Van Canto: Voices of Fire-Tour 18.03.2016 Hellraiser Leipzig

Nachdem die Veröffentlichung des letzten Albums „Dawn of the Brave“ nun zwei Jahre her ist, wurde es für die A Capella-Metalband Zeit, neuen Stoff nachzuliefern. Mit „Voices of Fire“ gingen Van Canto ein Cross-Media-Projekt mit Fantasy-Autor Christoph Hardebusch ein und veröffentlichten am 11.03.2016 den aktuellen Longplayer. Mit Beginn der gleichnamigen Tour am 18.03.2016 im Hellraiser Leipzig hatte die Band, neben den Support-Acts Victorius und Grailknights, auch den Autor Christoph Hardebusch im Gepäck. Nachdem die Formation und der Autor bereits einen kleinen Vorgeschmack auf die zur gleichen Zeit stattfindenden Leipziger Buchmesse in Form einer Lesung mit gesanglicher Untermalung gegeben hatten, sollte am Abend die gleichnamige Tour „Voices of Fire“ im Hellraiser Leipzig starten. Bereits im Vorfeld gab es in den sozialen Netzwerken riesige Diskussionen um den Veranstaltungsort, da für diesen Abend gleich zwei Bands in der Lokalität ein Konzert veranstalten sollten. Selbst kurz vor Einlassbeginn, bei dem das Eingangstor noch geschlossen war, diskutierten einige Besucher über die Doppelbelegung des Hellraisers. Als sich das Tor dann doch öffnete und die ersten Besucher in den Saal strömten, war sofort erkennbar, dass der Saal etwas verkleinert wurde. Der Zwischengang zum üblichen Merchandise-Stand wurde geschlossen, mit in den Konzertsaal integriert und nur noch eine Bar geöffnet, was weniger Platz für das Publikum bedeutete. Dies sollte jedoch keinen Nachteil darstellen, denn so sahen die Fans schneller, wenn sich die Bandmitglieder am Merchandise-Stand einfanden, um mit ihnen vor dem Konzert noch etwas zu plaudern. So tat es auch Van Cantos „Rakkatakka“-Mann Ross Thompson, welcher so in die Gespräche vertieft war, dass er beinahe ein anstehendes Interview im Backstage-Bereich verpasst hätte und sofort die Beine in die Hand nahm, um nicht zu spät zu erscheinen.

Victorius
Victorius

Das überschaubare Publikum sammelte sich alsbald vor der Bühne, um der ersten Support-Band, Victorius aus Leipzig, Gehör zu schenken. Die Power Metaller bestehen bereits seit dem Jahre 2004 und gastierten fast sechs Jahre lang im deutschen Metal-Underground. Durch Konzerte, etwa auf dem Metalfest Open Air, dem Rock Harz Open Air sowie eine Tour mit Freedom Call, verhalf der Combo zu einer weitreichenderen Bekanntheit. Bereits mit dem ersten Lied konnten die Musiker um Sänger David Baßin das Publikum zum Klatschen und Tanzen bewegen. Hauptsächlich durch reinen Gesang gekennzeichnet, bewegt sich die Musik von Victorius sehr gitarrenorientiert, was sich durch die immer wieder einsetzenden Gitarrensoli bemerkbar machte, die auf hohem Niveau und mit enormer Geschwindigkeit geschrubbt wurden. Nach einer halben Stunde des rhythmischen Kopfschüttelns und einem Querschnitt durch ihre letzten beiden Alben „The Awakening“ und „Dreamchaser“ lud die Formation anschließend noch zum gemeinsamen Plausch an den Merchandise-Stand ein.

Grailknights
Grailknights

Viel Zeit zum Erholen blieb dem Publikum dabei jedoch nicht, denn bei der nachfolgenden Band Grailknights sollte es nicht nur feinsten Melodic Death Metal oder genauer Power Metal zu hören geben, sondern auch Männer in Heldenkostümen mit ordentlichen Muskeln zu sehen geben. Die fünf Helden in Strumpfhosen scharrten ihren Battlechoir, wie sie ihre Zuschauer nennen, sobald um sich und begannen ihren immer währenden Kampf gegen den bösen Dr. Skull. Mit ihrer neuen EP „Dead or Alive“ und ihrer Verbündeten Vollblutstute Zapf-Beauty im Gepäck, sollte der heilige Gral zurückerobert und das Böse besiegt werden. „Mögt ihr Superhelden? Mögt ihr Superhelden-Muskeln?“, fragte Anführer Sir Optimus Prime seinen Battlechoir, worauf dieser mit grölender Zustimmung und einem Muskeltanz zu „Morning Dew“ antwortete. Immer wieder wurde das Auditorium zum Muskel-Posen animiert. Das dies jedoch nach Aufforderung der Grailknights zu gut klappte, schien die Zuhörerschaft noch zu nüchtern zu sein, weshalb Zapf-Beauty – die bierzapfende weiße Stute – auf die Bühne geleitet wurde. Sir Optimus Prime nahm das herbeigebrachte Bierfass dankend entgegen und teilte den begehrten Gerstensaft mit seinem Battlechoir. Um sich für den epischen Kampf gegen Dr. Skull zu wappnen, wurden einige Songs der neuen EP angestimmt. Neben dem gleichnamigen Albumtitel „Dead or Alive“ nahmen die fünf Hannoveraner auch ein Stück namens „Crimson Shades of Glory“ mit Van Canto auf, den sie auf der Bühne jedoch ohne die A Capella-Metalband performten. Auch das schon mehrfach live gespielte Superhero-Medley findet auf dieser EP nun seinen Platz. Ein SmashUp von verschiedenen Serienintros vereint in einem Lied: „Saber Rider“, „Teenage Mutant Ninja Turtles“, „He-Man“, „Power Rangers“ oder „Spider Man“ – alle metallisiert und dargeboten von den Grailknights. Besucher, die die Band das erste Mal sahen, schmunzelten anfangs, riefen abschließend jedoch um so lauter „Hey!“ und streckten der Bühne ihre Faust entgegen.

Van Canto
Van Canto

Nach so viel Superhelden-Power musste sich das Auditorium zunächst an der nächstgelegenen Bar stärken, denn schließlich war Zapf-Beauty’s Spende nicht bei jedem angekommen. Schnell noch die Bühne umgebaut und Platz geschaffen für die Vocalisten bis die Tour der „Voices of Fire“ für die Besucher ungewohnt begann. Ein Stuhl im Dunkel der Bühne wurde angestrahlt und darauf saß Christoph Hardebusch, Autor des Romans „Feuerstimmen“, welcher als Intro eine Passage aus seinem neuen Meisterwerk las. Daran schlossen sich Van Canto mit „All my Life“ an, womit die Band ihre Tour offiziell eröffnete. In der ersten Reihe der Besucher fand sich ein Fan mit einer selbstgebastelten Klapp-Pappe mit der Aufschrift „Rakkatakka-Motherfucker“, was das Publikum in jedem Moment zwischen den Liedern zum gegenseitigen Anfeuern rief – zum Nachteil für Autor Christoph Hardebusch, der versuchte, seine Geschichte in Kurzform an die musikgierigen Fans heranzutragen. „Clashing on Amours Plates“, „Battleday’s Dawn“ und „Firevows“ fügten sich dabei passend ins Geschehen ein. Als wäre er schon immer ein Teil von Van Canto, fügte sich auch der neue Bass und „Dandan“-Sänger Jan Moritz in die Band ein. Der Tourstart war zugleich der Geburtstag von „Rakkatakka“-Mann Ross Thompson, dem Band und Fans mit einem Geburtstagsständchen herzlich gratulierten, bevor es mit „Speed of Light“, zahlreichen „Momomom“ und Stefans eingeworfenen Mundgitarrensolo rasant weiter im Programm ging. Dabei erinnerte sich Sänger Denis an 10 Jahre Bandgeschichte, die sie mit ihrem A Capella Metal schon geschrieben haben. In dieser Zeit haben sie auch einigen Songs von namenhaften Metalbands ihren Stil eingehaucht, was die Fans mit „Kings of Metal“ von Manowar oder „Wishmaster“ von Nightwish zusätzlich anheizte und ihre Mähne schütteln ließ. Zu Stefans Worten „All for one!“ entgegnete das Publikum innbrünstig „And one for all!“, was „To Sing a Metal Song“ einleitete. In ihrer gesamten Zeit als Band veröffentlichten Van Canto ausschließlich englischsprachige Texte, bis auf einen Song, der es seit seinem Erscheinen auf dem Album „Break the Silence“ wohl nicht oft in das Live-Programm der Band geschafft hatte. Vielleicht sollte auch aufgrund des zehnjährigen Bestehens dieser Song auf die Bühne gebracht werden – die Rede ist natürlich von „Neuer Wind“. Ein überaus kraftvoller Song, der zeigt, dass auch deutsche Lyrics im A Capella Metal Stil gut klingen. Oft vom Publikum gefordert, wurde auch der „Bard’s Song“ – ganz klassisch und ohne Schlagzeug, dafür im Gesang mit Basti – als Konzertabschluss gesungen. Das Publikum sang trotz mystischer Stimmung lautstark mit und wippte im Takt.

Natürlich konnte Van Canto das Konzert nicht ohne eine Zugabe verlassen, wenngleich dieser Titel ein passender Abschluss gewesen wäre. Mit „Bardcall“ und einem fulminanten Voice-Guitar-Battle zwischen Stefan und Ross sowie dem endgültigen Konzertabschluss „Fear of the Dark“, bei dem Band und Publikum noch einmal ihre restlichen Kräfte mobilisierten, verabschiedeten sich Van Canto. Auch sie versprachen sich nach einer kurzen Erfrischung unter das Publikum zu mischen und für Gespräche, Autogramme und gemeinsame Fotos zur Verfügung zu stehen. Nachdem (fast) alle Fanwünsche erfüllt waren, würden sie wohl noch bis lang in die Nacht hinein den Tourauftakt und Ross‘ Geburtstag feiern, während sich die letzten Gäste des Hellraisers auf den Rückweg gen Heimat machten.

Autor & Photos: Mistifly

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