem Abschlussband seiner Trilogie. Ich kam an, als der Hauptheld des Buches gerade in einem magischen Kampf in Bedrängnis geriet. Ein bereits getöteter Gegner stand wieder auf und kämpfte, magisch wiederbelebt, weiter. Leider kam ich nicht ganz in die Geschichte rein, da ich zu spät gekommen war. Der eine Magier war gegen Feuer unempfindlich und es ging auch um eine „Schattenkönigin“, deren „mächtigste Waffe“ „die Angst“ sei. Es klang alles recht spannend und ich hätte gern mehr erfahren, aber wie gesagt – der Zusammenhang fehlte mir – die Neugier war aber geweckt und ich werde sicherlich mal in diese Trilogie reinschmökern.

Karneval totale – eine heitere Instrumentenkunde

Beim Weiterschlendern kam ich am Musikcafé vorbei, wo beim „Karneval totale – eine heitere Instrumentenkunde“ gerade über den Bass gesprochen, oder besser gesungen, wurde. Der Moderator erklärte: „Der Bass ist das Gerüst, um den sich alles aufbaut.“ Er und seine Musikerkollegen sangen in Reimen über den Bass und die Zuschauer sangen mit – ein flottes Mitmachprogramm, das auch ganz gut ankam, vor allem bei den Kids im Publikum. Die anderen Instrumenten kamen dann auch noch dran – ich hörte es noch von Weitem in der Messehalle.

Ulrich Janetzki & Thilo Bock

Leider war es so laut, dass es die in der Halle stattfindenden Lesungen ein wenig störte. So auch die Vorstellung von „Ick kieke, staune, wundre mir. Berlinerische Gedichte von 1830 bis heute“, die von den beiden Autoren Ulrich Janetzki und Thilo Bock geleitet wurde. In dem Buch zeigten die Herren die chronologische Entwicklung der Berliner Gedichte und wie der Dialekt es in die Dichtkunst geschafft hatte. Die kleine Kulturgeschichte war leider nur schwer zu verstehen, zum einen wegen besagter Musik in der Halle, zum anderen, weil die beiden Autoren zu leise sprachen – schade. Mit etwas Anstrengung hörten wir von den Gedichten der „Eckensteher“, die „meistens getrunken“ haben und als Dienstboten arbeiteten. Und so erzählten sie natürlich in ihren Werken vom Leben der Unterschicht, in deren Sprache. Sogar der „große Theodor Fontane hat uns zwei Gedichte in Berliner Mundart hinterlassen“. Bock und Janetzki gaben sich ein Schlagabtausch in den Erklärungen und sprangen durch die Geschichte – Jiddisch und Französisch hätten genauso Einfluss auf Begriffe und in das Berlinerische gehabt wie etwa das Theater oder andere Bereiche des Lebens – viele Beispiele folgten, aber ich war schon wieder auf dem Sprung.

Anja Bagus

Wollte ich doch nicht die Lesung der von mir sehr verehrten Anja Bagus verpassen. Anja, die einst die Aetherwelt erfunden hatte, erklärt zuerst einmal „Was ist Steampunk?“ – nämlich „das, was man draus macht“. Sie selbst sieht das Ganze eher als „Aetherpunk“ – wobei gerade die Substanz „Aether“ in ihren Büchern zu einer „anders gearteten industriellen Revolution“ geführt hätten. Die Besucher konnten dann Auszüge aus ihrem Erstlingswerk der Aetherwelt hören – „Aetherhertz: Ein Annabelle Rosenherz-Roman“. Annabelle ist eine junge Frau, deren Vater seit einem Jahr verschwunden ist, sie selbst hat „ein kleines Geheimnis mit ihrer Hand, aber das erfahrt ihr nur, wenn ihr an den Stand kommt“ – gemeint war der Messestand, an dem Anja die ganze Messe über anzutreffen war. Die Heldin des Buches war also ohne Vater und lebte als Frau in einer Zeit, wo es ihr noch nicht erlaubt war, zu studieren. Trotzdem forschte sie auf eigene Faust zu geheimnisvollen Todesfällen anderer junger Damen. Sie selbst ist eher unprätentiös und „hasst das mit dem ganzen Weiberkram“. Wir lauschten ihrem Erlebnis bei einem Kaffeeklatsch, wo ihr angeblicher Verehrer, ein „Blitzmann“ überraschend auftaucht. Anja erwähnte hier die Praline „Herzblut“, die einen unheimlichen Flash an intensiven Gefühlen auslöst. Was es damit wohl auf sich hatte? Das wurde nicht verraten – wer mehr erfahren möchte – die Bücher könnt ihr beim Verlag oder über die Autorin selbst ordern.

Scott Koblish

Ich war derweil in die Halle der MCC gepilgert – hier fand schon ein ganze Weile das große Panel mit Scott Koblish statt – dem Comic-Künstler, der die Deadpool-Comics zu verantworten hat. Moderator Steffen Volkmer entlockte dem Zeichner gerade Details zum kommenden Deadpool-Film – „Domino“ solle wohl darin vorkommen, was beim Publikum an der großen Bühne für Jubel sorgte. Das Live-Zeichnen war schon vorbei und die Fragerunde der Fans war in vollem Gange. Einer der Zuschauer sahnte eines der vorher gemalten Werke ab, auch wenn diese eigentlich verlost werden sollten – aber, wer fragt, hat auch mal Glück. Dann wurde gefragt, was denn beim Zeichnen von Deadpool am einfachsten sei: „The easiest part is drawing his face, because he always got his mask on.“ Wir erfuhren außerdem, dass es „so much pornographic about Spiderman and Deadpool“ gäbe und Scott selbst eher ein Fan von Marvel als von DC ist. Das Ganze war sehr unterhaltsam und die zahlreichen Zuschauer hatten echt Spaß an der Fragerunde. Vor allem die Antworte auf die Frage „Do you wanna be Deadpool?“ war zum Lachen – „No, his wife is terrible.“ Und auch wenn Scott als Zeichner die Geschichte beeinflussen kann, er wäre lieber „Ryan Reynolds“, der Schauspieler des Deadpool, als Deadpool selbst. Und wer immer noch nicht weiß, worum es hier ging – lest die Comics oder schaut euch den Film an – es lohnt sich!

Impressionen LBM 2017 – Tag 1

Die MCC bot wieder einmal ein im wahrsten Sinne des Wortes buntes Angebot an Comics und Merchandise zu all den vielen Welten aus den Heftchen und Büchern. Zahlreiche tolle Zeichner und Künstler boten ihre Werke an und zeigten live ihr Können. Die verschiedensten Stile waren dabei atemberaubend – für jeden Geschmack war da etwas dabei. Ich habe nichts gesehen, was nicht toll gewesen wäre. Vor allem aber begeisterten mich wieder einmal die liebevoll gestalteten Cosplays – wen ich da alles traf  – Spiderman, einige Pokemon, Zelda, Orks und Elfen, Belle und das Biest und viele mehr – irre! Bei den Autogrammstunden waren lange Schlangen und wer ins Heimatland der Mangas reisen wollte – für den gab es Stände, wo individuelle Japanreisen angeboten wurden. Selbstverständlich waren auch Fans zu sehen, die direkt vor Ort die Bücher oder Mangas lasen – es gab direkt Leseecken dafür – tolle Sache. Auch Spiele wurden hier live vorgestellt – wie zum Beispiel Krosmaster, welches ich versuchte zu spielen. Die Regeln waren mir dann aber zu komplex, um es mal so eben zwischendurch kapieren zu können. Die Cards-Player waren aber fleißig dabei Yu-Gi-Oh! oder Magic: The Gathering zu zocken.

Doctor Who – die Comic Historie

Ich suchte mir dann einen Platz beim Schwarzen Sofa, denn das Panel „Doctor Who – die Comic Historie“ interessierte mich irgendwie, auch wenn ich selbst kein Doctor-Fan bin. Moderator Steffen Volkmer begrüßte die Zuschauer mit: „Ein fröhliches Hallo in die Runde.“ Er hatte sich vorgenommen, die Geschichte der „Who“-Comics „aufzudröseln“ – vom ersten Comic aus dem Jahr 1964, der parallel zur TV-Serie erschienen war, bis heute. Erst waren es eher kurze Stripes, die für Kinder gemacht waren, später wurden es richtige Heftchen, die dann doch eher etwas für das erwachsene Publikum gedacht waren. Die ersten Begleiter des Doctors waren seinen Enkel, doch das änderte sich bald, denn „Kinder sollten nicht mit älteren Herren in eine Kiste steigen“. Auch waren die Geschichten anfangs eher Märchen mit Elfen und Zwergen und dergleichen – erst nach und nach wurde es eher Science Fiction, in denen auch die bekannten Daleks auftauchten. Diese hießen aber zuerst Trods und die Verwandlung hin zu den Daleks wurde nie wirklich erklärt. Die Entwicklung der Doctor Who Hefte „Dr. Who weekly“ und „Dr. Who monthly“ wurde erklärt – dabei sprang Steffen durch die Jahre und zeigte immer auf einem Beamer die entsprechenden Beispiele in Bildern. So wurden wir außerdem über den Ursprung der Frobisher aufgeklärt und noch mehr. Das Ganze war extrem spannend – vor allem für Fans. Denen überließ ich dann auch das Feld und pilgerte zur nächsten Lesung.

Anke Stelling

An der Leseinsel Junge Verlage war gerade Anke Stelling dabei, aus ihrem Werk „Fürsorge“ zu lesen. Hierin ging es um eine ehemalige Balletttänzerin, die immer nur ans Tanzen gedachte hat – und nicht etwa auch an ihren Sohn, der bei ihrer Mutter in Leipzig aufwuchs. Doch mit dem Tanzen war es irgendwann nicht mehr so und so besuchte sie nach 15 Jahren wieder einmal ihre Mutter zum Geburtstag. Sie erinnert sich in der alten Heimat an die Zeit, als sie gerade 18 war und schwanger wurde. Bei ihrer Mutter trifft sie auf ihren mittlerweile 16-jährigen Jungen und lernt ihn da erst einmal richtig kennen. Er fährt schon ein großes Auto – auch wenn das eigentlich gegen das Gesetz ist – und nichts an ihm ist mehr kindlich. Für sie als Mutter ist er neu und sie tasten sich nach und nach aneinander ran, bisher kannte er nur Bilder von ihr. Der Junge nimmt seine Mutter dann auch mit in einem Technoschuppen, wo sie das erste Mal in einer Disco ist und dort hemmungslos auf der Tanzfläche aufgeht. Was noch alles zwischen den beiden passiert – dazu fehlte die Zeit. Wer nun neugierig war, konnte bei der anschließenden Autogrammstunde das Buch erwerben.

Sandra Da Vina

Als nächstes betrat Sandra Da Vina die kleine Bühne und sie hatte ihr frisches Werk „100 Meter Luftpolsterfolie“ dabei. Die Poetry-Slammerin wollte das Publikum „mit Texten konfrontieren“. Aus dem Buch, das eine Textsammlung enthält, wählte sie für ihren kurzen Auftritt einen Ausschnitt aus: „Da geht es um mich in einer sehr dramatischen Situation“. Dabei geht es um sie selbst – in einer H&M-Umkleidekabine, wo „das grelle Kabinenlicht“ alles besonders schlecht in Szene setzt – alle Frauen kennen das sicherlich. „Selbst meine Zähne haben Cellulite“ stellte Da Vina dort fest – „Ich bin Ende 20 und mein Körper ist langsam hinüber“. Als Verbesserungsvorschlag gab sie zum Besten: „Wenn ich einen Laden hätte, würde ich Lavalampen in die Umkleidekabinen stellen“. Ich habe hier sehr gelacht und auch der Rest der Zuschauer war super amüsiert – Sandra wusste zu unterhalten. Der zweite Text beschäftigte sich mit dem Thema Liebeskummer – „Es ist nicht, wie du denkst, es ist alles viel schlimmer“. Darin machte ein Typ mit seiner Freundin in einem Restaurant Schluss – mit Trennungstorte, Konfetti, Kinderchor und Eichhörnchen als Geschenk – wie strange war das denn bitte?! Wie kommt sie denn auf solche Ideen – und Jungs, die ihr das hier lest – ja nicht nachmachen! Zum Abschluss gab sie noch einen Ausschnitt zum Thema Freundschaft zum Besten und „Ein 1. Kuss“ wurde sogar noch frei vorgetragen – ein gereimter Wortlaut, der wieder sehr zum Schmunzeln war. Diese halbe Stunde war eines meiner Highlights an diesem Tag – zum Lachen, zum Nachdenken und absolut kurzweilig. Ich empfehle hiermit das Buch von Sandra Da Vina zu kaufen – das werdet ihr nicht bereuen!

Alex Burkhard

Und es blieb mehr als vergnüglich, denn mit Alex Burkhard kam ein „unangefochtener Poetry Slam-Meister“ auf die Bühne. Diesen Titel hält er tatsächlich seit drei Jahren in Folge in München und das stellte er auch auf der Leipziger Buchmesse unter Beweis. Er meinte verschmitzt zu Beginn: „Es ist schön, ohne Druck auf die Bühne zu gehen.“ Auch sein neues Werk „Benutz es! Von der hohen Kunst, es unnötig kompliziert zu machen“ war eine Sammlung von Texten. Wir hörten zuerst einen „über ein spezifisches Körperteil von mir“ – es geht um seine Haare. Er sitzt beim Frisör und der stellte „wie immer“ fest, dass sein „Haarmeer zurück schwappt“. Anders formuliert: „Meine Haarinfanterie flüchtet Kopf über Hals“ – dieser Wortwitz war echt zum schreien komisch. Der Frisörsitzung folgte eine moderne Variante eines Klassikers – „Wie würde es aussehen, wenn Max & Moritz ihre Streiche heutzutage machen würden?“ Die gereimten Verse trug Alex frei vor, sie waren aber an die Ur-Texte von Wilhelm Busch angelehnt. Max und Moritz hatten in der zeitgenössischen Version allerdings eher weniger Glück mit ihren Streichen – warum – na das möchte ich hier lieber nicht verraten, denn vielleicht habt ihr ja einmal die Gelegenheit, Alex Burkhard live zu erleben – da macht ihr auf keinen Fall etwas verkehrt.

Natalja Schmidt & Oliver Graute

Ich wanderte dann aber schon wieder weiter, denn die Verleihung des Seraph 2017 – der Literaturpreis für Phantastik stand an. Oliver Graute begrüßte das Publikum „im Namen der Phantastischen Akademie zur 6. Verleihung“ des Seraph. Direkt zu Beginn entschuldigte er sich dafür, dass es 2017 keinen dritten Preis für Self-Publisher geben würde, da die Finanzierung dafür weggefallen war. Gegebenenfalls soll es ihn aber „in den nächsten Jahren“ wieder geben. Für die Preisverleihung der anderen beiden Preise seien in diesem Jahr „über 100 Bücher eingereicht“ worden, die eine „ausgewogene Jury“ ausgewertet und bewertet hat. Alle Jurymitglieder wurden namentlich vorgestellt und selbstverständlich dankte Oliver ihnen für ihre Arbeit. Außerdem ging ein Dank an alle Vereinsmitglieder für ihre Unterstützung raus, ebenso an die LBM, die sich als Sponsor am Preis beteiligte, an alle Fördermitglieder, an die Autoren für ihr Vertrauen und auch an die Künstlerin, die wieder einmal die tollen Preisskulpturen gestaltet hat.

Katharina Seck

Auf der Shortlist für „Das Beste Buch“ waren von politischem SciFi über eine Novelle bis hin zu Märchen alles dabei. „Phantastik ist eskapistisch und darin liegt ihre Größe.“ Mit diesem Tolkien-Zitat und Kurzbewertungen durch die Jury stellte Mitmoderatorin Natalja Schmidt die einzelnen Werke kurz vor. Vorjahressiegerin Nina Blazon verriet dann, wer dieses Jahr gewonnen hat – Katharina Seck mit „Die silberne Königin“ – ein Buch, das „mit den Urängsten der Menschen“ spiele und für „Gänsehaut auf der Seele“ sorge. Die Gewinnerin war absolut überwältigt und dankte in kurzen Sätzen ihrem Verlag und der Lektorin. Für sie war es „das Größte, das Buch in den Läden zu sehen“ und sei für sie eine Ehre, mit den anderen Preisträgern in einer Reihe zu stehen.

Julia Lange

Weiter ging es dann wieder mit Oliver, der erzählte, dass in der Phantastik oft auch Unterdrückung und Angst vor dem Neuen Thema seien. Ein Regime oder Mächte, die Völker in ihren Bann bringen würden, seien gar nicht so fern, denn „Science Fiction ist jetzt“. Oftmals ist es so, dass der „Mensch durch seine Fehler“ lernt und Phantastik da keine Realitätsflucht in tieferen Sinn darstelle – es ging eher darum, dass Leser nach dem Lesen der Werke ein wenig mehr auch selbst zum Held oder zur Heldin werden könnten und damit die Welt besser machen. Wenn das klappen könnte, dann „wünsche ich mir eine Welt voller Realitätsflüchter“. Die Gewinnerin des Preises für das Beste Debüt wurde von Akram El-Bahay verraten, doch nicht ohne kurz den Weg eines Debüt-Autoren zu beschreiben – mit allen Hürden und Kämpfen – „und dagegen ist Frodos Weg durch Mordor ein einfacher Spaziergang“. Gewonnen hatte letztendlich Julia Lange mit „Irrlichtfeuer“. Auch sie war vollkommen baff und dankte einfach allen, denn damit hatte sie „nie gerechnet“ – „Ich hoffe, wenn ihr das Buch lest, es gefällt euch.“

Zum Abschluss warb Oliver Graute noch für die Fördermitgliedschaften des Verein der Phantastischen Akademie und lud alle Anwesenden zu der noch an diesem Abend stattfindenden Preisträgerlesung ein.

Ich machte mich allerdings auf zu einem Abend unter Freunden, um diesen quirligen und erlebnisreichen Tag auf der LBM zu verdauen.

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Autor & Photos: Scratchcat

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