M’era Luna 2017: 11.-13.08.2017 Flugplatz Hildesheim – Tag 2

Als wir am Samstag auf das Gelände des Flugplatzes kamen, hatten die fleißigen Helferlein überall Stroh in die Matschlöcher gestreut – auf dass es keine Rutschfallen werden. Die Idee war zwar ganz gut, aber schnell war das Stroh weg und der Schlamm wurde wieder zu einer tiefen Schlitterbahn. Auch die Himmelsschleusen waren noch nicht ganz leer – immer wieder tropfte es von oben. Und als ich über das Gelände gen Pressezelt lief, hatte ich auf einmal trotz Gummistiefel nasse Füsse – waren die Drecksdinger nicht prompt in dem Moment kaputt gegangen?! Hilfe! Dank an dieser Stelle an den einen Schuhstand, die doch tatsächlich gerade noch ein paar Gummistiefel in meiner Größe hatten – ihr habt mein Festival gerettet!

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Die Stimmung war trotz allem gut und als wir ankamen, spielte bereits der Opener des Festivals – Circus Of Fools bestachen durch ihre Bühnenshow und auch wenn das Wetter eher mies war – vor der Stage wurde bereits zu dieser frühen Stunde mitgerockt.

Ich begab mich aber schnell in den Hangar. Die Stage war wieder einmal von der großartigen Steampunk-Optik eingerahmt und sogleich eröffneten Leichtmatrose den musikalischen Reigen. Die Band hatte ich bisher noch nicht live erleben können und deswegen war ich sehr gespannt. Andreas Stitz und seine Mitmusiker war gut gelaunt und so ging es direkt in die Vollen. Carsten Klatte gab an der Gitarre sein Bestes und der Frontmann untermalte seine Texte mit wilden Gesten und einer tollen Mimik. Stücke wie „Dalai Lama“ oder „Jasmin“ wurden von den zahlreich anwesenden Fans lautstark mitgesungen. „Guten Morgen M’era Luna – seid ihr wach?“ Diese Frage war angesichts des lauten Beifalls fast überflüssig. „Es ist so schön, dass ihr alle da seid.“ Die Halle war schon ziemlich voll und es wurde wild gefeiert. Die Arme waren immer wieder oben und Andreas gab wahrlich alles. Der mehrstimmige Gesang war toll und es wurde viel getanzt – auf und vor der Bühne. Die gelungenen Texte der Formation war genau das Richtige, um gut in den Festivaltag zu starten.

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Weiter ging es auf der großen Bühne mit Unzucht, wo die Massen wahrlich abgingen. Während Sänger Daniel ordentlich einheizte, wurde im Takt mitgeklatscht. Im Song „Lava“ sang der Frontmann, dass er „völlig allein“ sei – ganz im Gegenteil – hier, an diesem Tag, war mächtig was los und die Band hatte dafür nur ein Kommentar übrig: „Geile Scheiße!“ Ich schlenderte nebenher einmal zwischen all den Händlerständen umher und hörte immer wieder die Aufforderung „Macht mal Krach“, der auch prompt jedes Mal gefolgt wurde – die Musik aus den Boxen und auch die Zuschauer waren echt laut. Während des Gigs begann es wieder einmal zu regnen und so artete der Auftritt in einen Regentanz aus. Daniel drehte dann aber erst richtig auf – er kam zu seinen Fans an die erste Reihe und sang mit ihnen zusammen „Zeit hat nur die Ewigkeit“, wo sich ein Armemeer bildete – ein tolles Bild.

Apropos Bild – die riesigen Leinwände rechts neben der Hauptbühne und im Freien vor dem Hangar waren wieder einmal eine tolle Sache – so konnte jeder, der wollte, von fast überall her etwas von den Gigs sehen. Nur der Sound vom Hangar war draußen ab und an etwas zermatscht, aber irgendwas ist ja immer.

Während sich Ost+Front dann die Ehre gaben, war ich auf der Suche nach etwas Leckerem – im Fotograben gab es derweil für die Zuschauer „Fleisch“ zu essen und „Blut“ zu trinken. Der mexikanisch angehauchte Beginn der Show war ziemlich cool und Band wurde absolut gefeiert. Am Ende des Auftritts flogen auf einmal zahllose Luftballons – die wohl von der Bühne gestartet waren, quer über das Gelände – das war mal etwas Besonderes.

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Meine Suche nach „Futter“ endete schließlich an einem Stand, wo es frittierte Schokoriegel gab – das klingt im ersten Moment echt eklig, war aber brutal lecker. Extrem süß und fettig und die Kalorienbombe schlechthin – aber für Süßmäuler echt klasse! Das solltet ihr auch unbedingt mal testen.

Als ich dieses süße Ding verspeiste, lief ich gerade mit Freunden am Mittelaltermarkt vorbei und auf einmal fuhren drei riesige Steampunk-Gefährte an mir vorbei – unter anderem waren es ein gigantisches Hochrad und die anderen beiden kann ich gar nicht so genau beschreiben. Auf jeden Fall waren sie mehr als zwei Meter hoch und bewegten sich recht geschmeidig durch die Menge, die erstaunt Platz machte – das war doch mal ein gelungener Auftritt und eine extrem abgefahrene Idee. Mehr davon!

Musikalisch ging es für mich dann weiter mit Feuerschwanz, die ihr neuestes Album im Gepäck hatten. Die zwei Miezen des Band untermalten das erste Stück „Sex is Muss“ mit Textschildern, während die Musiker sich ordentlich ins Zeug legten. Dann wurden zwei Mädels auf dem Publikum auf die Stage geholt, um sie für einen Song „schick“ zu machen. Später kamen sie dann in ein Flaschen- und ein Pizzastück-Kostüm gehüllt wieder nach vorn und waren somit „die heißeste Flasche von Hildesheim“ und ein geiles Stück Pizza. Und passend dazu stimmte die Formation den Track „Moralisch (Höchst Verwerflich)“ an. Und weil der Wettergott wieder einmal kein Einsehen hatte, meinte der Hauptmann einfach lächelnd: „Wir saufen uns einfach das Wetter schön.“ Die Songs wurden von den Zuschauern allesamt mitgegrölt – das war schon eine wahre Freude. So hatten doch alle „Krieger des Mets“ ihre wahre Freude.

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Im Hangar spielten zur gleichen Zeit NamNamBulu – vor dem Hangar war die Musik auch zu hören und bildete damit einen krassen Stilwechsel – vom Spaß-Mittelalter hin zu fluffigen Electro-Klängen, die zum Popowackeln anregten. Ich wanderte hingegen durch das GothicTown-Zelt. Hier gab es viele spannende Sachen, wie kleine Geister, die in Glaskuppeln gefangen waren, Steampunk-Mode, wunderschöne Hüte, wer wollte, konnte sich vor Ort tätowieren lassen und verschieden gearteter Schmuck begeisterte jede Dame.

Nach diesem ausgiebigen Shopping-Trip gab ich mir wieder elektronische Klänge beim Gig von Mesh. Der Sound war hier echt gut und auch der Regen legte eine Pause ein, was die Menge noch ausgelassener feiern und tanzen ließ. Auf der Stage waren mehrere kleine LED-Leinwände aufgestellt worden, auf denen aber wegen des hellen Tageslichts leider nicht so wirklich etwas erkennbar war – zumindest von da, wo ich auf die Bühne schaute. Schade! Stücke wie „My protector“ oder „Last one standing“ regten das Publikum zum Mitsingen an und Frontmann Mark lächelte immer wieder glücklich in die Menge.

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Als die White Lies spielten, ein Gig, der von vielen Festivalbesuchern sehnlichst erwartet wurde, hatte ich Freunde getroffen, die ich jahrelang nicht gesehen hatte. Auch das sind tolle Festivalmomente und wir nutzten die Gelegenheit, wieder einmal in aller Ruhe und Ausführlichkeit zu Quatschen. Dazu ging es an eine der zahlreichen Bars und bei einem kühlen Getränk ließen wir alte Zeiten aufleben – toll! Ich möchte hiermit Diablo und seine Schwester noch einmal grüßen – lasst es bitte nicht wieder Jahre dauern, bis wir uns wieder sehen.

Gemeinsam ging es dann zum Auftritt von Ashbury Heights, die ich auch noch nie live erleben durfte. Die schwedische Formation war schon mittendrin und das Outfit von Sängerin Tea war extrem heiß. Im Hangar war es voll und der Sound war ganz in Ordnung. Im Hintergrund hinter der Band lief eine Videoshow mit, die den Gig noch aufregender machte. Frontmann Anders meinte beeindruckt: „Seven years I was last here – it’s too long.“ Die Stimmung war echt gut, denn immer wurde mitgeklatscht und auch mitgesungen. Tea tanzte am vorderen Bühnenrand – das war sehr lasziv und ließ viel Herren im Publikum die kühlen Temperaturen im Freien vergessen. Mir gefiel das Ganze auch recht gut und so genoss ich die Show eine Weile.

Die Hauptbühne bot schließlich mit Project Pitchfork einen ersten Headliner. Die Herren aus Hamburg hatten für diesen Abend ein Klassiker-Set im Gepäck, was die vielen Fans selig stimmte. Die drei Drummer auf der Stage waren wieder einmal der Hingucker, wie sie da im Gleichtakt auf die Felle eindroschen – cooles Ding! Und trotz des Wetters sangen Peter und Kollegen ihren Hit „Rain“. Anfangs gab es zwar einige Probleme mit dem Mikrofon, doch das wurde schnell behoben und so sangen Publikum und Frontmann schließlich um die Wette. Als der Smashhit „Souls“ erklang, rasteten die Zuschauer förmlich aus. Die Arme waren oben und die Fans waren fast lauter als die Band – ein besonderer Festival-Moment!

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Noch einmal stattete ich dem Mittelaltermarkt einen Besuch ab – hier sorgte der Schlamm leider dafür, dass einige Stände nur mit Schlitterpartie erreicht werden konnten, was den Standbesitzern sicher einige Einbußen einbrachte, da sich nicht jeder durch die Matschgruben zu den Ständen selbst wagte. Aber trotz allem war das Angebot der Händler dort wieder einmal sehr abwechslungsreich und an den Futter-Ständen waren immer lange Schlangen – gut so!

Ich kam dann also erst später dazu, als Subway to Sally schon voll dabei waren. „Grausame Schwester“ erklang und ein Armemeer wogte vor der großen Bühne. Die Formation stimmte wohl auch den Wettergott milde, denn auf einmal war blauer Himmel zu sehen – toll! Vor der Stage füllte es sich immer mehr und wirklich alle feierten eine große Party. Das gefiel auch Sänger Eric, der meinte: „Ihr seid so schön!“ Danke, für dies Kompliment! Mit einer Pyroshow wurde der Gig dann noch heißer – vor allem ja für die Musiker.

Was hier aber besonders strange war – ich wanderte schon wieder über das Gelände – hörte also die Klänge von Subway to Sally und sah dabei aber die Bilder vom Gig von Solar Fake im Hangar auf der Leinwand – das passte mal so gar nicht zusammen und verwirrte mich absolut. Das ist ganz und gar nicht zur Nachahmung empfohlen!

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Schließlich war es dann soweit, dass ASP die große Bühne enterten, doch direkt nach dem ersten Song war auf der Stage auf einmal alles dunkel und auch die Leinwand daneben war aus – was war denn da passiert? War der Stromkasten nass geworden oder wie?! Die Techniker düsten hektisch hin und her und suchten nach dem Fehler. Es war dann so, dass es echt den Generator zerschossen hatte – ein neuer wurde schnell herangeschafft und nach etwa 25 Minuten konnte es dann noch einmal losgehen mit ASP. Pyroeffekte begleiteten die Show, was wahrlich toll aussah. Als besonderes Schmankerl holte ASP sich gesangliche Unterstützung – Eric Fish kam hinzu und gemeinsam sangen sie für das begeisterte Publikum den „Zaubererbruder“. Da ging es mächtig ab und das trotz der Tatsache, dass es mittlerweile wieder wie aus Eimern goss. Solidarisch nahm auch ASP eine Wasserflasche zur Hand und übergoss sich – nun war er so nass wie seine Fans. Der Sound war gut und die Menge feierte nur so ab. Ich stellte mich aber unter und hörte nur von Weitem zu.

Und dann kam endlich die Band auf die Bühne, auf die ich schon den ganzen Tag gewartet hatte – Korn. Mit „Rotting in Vain“ und dem Klassiker „Falling away from me“ ging es los und wie. Frontmann Jonathan tobte in seinem Kilt nur so über die Stage. Kaum eine Sekunde stand er still. Und auch seine Kollegen rockten, was das Zeug hielt. Er war begeistert, dass „so many industrial bands“ hier auf dem Festival dabei waren – das fand er „so crazy“. Seine gute Laune war auch bei dem feuchten Wetter sehr ansteckend und so wurde überall mitgerockt. Bei „Y’all want a single“ erhoben Band und Fans immer wieder den Mittelfinger, um die Textzeile „Fuck that“ passend zu untermalen. Und auch wenn es immer mal wieder gute Soundprobleme gab – „Here to stay“ ging mächtig ab. Die Haare flogen auf und vor der Stage und als Jonathan dann auch noch zum Dudelsack griff, gab es auch für den letzten Zuschauer kein Halten mehr – genial! Das war definitiv DAS Highlight des Tages! Einfach nur geil!

Wir fuhren dann mit einem fetten Grinsen im Gesicht ins Hotel und tankten noch einmal Energie für den nächsten Tag.

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Autor & Photos: Scratchcat

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