Rezension Christian Krumm – „Traumschrott“

„Wovon träumst du?“ – so die letzten Worte aus Christian Krumms neuestem Werk „Traumschrott“. Wenn ich diese Frage beantworten würde, käme ich wahrscheinlich auf direktem Wege in die psychiatrische Anstalt. Aber es geht hier ja nicht um meine Träume, sondern um die des Duisburger Autors.

In 11 Kurzgeschichten entführt er den Leser in verschiedenste Traumwelten. Eingerahmt sind die Stories in zwei etwas andere Texte, die den Buchkonsumenten direkt ansprechen – eben in der Funktion des Lesenden, der sich doch bitte seine eigene Meinung zu dem Geschriebenen bilden soll – anders, aber durchaus sehr gelungen. Nach der „Leseanleitung“ in dem einleitenden Text geht es dann los.

„Der Prinz“ wirft die Frage auf, ob Idealismus an sich nur ein Traum ist, der gelebt werden sollte oder doch nur eine Illusion ist. Ähnlich ergeht es dem Protagonisten in „Das Idol“, der sein ganzes Leben über an einem Traum festgehalten hat und dessen Erfüllung kurz bevor steht – doch, einem tragischen Helden gleich, kommt es leider doch wieder ganz anders, als er es sich eben er“träumt“ hat. Die Geschichte „Sonntagskuchen“ hat besonders mich als Pressevertreter sehr berührt – geht denn die Menschlichkeit wirklich in der Welt der Berichterstattung verloren, wo nur noch die Story und der Schockeffekt zählen? Wenn ich es recht bedenke, muss ich das leider doch oft bestätigen – aber der Traum, es vielleicht besser zu machen, den kann ich mir doch persönlich bewahren, oder?! Weiter geht es dann mit „Sveta“, wo ein Mann eine Prostituierte liebt – oder liebt er nur den Traum, welche Frau sie für ihn spielt? Sind denn die, die wir lieben, immer nur ein Traumbild, das irgendwann sowieso zerplatzt? Eine sehr traurige Frage, die beim Lesen dieser Zeilen aufkommt. Und was in einem Buch über Träume auch nicht fehlen darf, ist eine Geschichte über Traumwelten – durch Psychosen, Drogen oder sonstiges verursacht. Welche Welt ist realer und welche ist besser – das sollte wohl jeder für sich selbst entscheiden – nur in dieser Traumwelt zu verweilen ist wohl in jedem Fall auf Dauer schädlich. „Der Eremit“ und „Dämonen“ sind die beiden einzigen Geschichten, die auf graue Seiten gedruckt wurden. Sie sind beide sehr religiös hinterlegt und zeigen, dass es wohl kaum einen Unterschied zwischen inneren und äußeren Dämonen gibt und dass beide zu schlimmen Taten führen können. Es lohnt also nicht, ihnen zu folgen. Die abgedrehteste Story fand ich ja „Die Sandbank“, wo jeder, der hier auftaucht, völlig absurd handelt – ich habe echt viel gekichert. Auch solche Träume gibt es – je wilder und abstruser, umso besser. Die letzte der Kurzgeschichten ist dann „Seltenreich“, die mir echt gut gefallen hat. Die Vorstellung eines Reiches, wo das, was es bei uns im Überfluss gibt, furchtbar selten und kostbar ist, ist irgendwie interessant. Nur wie kommt Christian gerade auf einen Stoff, den es im „Seltenreich“ am seltensten gibt – warum gerade dieser? Was genau es ist, verrate ich nicht, denn ich möchte euch nicht die Überraschung stehlen.

Der allerletzte Text ist dann „Traumschrott 2 – Zwölf Geschichten“ – eine Art Zusammenfassung der Geschichten, die schon Deutungsversuche beinhalten. So etwas habe ich auch noch nie gesehen. Ein Werk, das sich selbst gleich mit interpretiert – coole Idee! Es bleiben für euch aber auch noch ganz viele Deutungsmöglichkeiten offen – aber schaut selbst. Greift zu „Traumschrott“, das zeigt, dass Träume eben genau das Gegenteil von Schrott sind – sie sind wichtig und wer nicht träumt, der ist arm dran. Und weil Träume eben so verschieden sind, ist auch dieses Buch so umfassend und abwechslungsreich. Ich persönlich hatte viel Freude daran und ich denke, ihr findet daran sicher auch Gefallen. Weiter so Herr Krumm!

Autor: Scratchcat

Veröffentlichungsdatum: 19.03.2016

Verlag: Edition Roter Drache

Format: 12,2 x 1,5 x 18,2 cm / 180 Seiten

ISBN: 978-3946425021

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