Rezension PC-Game – „Heaven’s Hope“

Ich gebe zu, dass ich ewig kein PC-Game gespielt hab, wenn ich mal von Wimmelbildspielen absehe. Ich bin kein Fan von MMORPGs a la World of Warcraft oder Guild Wars, ich kann mit Egoshootern nix anfangen, ich finde Marvel-basierte Games blöd. Da kam mir das neue Point-and-Click-Adventure „Heaven’s Hope“ von Mosaic Mask Studio, das Ende Februar auf den Markt kam, gerade recht.

Die Story ist schnell erzählt – der Engel Talorel stürzt bei Flugübungen ab und hat nun alle Hände voll zu tun, wieder in den Himmel zu gelangen. Zur Seite stehen ihm dabei zunächst seine zwei Engelskollegen Azael und Salome, die ihrem gefallenen Freund mit Hinweisen und Tipps auf die Sprünge helfen. Blöderweise landet der Gute nämlich im viktorianischen England, wo er sich a) nicht auskennt und b) aus unerfindlichen Gründen immer noch die Inquisition herrscht.

Ein Tutorial gibt es nicht wirklich, der Spieler lernt durch Ausprobieren, wobei die grundlegenden Spielzüge durch entsprechende Icons angezeigt werden. Im Verlauf des Spiels, das mich in etwa 12 Stunden Spielzeit insgesamt bei Laune gehalten hat, lernt Talorel nach und nach alle Einwohner von Heaven’s Hope kennen. Er erfüllt Aufträge für sie, erkundet die Umgebung, spricht mit Pflanzen und Tieren, erschafft sich seine Weggefährten selbst und muss sich sogar einem Dämon entgegen stellen. Dabei hat er Rätsel zu lösen, Wege zu finden, Dinge einzusammeln und sich immer wieder auf neue Situationen einstellen, die einigen Grips und Erfindergeist erfordern. Selbstverständlich findet Talorel trotz aller Widrigkeiten einen Weg zurück in den Himmel, aber bis es soweit ist, erlebt er allerhand in dem kleinen, scheinbar verschlafenen Städtchen – was ich jedoch hier aus dramaturgischen Gründen natürlich nicht weiter ausführen möchte. Nur soviel sei gesagt, es wird nicht langweilig!

Kommen wir zur technischen Seite und zur Umsetzung. „Heaven’s Hope“ ist ein klassisches Third-Person-Adventure, das sich hauptsächlich mit der Maus steuern lässt. Ein paar Hotkeys für die Tastatur gibt es auch, die werden im beiliegenden Inlay erklärt und lassen sich auch leicht merken. Optisch macht das Spiel einen sehr guten Eindruck, liebevoll gestaltete Hintergründe und Personen – alle aus der Feder des Illustrators Helge Balzer – nehmen den Spieler mit in eine Welt, in der Wert auf Details und Charakter gelegt wurde. Die Figuren haben alle ihre eigenen Persönlichkeiten und Eigenheiten, was durch die tollen Sprecher vervollständigt wird. So ist der Engel Azael eher der sarkastische Typ, während seine Kollegin Salome die Hilfreiche gibt. Aber auch die nicht-menschlichen Begleiter und Figuren sind sehr detailverliebt gestaltet. Die Dialoge im Spiel sind schlüssig und sorgen an manchen Stellen auch für Schmunzelmomente. Oft finden sich hier Hinweise für das weitere Spiel oder das Lösen eines Rätsels, wegklicken ist also nicht wirklich eine Option. Außerdem hat der Spieler die Möglichkeit, in Talorels Tagebuch nochmal nachzuschauen, wenn er nicht weiterkommt. Trotzdem sind manche der Rätsel und Aufträge ziemlich knifflig. Da hat das Gamedesign sich wirklich Gedanken gemacht und die eine oder andere härtere Nuss in den Weg gelegt, die es zu knacken gilt. Ich gebe auch offen zu, dass ich ab und an eine Lösungshilfe bemüht habe. Schön fand ich dagegen, dass es an ein paar Stellen Entscheidungsmöglichkeiten gab, die sich auch auf den weiteren Verlauf auswirkten – wenn auch nur geringfügig.

Mir hat „Heaven’s Hope“ viel Spaß gemacht, auch wenn ich meinen Grips manchmal ganz schön anstrengen musste. Es ist kein stures Hin- und Hergerenne, sondern bietet durch verschiedene Rätsel und Aufgaben viel Abwechslung, was ich persönlich echt gut fand. Die große Detailverliebtheit in der Grafik und die wirklich witzigen Dialoge tun ihr Übriges, um dem Spieler auch über längere Zeit ans Spiel zu fesseln. Einziger Wermutstropfen – aber das ist wirklich nur meine höchstpersönliche Befindlichkeit – sind die kleinen Fehlerchen, die sich in die Schriftausgabe der Dialoge eingeschlichen haben. Da kommt mein Germanistikstudium wieder durch, das kann ich leider nur schwer abstellen, sorry! Ansonsten bin ich ziemlich verknallt in das Spiel und kann es ohne Bedenken weiter empfehlen, an Point-and-Click-Liebhaber sowieso und an alle anderen auch!

Autor: Pitchfairy

Veröffentlichungsdatum: 26.02.2016

Entwickler: Mosaic Mask Studio

Plattform: PC (Steam-Account erforderlich), MAC

FSK: ab 6 Jahren

ISBN: B00MF75OG6

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