Meystersinger: 4 vor Frieden-Releasekonzert 19.11.2016 Laden auf Zeit Leipzig

Wie jedes Mal haben die Meystersinger auch vor ihrem dritten Album bereits eine kleine EP fertiggestellt, die dann schon für noch mehr Vorfreude sorgen kann. Das gute Stück trägt den Namen „4 vor Frieden“ und feierte am 19.11.2016 seine Veröffentlichung. Zur Feier des Tages gab das Duo aus Berlin dann auch direkt ein kleines Releasekonzert im Laden auf Zeit im Herzen Leipzigs – und da waren wir selbstverständlich für euch mit dabei.

Vor Ort angekommen fanden wir eine kleine, aber feine Location vor, die vorrangig für Theateraufführungen, Lesungen und kleinere Konzerte genutzt wird – alles recht liebevoll gestaltet. Schnell begrüßten wir die Singer vor ihrem Auftritt und dann ging es auch schon bald los. Inhaber Frank betrat die Bühne und eröffnete den Abend: „Hochverehrtes Publikum – es ist uns eine ganz besondere Freude, Roman und Luci hier in unserem Theater … husten zu hören.“ Dieser Spruch sorgte für Lacher, denn genau in diesem Moment hörten wir tatsächlich Huster aus dem Backstage gleich neben der Bühne. Das Duo machte sich gerade bereit für seinen Auftritt – und das dauerte dann auch noch etwas, so dass der Herr des Hauses tatsächlich dreimal an der Backstagetür klopfen musste, damit sie endlich heraus kamen – das hatte total was von Slapstick.

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Dann endlich kamen die beiden hervor und wurden mit Beifall begrüßt – leider waren nur wenige Zuschauer da, aber diese klatschten umso frenetischer. Roman zeigte direkt zu Beginn die EP, so dass jeder wusste, worum es an diesem Abend gehen würde. Dabei erzählte er noch eine kurze Story, von einem seiner Stiftzähne, der ihm mal bei einem Gig aus dem Mund fiel und so ging es mit viel Gelächter los. Und wir bekamen direkt einen der neuen Tracks zu hören – „Machen“. Luci lächelte und Roman tänzelte zu den Klängen der Musik. Natürlich wurde sie dabei in gewohnter Weise mit Mustern und Farben angestrahlt, was toll wirkte. „Herzlich Willkommen“ waren hiernach die knappen Begrüßungsworte, bevor gleich „Reise“ folgte. Im Anschluss meinte Luci beseelt: „Wie schön, dass wir hier zusammen sein können.“ Und ihr Mitmusiker ergänzte: „So intim – wundervoll!“ Wundervoll war dann auch die Darbietung des nächsten Stückes „Selbst alleine“. Stimmlich war das Ganze echt toll – die beiden waren wieder einmal in Höchstform. So wippten wir mit und genossen die Show.

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Doch alsdann gab es eine Unterbrechung bei der Musik: „Es gilt euch eine kleine Geschichte zu erzählen.“ Roman rutschte zu seiner Kollegin hinüber auf ihre Kiste und als „Ding und Dong“ philosophierten sie wieder einmal über die Welt, die sich für die beiden Elementarteilchen ja seit dem Urknall gewaltig verändert hat. So stellten sie etwa fest: „Wo Licht ist, ist auch Schatten – das Böse“. Der Unterschied zwischen dem Hell und Dunkel in der Welt konnte so verschieden sein und so kam die Frage auf: „Gibt es Dunkel ohne Hell?“ und gibt es denn immer ein Gegenteil. „Das Gegenteil von Kuh ist – Beton.“ – ganz klar! „Dualität ist die Weltanschauung der geistig Armen“ so eine ihrer Theorien, die im Laufe der Diskussion aufkam. Was auch festgestellt wurde, war die Tatsache: „neben Ruhe und Frieden gibt es auch Angst und Schrecken“.

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Das war dann wie passende Überleitung zu folgenden Lied – in „Haifischweide“ geht es ja um Monster, die ebenfalls Angst verursachen können. Damit es aber nicht allzu „gruselig“ wurde, gab es anschließend „Es ist Liebe“ auf die Ohren, wobei die beiden herrlich herumalberten und sich gegenseitig neckten. Am Ende hielten sie die letzten Ton so lang aus, bis ihnen tatsächlich der Atem ausging. Dabei fielen sie sich erschöpft in die Arme und lachten mit uns um die Wette. Was kam dann – das „nächste Liebeslied“, so Roman. Gemeint war hier „Geht’s dir gut da, wo du bist?“, dem das Titelstück ihres ersten Albums „Trost“ folgte. Beim Refrain hielten sich die Sänger hier an den Händen und immer wieder fand ich es gut, dass es im Raum dunkel war – dieses Lied bringt mich jedes Mal wieder zum Weinen. Aber genau deshalb machen es die Meystersinger ja so – Licht auf ihren Körpern, so dass die Zuschauer im Dunkeln ihren Gefühlen nachhängen können und so in einem geschützten Raum sind – Danke!

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Nach all der Liebe ging es wieder weiter mit „Ding und Dong“. Da lernten wir, dass „Hmmm“ „der Zustand vor dem Ur-Ding-Dong“ war, denn es war eigentlich gar kein „Knall“. Was auch interessant war, war die Erkenntnis, dass „jeder Mensch … viele Aspekte“ hat. Ding (Roman) meinte dann: „Ich haben einen Aspekt – der macht mich wahnsinnig“, woraufhin Dong (Luci) zugab: „Das kenn ich!“ „Könntest du mal mit dem reden?“ Was machen wir gelacht, bei dem Gesicht, das Dong dann zog. Sie gab ihm den Rat, einfach nicht auf diesen Aspekt oder diese Stimme zu hören – wenn es denn nur so einfach wäre…

Denn wollen und tun sind oft zwei verschiedene Dinge. Das hörten wir dann auch im nun angestimmten neuen Stück „Offen“, wobei die beiden ihren Kopf in eine Hand legten, als ob sie ihn gelangweilt aufstützten müssten – das sah schon komisch aus. Der Text hingegen ging etwas tiefer – wie eigentlich alle Songs der neuen EP – aber dazu später mehr. Mit „Kein Märchen (Und es geht doch gut aus..)“ leiteten die beiden schließlich zur Pause über – es konnte sich an der Bar mit Getränken versorgt und die Beine vertreten werden.

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Nach dem Päuschen begrüßte wieder Besitzer Frank das Publikum und bat um „lautloses Klatschen“, damit sich die Nachbarn im Haus nicht zu arg über Lärm belästigen konnten. Passend dazu ging es mit den Meystersingern weiter im Programm mit dem Track „Schläfst du schon“. Hier sangen die beiden nicht nur zusammen, wie sonst zumeist, und immer wenn einer der beiden leise sang, hatte der oder die jeweils andere die Hände unter den Kopf gelegt und die Augen geschlossen – als wenn sie ihren Kopf auf ein Kopfkissen gebettet hätten. Bei „Wie du scheinst“ war der Gesang hingegen wieder voller Inbrunst und sorgte für lächelnde Gesichter im Publikum. So war es auch zu „Wunsch“, der im Anschluss zu seinen Ehren kam. Am Ende des Stückes hatten die beiden ihre Hände erhoben und grüßten mit dem Gruß der Vulkanier – die Finger waren gespreizt und bildeten ein V – sind wir denn etwa Star Trek-Fan?!

Das war dann auch eine gute Überleitung zu unseren Teilchen im All – „Ding und Dong“. Ding hatte tatsächlich auf Dong gehört und lauschte nun seinem nervigen Aspekt nicht mehr – oder wie er es nannte: „hab Ja gesagt zu meinen Dämonen“. So fluchte er ausgelassen nach ihrem Zusammenstoß-Dong. Dong war darüber erschrocken und erst recht böse auf ihn. Aber sie entwickelte eine Strategie, wie sie ihren Ding wiederbekam – heimlich mochte sie ihn doch so, wie er schon immer war. Sie bringt ihn dazu, seine Wut produktiv zu nutzen. Er steigert sich also in seine Wut rein und „da reißt mir doch das Kostüm am Arm, weil die Muskeln so anschwellen.“

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Was haben wir gelacht, denn tatsächlich war Romans Mantel gerissen an dieser Stelle – mit viel Gekicher nahmen sie wieder ihre Plätze ein und sangen für uns „Ich will“. Im Refrain formten ihre beiden Hände ein Herz – immer wieder war es die Liebe, die hier besungen wurde. Doch dann gingen sie über zur „Angst“, wobei sich hier die Projektion auf ihren Körpern verändert hatte – soweit ich mich zumindest erinnern konnte. Angst kann schlimme Sachen mit den Menschen anstellen und darum ging es auch im nächsten Stück von der neuen EP – „Wovor fürchtest du dich“. Dieser Text war absolut super und jeder sollte sich das einmal so richtig zu Herzen nehmen! Doch dann: „Zum Abschluss gibt es jetzt einen kleinen Zauber“, so Roman und so stimmten sie das Titelstück des kommenden Albums an – „Frieden“. Auch da war ich absolut ergriffen von der Tiefe des Textes – hört ihn euch an und lebt danach! Während der Darbietung wurde die M-Rune – das Zeichen der Formation – auf ihre Beine projiziert, was echt toll aussah. Als der letzte Ton verklungen war, brachen die Zuschauer in Jubel aus. „Danke, dass ihr heute hier war und mit uns unsere kleine EP gefeiert habt.“

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Mit einem Winker und Verbeugungen verabschiedeten sich die beiden kurz, denn schnell lockten sie Zugabe-Rufe wieder hervor. Es gab ein Stück, das nicht fehlen durfte. Doch vorher gab es noch kurz eine improvisierte „Heavy Metal Version von „Frieden““ zum Besten – ein Brüller! „Am Ende aller Dinge“ wurde dann endlich auch angestimmt und Roman kam der Aufforderung zu Tanzen auch reichlich nach – wie immer sah es irre aus. Ein „Wir sind die Roboter“-Dance im Sinne von Kraftwerk ist schon was Feines. Roman und Luci luden dazu ein, im Anschluss sich eine der limitierten Ausgabe der EP käuflich zu erwerben. Doch noch immer hatten sie etwas Musikalisches in petto. „Ich bin von innen gerissen“ meinte Roman noch einmal und wollte dann eigentlich „Noch ein Friedenslied“ anstimmen. Aber nach dem Riss-Spruch war er so albern drauf, dass er für das Stück „Wie das Meer“ spontan einen anderen Text sang – eben mit seinem gerissenen Kostüm als Inhalt. Wir alle – also auch die Zuschauer – bekamen so einen Lachanfall, dass das Lied nicht gespielt werden konnte. Erst also sich alle wieder beruhigt hatten, begannen sie noch einmal und so bildete dieses Stück das Ende der Darbietung. Zum Abschluss bedankte sich das Duo noch bei Frank und seiner Crew und sie versprachen, wieder einmal hier zu spielen.

Der Beifall war groß und natürlich kauften die Anwesenden zumeist gleich mehrere Exemplare der EP, was die beiden Künstler sehr glücklich stimmte. Wir verabschiedeten uns noch wortreich und machten uns auf den Heimweg. Am 05.05.2017 feiert das Album „Frieden“ dann seine Veröffentlichung mit einem Gig in Berlin – davon werden wir selbstverständlich auch wieder berichten. Wir sehen uns!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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