Meystersinger: Frieden!-Releasekonzert 05.05.2017 BKA Theater Berlin

Wenn Roman Shamov und Luci van Org, besser bekannt als die Meystersinger, zu einem Release-Konzert rufen, dann sind wir selbstverständlich mit zur Stelle. Am 05.05.2017 erschien ihr drittes Album „Frieden“ und das musste mit einem fulminanten Abend gefeiert werden. Dieses Mal war das BKA Theater in Berlin Schauplatz des Geschehens.

Meystersinger

Mitten im Herzen von Berlin Kreuzberg waren wir rechtzeitig zum Einlass vor Ort und wurden von nettem Personal begrüßt. Da das BKA ein Theater mit Tischen ist, wurden wir dann auch einem solchen platziert und warteten so gespannt auf das, was da kommen sollte. Der Saal füllte sich nach und nach und dann war es endlich soweit. Das Licht ging aus und eine gespannte Stille breitete sich aus. Dann kamen Luci und Roman nach vorn und wurde mit frenetischem Beifall empfangen. Sie trugen wieder ihre weißen Mäntel – ihre Kopfbedeckungen waren aber von der Form her neu – sah schick aus. Die Musik begann und schon erklang das erste Stück des neuen Albums – „Machen“. Dieses Mal erfüllten sie den Raum mit ihren Stimmen durch Mikrofone verstärkt – das war schon recht laut, aber nicht zu schlimm. Der Applaus war toll und mit einem seligen Lächeln hieß uns das Duo „Herzlich Willkommen“. Und schon folgte „Offen“, wo sie bei einem Teil des Textes immer den Kopf in eine Hand legten – als ob er zu schwer wäre von all den missmutigen Gedanken. Besonders bei der Textstelle „Schade“ waren die Gesichter der beiden göttlich. Ihre Stimmen harmonierten absolut – ein Genuss! Mit einem schlichten „Danke“ bedankten sie sich abermals für die gute Stimmung, die sich immer mehr aufbaute. „Und jetzt kommt eine Premiere“, so die Ankündigung zum dritten Track – gemeint war „Rette uns wer kann“. Textlich geht es hier um eine Beziehung, die in Trümmern liegt und beide um eine Lösung flehen – das ging ganz tief. Dabei stießen sie mit ihren Fäusten aneinander beim Singen. Besonders der Refrain hatte mich sofort – ein absoluter Ohrwurm! Hiernach gab es dann aber auch mal ein etwas älteres Lied auf die Ohren – „Angst“ – ein Track, den ich immer als ganz besonders intensiv empfinde.

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Anschließend rutschten die beiden zusammen auf eines der beiden Podeste – es war Zeit für „eine weitere Begebenheit“ mit den beiden Elementarteilchen Ding & Dong. Der Zusammenstoss tat Dong (Luci) dann aber doch „leid“. Ding (Roman) war ganz erstaunt, dachte er doch, dass „nicht ein Quantum Mitleid in dir wohnt“. Dann transformierte er irgendwie gänzlich. Hatte er doch festgestellt, dass es „eiskalt in mir drin“ sei – ihm ist alles nun egal. Dong hingegen sah dass eher spöttisch, denn „Du bist ja der Clown mit der traurigen Maske“. Er blieb jedoch eiskalt bei allen Bemerkungen, aber als sie ein Katzenbild hervorzog, konnte er nicht umhin, es total „süüüüüüss“ zu finden. War er also doch nicht gänzlich zu einem Eisklotz gewandelt? Hoffnung bestand also.

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Musikalisch ging es dann weiter – wenn denn die Musik losgehen wollte. Lucis Brust war leider keine Fernbedienung – ein Brüller. Dann war aber alles wieder gut und „Es ist Liebe“ konnte angestimmt werden. Wie immer spielten sie bei diesem Stück das Spielchen, wer denn einen Ton am längsten halten kann – Roman gewann und Luci verbeugte sich am Ende vor ihm. Im Anschluss erklang mit „Geht’s dir gut da, wo du bist?“ direkt das nächste „Liebeslied“. Mit geschlossenen Augen sangen sie für uns diesen intensiven Text und am Ende streckten sie die Hände nach vorn an – „Komm zurück – ein kleines Stück“. Und wie immer folgte diesem Track dann noch der Titelsong des ersten Meystersinger-Albums „Trost“. Beim Singen legten sich die beiden Sänger jeweils eine Hand auf die Schulter, um eben „Trost“ zu spenden oder aber sie hielten sich an den Händen. Nicht wenige im Saal mussten hiernach tief durchatmen – das Lied geht echt an die Seele. Gut, dass es dunkel war, denn so konnten sie alle ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Auf der Bühne war es mittlerweile „wahnsinnig heiß“, denn die Klamotten der Künstler waren auch eher weniger atmungsaktiv – selbst Schuld hätte ich fast gesagt. Nun kamen dann aber auch endlich wieder neue Stücke zu ihren Ehren – zuerst „Fürchte dich nicht“, wo Roman und Luci mit ausgebreiteten Armen sangen. Diese Haltung erinnerte mich irgendwie an den Papst, der den Segen über die Welt erteilte. Die Projektion auf ihren Körpern passte hier ganz hervorragend zum Text – zum Ende hin waren sie in Regenbogenfarben getaucht.

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Dann kamen wieder Ding & Dong zum Vorschein. „Ist es schon wieder an der Zeit?“ – Ja, unbedingt. In diesem kurzen Abschnitt schmissen sie sich gegenseitig Fake-News um die Ohren. Wir hörten etwas über „Räucherkatzen“ – „Iiihhh!“ oder davon, dass die „Ösis über die Todesstrafe abstimmen“ lassen wollen. Aber zum Glück löste es sich dann auf – „Das ist so eine krasse Scheiße, dass es noch nicht mal wahr ist!“ Puh, Glück gehabt! „Gedankenhygiene“ wäre heutzutage schon echt wichtig – also nicht alles glauben, was überall geschrieben steht. Ding stellte außerdem für sich fest, dass er doch nicht gänzlich eiskalt sein kann, denn „Ick kann Empathie nicht ausschalten“. Das machte ihn wahrlich noch sympathischer.

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Damit die Musik nicht zu kurz kam – schließlich befanden wir uns ja auf einem Release-Konzert – stimmte das Duo an dieser Stelle „Selbst alleine“ an. Zuvor hatte Roman aber noch festgestellt, dass er „nicht so richtig alleene ist – so als gespaltene Persönlichkeit“ – wir haben sehr gekichert! Bei nächsten neuen Track „An Land“ geht es ums Entschleunigen in der modernen gehetzten Welt – was für ein tolles Stück. Wie sie so schön sangen – das „muss man sich trauen“ und das ist echt etwas ganz Wichtiges! Danke für solche Texte! Im Song war auch ein absolut ruhiges tiefes Durchatmen zu hören – so wird es gemacht. Und damit auch wir durchatmen konnten, war an dieser Stelle eine Pause für alle.

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Nachdem wir uns kurz die Beine vertreten hatten, ging es wieder los und Roman meinte: „Schön, dass ihr wieder da seid.“ Und schon nahmen sie uns mit auf eine „Reise“. Hierbei zeigten sie verschmitzt aufeinander – wer denn wohl die größere „Meise“ hätte. Dabei forderten sie uns alle auf: „Jetzt tanzen“ und einige bewegten sich an ihren Tischen im Sitzen mit. Den Text verbasselte einer von ihnen beiden ein wenig, aber das fiel kaum auf – kichern mussten sie trotz allem selbst darüber. Bei „Ja, ich will – was mir gehört“ hielten sie einander an den Händen und formten mit ihren Händen ein Herz. Genau – jeder solle das bekommen, wonach ihm das Herz verlangt und niemand darf ihn dafür verurteilen. Dann kam wieder etwas Neues zur Geltung. In „Die“ besangen sie die anonyme Masse, die immer als Verallgemeinerung für Vorurteile steht – eine Art Fingerzeig in die Gesellschaft. Hierbei waren verschiedene Gesichter auf ihnen zu erkennen, während sie „Die nimmt Wir den Sinn“ sangen – toll gemacht! So kann es auch formuliert werden, wenn jeder Einzelne erst einmal bei sich selbst anfangen sollte, anstatt immer nur auf andere zu schauen und zu verallgemeinern. Genial! Dem folgte dann „Wunsch“ – ein älteres Stück, wobei die beiden immer einen Vulkanier-Gruß zeigen mit ihren Händen.

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Ding und Dong tauchten dann auch wieder auf – das „Ding-Dong“ am Anfang wurde mit witzigen Zwischenrufen aus dem Publikum begleitet, was für zusätzliche Lacher sorgte. Er schwitzte schon wieder unfassbar und schwamm in seinem Mantel sozusagen in seinem eigenen „Kondensat“. Dong bekam von ihrem Kollegen ein eher fragwürdiges Kompliment – so bezeichnete er sie als „niedliches Drecksschwein“. „Du hast Recht!“ Aus ihm brach es heraus – das Böse und Kalte, was schon immer in ihm eingesperrt war – seine dunkle Seite. Sie findet diese Seite allerdings total super und hofft, dass er nie verschwinde. Ding kommt immer wieder kurz zum Vorschein und bettelt, dass dieser Böse ihm doch sein Jammern lassen solle. „Das kannst du nicht wollen.“ Dieser dunkle Teil von Dings Seele wird immer ausfallender und beleidigt Dong dann letztendlich aufs Übelste, bis es ihr zuviel wird und sie explodiert – „Na, ick gloob es hackt!“ Sie schreit ihn kurz zusammen und schon ist er wieder weg – der alte Ding ist wieder zurück. „Jetzt isser weg!“ Und so stellt Luci-Dong fest: „Du kannst nicht mal’n Arschloch sein.“ Ist wohl auch besser so, denn als Arschloch war er ein richtiges Arschloch. Sie mag doch die jammernde Variante von Ding-Roman lieber und Hundebilder bringen sogar bei ihr die Empathie zum Vorschein – „Oh, ist der süüüüsss!“

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Dann wurde wieder gesungen – und zwar etwas Neues – ein Liebeslied auf die Freundschaft der beiden. „Wir haben einander“ war echt toll getextet und gemeinsam bildeten sie mit ihren Körpern die M-Rune, die ja auch das Logo der Formation ist. Nach „Kein Märchen“ bekamen wir „einen Zauberspruch“ zu hören. Es war endlich Zeit für den Titelsong der neuen CD „Frieden“. Als die letzte Note verklungen war verbeugten sie sich vielfach und meinten: „Vielen Dank, dass ihr die Geburt unseres dritten Baby zusammen mit uns gefeiert habt.“ Und schon verschwanden sie von der Bühne.

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Der Jubel war riesig und wollte nicht enden, also kamen die beiden Singers schnell wieder nach vorn. Sie luden uns alle zur anschließenden Feier ein. Sie zeigten nun auch endlich die CD, die im schwarzen Falt-Cover wahnsinnig schick aussah. Roman meinte: „Ich sitze im Feuchtbiotop“ – ihm war echt warm. Doch eines durfte auf keinen Fall fehlen – „Am Ende aller Dinge“ musste noch gesungen werden und hier tanzten sie „Lambada“ und andere Stile – das sah schon witzig aus. Viele Knicklichter leuchteten hier im Publikum auf und gemeinsam wurde abgefeiert – „Ick muss schon wieder heulen“, weil es so schön war. Und genau deswegen konnten sie immer noch nicht aufhören. „Wie das Meer“ sollte dann aber eigentlich das letzte Lied des Abends werden. Sie sangen mit geschlossenen Augen und gaben noch einmal alles für uns.

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„Ich will nicht weg – ist so schön hier“ meinte Roman, als der Beifall nicht aufhörte und so gingen sie nicht erst nach hinten, sondern blieben direkt für eine allerletzte Zugabe da. Ein neues Stück war noch übrig – „Mit euch“ – „Ihr seid gemeint“ sagte Luci und schon sangen sie drauf los. Und das ging dann ganz tief ins Herz hinein. Der Track besang die Fans als „Freunde“, die für sie eine Art „Haus“ seien, in dem sie sich wohl fühlten. Wow! Ich hatte echt Tränen in den Augen und auch die beiden mussten schlucken. Harmonisch und textlich ein absolutes Highlight und ein krönender Abschluss für diesen „Frieden“-Abend. Sie bedankten sich am Schluss noch bei ihren Fans, die sie eben als Freunde ansehen. Den Dank gebe ich an dieser Stelle gern zurück. Mit einer letzten gemeinschaftlichen Verbeugung verabschiedeten sie sich von uns und schon war das Konzert wieder Geschichte.

Im Anschluss nahm sich das Duo für jeden Zeit, um Bilder zu machen, um CDs zu verkaufen und zu signieren oder um einfach nur zu schwatzen und sich zu umarmen. Wir nutzten die Gelegenheit, um uns für den wundervollen Abend zu bedanken und uns für den Folgetag zu verabreden – es war wieder einmal Zeit für ein Interview, das ihr demnächst auf unserem Videochannel sehen könnt. Wir empfehlen an dieser Stelle unbedingt – kauft euch „Frieden“, ihr bekommt ein Album, dass tiefsinnige und intensive Texte und tolle Stimmen bietet. Das solltet ihr euch nicht entgehen lassen! Und wenn ihr die Meystersinger einmal live erleben könnt, nutzt diese Gelegenheit unbedingt – es lohnt sich!!!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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