Nocturnal Culture Night 10: 04.-06.09.2015 Kulturpark Deutzen – Tag 3

Sonntag – 06.09.2015

Impressionen NCN 2015
Impressionen NCN 2015

Der dritte Tag begann für uns Pressevertreter mit einer kleinen Pressekonferenz mit Veranstalter Holger Troisch. Bei frischem Kaffee plauderten wir alle zusammen über 10 Jahre NCN und die Zukunft des Festivals. Holger stellte klar: „Wir verkaufen uns nicht“, aber es standen bereits an diesem Tag „alle Zeichen auf grün für nächstes Jahr“, was uns sichtlich freute. Er machte klar, dass bei der Bandauswahl für die Veranstaltung neben eigenen Wünschen auch immer die Umfragen in den Programmheften sehr wichtig seien. Er bedankte sich an dieser Stelle bei seinem Team, die er als „richtige Freunde“ bezeichnete, die ihn jederzeit unterstützten, auch wenn es für sie alle nur ein Hobby sei. Zur WarmUp-Party waren in diesem Jahr etwa 400 Besucher dabei und am Festivalwochenende seien die 3000 fast erreicht worden – mittlerweile sei das Publikum sogar international. Alle Bühnen des Geländes, deren Namen in diesem Jahr neu waren, seien naturbelassen und würden auch nicht verändert werden. Die Verteilung der Bands auf die einzelnen Stages sei bewusst gewählt, so Holger, denn „Bands müssen wachsen – nur so kann die Szene überleben“. Zu der Toiletten-Flatrate, die es in diesem Jahr gab, meinte er noch, dass dies nun beibehalten würde. Das und noch einiges anderes wurde besprochen, doch dann war es schon Zeit für den ersten Gig des Tages. Danke fürs Zeitnehmen, Holger!

Weak
Weak

Die Darkrock-Formation Weak aus Hagen machte den Anfang auf der Amphibühne. Noch war es recht leer und erste Regentropfen fielen bereits, doch das Quartett wollte ihr Können zeigen und so ging es laut los. Sänger Quim trug einen langen schwarzen Ledermantel und Sonnenbrille – es war ihm wohl noch zu hell. Die Gitarristen Oli und Alex griffen beherzt in die Saiten und rockten was das Zeug hielt. Zum Stück „Jede Nacht“ holten sich die Herren die Gastsängerin Sarah auf die Bühne, die mit ihrer Stimme noch einen tollen Akzent zum Sound beisteuerte. Doch schnell war sie wieder weg und weiter ging es mit „The devil’s rose“, wo die Gitarristen beisammen standen und gemeinsam bangten. Die Zuschauer spendeten Beifall und Qium bedankte sich dafür mit den Worten: „Herzlichen Dank, dass ihr so zahlreich erschienen seid – bei diesem authentischen Wetter.“ Er meinte wohl damit, dass sich der Himmel nicht so recht entscheiden konnte, ob es nun trocken bleiben würde oder nicht. Nichtsdestotrotz war dieser Rock-Gig zum Beginn schon etwas Feines.

Egoamp
Egoamp

Elektronisch ging es dann auf der Parkbühne weiter mit Egoamp aus Hamburg. Nach einem Intro traten die drei Musiker nach vorn und alle drei sahen sie schick aus im Anzug und mit Hut. Außerdem waren ihre Gesichter im Stil eines Pantomimen geschminkt, was echt gut wirkte. Frontmann Asmodi hatte eine kleine Trommel bei sich stehen, die immer wieder mit zum Einsatz kam. „Hallo NCN – seid ihr wach?“ war seine eröffnende Frage und scherzhaft fügte er hinzu: „Habt ihr euch alle abgesprochen? Seid ja alle nur schwarz angezogen.“ Mit einem Stück über Männer und Frauen ging es dann weiter und der Beat war vitalisierend. Die Zuschauer wippten und tanzten mit und das gefiel der Band sichtlich. Das Mitklatschen auf Anweisung klappte trotz der frühen Stunde auch ganz gut. Bei „Neonshine“ zeigte der Sänger, dass er auch wie ein Roboter tanzen kann und bekam dafür viel Beifall. „JaJaJa“, ein Trio-Cover, kam gut beim Publikum an und Asmodi sang den Refrain mit Hilfe eines kleines Megaphons. Damit lief er dann auch durch die Zuschauer und sang dabei weiter – nette Aktion. Wieder zurück auf der Stage war es dann Zeit für einen „Klassiker“ – gemeint war hier „The cabinet“, wo einer der Keyboarder mitsang. Vor dem Stück „Egomaniac“ stellte uns der Frontmann seine Kollegen noch namentlich vor, aber das bekam ich nicht mehr so genau mit, denn ich war schon auf dem Weg wieder zur Amphibühne.

Lizard Pool
Lizard Pool

Hier waren wieder Gitarren angesagt – die Leipziger Stargaze-Band Lizard Pool stand auf dem Plan. Manja kündigte das Trio als „fetten sauberen IndieRock“ an und da hatte sie gar nicht so unrecht. Im Nebel standen die Gitarristen Vincent und Shiva vorn und legten los, wobei Drummer Mika soweit im Dunkeln stand, dass er kaum zu sehen war. Das Licht war allerdings, trotz der Helligkeit des Tages schon ganz gut und wirkte toll zu der dargebotenen Musik. „“A gloomy day“ – passend zum heutigen Tag“ präsentierten die Musiker direkt als zweites Stück und in den ersten Reihen wurde bereits mitgewippt. Es füllte sich auch immer mehr, denn der Sound war wirklich nicht zu verachten. Es folgten „Movie house (your song)“ und ein ganz neues Stück, wo Bassist Shiva richtig in die Vollen ging. Sänger Vincent sang immer wieder mit geschlossenen Augen und ging so ganz in seinen Liedern auf – toll so eine Leidenschaft miterleben zu dürfen.

E-Craft
E-Craft

Die Parkbühne hatte dann ordentlich laute, elektronische Beats zu bieEten – E-Craft aus Eisenhüttenstadt standen in den Startlöchern. Manja machte es mit der Ansage auch ganz kurz und meinte nur: „Lasst das Stahlwerk beginnen.“ Eine Sirene rief alle Zuschauer zusammen und wer noch nicht wach war, war es dann spätestens jetzt. Die beiden Sänger Guido und Jan standen vorn und warfen Kusshände in die Menge und dann wurde es ordentlich laut – „Down under“ dröhnte los. Der zweistimmige Gesang war cool und der aufkommende Wind, war noch viel cooler – im wahrsten Sinne des Wortes. Das machte den Fans aber nichts, denn die tanzten sich warm. „Schön, dass ihr so zahlreich gekommen seid – jetzt werden wir einfach bisschen wach.“, war die Ansage von Guido zu den vielen Fans, die auf den nächsten Kracher warteten. Und so erklang „Gerichtet“, wo der Bass ordentlich in die Beine ging. Das machte echt Spaß. Der Sänger war ein Energiebündel und lief viel auf der kleinen Stage hin und her oder aber er kam an den vorderen Bühnenrand und sang sein Publikum direkt an.

Christian Krumm
Christian Krumm

Ich konnte dem Treiben leider nicht länger folgen, denn auf der Weidenbogenbühne hatte die Lesung von Christian Krumm bereits begonnen. Er hatte sein Buch „At dawn they sleep“ mitgebracht, aus dem er einige Passagen vortrug. Es ging hier um einen jungen Mann, der Musikjournalist in der Metal-Branche wurde und was er so alles erlebte mit den Musikern und auch mit den Freunden seiner Lebensgefährtin. Das war schon spannend, denn die waren allesamt ganz anders als er. Nachdem die zwei Ausschnitte aus dem Roman dann vorbei waren und mit viel Beifall bedacht wurden, war immer noch Lesezeit übrig. So kamen wir in den Genuss eines Ausschnitts aus Christians kommendem Werk – eine Kurzgeschichtensammlung, die wohl den Namen „Traumschrott“ tragen soll. Die kleine Geschichte „Das Museum“ zeigte etwa kleine Einblicke in den Generationskonflikt, der sich eben in verschiedenen Umgebungen anders äußern kann. Während er las, fiel neben der Bühne ein Bauzaun um, denn mittlerweile war es arg windig geworden. Und irgendwie passend kam genau zu diesem Augenblick in der Story die Textzeile: „Oh, was für eine Katastrophe“ vor – ich habe sehr grinsen müssen. Der kurze Text war echt gut und ich bin sehr gespannt auf das neue Buch – sicherlich ging es nicht nur mir so. Danke, Christian, für diesen Ausblick!

Decoded Feedback
Decoded Feedback

Der nächste Act auf der Amphibühne war weit angereist – es handelte sich um das Duo Decoded Feedback aus Kanada. Keyboarderin Yone stand auf einem Podest und Sänger Marco lief an vorderen Bühnenrand hin und her während er das erste Stück „Corrosion“ schmetterte. Dabei wurde er immer wieder von Nebel eingehüllt. Trotz des regnerischen Wetters trug der Frontmann an diesem Tag eine Sonnenbrille. Die Beats gingen gut nach vorn und die Fans in den ersten Reihen feierten gut ab. Im Hintergrund war ein Video auf der Leinwand zu sehen – doch nur, wenn die Sonne nicht gerade mal durch die Wolken lugte. Yone ging an ihrem Instrument gut ab und tanzte zur eigenen Musik ab. Zu Songs wie „Breathe“ oder auch „Dark-Star“ taten es ihr die Zuschauer gleich. Es hätte nicht besser sein können.

Orph
Orph

Zeitgleich spielte auf der Kulturbühne die Formation Orph aus Weimar, die ihre Mischung aus Postpunk und Pop darboten. Der drei- oder gar vierstimmige Gesang war schick und auch die Musik war anders. Ich würde es als Klanguniversum bezeichnen – so viele verschiedenen Bestandteile bildeten hier eine Einheit – Piano, Gitarre, Drums und Bass und noch mehr. Besonders Rahel an den Tasten beeindruckte mich mit ihrer Klangvielfalt, die sie ihrem Instrument entlockte. Synthesizer- und Klavierlinien auf einmal und dazu eben noch der Postpunk-Sound – das war schon spannend. Frontmann Marco lächelte die ganze Zeit – ihm war anzusehen, dass er Spaß hatte. Dann fragte er in die Runde: „Wie viele Wächter braucht die europäische Mauer?“ und legte mit dem nächsten Stück los. Es folgte „ein Lied für die Liebe“, doch hier musste ich schon wieder auf Wanderschaft gehen. Der Sound von Orph war auf jeden Fall etwas ganz Neues für mich und ich denke, viele der Zuhörer waren ähnlich imponiert.

Anja Bagus & Christian von Aster
Anja Bagus & Christian von Aster

Die zweite Lesung des Tages stand nun an und da ich Fan von Anja Bagus bin, musste ich unbedingt an der Weidenbogenbühne dabei sein. Endlich kam auch mal die Sonne heraus und Anja hatte eine kleine Überraschung für uns parat. Zur Unterstützung hatte sie den Leipziger Autor Christian von Aster eingeladen, der mit einem kleinen eigenen Stück begann – „Die Gentrifizierung des Wunderlandes“ zeigte auf, wie das „Wunderland saniert wurde“ durch die moderne Gesellschaft und so der Zauber abhanden kam. Der Autor wünschte sich das „alte Wunderland“ zurück und rief alle Anwesenden dazu auf, „die Wunderlandmiliz“ zu unterstützen – auf Facebook gäbe es eine entsprechende Gruppe, wo jede Unterstützung gern willkommen war. Nach diesem kurzen Ausflug in die Rettung der Märchenwelt ging es dann für uns in die Aetherwelt – Anja hatte ihren Roman „Glasberg“ dabei und gemeinsam mit Christian las sie nun vor. In der ausgewählten Szene „ist was ganz Schlimmes passiert“. In der Glasfabrik des Haupthelden Falk war einer der arbeitenden Jungen erkrankt und lag im Sterben – genauso wie der Sohn seines Bruders. Beim Vorlesen hatten die beiden Vortragenden immer wieder mal einen Moment mit Lachern, denn Christian hatte irgendwie nicht die gleichen Texte wie Anja vorliegen – am Ende schaute er bei ihr über die Schulter und las so mit – das ging auch. Die so vorgetragene Szene endete beim Tangotanzen zwischen den beiden Hauptfiguren Falk und Minerva. Die Zuschauer waren ganz gebannt und am Ende gab es viel Beifall. Christian, etwas gebeutelt ob der Textprobleme, bedankte sich bei seiner Kollegin mit den Worten: „Ein garstiges Miststück – wundervoll.“ Schön gesagt – wer nun mehr erfahren wollte, über die geheimnisvolle Krankheit und die beiden Helden – der konnte sich das Buch direkt am Stand des Verlages Edition Roter Drache kaufen und Anja signierte gern jedes Exemplar.

Solar Fake
Solar Fake

Dann ging es wieder musikalisch weiter auf der Amphibühne. Solar Fake waren an der Reihe und viele Fans warteten schon auf diesen Auftritt. Sänger Sven und sein Kollege André am Keyboard kamen gut gelaunt nach vorn und schon erschallte „I hate you more than my life“ aus den Boxen. Viele Zuschauer tanzten vom ersten Ton an los und hielten keine Sekunde mehr still – den ganzen Gig über. Sven gratulierte im Anschluss dem Festival zum Jubiläum und äußerte, dass es das NCN „hoffentlich noch lange geben wird“. Dafür bekam er einen Extra-Applaus, denn offensichtlich sah es das Publikum genauso. Weiter ging es dann mit „Face me“, wo André mit am vorderen Bühnenrand tanzte – er ging mächtig ab. Sven strahlte wegen der guten Stimmung und war sichtlich zufrieden, dass so viele mit ihm feierten. Die Arme waren oben zu „No apologies“ und der Sänger zog seine Jacke aus – er hatte sich warm getanzt. Hiernach wurde es „janz alt“ mit „Here I stand“. Die Fans klatschten im Takt mit und natürlich wurde auch mitgesungen. Nach dem Alten gab es dann aber auch etwas Neues – die kommende Single „All the things you say“ kam gut an und auch hier war die Stimmung an ihrem Siedepunkt – was wollte die Band also mehr.

Evi Vine
Evi Vine

Dann rief die Kulturbühne wieder mit etwas Besonderem – die britische Künstlerin Evi Vine stand im Mikrofon. Ihre Stimme war wirklich toll und der sehr ruhige Sound lud zum Verweilen und Ausruhen ein. Die Zuschauer hatten sich auch auf die Bänke ringsum gesetzt und lauschten gebannt. Evi begeisterte mit Stücken wie „Give your heart“ oder „Inside here“. Zwischendrin bedankte sie sich beim Veranstalter dafür, dass sie hier spielen durfte. Anschließend stimmte sie einen „pop song“ an – „so, I’m sorry – it’s about a friend of mine that was killed by himself – so it’s ok“. Das zeigte also, dass auch Popsongs einen düsteren und traurigen Hintergrund haben können – schön gesagt. Und es rechtfertigte gleichzeitig den etwas flotteren Stil, auch wenn die restlichen Stücke schon insgesamt eher düster waren. Die Fans waren voll des Lobes für diesen Gig und ich kann auch nichts Gegenteiliges sagen.

NamNamBulu
NamNamBulu

Die Parkbühne bot dann „alte“ Helden der Synthpop-Szene – Henrik und Vasi, besser bekannt als NamNamBulu, waren dran. Manja versuchte noch schnell zu erklären, woher wohl der Bandname stammt und dann ging es auch schon los. Im Hintergrund lief ein Video mit und nach langem Intro betraten die beiden Herren dann auch die Bretter, die die Welt bedeuten. Vor der Stage war es voll und viele warteten nur darauf, endlich zu den Klängen loszutanzen. Henrik begrüßte uns mit einem Lacher: „Hallo Deutzen. Wir haben das vermutliche längste Intro der Welt.“ Getanzt wurde dann aber auch – auf und vor der Bühne. Das war auch eine gute Idee, denn so wurde alle Beteiligten bei dem kühlen, feuchten Wetter wieder warm. Der Sänger war gut drauf und wollte zwischen den Stücken immer kleine Geschichten erzählen, da aber die Spielzeit begrenzt war, hielt er sich ein wenig zurück, damit die Musik nicht zu kurz kam. „Älteres Material“ und auch neuere Stücke kamen zu ihren Ehren – so etwa „Guardian angel“ oder auch „Beaten“. Vasi bewegte sich zwar nicht so viel an seinem Keyboard, dafür war Henrik umso agiler – aber immer mit einem Lächeln im Gesicht. Nach all den Jahren, hatte er immer noch mächtig viel Freude an der Sache. Dieser Funke sprang eben auch auf das Publikum über und so war es ein gelungener Auftritt.

Hidden Place
Hidden Place

Auf der kleinen Weidenbogenbühne stand gleichzeitig die Electro Wave-Band Hidden Place aus Italien auf dem Programm. Für mich war der Sound insgesamt auch recht poppig angehaucht und die italienischen Texte klangen gut. Die Mischung erinnerte außerdem an eine andere Formation aus dem Land am Mittelmeer – ich meine natürlich Kirlian Camera. Das Trio lockte mit seinem Sound auch Zuschauer vom nahen Mittelaltermarkt an und der Beifall nach den Stücken war nicht zu verachten. Leider bekam ich nicht mehr viel mit, da dann schon wieder der nächste Act rief.

Umbra et Imago
Umbra et Imago

Die Amphibühne war dann der Schauplatz für „Sex statt Krieg“ – ein Thema das „aktueller denn je“ sei, so Moderatorin Manja. Nach ihrem Intro kamen die Musiker von Umbra et Imago hervor und dann erschien auch Frontmann Mozart. Er wurde mit viel Jubel empfangen und stimmte das „Requiem“ an, wo er nach einigen Takten dann auch von Madeleine stimmlich unterstützt wurde. Sie sah wie immer umwerfend und sehr sexy aus, was vor allem die männlichen Zuschauerschar freute. Sie breitete außerdem goldene Flügel aus und war so noch präsenter. Der Regen setzte wieder ein, aber die Fans störte das wenig. Die Musik wurde von einer sehr ansehnlichen Lichtshow begleitet und so wurde das Ganze, trotz des Wetters, eine gelungene Performance. Der einzige, der einige Probleme hatte, war der Ton, doch auch das war schnell wieder gelöst. Weiter ging es dann mit Hits wie „Machina Mundi“ oder dem neueren „Radiosong“. Wir suchten uns dann aber einen Regenschutz und warteten ab, bis der Himmel seine Schleusen wieder schloss.

Das Ich
Das Ich

Als das dann endlich der Fall war, war es auch schon wieder Zeit für das nächste Highlight des Festivals – Das Ich erklommen die Parkbühne und war dort nun der Headliner des Tages. Zuvor erbat Manja aber noch einen fetten Applaus für alle Techniker. Bruno Kramm meinte, die Band würde dem NCN „Treue bis zum Tod“ schwören und so gaben sie dann auch alles. Sänger Stefan, von Kopf bis Fuß rot angemalt und gekleidet, begrüßte uns mit den Worten: „Ich freue mich, hier zu sein – aber es ist arschkalt. Muss das sein?“ Damit er gar nicht erst frieren konnte, bewegte er sich schnell auf der Stage und los ging es mit „Kannibale“, der von den Fans mitgesungen wurde. Der Bass rumste gut und die Massen vor der Bühne tobten. Die Arme waren schnell oben und als dann auch noch der Klassiker „Kain und Abel“ erklang, rasteten auch die letzten Zuschauer aus – was für eine Party. Bruno war wie immer wie ein Teufelchen angemalt im Gesicht und seine Haare bildeten seine Hörner und gemeinsam mit seinem Frontmann schrieen sie den Text nur so raus. Der Spaß an der Sache waren ihnen allen anzusehen. Dann versuchte die Formation etwas Neues – sie wollten in einer „basisdemokratischen Abstimmung“ entscheiden lassen, was sie als nächstes spielen sollten. Als sich keine Einigung finden ließ, meinte Bruno: „Wir spielen jetzt einfach mal was, wo wir denken, dass es euch gefallen könnte.“ Es folgte „Unschuld Erde“, dass auch mit viel Begeisterung aufgenommen wurde. Stefan war mit voller Inbrunst bei der Sache. Es wurde gebangt und herum gesprungen und seine ausdrucksstarke Mimik war einfach irre. Und dann bedankte er sich bei Bruno „für so einen tollen Horrorsong – mir läuft’s jedes Mal kalt den Rücken runter“ – die Rede war von „Engel“, der dann auch gespielt wurde. „Schade“ sei allerdings, dass dieses Stück „auch wieder mal aktuell“ sei. Mit einem „Refugees welcome“ erntete die Band einen Extrabeifall, doch dann wurde es wieder musikalisch und die „Lava“ sorgte für Hitze in der Menge. Das grüne Licht hier und der rote Sänger – das sah Hammer aus. Immer wieder wurde mitgeklatscht und bei den „Propheten“ grölte jeder Fans den Text lauthals mit.

Impressionen NCN 2015
Impressionen NCN 2015

So schön es auch war – wir schauten dann noch ein letztes Mal an der Weidenbogenbühne vorbei, wo No More gerade ihren Smash Hit „Suicide Commando“ performten. Dabei stand Sänger Andy mitten in der Zuschauermenge und sang seinen Text. Viele Anhänger der Post Punk-Elektroniker aus Kiel sangen ebenfalls mit und gemeinsam hatten sie alle ihre Freude. Tina hingegen zeigte, dass sie mit dem Theremin gut umgehen konnte und als Andy für „The Great Masturbator“ wieder auf der Bühne zurück war, griff er zur Gitarre. Vor der Stage wurde wild getanzt. Als letztes Stückchen hatte das Duo dann einen wahrhaften Klassiker in petto – den David Bowie-Hit „Heroes“, eben in der No More-Variante. Selbstverständlich stand auch hier niemand still und da der Text bekannt war, konnte auch fast jeder im Publikum mitsingen. Der Jubel war am Ende groß – ein gelungener Abschluss

Project Pitchfork
Project Pitchfork

Und dann neigte sich das Festival auch schon seinem endgültigen Ende zu – nur noch eine Band stand auf den Plan und dafür waren dann alle Zuschauer zur Amphibühne geeilt. Manja bedankte sich beim Publikum und forderte auch hier einen Beifall für alle Helfer und Techniker ein. Sie meinte: „Ich kann mir keinen würdigeren Abschluss vorstellen“ und mit diesen Worten hieß sie die Herren von Project Pitchfork auf der Bühne willkommen. Die Hamburger wurde mit einem wahrhaften Jubelsturm empfangen. Die drei Drummer Leo, Achim und Nook droschen im Gleichtakt auf ihre Drums ein. An den Drums leuchteten LEDs auf und setzten das Ganze so in Szene – das sah super aus und Sänger Peter begrüßte die Massen mit einem fröhlichen „Hallo NCN“. Los ging es mit „Continuum“ und die Fans explodierten schier. Die Arme waren oben und als dann als nächstes „Beholder“ angestimmt wurde, wurde bereits überall getanzt oder aber die Leute sprangen im Takt auf und ab. Der Frontmann hatte gute Laune und lief auf der Bühne hin und her. Immer wieder war er auch ganz vorn am Stagerand. Der bekannte „Timekiller“ durfte an diesem Abend auch nicht fehlen. Hier erstrahlte das Licht in grün und weiß, was super wirkte. Keyboarder Scheubi war ebenfalls guter Dinge und strahlte immer wieder. Jedes weitere Stück steigerte die Stimmung noch um einiges, auch wenn es kaum möglich war – so wurden „En Garde!“ und auch „Steelrose“ lauthals mitgesungen. Der dreistimmige Gesang der Band kam gut rüber und auch die Lichtshow hatte viel zu bieten – mal rot, mal gelb und dann wieder strahlend weiß, das es fast blendete.

Impressionen NCN 2015
Impressionen NCN 2015

Dieser Abschluss war wahrlich würdig, um die 10. Nocturnal Culture Night zu beenden. Wir machten uns dann auf die Socken – geschafft, aber sehr zufrieden. Holger und sein Team hatten nicht zuviel versprochen und so war das Jubiläum mehr als gelungen. Die wenigen technischen Pannen waren nicht allzu schlimm und die gute Laune war durchweg überall zu spüren. Wir haben viele tolle Bands miterleben dürfen, die wir noch nicht kannten – danke dafür. Für das Wetter kann niemand etwas und so haben wir nichts zu meckern – weiter so NCN-Team. Wir sind auf jeden Fall wieder mit von der Partie.

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Autor: Scratchcat

Photos: Pyro & Scratchcat

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