Rezension Anja Bagus (Hrsg.) – „Mütter – Eine überraschende Anthologie“

„Mütter – Eine überraschende Anthologie“ – was mag sich wohl dahinter verbergen? Jeder von uns hat eine Mutter. Manche kennen ihre leibliche Mutter gar nicht und manche möchten sie am liebsten gar nicht kennen. Die meisten jedoch lieben ihre Mutter – leiblich oder nicht – abgöttisch und genießen jeden gemeinsamen Augenblick. So geht es mir zumindest mit meiner Mama. Anja Bagus – die Herausgeberin dieses Buches – hat zahlreiche Schreiberlinge aufgefordert, einfach einmal eine Geschichte, ein Gedicht oder was auch immer eben zum Thema „Mütter“ zu schreiben. Die besten Werke wurden dann ausgewählt und in der im März beim Verlag Edition Roter Drache erschienenen Anthologie veröffentlicht. Dabei versammeln sich bereits bekannte Autoren und auch absolute Neulinge, die sich hier höchst erfolgreich versucht haben. Die Herangehensweise an das Thema ist dabei so vielfältig, wie es eben auch die Erschaffer dieser Texte sind. Mal skurril, mal tiefsinnig, mal fantastisch, mal tieftraurig und auch mal erschreckend. Das macht das Lesen sehr abwechslungsreich und spannend, es wird definitiv nicht langweilig sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. 31 Geschichten sind hier versammelt, wobei jeder Autor kurz persönlich vorgestellt wird, was ich sehr schön fand – häufig weiß der Leser ja gar nichts über den Urheber des Ganzen. Ich möchte hier nur einen kurzen Blick auf einige der Werke werfen. Die Auswahl erfolgte dabei vollkommen zufällig, denn ich konnte mich nicht entscheiden, was mich am meisten beeindruckt hat – es war einfach zuviel Gutes dabei.

Den Anfang macht mit „Grüner Daumen“ Drehbuchautor Axel Hildebrand und bietet damit einen Vorgeschmack auf sein Werk „SOKO Bizarr“, was er gerade in Arbeit hat. Eine Frau, die ihre leibliche Mutter nicht kennt, interviewt hier eine mehrfache Kindermörderin und was sie während dieses Gespräches herausfindet, schlägt wahrlich dem Fass den Boden aus – kann das denn wahr sein?! Hat sie wirklich etwas mit dieser Frau gemeinsam? Was das sein soll – lest am besten selbst – mir klappte wahrlich die Kinnlade herunter.

Tanja Schierding entführt den Leser mit „Die Nacht von Samhain und ihre Wunder“ in eine Welt, wo einer ganz normalen Frau fantastische Dinge geschehen. Bei einem Umzug deckt sie ein Familiengeheimnis auf, aber eines der etwas besonderen Art. Aber keine Angst, es ist nichts Schlimmes oder Abstoßendes – viel eher ein Schönes und eines, das sie sehr glücklich macht.

Die Geschichte „Ein Strich oder zwei Striche“ von Gloria H. Manderfeld hat mir sehr gut gefallen – konnte ich die Rolle der darin enthaltenen Teenie-Tochter doch durchaus nachvollziehen. Was genau sie für ein Problem hat, möchte ich nicht verraten, aber dass ihre ach so nervige Mama ihr am Ende einfach mal ungefragt hilft, war so herzerwärmend und brachte mich sehr zum Lächeln – toll geschrieben – danke!

Das eine „Mutter“ auch zu einer seelischen Belastung führen kann, zeigt Sonja Rüther mit ihrer Geschichte. Immer nörgelt sie, immer drangsaliert sie und immer ist sie als Ballast in den Gedanken der Tochter in dieser Story. Manches Mal kann durch Reden und gegenseitiges Verständnis so eine schwierige Situation aufgelöst werden, doch hier gelingt dies leider nicht – und so kommt es eben zu einem eher unschönen Ende. Auch das kann eben das Verhältnis zu einer „Mutter“ sein. Düster, aber leider eben auch immer wieder so wahr.

„Die Stars der Krabbelgruppe“ aus der Feder von Carmen Wedeland fand ich irgendwie abgefahren – auch so kann sich also dem eher zwiespältigen Thema der so genannten Eislaufmütter genähert werden. Warum ich das Ganze abgefahren fand? Nun ja, der Name Krabbelgruppe rührt nicht daher, dass es hier um menschliche Babies geht – eher um den Nachwuchs ein anderen Spezies. Und wie der Wettkampf unter diesen Nachkommen ausschaut – ab Seite 271 erfahrt ihr es.

Die letzte Geschichte des Werkes stammt von Dorothe Reimann und hört auf den Namen „Mutter, sei nicht bös mit mir“. Auch hier geht es darum, dass die Mutter durch ihren sehr begabten Sohn besonderes Ansehen und Prestige erlangen wollte und das Kind gegen seinen Willen nur ausgenutzt wurde – wozu das führt, ist tragisch und ich war sehr ergriffen am Ende. Absolut krass!

Und natürlich hat auch die Herausgeberin Anja Bagus einen Text beigetragen. In „Hormone“ erklärt sie das Verhältnis von Kindern zu ihrer Mutter und anderen Lebewesen mit Hilfe der chemischen Stoffe im Körper – eben den Hormonen. Das aber auf so unterhaltsame Weise, dass es sehr nachvollziehbar und charmant rüberkommt. Wir sind eben doch nur ferngesteuert und können nichts für unser Handeln und Tun – wenn es nur so einfach wäre.

Das und noch vieles mehr könnt ihr beim Schmökern in dieser wunderbaren Anthologie miterleben. Nehmt euch einfach etwas Zeit und widmet euch einem Thema, ohne das niemand von uns hier wäre – „Mütter machen, dass es weitergeht“, wie Anja Bagus so schön schreibt. Ich jedenfalls hatte viele schöne Stunden beim Lesen und ihr bestimmt auch – lasst euch einfach darauf ein. Es lohnt sich! Und außerdem tut ihr mit dem Kauf noch etwas Gutes – „Von jedem verkauften Buch geht 1 Euro an den Verein für verwaiste Eltern und trauernde Geschwister (VEID e.V.)“. Also los!

Autor: Scratchcat

Veröffentlichungsdatum: 18.03.2016

Verlag: Edition Roter Drache

Format: 14,9 x 2,5 x 21,1 cm / 320 Seiten

ISBN: 978-3946425045

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