Mila Mar: 22.01.2017 Felsenkeller/NAUMANNs Leipzig

Im April 2016 sollten Mila Mar nach einem sehr beeindruckenden und emotionalen Comeback-Konzert zum 24. Wave-Gotik-Treffen 2015 erneut auf Tour gehen – doch leider kam Sängerin Anke Hachfeld eine schwere Virusgrippe dazwischen und so wurden die Auftritte verschoben. Aus organisatorischen Gründen konnten die Gigs erst im Jahr 2017 nachgeholt werden. Umso größer war die Vorfreude, als der Ersatztermin für Leipzig auf den 22.01.2017 festgelegt wurde. Im Naumanns, dem kleinen Club am Felsenkeller in Plagwitz, rüstete sich die Crew für einen Konzertabend, der ebenso wie das Konzert im Heidnischen Dorf knapp 18 Monate zuvor, jedem Besucher in schönster Erinnerung bleiben sollte. Auch wir machten uns durch dicken Nebel und bei eisiger Kälte auf nach Leipzig, um für euch dabei zu sein.

Vor dem Eingang des Naumanns warteten schon viele Gäste, gespannt auf den Abend und der begann mit einem entspannten Einlass und einem Getränk an der Bar. Das Naumanns ist, wie ein Fotokollege so schön sagte, „kompakt“, was nicht mehr und nicht weniger bedeutet, als dass der Club eher die Größe eines Pubs hat und die Bühne entsprechend klein ausfällt. Immerhin kamen jedoch knapp 200 Besucher, um Mila Mar und ihrer Supportband Framheim  zuzuhören. Einige nahmen auch auf der Empore des Clubs Platz, wo eigentlich nur Techniker Zugang haben sollten, aber sei’s drum.

framheim

Pünktlich um 20 Uhr wurde das ohnehin schon wenige Licht noch mehr gedimmt und Framheim betraten die Bühne. Das Leipziger Trio hat sich dem elektronischen Darkwave verschrieben und begrüßte fast schüchtern das Publikum.  Leider verschwanden Sängerin Dorain und ihre Mitstreiter Leo und Ray fast zur Gänze auf der ziemlich dunklen Bühne, doch ihre Musik fand den Weg in die Ohren der Besucher – wenn auch nicht immer gut verständlich, da Dorains Mikro aus meiner subjektiven Sicht zu leise eingestellt war. Leider kann ich zu den gespielten Titeln kaum etwas sagen, da ich das Repertoire der Band nicht genau kenne. Aber was da an stimmlicher und musikalischer Vielfalt geboten wurde, hat mich durchaus überzeugt. Framheim boten melancholische Lieder, die eher zum Träumen als zum Tanzen einluden, was aber dem Ganzen keinen Abbruch tat. Das Trio lieferte professionell ab: es gab viel Applaus, die vorgestellten Tracks passten stilistisch zum Abend und Framheim haben sich sicherlich einige neue Fans erspielt. Fakt ist, dass Dorain am Ende des Abends keine einzige CD mehr übrig hatte, die sie noch hätte verkaufen können. Für alle, die am 22.01.2017 nicht dabei sein konnten, gibt es am 21.05.2017 erneut die Möglichkeit die Band zu erleben. Dann spielen sie nämlich als Support von Euzen im UT Connewitz.

Mila Mar

Gespannt wartete das Publikum nun auf den Beginn der Gastgeberband, aber die Umbauarbeiten zogen sich ein wenig in die Länge. Schließlich wurde es still im Raum, Nebel wallte kurz auf und dann betraten Mila Mar die Bühne. Die vier Musiker wirkten ebenfalls ein wenig schüchtern, doch dieser Eindruck schwand mit der Begrüßung durch Sängerin Anke Hachfeld. Sie bat darum, eine Tür im Hintergrund des Saals zu schließen und die Bierflaschen von „ihrer Bühne“ zu nehmen, was prompt erledigt wurde. Dann setzte die Musik ein und nahm das Publikum für die folgenden 90 Minuten gefangen. Im Gepäck hatte Mila Mar einen Mix aus alten und neuen Stücken, die zum größten Teil in lautmalerischer Sprache vorgetragen wurden – ein Markenzeichen der Band. Anke tänzelte über die Bühne und durchs Publikum, die Gäste boten ihr bereitwillig Raum. Glücklicherweise gab es jetzt ein wenig mehr Licht, so dass ab und an auch Maaf, Katrin und Lars an ihren Instrumenten zu sehen waren.

Mila Mar

Der Stimmumfang von Anke beeindruckte mich einmal mehr, denn diese Frau trällerte mal eben über vier Oktaven und erzeugte nicht nur bei mir diverse Male eine kaum enden wollende Gänsehaut. Einige Lieder genoss ich sogar mit geschlossenen Augen, um das Ganze noch intensiver wirken zu lassen. Jeder Titel wurde mit stürmischem Applaus belohnt, was den Musikern ein dickes Grinsen ins Gesicht zauberte. Selbstverständlich beklatschten die Besucher Stücke wie „Djanga“ und „Elfentanz“ schon bei den ersten Tönen, doch auch die neueren Tracks wie „Asche“ und „Fliedermoos“ fanden das Wohlwollen des Publikums – etwas anderes hätte mich auch sehr gewundert. Faszinierend an Mila Mar ist meiner Meinung nach, wie sehr die Musiker in ihren Stücken aufgehen. Anke sang häufig mit geschlossenen Augen, hauchte die Töne mehr heraus, als dass sie sie intonierte, versank in ihren Texten und bewegte sich zu ihrer Musik. Konzerte von Mila Mar sind immer intensiv, beeindruckend und einfach nur schön. Kein Wunder, dass die Besucher an Ankes Lippen hingen und mit leuchtenden Augen jede ihrer Bewegungen verfolgten.

Mila Mar

Doch auch das tollste Konzert endet irgendwann und während die Fans bei anderen Bands auf eine Art Best Of in den Zugaben wartet, gab es bei Mila Mar zunächst eine Improvisation, die „es so nie wieder geben wird“, um mal mit Ankes Worten zu sprechen. In solchen Momenten offenbart sich das musikalische Können einer Band – im perfekten Zusammenspiel während eines Stücks, welches ohne Noten und Vorgaben auskommt. Unfassbar großartig! Nach „Hasso“ war dann aber wirklich Schluss.

Das Licht im Club wurde wieder heller und viele Besucher schienen aus einer Art Trance zu erwachen. Wir konnten glücklicherweise noch ein paar Worte mit Anke und Katrin wechseln, die uns verrieten, dass sie vor dem Auftritt ein wenig verunsichert waren, weil die Videoprojektion nicht funktioniert hatte. Aber mal ehrlich – das hat es auch gar nicht gebraucht! Bleibt nur zu hoffen, dass wir nicht wieder so lange warten müssen, bis es diese Ausnahmeband wieder auf die Bühnen der Republik schafft und ganz vielleicht ja doch über ein neues Album nachdenkt. Auf jeden Fall wird uns der Abend im Naumanns noch lange in Erinnerung bleiben – und zwar in sehr guter!

Autor: Pitchfairy

Photos: Michi

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