Rezension Lindenblatt Records – „Die Tagebücher von Adam & Eva“ nach Mark Twain

Die Hörspiel-Schmiede Lindenblatt Records hat wieder etwas Neues am Start. Am 22.04.2016 erscheint mit „Die Tagebücher von Adam & Eva“ nach Mark Twain etwas, das vollkommen vom bisherigen Schaffen des Labels abweicht. Ich habe die CD bereits vor Veröffentlichung von Labelchef Stefan Lindner erhalten, um für euch ein kleines Fazit ziehen zu können – danke Stefan!

Mark Twain kennen die meisten sicher als „Vater“ von Tom Sawyer und Huck Finn, doch aber andere Texte entsprangen seiner Feder. Das Label hat sich nun die beiden einzeln erschienen „Tagebücher von Adam & Eva“ vorgenommen – sie zusammengefügt – etwas gekürzt und als Ganzes auf eine CD gepresst. Als Sprecher haben die Macher hier Simon Pearce als Adam und Denise M’Baye gefunden – wie ich finde eine hervorragende Wahl. Dass beide Sprecher eine dunkle Hautfarbe haben, war vollkommen beabsichtigt, und ich finde, das gibt dem Ganzen biblischen Hintergrund gleich noch ein wenig mehr Würze. Die musikalische Untermalung steuerten Heiner Jaspers, Martin Duckstein und Anna Katharina Kränzlein bei. Als Erzähler mit im Boot war außerdem Thomas Lindner.

Nun etwas zum Inhalt des Werkes: Beim Durchhören lernen wir zuerst Eva und dann Adam kennen und erfahren, wie sie die ersten Tage der gemeinsamen Zeit im Garten Eden erleben. Dabei empfand ich Eva als herrlich naiv und vorlaut. Wie es das Klischee so schön will, plapperte sie als Frau wahnsinnig viel, gab jedem Ding seinen Namen und war dabei um vieles kreativer als der Mann, der schließlich zuerst da war. Zuerst ist Adam davon vollkommen genervt und weiß nicht so recht, was er mit dem neuen Wesen Frau so anfangen soll. Doch irgendwann kommt es zum biblischen Sündenfall – Eva hat von den verbotenen Früchten gekostet und auch Adam davon gegeben. Das bringt den Tod ins Paradies und das Leben verändert sich für die beiden. Auf einmal ist Kleidung wichtig und das Miteinander gestaltet sich noch komplizierter. Als dann auch noch kleine „Fische“ oder „Bären“ oder was auch immer es sein mag, hinzu kommen – Eva nennt sie Kain und Abel – wird es ganz verrückt. Und doch entdecken die beiden ihre Zuneigung zueinander.

Immer im Wechsel lauscht der Hörer den Ausführungen der beiden ersten Menschen. Die Musik zwischen den Teilen ist absolut auf den Punkt und transportiert die jeweilige Stimmung – mal fröhlich verspielt, mal absolut traurig. Die beiden Sprecher sind einfach nur herrlich. Das Naiv-Trotzige der Eva kommt großartig rüber und Adams genervter Unterton, wenn Eva schon wieder einem Ding seinen Namen verpasst hat, hat mich immer wieder zum Lachen gebracht. Das Ende der Geschichte hat mich dann auch fast zu Tränen gerührt – es ist auch das Ende von Eva, aber nicht das Ende einer Liebe zweier Menschen. „Wo immer sie auch war, dort war mein Garten Eden!“ Hört euch das wahnsinnig schöne Hörspiel an und auch ihr werdet bei diesem Satz einen tiefen Seufzer ausstoßen – versprochen! Ich kann es auf jeden Fall nur empfehlen – die 77 Spielminuten sind im Nu vorüber und ihr werdet jede einzelne davon genießen.

Veröffentlichungsdatum: 22.04.2016

Verlag: Lindenblatt Records

Format: CD

ISBN: 886922175671

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