Widukind vs. Mathias Eysen Tanz RMX2015

„Es wurde Zeit, in der momentanen Lage, Widukind wieder sprechen zu lassen“, erzählte Carsten Klatte während eines Telefonats mit mir. Grund unseres Gespräches war der Remix und das Video von Widukind „Tanz“, welches auf vortreffliche Weise das Lied und auch den Text wiedergibt. Wie es zu dem Video mit Mathias Eysen kam zitiere ich hier mit vollem Text von Carsten Klatte. Jedes weitere geschriebene Wort von mir hierzu wäre nur ein kläglicher Versuch den grandiosen Artikel von Carsten Klatte zu umschreiben.

Steven Dark

 

Zitat:

,, Widukind vs. Mathias Eysen. Profane Erhabenheit oder die Entfindung des Zeitgeistes.

 

Manchmal liegen die Erkenntnisse der Tatsachen tief im Profanen. Manchmal zeigt das Banale die Tiefgründigkeit des Geistes vortrefflicher als so manch aufgeblasener „Tand“. Manchmal ist dabei das „Normale“ so absurd, dass es einfach deklassiert wird, als unmodern oder abartig, oder es wird schlichtweg ignoriert, als eine perfekte Art der Manipulation, würde man ein solches Denken auf Politik und Propaganda übertragen. Das „Neue“ muss her. Das Frische, selbst wenn es bis zur Unkenntlichkeit stilisiert wurde. Hauptsache man beruft sich nicht auf alt hergebrachtes.

Dies ist der Versuch, dem entgegen zu wirken. Dies ist die Artikulation der Absicht, sich bewusst auf das Banale zu beschränken. Banales wie ein Waldspaziergang. Banales, wie eine Unterhaltung an einem Regentag.

Wenn banale Dinge geschehen, in Gegenwart von Menschen mit Lebenserfahrung, dann erscheinen sie einem nicht mehr so. Wenn man mit einem Menschen, wie Mathias Eysen einen Waldspaziergang macht, wirkt jeder Lichtwinkel im Geäst, wie eine Antwort auf die Zeit, die man selbst nur aus Erzählungen kennt. Eine Zeit, jenseits von Vergangenheit und Zukunft, die sich durch die Erfahrungen von Jahren, mit ihren Perspektiven in der Gegenwart sammelt und somit potentiell vorhanden ist.  Dies ist ein Zustand, den ich als wirkliche Zeit, oder „Echtzeit“ bezeichnen würde. Das Leben bleibt stehen oder erreicht Überlichtgeschwindigkeit, es macht da keinen Unterschied.

Das kulturelle Bestreben, dem modernen Leben ein Quantum an Echtzeit zu vermitteln führt zwangsläufig in eine Wiederbelebung des Profanen, des Banalen, des Alltäglichen. Das „weiter, schneller, moderner“ der temporären Causa „Zeizgeist“ hat hier keinen Platz, da es seine Berechtigung verliert, in Anbetracht der Ewigkeit der immanenten Potentialität des Geistes. Ethik und Schönheitsempfinden resultieren dabei aus dem Aussparen des Unwesentlichen, eventuell angereichert mit ein paar Farbeffekten, jedoch immer beschränkt auf sich selbst, dem Augenblick des Entstehens.

„Live und in Farbe“ sah das dann so aus, dass ich Mathias Eysen Hammer und Sichel in die Hand drückte und ihm sagte, „er solle den Bäumen im Wald mal erklären, dass die Sache mit dem Sozialismus bei den Menschen in die Hose gegangen ist.“.

(Kurze Erläuterung der Symbolik: Man hätte hier genauso ein Ährenbündel nehmen können, als „Fascia“, als Symbol des Faschismus, oder ein I-phone oder einen Dollarschein, jedoch erschien der gewählte Symbolismus geeigneter, um auch eine gewisse Intellektualität hineininterpretieren zu können, stellvertretend für das Denken an sich. Das Symbol ist eigentlich irrelevant. Es verschwindet in der Allgegenwart des Umsturzes in der Natur, welcher grossartiger ist, als jede politische Revolution je sein könnte. Der Übergang des Jahres in sein „Dämmerzustand“ Winter. Das revolutionäre Loslassen der Natur im Herbst, stellvertretend für die Allmacht des göttlichen Zustandes, welcher gnostisch zu deuten ist und aus dem Heidentum zu stammen scheint.)

Das somit schon gebürtige Auflehnen des natürlichen Wesens gegen eine artifizielle Welt kommt damit zum Ausdruck oder anders herum: „Das Scheitern der Konzepte an der Wirklichkeit.“
Dieser kulturelle Konflikt ist als das eigentliche Übel zu verstehen, als die wirkliche Krise oder ihre Bedingung. Sie ist untermauert von Glaubenssätzen und -fragen, da sie ursprünglich religiös war und somit sinnvoll, dennoch ihren Sinn durch Säkularisierung verloren hat.

Die Rückkehr zum Banalen wird dabei kulturell zur Bioüberlebensstrategie stilisiert, denn nur in Einklang mit der Natur hat der Mensch eine Chance zu überleben. Ein „back to the roots“ kann künstlerisch in einer „höher-schneller-weiter“-Welt am besten durch eine Beschränkung der Mittel zum Ausdruck gebracht werden, auf dass sich eine schöpferische Gelasseneit einstellt und die Lebenserfahrung in den Vordergrund tritt.

Manchmal liegen die Dinge so nah, dass man sie leicht übersehen könnte. Reduktion und Realismus sind natürlich keine Ursachen, sondern Symphtome, aber ihre Handhabung könnte einem dabei helfen, an Haltung zu gewinnen. Wenn das als künstlerische Botschaft zu verstehen ist, war es ein schöner Tag im Wald.“

Der Song „Tanz!“ wurde erstmals 2011 veröffentlicht und zwar auf der, dem Buch beilegenden CD WIDUKIND, erschienen bei der EDITION SUBKULTUR.

Obiges Widukind Foto, welches auch im Video Verwendung findet, ist übrigens vom Benefiz for Kids Festival 2014. Die BAND Widukind ist Ausdruck einer grösseren sozialen Plastik, einem gesamtkünstlerischen Konzept, was alles HIER nachgelesen werden kann.

Der Remix RMX2015 steht HIER  zum freien Download.

Das Video ist HIER!

 

Autor: Steven Dark

Zitat und Quelle: Carsten Klatte – http://carstenklatte.com/

 

 

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