20 Jahre Bunker: 27.02.2016 Bunker Dresden

Am 27.02.2016 feierte der Bunker in Dresden sein 20. Jubiläum und dafür hatten sich die Inhaber des Kultclubs an der Elbe etwas Besonderes ausgedacht. An diesem Abend gab es als musikalische Unterhaltung elektronische Klänge der feinsten Art auf die Ohren. Die Eintrittspreise waren zur Feier des Tages sehr gering und so kamen viele. Noch vor Einlass bildete sich eine lange Warteschlange und dann ging es direkt in den großen Konzertsaal der Reithalle. Die Garderobe war allerdings im Freien, was für Stau am Eingang und für etwas Unmut unter den Gästen sorgte.

Caisaron
Caisaron

Da auch wir einige Probleme am Einlass hatten, kamen wir dann erst in die warme Halle, als die erste Band Caisaron bereits auf der Bühne stand. Beim zweiten Song konnten wir dann die Kamera auf die Darbietenden richten und uns der Show widmen. Das Quartett aus Dresden war guter Dinge und Sängerin Angela tänzelte zu den eigenen Klängen. Nach dem Lied begrüßte sie das Publikum mit den Worten: „Wir sind Caisaron und wir freuen uns, heute hier zu sein.“ Sie und ihr Sängerkollege Daniel sangen im Duett und sahen sich dabei immer wieder an. Dabei bewegten sie sich aber höchstens einmal etwas auf der Stelle hin und her. Die beiden Keyboarder Dirk und Frank standen ebenfalls eher still an ihren Instrumenten – Action gab es da also nicht sonderlich viel. Das war auch am eher gedämpften Applaus zu merken. Dafür war die Lichtshow ganz schick. Die Frontfrau hatte dann auf einmal zwei leuchtende Stäbe in Händen und wirbelte diese beim Singen herum. Dann fiel auch noch das Mikrofon von Angela kurzeitig aus. Dieses Problem konnte aber beim nächsten Stück dann wieder gelöst werden. Daniel stellte zwischendrin alle Musiker auf der Stage vor und die Zuschauer honorierten jeden einzelnen mit Beifall. Beim Lied „Jagdzeit“ waren die blauen Lichtstrahlen von hinten sehr hübsch anzusehen. Angela stöhnte ihren Text regelrecht ins Mikro und dann sang sie wieder ihren Kollegen direkt an, der allerdings eher irgendwie stocksteif wirkte. Es folgte „Einsam“, wo die Keyboarder dann doch mal aus sich heraus kamen und zu den Electropop-Sounds mitwippten. Angela tanzte wild herum und zeigte dabei ihren schlanken Körper im engen Lederoutfit. Nach diesem Stück war der Auftritt dann aber auch schon vorbei. Der Applaus war ganz in Ordnung und mit den letzten Worten „Wir wünschen euch noch viel Spaß“ verschwand die Formation schnell von der Bühne. Musikalisch muss ich ehrlich zugeben, dass es gar nicht mein Fall war – ein Zuschauer neben mir bezeichnete den Stil kokett als „Elektro-Schlager“. Dem möchte ich mal nichts weiter hinzufügen.

Beyond Obsession
Beyond Obsession

Nach einer Umbaupause sollte es dann mit einem Duo aus Hamburg weitergehen. Also eigentlich sind Beyond Obsession ja ein Trio, aber Sören musste leider die Band verlassen. Und so betraten nur André an der Technik und Nils am Mikro zu einem Intro die Bretter, die die Welt bedeuten. Nils stellte sich in Pose und schon brandete in den ersten Reihen Jubel auf. „Pieces of machinery“ erklang und André begann, an den vielen kleinen Knöpfchen zu drehen. Die Stimme des Sängers beeindruckte an diesem Abend nicht nur mich – überall waren erstaunte Blicke zu sehen und schnell bewegte sich das Publikum zu den Beats mit. Die Fotografen hatten außerdem ihren Spaß mit Nils, der sich immer wieder in Pose schmiss und in die Kameras lächelte. Der Rhythmus wurde außerdem von André über Handklatschen angegeben – die Jungs hatten echt Spaß und das war zu sehen. Auch hier war die Lichtshow echt beeindruckend und Nils stand immer wieder in einem lila Lichtkegel. Weiter ging es mit „On my way“, nachdem sie sich namentlich vorgestellt hatten. Die Fans erhoben die Arme und klatschten im Takt mit. Der Frontmann stand kaum einen Moment still und am Ende des Stücks hockte er sich am vorderen Bühnenrand hin. Bei „Song for the Dead“ wurden die beiden in rosa oder weiße Lichtkreise gehüllt und André tanzte an seinem Technikpult mit. Überhaupt spielte Nils mit dem Licht – so stand er zu „Black white hearts“ immer wieder im Lichtspot und gab stimmlich einfach alles. Dabei strahlte er übers ganze Gesicht – genauso wie sein Kollege. Damit noch mehr Stimmung aufkam, meinte die Band dann: „Jetzt will ich tanzen mit euch – das dürft ihr sogar.“ Und schon erklang „Unwinnable war“ und Bewegung kam auf. Der Jubel wurde ebenfalls immer lauter. Damit aber nicht bereits jetzt alle Energien verbraucht wurden, meinte Nils, es sei „Zeit für etwas Verschnaufpause“ und mit diesen Worten stimmte er den Sparks-Klassiker „Never turn your back in mother Earth“ an. Das war ein echter Gänsehaut-Moment! Diese Stimme – wow! Die Fans waren restlos begeistert. Doch dann folgten wieder eigene Stücke – das nächste war „Moment of truth“, wo es auch wieder flotter zur Sache ging und der Sänger sogar herumsprang. Weil es soviel Spaß machte – den Zuschauern wie den beiden Musikern – sagte der Nils dann: „Das können doch unmöglich 30 Minuten gewesen sein – jetzt kommt das Finale.“ Gemeint war damit der Hit „Tokyo underground“, wo das Licht wieder ausgesprochen schick war. Die Fans klatschten mit und besonders der sehr lang gehaltene Ton im Refrain wurde bejubelt. André wurde von seinem Mitmusiker vorgestellt, nachdem der besonders gefühlvoll in der Hocke gesungen hatte. Die beiden wollten sich aber noch nicht verabschieden. Zuerst ging noch ein „besonderer Dank heute Abend an Solar Fake“ raus, „die das alles für uns möglich gemacht haben“. Mit einer letzten Verbeugung ging dann dieser energiegeladene Gig doch zu Ende und zurück blieben neben den bereits bestehenden Fans, viele neue Anhänger des Duos.

Solar Fake
Solar Fake

Dann war es endlich Zeit für den Headliner des Abends – Solar Fake bestritten hier ihren letzten Gig der aktuellen „Manic Episodes“-Tournee. Die Fans waren schon ungeduldig und jubelten dann umso mehr, als das Licht im Saal wieder aus ging. André kam nach vorn und zu den Klängen von „Not what I wanted“ tobte er direkt los. Als dann auch Sänger Sven auf der Bildfläche erschien, gab es für das Publikum kein Halten mehr. Die Lichtstrahlen huschten wild über die Stage und flackerten Blitzen gleich immer wieder auf. Der Sound war super und Tanzen war angesagt – auf und vor der Bühne. André war so wild bei der Sache, dass sein Keyboard nicht nur einmal fast umfiel. Und auch das Mitsingen der Fans klappte vom ersten Song an – Sven war beeindruckt und konnte nur noch „Wow“ sagen. Immer noch von der Stimmung ergriffen, meinte er dann: „Guten Abend. Meine Güte, was ist denn hier los?!“ Er strahlte glücklich und so konnte es mit „Fake to be alive“ weitergehen. Sein Kollege sang hier sogar mit – die Stimme allerdings durch einen Effekt verzerrt. Die Zuschauer übernahmen den Beat mit ihrem Mitklatschen. Hiernach kam Sven zu dem Punkt, dass es ja an diesem Abend nicht nur seinen Tourabschluss gab, sondern eben auch das Jubiläum – „Schön, dass es den Bunker schon seit 20 Jahren gibt“. Mit einem Glückwunsch auf den Lippen stimmte er dann „No apologies“ an und die Party nahm ihren Lauf. Das blieb dann auch zu „Here I stand“ so – die Arme waren oben, getanzt wurde sowieso und die Lichtshow zeigte sich in Perfektion. Der Sänger stand mit einem Mal in einer Art Stern aus Licht, was wahnsinnig gut ausschaute. Bei „All the things you say“ animierte André immer wieder zu noch mehr Jubel, was ja kaum möglich war und Sven sprang im Takt herum. Dann folgte ein Stück, das „ein bisschen älter“ ist – gemeint war „Parasites“. Hier brüllte der Sänger den Text fast heraus. Es war im Saal richtig voll und auch entsprechend heiß – das war vor allem bei André zu sehen, der richtig schwitzte. Trotzdem drehte er immer noch mehr auf. „Das nächste Stück könnte bekannt sein“, sagte Sven den Song „More than this“ an – natürlich hatte er mit seiner Annahme recht und viele Fans sangen lautstark mit. Angesichts dieser wahnsinnigen Partylaune in Dresden ließ sich der Frontmann zu den Worten „Schade, dass heute der letzte Tourtag ist“ hinreißen, bevor es dann mit „Under control“ den nächsten Kracher im Set zu hören gab. Natürlich gab es auch Stücke „vom aktuellen Album“ – wie etwa „Oberserver“, wo André sich mit ausgebreiteten Armen an den vorderen Bühnenrand stellte und einfach mal für einen kurzen Moment diese geniale Stimmung im Saal genoss. „Ihr seid fantastisch. Ihr wisst schon, dass jetzt nicht noch VNV kommen“, sagte Sven dann mit einem Augenzwinkern.

Solar Fake
Solar Fake

Mit seiner sympathischen Berliner Schnauze kündigte er an: „Jetzt kommt unser aktuelles Video – nur ohne Video.“ Die Rede war hier von „I don’t want you in here“. André stand hierbei mal an den Keyboards im Hintergrund auf dem Podest, doch auch dort stand er kaum eine Sekunde still. Und weil die Band ganz gerne einmal Stücke anderer Künstler covert, durfte das auch an diesem Abend nicht fehlen. Sven berichtete, dass „Miss Del Rey“ ihre Version von „Gods & Monsters“ nicht mochte und so durften sie das Ganze nicht auf CD veröffentlichen, aber in Deutschland konnten sie es immerhin live spielen – und so eben auch in Dresden. Mir hat die Variante allerdings gut gefallen und auch den anderen Anwesenden – der Beifall bewies es. Nach einigen „Ausziehen“-Rufen aus dem Publikum, die aber von der Band nicht erhört wurden, ging es dann weiter mit „I hate you more than my life“ und „The race of the Rats“, wo das Licht wieder in Blautönen gehalten war. Nach „Reset to default“ kamen wir dann in den Genuss einer „genehmigten Coverversion von den Killers“. „Somebody told me“ ließ die Menge schier ausrasten und wieder wurde im Takt mitgeklatscht. Das nächste Cover folgte auf dem Fuße und „da ham wa gar nicht erst gefragt“. In rotes Licht getaucht, sang Sven für uns einen der größten Hits des erst kurz verstorbenen David Bowie – „Heroes“ sorgte für Gänsehaut und er selbst griff sich beim Singen ans Herz, so sehr ergriffen war er von der Atmosphäre. Wahnsinn! Damit aber nicht noch jemand in Tränen zerfloss, ging es dann wieder weiter mit Partystimmung und „My spaces“. Das Stück „Stay“ sollte dann „vielleicht“ das letzte Lied sein. Einige Feuerzeuge wurden hierbei angezündet und die beiden Herren auf der Bühne standen wieder vor diesem Lichterstern im Hintergrund. Hiernach gab es viel Beifall und Sven sagte: „Vielen, vielen Dank – ihr wart so unglaublich!“ Er und André winkten uns zu und verließen schnell die Bühne.

Natürlich konnte das noch nicht alles sein und Zugabe-Rufe waren in all dem Jubel zu hören. André kam wieder zurück, stellte die Musik von „Under skies“ an und die Menge tobte vor Freude. Entsprechende frenetisch wurde hier dann im Takt mitgeklatscht. Im Gepäck hatte das Duo dann „ein sehr altes Stück“ – gemeint war „(You think you’re) Radical“. Sven stand hier nicht still, sondern lief auf der Bühne hin und her und brüllte seine Textzeilen dem Publikum entgegen, während die Fans ausgelassen tanzten. Doch dann gab es mit „Where are you“ „ein weiteres letztes Stück“ auf die Ohren. Hiernach verbeugten sich die beiden brav und winkten dem Auditorium zufrieden zu.

Solar Fake
Solar Fake

Doch das Dresdner Publikum hatte immer noch nicht genug. Der Beifall wollte nicht enden und so kamen die Berliner Musiker noch einmal hervor. Mit „If I were you“ gab es „ein Stück zum Tanzen“ und André sang wieder, stimmlich verzerrt, mit. Sven hingegen sprang nur so herum – wo nahm er noch diese Energie her? Nach „Until it’s over“ sollte dann aber wirklich langsam Schluss sein. Sven dankte den Fans für diesen tollen „letzten Tourtag“ – „Ohne euch würde es gar keenen Spaß machen.“ Außerdem dankte er allen Technikern der Tournee und vor Ort, den Leuten am Merchandise, den Backlinern, allen Helfern und natürlich der Vorband Beyond Obsession. Mit „The pages“ ließen sie diesen grandiose Konzert ausklingen. Abschließend wurde noch das obligatorische Fan-Bild von der Bühne aus geschossen – erst allein und dann mit Vorband gemeinsam. Und dann „feiern mer zusammen 20 Jahre Bunker“ war Svens Ansage zum Ende.

Die Feier überließen wir dann aber den Fans und machten uns wieder auf nach Hause. Wir hatten auf jeden Fall mächtig viel Spaß an diesem Abend. Es hätte stimmungsmäßig nicht besser sein können. Wir gratulieren dem Bunker noch einmal zum 20. und hoffen auf viele weitere Jahre mit großartigen Konzerten, Parties und mehr. Wir sind immer wieder gern mit dabei!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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