M’era Luna 2017: 11.-13.08.2017 Flugplatz Hildesheim – Tag 1

Das diesjährige M’era Luna war schon vor seinem Beginn ausverkauft – es versprach also ein Festival mit zahlreichen Besuchern zu werden. Auch wir machten uns auf, um auf dem Gelände des Flugplatz Hildesheim drei schöne Tage mit Musik und vielem mehr zu verleben.

Am Anreisetag regnete es, wie auch schon die Tage vorher, in Strömen und deswegen waren Teile des Zeltplatzes und der Parkflächen nicht nutzbar – Schlamm überall. Und so mussten wir eine Weile nach einem Parkplatz suchen und längere Fußwege in Kauf nehmen. Aber trotzdem waren wir rechtzeitig zu den Lesungen vor Ort.

Markus Heitz

Schnell füllte sich der Hangar mit Besuchern und alle warteten sie gespannt auf die Vortragenden. Isa Theobald begrüßte die Menge mit einem lockeren „Hallo M’era Luna.“ Und in kurzen Sätzen kündigte sie den „großartigen Markus Heitz“ an. Mit viel Beifall wurde der Autor schließlich auf der Bühne begrüßt und setzte sich an den großen Tisch, der wie immer von mehreren Kerzenständern eingerahmt war. Markus selbst hieß alle Anwesenden im „Literaturhangar“ willkommen und für diesen Abend hatte er wieder einmal ein „Buch über die Wüste“ mitgebracht. Zwar passte das Regenwetter so gar nicht dazu, aber das machte gar nichts. Der zweite Band von „Wedora“ enthielt auf den ersten Seiten eine Zusammenfassung von Teil ein – eine Art „Leserservice“. Und dann tauchten wir mit Markus in die neuen Geschehnisse ein. Weil es ja in Hildesheim regnete, regnete es in der Szene, die er vorlas, auch. Wir trafen auf eine Söldnerin, die mit drei Zauberern in der Wüste unterwegs war, um ein Monster, das kurz zuvor ihre Truppe überfallen und vernichtet hatte, zu fangen. Der Tross fand schließlich die Leiche eines Mannes, der, nach Aussage der Magier, wohl „der Urheber dieses Wunders“ sein könnte. Weil die Zauberer mehr über das Monster und das Ritual erfahren wollten, machten sie die Leiche zu einem „Wiedergänger“ – sie wollten seine Art der Magie lernen. Doch dann tauchte auf einmal dieses Monster auf und griff alle an – doch „wie das Monster aussieht – dazu gibt es Hinweise im Buch“. Wieder einmal unterbrach Markus an der spannendsten Stelle und machte so auf sein Werk neugierig – sehr gekonnt! Wir sprangen zu einer zweiten Szene, wo der Held des Buches, Liothan, in ein geheimes Regenreservoir gelangte und auf eine Art Werwolf-Hyäne traf, vor der er flüchten musste – nur wohin?! Er rannte in einen Gang, der mit Gittern mehrfach gesichert war – wohl eine Art Verlies für verschiedenste Geschöpfe. Hinter einem der Gatter konnte er sich in Sicherheit bringen, aber der Ausgang war für ihn versperrt – aber wenigstens bekam ihn das Biest nicht. „Du bist ganz schön hässlich“, so sein Kommentar an das Vieh. Schließlich wandte er ein wenig Magie an, um in die Gedanken des Biestes einzudringen. Was dann geschah – „dazu kann ich leider aus dramaturgischen Gründen nichts sagen“, so der Autor. Dieser „kleine Einblick in das zweite Buch“ war wirklich spannend. Des Weiteren kündigte Heitz an, dass er an der Erschaffung einer vollkommen neuen Welt arbeite, die im Frühjahr dann in Buchform auf den Markt kommen soll. Schnell verabschiedete er sich – „Vielen Dank für die Aufmerksamkeit“ und wurde mit begeistertem Applaus verabschiedet.

Alexander Wohnhaas

Als nächstes nahm Alexander Wohnhaas an dem Lesertisch Platz und er meinte: „Ich fühl mich in dem Stuhl wie im Kindergarten“. Der große Lesesessel war wahrlich etwas riesig für ihn. Außerdem lies Alex verlauten: „Ich fühl mich auch sehr geehrt, zwischen zwei so Größen zu lesen.“ Er hatte für uns an diesem Abend sein Werk „Blutzoll“ mitgebracht – ein politischer, sozialkritischer und spannender Thriller. Wir tauchten mit ihm mitten in die Geschichte ein – ohne jegliche Erklärung und Einführung in Story und Charaktere. So lernten wir wohl die Hauptfigur des Werkes kennen, der von sich selbst sagte: „Ich bin ein Söldner.“ Dieser Söldner erzählte vom Krieg, den er erlebt hat – „Gewalt gehört nun mal dazu.“ Alex unterstrich das Gelesene oft mit Gesten und seine Art und Weise zu lesen war ziemlich gut – die Stimme passte sich an die Stimmung der Figur an und auch an die einzelnen Rollen – das machte schon Spaß beim Zuhören. Der Söldner saß in der vorgetragenen Szene wohl beim Arzt und erzählte von sich. Dann offenbarte er, dass er vor „denen“ Angst habe, doch „Wer sind sie?“ – „Ihre Augen sind voller Blut.“ Wer die waren, kam nicht so raus, doch er berichtete von seiner ersten Begegnung mit „denen“. Das Mädchen Lisa war es, die gern Fußball spielte – der Sport sollte sie einst aus ihrem Problemviertel bringen. Sie ist vollkommen normal, doch der Söldner sieht sie an und sie hat Blutaugen, die ihn zurückschrecken lassen und er flieht vor ihr. Nach einem kurzen Sprung in den Geschehnissen erfuhren wir, dass der Söldner wohl Lisas Stiefvater erschlagen hat und sie vor ihm geflohen war. Auf der Flucht traf sie auf Rüdiger, einen Rowdie aus ihrer Gegend, der sie gefangen nahm und sich an ihr vergehen wollte. Dabei schimpfte er über die Ausländer in der Umgebung – ein absolut aktuelles Thema in der Gesellschaft. Dann gelang es Lisa aber zu fliehen. Wieder ein Sprung in der Geschichte ließ uns an einer Szene teilhaben, in der der Söldner seinen Waffenhändler schon getötet hat, weil wohl auch er diese Blutaugen hatte – was für Geister verfolgen ihn da nur und wo soll das alles enden? Das blieb leider offen, denn Alex‘ Lesezeit war vorbei. Auch er erhielt gut Beifall und bedankte sich fürs Zuhören.

Christian von Aster

Es folgte nun der „Bezwinger der Straßenbahnschienen“ – gemeint war Christian von Aster, der an diesem Abend den „Wet-Goth-Look“ entdeckt hatte auf dem Festival – denn schließlich lässt sich aus so einem Regencape Einiges machen. Er hatte nun „das Vergnügen für euch das Letzte zu sein“. Seinen Vortrag begann der Autor schließlich mit einer „außerordentlichen Liebesgeschichte“, die in Reimform daherkam. Darin ging es um holde Maiden, die hinter Mauern lebten und Drachen zu ihnen kamen, um die „Holdeste“ zu entführen. Die Ritter, die zur Rettung kamen, wurden allesamt gefressen und auch die Holde starb irgendwann – daher die Moral: „Holde vergehen, Drachen bestehen.“ Doch es gab ein Happy End für den Drachen – damit wir nicht mit einem traurigen Ende aus der Geschichte gingen. Nach einem kurzen Werbeblock für Christians Lesebühne Staun & Schauder lernten wir den „Kosmetikproband“ kennen. Diese Wortakrobatik war absolut großartig und wir haben alle sehr gelacht. Was aber noch genialer war, war die folgende Ausgabe der „Gruftieglosse“, die Herr von Aster für uns an diesem Abend in petto hatte – die „Mitternachtshüpfburg“. Diese Art des „Vergnügungsventils“ für ansonsten stets depressive Grufties hat mich so zu Lachen und Schmunzeln gebracht, dass ich Muskelkater in den Wangen bekam – Wahnsinn! Die Hüpfburg sei eine Art „Fetischfestung aus Lack“, die aber leider ein trauriges Ende nahm. Der Applaus war hier am Ende geradezu frenetisch. Es folgte eine „Ode an dich“ – gerichtet waren die Worte an den Rosenverkäufer, der ihn „einst bei einer Lesung störte“. Wieder mussten die meisten im Publikum ihre Lachmuskeln anstrengen. Eine weitere „Ode an dich“ ging an die „attention whore“ – den Internet-Beschimpfer – ebenfalls überwältigend. Schließlich gab es zum Abschluss etwas ganz anderes auf die Ohren – neue Wortschöpfungen, die seiner Facebookseite „NeuDeutsch 2.0“ entstammten. Diese hatte er für uns „zauberhaften, halbamphibischen Wesen“ mitgebracht – Danke! So erfuhren wir was „Dumminanz“, das „Fortmonä“, ein „Gedichtsvollzieher“, „Hassturbation“, „Überarschung“, die „Vögelperspektive“ oder „Textosteron“ denn so sei. Was für ein absolut fulminantes Ende für einen rundum exzellenten Christian von Aster! Er verbeugte sich und unter den Beifall mischten sich Zugabenrufe, die aber leider nicht erhört wurden.

Im Anschluss wurde schon für den folgenden Diskoabend umgebaut, aber wer wollte, konnte sich noch Bücher der Autoren kaufen und direkt signieren lassen. Wir allerdings machten uns auf den Weg ins Hotel – wir wollten uns aufwärmen, denn der Regen hatte auch die sommerlichen Temperaturen weggespült.

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Autor & Photos: Scratchcat

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