Leipziger Buchmesse 2017: 23.-25.03.2017 Messe Leipzig – Tag 2

Impressionen LBM 2017 – Tag 2

Ausgeruht ging es dann an Tag zwei der Buchmesse wieder pünktlich 10Uhr los – die ganzen Besucher warteten an den Türen und jubelten, als sie eingelassen wurden. Die intensiveren Taschenkontrollen vor den Toren wurden von niemandem als störend empfunden, denn schließlich geht Sicherheit vor. Auch die zahllosen Cosplayer mussten kontrolliert werden – es gab Extra-Kontrollstellen, wo die Verkleidungen und Kostüme überprüft wurden – durften doch nur Latexwaffen und etwa keine echten Schwerter oder dergleichen mit auf die Messe gebracht werden. Und die Cosplays war an diesem Tag noch zahlreicher und auch ausgefallener – ich war absolut begeistert, große Zwergenkönige, Animehelden (wie etwa aus One Piece) zu treffen und auch kurze Gespräche mit Assassinen führen zu können.

Markus Heitz

Nachdem ich ein wenig umhergeschlendert bin, suchte ich mir einen Platz bei einer besonderen Veranstaltung – Markus Heitz sollte in einer Art Live-Interview zu seinem Autorenleben berichten – „Zwischen Fantasie, Spiel und Wirklichkeit – wie arbeitet Markus Heitz?“. Moderatorin Maria Köttnitz verkündete kurz, dass der Autor bei der Anreise auf die Messe im Stau stehen würde und etwas später käme. Das war dann aber nur 15 Minuten und dann konnte es losgehen. So erfuhren die anwesenden Fans, dass der Schreiber Heitz in 15 Jahren über 40 Bücher geschrieben hat und einem Alter von 30 Jahren einen „steilen Aufstieg“ hinlegte. Er hat zehnmal den Phantastikpreis abgesahnt und vieles mehr. Dabei legt er sich nicht auf ein Genre fest – „das schließt sich nicht aus – man kann Horror schreiben und auch Kinderbücher“. Er hatte zu seinen Anfangszeiten echt Glück: „Die gute Zeit, das war im Jahr 2000.“ Damals gaben Verlagen den Autoren einfacher eine Chance und so kam er zu seinem ersten Buchvertrag. Moderatorin und Autor gaben sich einen Schlagabtausch mit Fragen und Antworten. So verriet Markus: „Hätten Sie als Kind Angst vor ihren Figuren gehabt? – Ja, schon.“ Er hatte Alpträume von King Kong und später schrieb er das Kinderbuch „Das Angstmacherchen“, worin es darum geht, dass Kinder auch mit Erwachsenen über Ängste sprechen können und auch sollten. Aber „aktuell“ sei „kein neues Kinderbuch geplant“. „Ist Ihnen die Realität zu langweilig?“ war eine der nächsten Fragen. Darauf meinte der Schriftsteller dann nur, dass er lieber „alternative Welten“ gestalten möchte – „vielleicht gibt es noch mehr“. Dabei hat ihn das Böse „schon immer fasziniert“, schließlich seien seine Gute solche, die „oft ins Böse kippen“ würden – wie auch in seinem neuen Buch „Des Teufels Gebetbuch“. Sein Werdegang als Schreiberling sei im allgemeinen nicht auf ein „traumatisches Erlebnis“ zurückzuführen, das „mich zum Schreiben getrieben hat“. Er wollte einfach, seit er 14 Jahre alt war, „Geschichten erzählen“ und so schreibt er einfach drauf los. Außerdem war er lange Rollenspieler, was ja auch viel mit Fantasie zu tun hat. Bei seinem ersten Buchvertrag hat er „alles falsch gemacht, was man falsch machen kann“, aber wie er schon erwähnt hatte, hatte er einfach Glück mit seinem Lektor und konzipierte direkt eine ganze Romanreihe. Er selbst hat mittlerweile das Glück, vom Schreiben leben zu können – anfangs war er Journalist und schrieb „nebenher“. Jeder Schriftsteller solle sich seiner Meinung nach davon verabschieden, direkt von Anfang nur noch von seinen Büchern über die Runden zu kommen, denn „du hast ein Produkt, das im Grunde Luxus ist“. Da heißt es oft: „Durchhalten und locker bleiben.“ Sein Durchbruch war die „Zwerge“-Reihe, die auch nur groß geworden ist, weil zu diesem Zeitpunkt gerade „Herr der Ringe“ im Trend war. „Herr der Ringe war die beste PR-Aktion für Fantasy“ überhaupt – und nicht nur für ihn – „ab und zu gehört ungewolltes Timing dazu“. Leider gibt es „aktuell keinen Trend im Bereich Fantasy“ und so müssten die Autoren sich einfach austesten. Er selbst hat das Glück, einfach das zu schreiben, was ihm Spaß macht, aber er beobachtet auch ganz rational den Markt. Beim Schreiben selbst ist er „schrecklich diszipliniert“ und hatte noch nie eine Schreibblockade, da er anfangs alles genau durchplottet. Jeden Tag tippt er 50 Seiten und bekommt so ein Buch in etwa drei bis vier Monaten fertig. Auch schreibt er immer nur an einem Werk gleichzeitig. „Jeder muss selbst rausfinden, wie er am liebsten arbeitet“, denn seine Methode ist sicherlich kein Allgemeinrezept. „Es muss Spaß machen und man muss es tun“, sonst wird es auch nichts. Ausdauer hilft da ungemein. Leider war dann auch schon die Stunde rum, die Markus hier Zeit hatte – ich hätte gern noch viel mehr über ihn und sein Tun erfahren. Mit viel Beifall wurde er von seinen Fans verabschiedet – aber natürlich war noch die Gelegenheit für das ein oder andere Autogramm.

Flix

Nach diesem aufschlussreichen Interview ging es wieder zu einer Lesung – Flix stellte in einer bebilderten Lesung das frisch erschienene Werk „Münchhausen – die Wahrheit übers Lügen“ vor. Der Zeichner zeigte die Bilder des Comic auf einer Leinwand und las dazu die Texte mit verstellten Stimmen vor – auch die Geräusche machte er live. Doch zu Beginn die Frage: „Seid ihr richtig gut drauf?“ Die Antwort lautete „Ja“ und so legte er direkt los. Die Grundthematik des Buches sei aktueller als ihm lieb sei, und so hatte er die Geschichte um den berühmten Münchhausen nach London ins Jahr 1939 gelegt und schon waren wir mittendrin. Wir trafen auf den alternden Sigmund Freud, der von seiner Majestät beauftragt wird, einen Mann – Erich Bürger – zu überprüfen, der wohl nur Lügen erzähle. Erst lehnt Freud das Ganze ab, da er gesundheitlich am Ende sei, doch dann interessiert ihn die Geschichte doch und er lässt sich auf den angeblichen Münchhausen ein. „Hat die Lüge eine Funktion?“ Diese Art der Lesung war echt gut gemacht – ich vergaß vollkommen den Messetrubel drum herum und tauchte vollkommen in die Story ein. So erfuhren wir von der Kindheit des Herrn Bürger und dann machte die Erzählung einen Sprung, hin zu einem Punkt, wo Erich einen Mann traf, der auf den Mond reisen wollte und ihn mitnehmen konnte. Dort entdeckten sie, dass es auf der Rückseite des Mondes einen Garten gibt. Doch was es mit dem auf sich hatte – dafür reichte dann die Zeit nicht mehr – schade! Ich wollte gern mehr wissen – also, wenn die Neugier siegt, ist auch dieses Werk einst meins.

Nils Oskamp

In der Halle der MCC wurde es beim Schwarzen Sofa dann politisch – Nils Oskamp hatte seine Graphic Novel „Drei Steine“ im Gepäck. Hier ging es um das Thema Rechtsradikalismus. Ich kam etwas zu spät und konnte so nur noch der Diskussion zum Gegenstand des Buches folgen. Nils erzählte von seinen Erfahrungen in seiner Heimatstadt Dortmund mit der AFD und den Nazis in seiner Schule. Es wurde diplomatisch diskutiert, was mir gut gefiel – niemand wurde ausfallend oder griff den anderen an. Oskamp berichtete von einem Erlebnis mit einem syrischen Taxifahrer, der meinte: „Ihr Deutschen mit eurer Angst immer“, obwohl er hier viel weniger diskriminiert würde, als einst in Frankreich. Die Polizei in Dortmund würde viel zu oft wegsehen, denn leider seien ehemals bekannte Rechtsradikale in den Reihen der Polizisten. Dabei nannte Nils auch Namen. Das Buch des Autoren gibt es wohl auch als Schulbuchausgabe und er liest oft an Schulen in Deutschland, um so Schüler zum Thema Radikalisierung aufzuklären – eine wichtige Sache, gerade in den heutigen Zeiten. Dafür erhielt er abschließend auch Beifall und stellte sich nach der Diskussionsrunde noch für persönliche Fragen zur Verfügung.

Inga Steinmetz

Es folgte Inga Steinmetz mit der Vorstellung ihres Buches „Schneeballen – Verliebt in Japan“. Der Name Schneeballen ist ein Spitzname, den ihr einst Freunde gegeben hatten – nach einem bekannten deutschen Gebäck. Dieses Werk sei nun der 2. Teil ihrer autobiographischen Erzählungen und eine Hochzeit war der „Auslöser für die Geschichte“. Inga selbst ist großer Manga-Fan und das Buch sei ja auch eine Art Manga. Die Inhalte hatte sie sich immer wieder notiert, als sie passiert waren, um sie dann später im Buch verarbeiten zu können. Außerdem nutzte sie Fotos von ihrer Japanreise als Gedankenstütze – einige dieser Bilder zeigte sie live auf einer Leinwand – „Die zeig ich auch nur hier“. Tokio empfand sie einst als nicht so verrückt wie erwartet, denn sie lebte bei einer Freundin in einem der Vororte, wo es ganz „verrückte Stromleitungen“ gab. Sie beschrieb eine Erfahrung mit einem Erdbeben in Japan und verriet, dass wegen der Erdbeben, außer den Haustüren, immer alle Türen offen gelassen würden. Die Umgebung ihrer Wohnung dort empfand sie als „wirklich sehr sauber“. Was sie allerdings nicht sie verstand, war die Tatsache, dass die Japaner im Sitzen duschen würden, denn überall würde Wasser gespart. Vor den Häusern gäbe es kleine Gärtchen, die auch niemand zerstört oder etwas klaut. Allerdings sein das „Anime-Mekka sehr wuselig“ – dort gäbe es etwa „Libidolls“ – „kleide deine Puppe und mache sie zu deiner Ehefrau“ – oh Mann, das ist echt verrückt. Inga berichtete weiter von verrückten Dingen, doch ich wollte mir den großen Cosplay-Wettbewerb anschauen.

Cosplay-Wettbewerb – Superhelden

Auf der großen Bühne gab es einen Wettbewerb, der unter dem Motto „Superhelden“ stand. Luigi kündigte kurz Moderator Steffe Volkmer vom Panini Verlag an und schon ging es los. Nun hatten Helden aus der Welt des DC und von Marvel die Möglichkeit, die Jury von sich zu überzeugen. Den Anfang machte Antman – er mag Comics schön bunt – Mangas sind immer schwarz/weiß: „Können die sich keine Farbe leisten?“ Außerdem verrieten die Contest-Teilnehmer auch immer wieder etwas zu ihren Outfits – wie gemacht, mit welchem Aufwand und mehr. All das und natürlich der Auftritt selbst wurden bewertet, denn es sei hier „mehr als Schaulaufen“. Dann kam Mary Jane an die Reihe – die Freundin von Spiderman -, die nur ein wenig über die Bühne tänzelte. Für mich ist sie ja keine wirkliche Heldin, aber na ja. Da fielen die drei nächsten schon eher in diese Kategorie – Rogue, Quicksilver und Beast von den X-Men kamen hervor, wobei Quicksilver um die anderen beiden, die sich in Zeitlupe bewegten, herum rannte. Sie verrieten: „Wir glauben daran, dass Menschen und Mutanten friedlich zusammen leben können.“ Satana war die nächste – allerdings war sie ohne ihren Hasen da, denn „bei der Taschenkontrolle hätte ich den nie rein bekommen“ – das sorgte für Lacher. Agent Venom begeisterte durch sein Outfit und besiegte mühelos den Moderator im Armdrücken. Dem folgte Deadpool mit einem irren Intro mit witzigen Sprüchen – dafür ist dieser Held ja bekannt. Mit Luftgitarre und lauter Musik stürmte er hervor, doch dann streikte die Technik – schade, so war der Auftritt kürzer als gedacht. Weiter ging es mit Spiderman und Black Cat, wobei sie einen riesigen roten Wollknäuel mit Spidermaske dabei hatte – süße Idee. Blieben wir direkt bei Spiderman, denn einer seiner Gegner war der nächste Teilnehmer – The Riddler – „der einzig Wahre im Universum“. Die Rolle wurde gut dargestellt, denn allein der Spruch: „Danke, dass ihr Platz für mein Ego hattet“ sorgte für Jubelrufe. Harley Quinn deutete im Anschluss einen Strip an – es war aber gar nichts zu sehen. Nightwing zeigte eine absolut beeindruckende Performance, die an Karate oder andere asiatische Kampfkünste erinnerte. Der Oberbrüller war dann allerdings die männliche Wonder Woman – dieser Typ gewann dann auch letztendlich den Wettbewerb. Loki bildete das Schlusslicht des Contests und zum Ende durfte Deadpool noch einmal seine Performance zeigen – dieses Mal spielte auch die Technik mit – toller Musikmix und echt genial rüber gebracht. Das Publikum hatte echt irre viel Spaß und die Gewinner waren allesamt zufrieden.

Lukas Hainer & Santiano

Nach diesem Spaß gesellte ich mich bei der Leseinsel Fantasy dazu, als gerade „Der König der Piraten“ von Lukas Hainer vorgestellt wurde. Der Hauptheld war gerade auf dem Piratenschiff Bloody Mary, dass in ein Unwetter geraten war und auf dem alle um ihr Leben kämpften. Die Situation war echt dramatisch, doch dann gerieten die Helden ins Auge des Sturms, wo Windstille herrschte. Spannend! Doch dann gab es eine Überraschung. Dieses Kinderbuch wurde von der Band Santiano mit präsentiert – sie hatten einst das Hörspiel und eine Lieder-CD dazu eingespielt – und die Herren waren hier auf der LBM live da, um über die Zusammenarbeit zu sprechen. Das Aufnehmen des Hörspiels sei ganz anders gewesen, als Lieder einzusingen: „Das ist richtig harte Arbeit“, war aber „eine willkommene Abwechslung“. Das Schreiben der 12 Lieder für das Buch war etwas ganz Besonderes und sie hatten viel Freude daran. Die Geschichte gefiel ihnen von Anfang an und als Piratenmusiker war es ihnen ein inneres Bedürfnis, hier mit dabei zu sein.

Roger Langridge

Bei der MCC gab es dann die nächste Legende live zu erleben – Zeichner Roger Langridge war „aus dem Brexit-Land“ angereist, um über seine Arbeit bei Popeye, Thor, den Muppet und auch Doctor Who zu berichten. Wieder war Steffen Volkmer mit von der Partie. Direkt zu Beginn verriet Steffen, dass Roger das Cover zur aktuellen limitierten Ausgabe des Doctor Who-Comics gestaltet hat. Als Zeichner hatte der Brite schon viel gemacht, „because I’m very old“. 2008 war er bei den Muppets dabei – da wurden aus den Puppen auch Charaktere in Comics, die „undergroundy and strange“ waren. Der Humor der Muppets hat im Grunde mehrere Ebenen, was Roger besonders faszinierte. Auch das Popeye-Revival hatte er einst mitgestaltet. Dabei legten sie Wert auf den „Retrostyle“. Bei Doctor Who schließlich war er seit dem 35. Jubiläum der Reihe dabei. Als Kind hat er die Serie immer im TV geschaut und dann – durch die Mitarbeit an den Heftchen – „a dream comes true“. Bei all den verschiedenen Darstellern des Doctors mochte Langridge besonders Paul McGann, doch er als Zeichner des Comics sei ja nun sogar „all of the Doctors in one person“ „in a very cartoony style“ – das war schon ziemlich cool. All seine Ideen konnte er so immer wieder mit einbringen in die Arbeit. Ein wahrer Traumjob!

Achim Achilles

Das Live-Zeichnen verpasste ich dann leider, denn schon wieder machte ich mich auf den Weg zur nächsten Lesung. Ich bekam so den Schluss von Achim Achilles mit, der „Sehnen lügen nicht“ präsentierte. Das Ganze war nicht ganz mein Thema, denn Joggen oder dergleichen ist eher nicht so meins. Aber Achim brachte sein Ding wahnsinnig komisch rüber – „Sie nennen es Lauftreff, doch in Wahrheit ist es die Anbahnung heißer Nächte“. Männer ab 40 würden beginnen, Marathon laufen zu wollen. Besonders schlimm seien dabei diejenigen, die Triathlon versuchten, denn die waren nie daheim – sie mussten ja gleich drei Sportarten trainieren. Sie missbrauchten dann die eigenen Kinder, um auf Zielfotos zu zeigen, dass sie gute Väter sind, indem sie die Kids auf den Arm nehmen, wenn sie über die Ziellinie laufen, obwohl die Kleinen ihre Daddies kaum kannten. Ich musste bei diesem Bild echt grinsen. Insgesamt müssten sich die Läufer entscheiden – „entweder sie haben den Wettkampf gewählt oder Lebensfreude – beides geht nicht“. Und „Läufererotik ist was für Perverse“ – was er damit meint – lest es nach.

Jan Zerbst

Weiter gelacht werden konnte dann im Anschluss bei Jan Zerbst, der, zusammen mit seinem Radiokollegen von Radio FFN, das Buch „Das liegt der Hund im Pfeffer“ präsentierte. Hierbei ging es um verdrehte Sprichwörter, die in Gedichten zusammengefasst wurden. Das Werk sei schon das fünfte Buch in dieser Form und die meisten verwendeten Redewendungen stammten von Hörern, die diese eingesandt hatten. „Radiotypisch“ wurde zu Beginn ein Quiz mit zwei Zuschauern veranstaltet, die einen Handyhalter mit 360Grad-Kamera gewinnen konnten. Nachdem dann auch der Illustrator des Buches vorgestellt war, hörten wir die erste Geschichte, in der es um Fußballväter ging. Ich konnte zwischendrin kaum mitschreiben, denn ich musste so sehr lachen. Einzelne Sprüche wurden im Buch auch „aufgedröselt“, also wie sie eigentlich richtig seien – wie etwa „Da rennst du bei mir offene Ohren ein“, was ja eigentlich “ Da rennst du bei mir offene Türen ein“ heißen muss. Oder auch „Mein Plan hat Sinn und Fuss“. Die Erzählungen über einen Junggesellinnen-Abschied oder das über Omas waren super – „Bei Omas gibt es immer zwei Dinge in Massen – gutes Essen und gute Ratschläge“. Außerdem nahmen uns die beiden Herren mit auf einen „Elternabend im Kindergarten“ und auf einen „Kindergeburtstag“. Ein zweites Quiz brachte wieder Gewinne und viele Lacher. Ich hatte hier wirklich Spaß!

Max König

Dann wurde es schlüpfrig bei Max König, der „Hosen runter – Was Frauen schon immer über Männer wissen wollten“ mitgebrachte hatte. Der Autor selbst trug eine Sonnenbrille und einen angeklebten Schnauzbart, was irgendwie albern aussah. Dazu erklärte er im Laufe der Lesung, dass er nicht erkannt werden wolle, denn er hat Töchter, die nicht wissen sollen, was Papa so alles schreibt. Auch sein Name sei ein Pseudonym. In seinem Buch geht es „um ein heikles Thema – Sex“. Entstanden sei das Ganze durch seine Arbeit als Kolumnist bei der Zeitschrift Cosmopolitan, wo er Fragen von Frauen beantwortet, die alles über Männer wissen wollten. Da die Lesung zu einer nachmittäglichen Zeit stattfand, meinte er: „Ich versuche nicht vögeln zu sagen“, was aber nicht so ganz gelang. Er begann direkt mit der „heikelsten Frage“ aus dem Buch: „Wann ist eine Frau gut oder schlecht im Bett?“ Die Antwort war sehr diplomatisch, denn gut oder schlecht gibt es nicht – „wir fühlen einfach, ob wir zusammen passen“. Des Weiteren würden viele Frauen wissen wollen: „Merkt ihr es wirklich nicht, wenn wir euch den Orgasmus vorspielen?“ – Die verblüffte Reaktion von Max dazu war: „Wie? Ihr lügt uns an?“ Die Co-Moderatorin las im Anschluss die Fragen vor und der Schriftsteller beantwortete diese – wie etwa „Warum möchtet ihr mit uns Pornos schauen?“ – „Wir möchten alles mit euch teilen.“ Das Ganze war sehr offen, wohl nur zum Teil ehrlich und alles mit einem humoristischen Touch. Nur eben das Auftreten des Autor selbst fand ich bisschen albern – aber er musste es wohl so machen, wegen der Töchter.

Martha Neuer

Es blieb dann sexuell – im weitesten Sinne, denn Martha Neuer erzählte in ihrem Buch „Die Frau aus einem Guss“ über ein Mädchen, dass sich erst spät eingestand, das sie lesbisch ist. Die Autorin selbst hat auch erst sehr spät ihr Coming Out gehabt und die Geschichte zum großen Teil autobiographisch gestaltet. Vorher war Nina Hagens Lied „Aufm Bahnhof Zoo“ zu hören – in der vorgelesenen Geschichte tauchte dieses Stück dann auch immer wieder mit auf. Die Titelheldin war schon als Kind von ihrer Schulfreundin begeistert, sagte es ihr aber nie, auch wenn sie viel Zeit miteinander verbrachten. Der Lesestil war leider etwas eintönig und nach diesem langen Messetag wurde ich davon nur etwas müde und schaute mich eher an den Messeständen rundherum um. Diese waren mit vielen Regenbögen und Glitzer gestaltet – schwule und lesbische Literatur erfüllt eben doch einige Klischees.

Matthias Gronemeyer

Und dann war es wieder Zeit fürs „Vögeln“, denn so hieß das Buch von Matthias Gronemeyer – „Vögeln – eine Philosophie vom Sex“. Als Erstes fragte der Autor: „Wer hatte schon Mal Sex?“ und nicht wenige meldeten sich. Sein Buch sei in erster Auflage erschienen – alle Exemplare seien nummeriert und signiert. Er selbst ist studierter Philosoph, der eine Lücke in seinem Fach schließen wolle – das Thema Sex wurde hier aus „poetischer und philosophischer“ Sicht betrachtet. In den einzelnen Kapiteln seien jeweils beide Betrachtungswinkel enthalten. So konnte der Leser etwa einiges darüber erfahren, warum der Mensch so ungern über das Thema Sex sprechen mochte. Irgendwie war die Präsentation des Stoffes dann aber zu sehr ins Detail versunken, was nicht nur ich schnell als unspannend empfand und so machte ich mich auf, vor der abendlichen Lesung in Noels Ballroom noch etwas zu Essen zu suchen – zu dieser Lesung lest ihr hier später noch mehr.

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Autor & Photos: Scratchcat

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