25. WGT: 12.-16.05.2016 Leipzig – Tag 3

Steampunk Picknick
Steampunk Picknick

Auch der zweite WGT-Tag begann für uns mit einem Picknick – dieses Mal im Stile des Steampunk. Am Palmengarten angekommen war hier schon einiges los und das war mal ein richtiges Picknick. Alle saßen mehr oder weniger auf einem großen Fleck, in der Mitte unter einem großen Baum war eine Art Buffet aufgebaut, wo sich jeder gegen einen kleinen Obolus bedienen konnte und es gab sogar Livemusik von SISC aus Berlin. Die war zwar ab und an was arg laut, aber das schien kaum jemanden zu stören. Es wurde miteinander geschwatzt, eine Abteilung des Amts für Aetherangelegenheiten registrierte kleine sonderbare Wesen namens Zwergschlammelfen, auch hier war der Fotograf mit den Silberplatten vor Ort und allerorts wurden die selbst gestalteten Roben und  „Rüstungen“ bewundert. Und da waren auch tolle Sachen dabei – dampfende Zylinder, sich bewegende mechanische Wesen in Käfigen oder ganze mechanische Arme oder dergleichen – absolut irre, welch Akribie manch einer in sein Outfit steckt. Am Weg beim Picknick standen zwei Oldtimer-Autos herum, die gern als Fotohintergrund für spontane Shootings genutzt wurden. Apropos Fotos – schön war, dass hier nicht so viele Gaffer und unfreundliche Randgäste dabei waren, die ungefragt alles ablichteten, was ihnen vor die Handykamera kam – das war sehr angenehm. Dann wurden auf einmal alle Gewandeten zu einem großen Gruppenfoto zusammen gerufen – es war aber so viele da, dass kaum alle auf nur ein Bild zu bekommen waren. Das Feeling war dort echt schön, aber die Konzerte riefen uns dann. – by Scratchcat

Sigue Sigue Sputnik
Sigue Sigue Sputnik

Im Täubchenthal sollte es an diesem Tag für uns starten und dort standen zu allererst die Klassiker von Sigue Sigue Sputnik auf dem Plan. Es war schon recht voll im Saal und dann ging die Musik los und unter Jubel kamen die Herren und Damen nach vorn. Dabei wurden sie in blaues Licht getaucht. Sänger Martin hatte seinen bekannten Iro aus Federn auf dem Kopf und Gitarrist Neal trug eine Art Uniform. Die Outfits glitzerten überall und mit „Rockit Miss USA“ wurde absolut losgerockt. Die Fans gingen vom ersten Ton an mächtig mit und Stimmung kam auf. Der mehrstimmige Gesang war schick und Martin tänzelte beim Singen immer wieder hin und her. „It’s good to be back“, so seine Begrüßung und dann stimmte er das nächste Stück an. Die hübsche Bassistin lächelte fortwährend und sang mit einer Spielfreude mit, die ihr förmlich anzusehen war. Die Arme im Publikum waren oben, was die Band „fucking fabulous“ fand. Der „21st century boy“ wurde lautstark mitgesungen, genauso wie „Burning luv“. Der Saal war mittlerweile so voll, dass ein Rein- oder Rauskommen mehr als schwierig war – das war dann schon nicht mehr so angenehm. Die neue Keyboarderin wurde uns mit den Worten „very sexy“ vorgestellt und auch der Rest der Band – zum ausruhen gab es anschließend mit „Sex bomb boogie“ ruhigere Klänge zu hören. Weil es durch die vielen Menschen so warm geworden war, mussten wir dann erst einmal an die frische Luft, was sich etwas schwierig gestaltete. Draußen angekommen, stärkten wir uns dann auch erst einmal und hörten den großen Hit „Love missile F1-11“ dann nur gedämpft vom Innenhof der Location. Die Menge drinnen tobte und feierte wild und anschließend strahlte jeder, der das miterleben konnte. – by Scratchcat

Christ vs. Warhol
Christ vs. Warhol

Es wurde umgebaut und mittlerweile hatte die Security reagiert – es wurden nicht mehr ganz so viele hinein gelassen und nach kurzer Dauer war an den Eingängen Einlassstopp. Christ vs. Warhol aus Los Angeles wurden von Moderator Oliver Klein mit den Worten angekündigt, dass sie das Zeug hätten, „eine echte Kultband zu werden“. Die Gitarristen Steven und Marzia hatten ihre Haare zu Iros aufgestellt und Frontfrau Eve erinnerte mich vom Äußerlichen ein wenig an Janis Joplin – mit einem Kopftuch. Sie tänzelte beim Singen in ihrer eigenen Art und Weise hin und her und war voll in ihre Stücke wie etwa „Welcome home“ versunken. Stimmlich hingegen kann sich Eve absolut mit Größen wie etwa Siouxsie von Siouxsie and the Banshees messen – Oliver hatte da schon Recht – Kultpotential hatte das Ganze durchaus. Und die Menge vor der Bühne sah das wohl genauso, denn die Songs wurden reichlich bejubelt. Weil es unten wieder so voll war, wenn auch leerer, als noch bei der vorherigen Band, sahen wir uns das Ganze von der Empore aus an, wo die Fans eng gedrängt an den Geländern standen. Eve hatte immer wieder die Augen geschlossen und gab wahrlich alles – die Gitarristen wechselten ab und an die Seiten und Drummer Robert war zwar kaum zu erkennen hinter seinem Schlagzeug, aber sein Beat ging in die Tanzbeine. Bei „Pull the trigger“ kam Bewegung auf bei den Zuschauern und wir wechselten mal wieder die Location – von Anarcho Post Punk ging es für uns auf zum Metal. – by Scratchcat

Swallow the Sun
Swallow the Sun

Im Kohlrabizirkus angekommen hörten wir noch den letzten Song von Autumnal, doch dann wurde gleich für die folgenden Swallow the sun umgebaut. Die Death Metaler aus Finnland betraten im Nebel die düstere Bühne, während ein klassisches Klavier-Intro erklang. Die Gitarristen griffen in die Saiten und schon wurde gebangt – auf und vor der Stage. Der Sound war leider nicht ganz astrein – irgendwie war alles etwas dumpf. Aber die Fans rockten trotzdem, was das Zeug hielt. Sänger Mikko beeindruckte mit dem Wechsel zwischen Growlen und Singen – absolut irre. Die zweite Stimme von Keyboarder Aleksi war hingegen leider gar nicht zu hören – beim zweiten Stück besserte sich das zum Glück. Immer wieder wurde die Band in Nebel gehüllt und die Stimmung wurde nach und nach immer wilder. Da ich mich persönlich nicht so ganz für Death Metal erwärmen kann, fand ich ja die Stellen am besten, wo Mikko sang – seine Stimme ist echt toll – das Gegröle hätte es für mich nicht gebraucht, aber das gehörte ja wohl dazu. Die Pommesgabeln waren überall in die Höhe gereckt und bei „Hate, lead the way!“ ging es ordentlich zur Sache. Das Licht war lila und gelb und die Haare flogen nur so. Drummer Juuso war leider gar nicht zu sehen – er war immer im Dunkeln. Wenn ein Gitarrensolo anstand, überließ Mikko seinen Kollegen das Feld und zog sich nach hinten zurück – ein feiner Zug. Die recht langen Stücke boten viel Platz für Feierstimmung und bei „Cathedral walls“ wurde Mikko von einer Sängerin unterstützt – diese war aber nicht vor Ort – ihre Stimme kam vom Band. Der Metal wurde hier wahrlich zelebriert – was wollten die Fans also mehr. Nach einem weiteren Stück zogen wir uns aber zurück und ließen die Menge die Show genießen. – by Scratchcat

Crematory
Crematory

Als es dann an der Zeit war, dass Crematory an der Reihe waren, gingen wir wieder nach drinnen und erlebten so das Intro mit. Keyboarderin Katrin stand hinter ihrem Instrument und dann kamen ihre Kollegen einer nach dem anderen nach vorn. Eine Stimme auf Band meinte „Welcome Crematory“ und los ging es. Frontmann Felix bangte direkt los und stimmte „Missunderstood“ an. Der Sound war hier besser als noch zuvor – gut gemacht. Der zweistimmige Gesang war somit eine Wohltat für die Ohren. Die Arme waren oben und „Tick Tack“ wurde von den ersten Reihen mitgesungen. Felix konnte kaum stillstehen und lief immer wieder am Bühnenrand vorn hin und her. Seine begrüßenden Worte waren: „Wunderschönen guten Abend hier in Leipzig“ und dann erzählte er kurz die Geschichte zum neuen Lied „Haus mit Garten“, das dann auch gleich live zelebriert werden konnte. Das böse Schauen war dabei irgendwie wichtig – zumindest beim Sänger. Gefolgt wurde das neue Stück von einem Klassiker – „Sense of time“ wurde laut bejubelt und selbstverständlich sangen die Fans hier jede Zeile mit. Felix verausgabte sich sehr, so dass er hier die Jacke ausziehen musste, um noch mehr zu rocken. Gitarrist Tosse beeindruckte dann mit seiner tollen Stimme bei „Dreams of dancing“, wo wieder die Haare nur so flogen. Es folgte der nächste frische Track – „Everything“ kam gut beim Publikum an und so denke ich, wird es wohl in Zukunft öfters live zu hören sein. „Schöne Stadt – schönes Festival“, so Felix‘ Meinung zu diesem Abend und der guten Stimmung. Der „Shadowmaker“ durfte natürlich nicht fehlen und bei einer echt schicken Lichtshow wurde gemeinsam gerockt. Am Ende der Show kam dann auch noch der Hit „Tears of time“ zu seinen Ehren – eine rundum solider und gelungener Gig – gelernt ist eben gelernt. Unter Zugaberufen und Jubel wurde sich am Schluss verabschiedet. – by Scratchcat

Enslaved
Enslaved

Metal in jedweder Form war an diesem Abend angesagt – zuvor noch Gothic Metal und dann war Extreme- oder Progressive-Metal an der Reihe – Enslaved aus Norwegen enterten die Bühne und knüppelten nur so drauf los. Die Stimme von Sänger und Bassist Grutle war anfangs etwas arg leise, doch bald war er besser zu verstehen. Die Gitarristen Arve und Ivar waren so voller Energie, das sie die Haare kreisen ließen und sich auch auf der Bühne viel bewegten. Oder aber sie fielen auf die Knie und gaben so wirklich alles. Dann wieder spielten sie sich gegenseitig an und spornten sich zu Höchstleistungen an – es machte echt Spaß, ihnen dabei zuzusehen. Am Ende des ersten Stückes „Jotunblod“ ließ Grutle einen echt langen Gröler hören – wo nahm er nur die Luft dazu her?! In gebrochenem Deutsch begrüßte er die Menge: „Guten Abend Leipzig – wir sind Enslaved aus Norwegen.“ Weiter ging es dann mit „Fenris“, wobei blaue und weiße Lichtstrahlen über die Stage huschten. Bangen war hier an der Tagesordnung – auch bei den Zuschauern – und die Pommesgabeln wurden in die Luft gereckt. Mit einem inbrünstigen „Prost“ wurde das nächste Lied angekündigt und außerdem verriet die Band, dass auch sie in diesem Jahr ihr 25. Jubiläum feiern würden – na dann herzlichen Glückwunsch. „Do you guys wanna sing us a German Happy Birthday song? No? Ok, later!“ Was ein Spaß! „Ansuz Astral“ wurde angestimmt und so war der Metal wieder dran, für Stimmung zu sorgen. Die Gitarristen bewiesen hier, dass sie nicht nur die Saiten beherrschten – sie sangen nun auch mit, was echt gut klang. „Eld“ kam als nächstes daher – mit mächtig Druck dahinter. Das drängte richtig nach vorn und die Menge rastete schier aus. Das war doch mal was. Da wir aber schon keine Energie mehr hatten, ging es für uns wieder ab ins Quartier – das waren genug Gitarrenklänge für heute. Die Mischung war echt wild an diesem Tage – aber wir haben jeden Moment genossen. – by Scratchcat

 

Steampunk Picknick
Steampunk Picknick

Der WGT-Samstag begann für uns alle mit Rahmenprogramm. Es ging in den Palmengarten, der ein Teil des Clara-Zetkin-Parks ist, zum Steampunk-Picknick. Dieses erfreut sich seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit und so waren dort schon viele Menschen versammelt, als wir ankamen. Es gab Musik, ein Büffet und unfassbar viele, liebevoll gestaltete und aufwändige Gewandungen. Wir ließen uns ein wenig durch die Menge treiben, begrüßten Bekannte und bestaunten besonders sehenswerte Accessoires. Die Menge der Eindrücke war so groß, dass ich persönlich nicht weiß, was mich am meisten gefesselt hat. Allein das Gruppenbild, zu dem sich die Teilnehmer aufstellten, sprengte meine Erwartungen. Wir konnten uns gar nicht sattsehen – und mussten nach etwa einer Stunde schon wieder los, um ins Täubchenthal zu fahren. – by Pitchfairy

Sigue Sigue Sputnik
Sigue Sigue Sputnik

Diese Location liegt in Leipzig-Plagwitz und sieht auf den ersten Blick wie ein Saloon aus. Weil es relativ kalt war, betraten wir direkt bei Ankunft die inneren Räume und suchten uns einen Platz in der Nähe der Bühne. Das war aber zu diesem frühen Zeitpunkt gar nicht mehr so einfach, denn das Täubchenthal war schon ziemlich voll und es drängten immer mehr Menschen hinein. Sie alle wollten Sigue Sigue Sputnik sehen, die den Abend eröffnen sollten. Die Band um Sänger Martin Degville und Gründer Tony James schaffte es, die Location in eine Sardinenbüchse zu verwandeln, was nicht nur für mich unangenehm war. Die Luft war schlecht, die Musik war laut und das Gedränge trug nicht zu einem Konzertgenuss bei, sondern eher zu konzentriertem Frust. Schade eigentlich, denn ich hatte die Band vor ein paar Jahren schon mal in der Agra gesehen und fand sie gut. Leider muss ich sagen, dass ich zumindest musikalisch ein Deja-Vù hatte, denn irgendwie war es genau dasselbe wie damals. Daran änderte auch das schrille Aussehen der Band nichts. Nichtsdestotrotz wurde im Publikum viel gefeiert, während wir uns durch die Massen nach draußen kämpften – wo im Übrigen die Musik fast besser zu verstehen war als im Innenraum. Wir versorgten uns mit Getränken und warteten auf die nächste Band. – by Pitchfairy

Christ vs. Warhol
Christ vs. Warhol

In der Zwischenzeit war mal wieder Einlassstop. Vor dem Täubchenthal standen sich die Leute die Beine in den Bauch, im Innenhof der Location war kein Sitzplatz mehr zu bekommen und als Christ vs. Warhol aus den USA die Bühne betraten, konnten wir von der Empore aus auch nur wenig sehen. Musikalisch ging es in Richtung Postpunk, was mir persönlich so gar nicht liegt. Ich fand die Performance auch eher anstrengend, zumal das Täubchenthal schon wieder extrem voll und die Luft extrem schlecht war. So beschlossen wir nach den ersten Songs, unsere Pläne für Lene Lovich aufzugeben und in die Agra zu fahren, wo an diesem Abend EBM auf dem Plan stand. – by Pitchfairy

Als wir ankamen, blieb noch Zeit für ein Abendessen, bei dem die Auswahl auf dem Agra-Gelände schier unüberschaubar war, und einen Bummel durch die Ständehalle. Danach bezogen wir Stellung in der Konzerthalle, wo sich schon eine Menge EBM-Begeisterte versammelt hatten.- by Pitchfairy

Leaether Strip
Leaether Strip

Pünktlich um 21.30 Uhr betraten Claus Larsen und sein Mann Kurt die Bühne. Leather Strip bat zum Tanz und zwar von der ersten Minute an. Der große Mann aus Dänemark freute sich sichtlich über viel Zuspruch aus dem Publikum, denn auch diese Halle war voll. Mit Tracks wie „Body – Machine – Body“, „Adrenalin Rush“ und „Japanese Bodies“ brachte Claus die Menge zum Schwitzen, was bei den Außentemperaturen ein guter Plan war. Die Band lieferte einen derart soliden Gig, bei dem alles gestimmt hat. Die Akustik war schick (was für die Agra nicht unbedingt Standard ist), die Band war super drauf und das Publikum feierte, was das Zeug hielt. Sehr toll! Für mich persönlich war das Konzert ein bisschen eine Wiedergutmachung zum ersten Teil des Abends, insofern geht ein Dankeschön an Claus Larsen. Die reichliche Stunde Spielzeit verging wie im Flug und als der Sänger am Ende noch seinen Mann vorstellte, musste sich Kurt doch tatsächlich ein paar Freudentränen abwischen. Soviel zum Thema „harte EBMer“. Großartig! – by Pitchfairy

Die Krupps
Die Krupps

Den Abschluss des Abend bildeten Die Krupps, auf die ich mich tatsächlich gefreut habe, weil ich sie bis dato noch nie live sehen durfte. Jürgen Engler und seine Band stürmten die Bühne und legten direkt los – die Leute in der Halle tanzten drauf los. Heftige Beats und harte Gitarrenriffs schallten durch die Agra, das war genau das, was ich mir vorgestellt hatte. Die Krupps sind eben bereits seit über 30 Jahren fester Bestandteil der EBM- und Industrialszene und verstehen ihr Handwerk. Zum „Amboss“ wurde stilecht mit einem Hammer auf Metallstangen eingedroschen, die Menge quittierte jeden Track mit viel Applaus und Jubel. Mir hat der Gig insgesamt sehr gut gefallen und meine Erwartungen wurden erfüllt. Was für ein Tagesabschluss! – by Pitchfairy

Für uns ging es danach zurück an den Auensee, um den Tag nochmal mit den Kollegen Revue passieren zu lassen. Außerdem machte uns die Kälte der Eisheiligen ein wenig zu schaffen, so dass wir recht schnell in die Betten verschwanden. – by Pitchfairy

Weiter zu Tag 4

Autor: Pitchfairy & Scratchcat

Photos: Chrounos & Pyro

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