Nocturnal Culture Night 12: 08.-10.09.2017 Kulturpark Deutzen – Tag 3

Empathy Test

Zum 3. NCN-Tag zeigte sich ganztägig die Sonne und brachte spätsommerliche Wärme mit. Als eine sehr frühe Band – und laut dem Sänger noch viel zu früh am Tage – spielten Empathy Test aus London. Auch wenn der Kopf noch schwer vom Auftritt am Vorabend und die Playlist durchgeweicht waren, gaben die sympathischen Engländer ein tolles Konzert. Im Publikum waren zahlreiche Hörer, die tags zuvor das Konzert von Empathy Test in Berlin besucht hatten. Das erstaunte Sänger Isaac Howlett zunächst, doch bei einer so steil aufstrebenden Band ist das nicht verwunderlich. Mit ziemlicher Sicherheit werden wir in Zukunft noch viel von ihnen hören.

Otto Dix

Auf der Kulturbühne spielte das russische Duo Otto Dix, welches sich in der Heimat schon einen gewissen Status erspielt hat. Mit einer Tenorstimme und schwermütigen, klagenden Stücken brachte der Sänger Michael so manchen Hörer zum Erstaunen und Verharren. Das überaus düster wirkende Erscheinungsbild des Sängers mit weiß-schwarz-geschminktem Gesicht und untot-kalten Augen passte hervorragend zu den Melodien. Doch hinter der martialischen Maske verbirgt sich ein sehr liebenswerter Mensch, wie sich bald herausstellte, als Michael Draw nach dem Konzert für Fotos und Gespräche mit den Fans von der Bühne herunter kam.

Sigue Sigue Sputnik

Ganz anders die Performance von Sigue Sigue Sputnik auf der Amphibühne. In einem schrillen orangen Anzug wartete Sänger Martin Degville mit einer Elvis-Stimme auf. Die schräge Postpunk-Rockabilly-Glitter-Gruppe konnte mit mitreißenden Stücken auch jetzt – weit nach ihrer Anfangs-Zeit in den 80ern – die Leute mitnehmen und für gute Laune sorgen.

Drangsal

Abschluss-Act auf der Parkbühne war Drangsal. Nach einer äußerst pedantischen Ton- und Mikrofon-Einstellung begann endlich ein Konzert, was unmittelbar den Charakter eines Kellergewölbe-Klubs erzeugte. Der Sänger Max Gruber präsentierte mit einer sehr einprägsamen und außergewöhnlichen Stimme eine ganze Reihe düster-poppiger Songs und war wohl selbst erstaunt, dass er niemanden vergrault hatte und zum Ende des Gigs eher mehr als weniger Leute vor der Bühne standen. Auch wenn er sich selbst nur als Gast in unserer Szene empfand, wurde er herzlichst willkommen geheißen und darf gerne wiederkommen!

Suicide Commando

Abschluss und Abräumer des Abends waren Suicide Commando. Es gab viele neue Hits und eben auch echte Suicide-Klassiker auf die Ohren. Die geplanten 90 Minuten Spielzeit gingen ruck zuck vorbei. Die Fans sprangen ekstatisch zu den Songs mit. Dadurch war Sänger Johan van Roy auch so voller Energie, dass er ebenfalls über die ganze Bühne sprang. Sein immer noch lädiertes und geschientes Knie musste Einiges aushalten. Aber er hielt standhaft durch und spielte sogar zwei Zugaben.

Und plötzlich war das 12. NCN beendet. Leider kam eine Danksagung an die Veranstalter erst nach der Abschluss-Band, so dass viele Zuhörer schon auf dem Weg zu den Autos waren. Also dann wenigstens von hier aus nochmal: Vielen Dank, liebes NCN-Team!!

Fazit: Aus allen großen Festivals des Gothic-Jahres sticht das NCN heraus. Die Band-Auswahl ist sehr groß und nicht ausschließlich auf die bekannten gängigen Szenegrößen festgenagelt. Es gibt nicht alle zwei Jahre eine Programm-Wiederholung. Die Festival-Besucher können in der Parkatmosphäre gemütlich zwischen den vier angebotenen Bühnen wechseln und dabei immer wieder und eher zufällig Bands hören, die ihnen bis dato gar nicht bekannt waren. Und die Bands klingen dann doch irgendwie interessant und sind überraschend gut hörbar. Es gibt viele Sitzmöglichkeiten, von denen aus die Bühnen gut zu hören sind. Die Auswahl an Speisen und Getränken/Cocktails ist unglaublich vielfältig. Ein gemütlicher Zeltplatz mit nahegelegenem See ist vorhanden, es gibt Kinderbetreuung, Verkaufsstände und einen Shuttle-Service nach Borna. Bei dem Festival ist also für jeden etwas dabei.

Impressionen

Die Pipi-Flatrate, für die ein Extra-Bändchen erworben werden musste, war auch in diesem Jahr nicht abgeschafft worden. Es scheiden sich die Geister daran, ob die Toiletten-Benutzung bei einem Festival inklusive sein sollte und ein dafür erhöhter Ticketpreis einige Besucher abschrecken würde – oder eben der Kontroll-Aufwand der Zusatzbändchen gerechtfertigt ist. Im Dunkeln ist das gesamte Gelände recht gut ausgeleuchtet – aber ein paar LED- Streifen an den Stufen der Amphibühnen- Sitzreihen würden nichts schaden. Hin und wieder stolperten da so einige Leute zwischen den Konzerten.

Wer es bisher noch nicht in den Kulturpark Deutzen geschafft hat, der sollte das dringend mal in Angriff nehmen! Zweites Septemberwochenende, NCN, bitte rechtzeitig im Kalender ankreuzen! Wir sehen uns…

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Autor: Tino Namendorf

Photos: Pyro

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