26. WGT: 02.-05.06.2017 Leipzig – Tag 1

Das erste Juniwochenende des Jahres 2017 war der diesjährige Termin für das 26. Wave-Gotik-Treffen in Leipzig. Also machten wir uns auf den Weg in die Messestadt und freuten uns auf ein entspanntes Wochenende mit jeder Menge Musik, netten Leuten und ein paar Neuerungen, sowohl in organisatorischer als auch in persönlicher Hinsicht. Denn das UnArt-Team residierte zu ersten Mal seit 15 Jahren nicht mehr am Auensee, sondern nutzte eine Ferienwohnung im Stadtteil Schleußig, was durchaus den Vorteil hatte, zentraler zu wohnen. Aber das nur am Rande! Schließlich ging es uns um das WGT und das begannen wir am Freitag bei bestem Wetter im Heidnischen Dorf. – by Pitchfairy

Metusa

Der Nachmittag war schon etwas fortgeschritten, als ich das Heidnische Dorf bei schönstem Sonnenschein betrat. Da der Freitag der erste offizielle Tag des Treffens war, ging es am Torhaus Dölitz zu diesem Zeitpunkt noch entspannter zu – noch! Von der Bühne hörte ich die Band Metusa, schlenderte aber zunächst ein wenig übers Gelände und suchte meinen Mann, der auf Fototour im Dorf unterwegs war. – by Pitchfairy

Romuvos

Gemeinsam begaben wir uns gegen halb sieben an die große Bühne, um zu schauen, was die litauische Folk Metal-Formation Romuvos zu bieten hatte. Sänger Velnias und seine Musiker sahen aus, als seien sie direkt der Serie „Vikings“ entsprungen. Martialische Tattoos und die Bühnenoutfits, die aussahen wie Lederrüstungen, machten schon mal optisch schwer was her. Musikalisch ging es zwar mit elektronisch verstärkten Gitarren und Schlagzeug, aber trotzdem eher authentisch zur Sache. Die Band versuchte, die alten heidnischen Rituale ihrer Heimat aufleben zu lassen, so dass die Darbietung insgesamt ziemlich ruhig war und so gar nicht nach Folkmetal klang. Aber das machte gar nichts, denn die vor der Bühne versammelten Zuschauer ließen sich von Romuvos mitnehmen und applaudierten kräftig. Wir starteten also entspannt ins WGT und suchten uns dann erst einmal was Leckeres zum Magenfüllen. – by Pitchfairy

Trobar de Morte

Mit dem frühen Abend füllte sich auch das Heidnische Dorf immer mehr, bei Trobar de Morte war der Platz vor der Bühne schon deutlich voller als beim vorherigen Gig. Die Band entführte die Gäste ins spanische Mittelalter und beeindruckte vor allem durch die Stimme von Sängerin Lady Morte. Die sanften Klängen von Geige, Gitarre und viel Percussion schwebten über der Wiese und passten zur abendlichen Stimmung. Viele Menschen tanzten zur Musik der Formation, aber es waren auch einige zu sehen, die auf ihren Decken saßen und den Auftritt einfach nur genossen. Genau das ist das Flair, was das Heidnische Dorf ausmacht. Toll! Mit einem Lächeln im Gesicht bedankten sich die Spanier nach jedem Titel beim Publikum und ließen sich wohlverdient beklatschen. Lady Morte wies das Publikum auch darauf hin, dass die Band am folgenden Tag einen weiteren Gig in der Ruine Wachau absolvieren würde. Wir hörten noch eine Weile von der Taverne aus zu und schwatzten mit ein paar Bekannten. – by Pitchfairy

Tanzwut

Pünktlich um 21.30 Uhr standen wir jedoch wieder an der Bühne, vor der es mittlerweile brechend voll war. Schließlich sollten sich Tanzwut mit ihrer Rockshow die Ehre geben und ich persönlich hatte die Band schon eine ganze Weile nicht live gesehen. Mit viel Nebel und mächtig Getöse ging es auch dann los und Teufel stürmte die Bühne mit seinen Mannen und pfefferte dem versammelten Publikum direkt die volle Breitseite um die Ohren. Die Zuschauer ließen sich auch sofort mitreißen und johlten, klatschten und sangen, was das Zeug hielt. Die Band hatte sichtlich Spaß und spielte – zu meiner Überraschung – nicht nur neue Stücke. Bei dem Track „Meer“ gingen die Arme in der Menge wie von allein nach oben und wogten hin und her, was von der Bühne aus sicher großartig aussah. Teufel tobte über die Stage, die Gitarristen rockten sich – von unten beleuchtet – die Seele aus dem Leib und alles war in Bewegung. Besonders beeindruckt hat mich das Zwischenspiel von insgesamt sechs Dudelsäcken, das bei den „Merseburger Zaubersprüchen“ zelebriert wurde. Mal im Ernst – das war ganz großes Kino, meine Herren! Leider drängten zu diesem Zeitpunkt immer mehr Menschen nach vorn zur Bühne, so dass ich mich schleunigst ein Stück weiter nach hinten verzog, was allerdings gar nicht so einfach war. Schließlich und endlich fand ich auch meinen fotografierenden Mann in den Massen wieder und wir genehmigten uns noch ein kühles Getränk am Black House, wo die Band Romuvos gerade mit dem Schankwirt ein Fachgespräch über Whiskey führte. Auch schön! Solche Momente liebe ich am WGT. – by Pitchfairy

Amanda Palmer & Edward Ka-Spel

Um der schieren Menschenmenge zu entgehen und uns noch einen späten Imbiss zu genehmigen, begaben wir uns an die AGRA, wo auch noch einiges an Begängnis herrschte. Dort trafen wir dann noch liebe Freunde und verquatschten uns bei Burger und Cocktail. Und weil wir gerade anwesend waren, gingen wir noch in die Konzerthalle und machten Amanda Palmer und Edward Ka-Spel unsere Aufwartung. Die beiden Musiker können getrost als Urgesteine des Gothic bezeichnet werden – ihr gemeinsamer Auftritt lockte jedenfalls viele Besucher zu dieser späten Stunde in die AGRA. Die Dresden Dolls-Sängerin und der Frontmann der Legendary Pink Dots hatten einen Cellisten mit dabei, der zu Beginn spielte. Unglücklicherweise streikte dann Amandas Piano, so dass der Cellist die Pause mit improvisierten Klängen und sogar einem kleinen Lied überbrückte, bis das Keyboard ausgetauscht war. Dann ging es professionell weiter und die beiden Hauptakteure verzauberten das Publikum mit, meiner Meinung nach, sehr schwermütigen Stücken. Technisch einwandfrei und musikalisch auf ganz hohem Niveau zeigten Amanda Palmer und Edward Ka-Spel, dass sie zu Recht zu den Szenegrößen gehören, zumal die Amerikanerin noch Stunden vorher in der Notaufnahme in Leipzig war, um sich wegen einer akuten Infektion ärztlich versorgen zu lassen. Der Beifall des Publikums und die fast ehrfurchtsvolle Stille während der vorgetragenen Stücke sprach jedenfalls Bände. – by Pitchfairy

Wir verließen an dieser Stelle die AGRA und fuhren in die Unterkunft, um dort die ersten Bilder zu sichten und dann in die weichen Betten zu fallen.- by Pitchfairy

Das 26. Wave-Gotik-Treffen lockte wieder einmal über 20000 Festivalbesucher aus aller Welt nach Leipzig und wir waren wie immer für euch mittendrin. Vom 02.-05.06. ging es an über 50 Veranstaltungsorten mächtig zur Sache und für jeden musikalischen Geschmack war etwas dabei. Bei wechselhaftem Wetter fiel die Auswahl nicht immer einfach – aber letztendlich konnten wohl alle schwarzen Seelen glücklich gestimmt werden. – by Scratchcat

Viktorianisches Picknick

Der erste Tag des Festivals begann für uns bei strahlendem Sonnenschein mit einem Besuch beim alljährlichen Viktorianischen Picknick im Clara-Zetkin-Park. Am Musikpavillon war bereits mächtig viel los und alle hatten sich in den Schatten der Bäume niedergelassen – die Sonne brannte aber auch. Viele wahnsinnig schick gekleidete Menschen waren dort und taten sich an den mitgebrachten Torten, Obstkörben und allerlei Leckereien gütlich. Wir konnten absolut beeindruckende Roben und Stylings bewundern – in allen Farben kleideten sich die Besucher des Events. Da gab es nicht nur Viktorianisches zu bestaunen, auch Steampunk- und Punk-Anhänger waren reichlich vertreten, außerdem haben wir Gothicpärchen, Piraten in allen Varianten, Elfen und „Veränderte“ mit Hörner oder Geweihen erspäht. Dann wanderten Soldaten in Uniformen an uns vorbei, hinter Kindern oder Hunden wurde hergejagt und dazwischen posierten die toll anzusehenden Picknick-Gäste immer wieder vor diversen Kameras. Oftmals wurde aber leider nicht gefragt, ob Fotos geschossen werden dürften – schade. Weil wir die Sonne nicht lang ohne Sonnenschutz aushielten, machten wir uns dann aber wieder auf den Weg – die ersten Konzerte warteten auf uns. – by Scratchcat

Haujobb

Als erstes gab es für uns eine Location-Premiere, denn im Non Tox e.V. waren wir vorher noch nie. Etwas weiter draußen gelegen fanden wir schnell einen Parkplatz und mischten uns unters Volk. Das Ganze hatte den Charme einer alten Industrie-Ruine, wo im Innenhof die Bühne aufgestellt worden war – das passte ja zu den Industrial-Klängen, die hier auch erklingen sollten an diesem Tag. Ein Teil des Hofes war überdacht, vor der Stage war aber freier Himmel und alle warteten sie auf den Gig von Haujobb, der sich aber um einige Minuten verzögerte. Dann war es aber endlich soweit und mit einem „Hallo Leipzig“ legten Daniel Myer und seine beiden Kollegen mit „Machine drum“ los. Stimme und Sound waren gut und die zahlreichen Besucher tanzten direkt bei den ersten Takten. Der Frontmann war gut drauf und lief auf der Bühne hin und her. Dabei brüllte er seinen Text nur so raus. „Wir sind Haujobb aus Leipzig“ – das ließ die Fans der Lokalmatadoren aufjubeln. Die Keyboarder hatten auch ihren Spaß – mal drückten sie auf Tasten herum und mal droschen sie nur so auf E-Drums und dergleichen ein. Bevor „Renegades of noize“ erklang, meinte Daniel noch schwitzend: „Es ist Scheiße heiß…“ – Recht hatte er, denn die Stage war auch direkt in der Sonne. Das Stück war „schon 15 Jahre alt“, aber der Beat hatte noch nichts von seiner Tanzbarkeit verloren. Die Stimmung war gut. Anschließend gab es unter den Musikern eine kurze Diskussion – Daniel „konnte den Text nicht, deswegen war ich mir nicht sicher, ob ich das spielen sollte“. Es kam dann aber doch dazu, dass „Input Error“ erklang und die Fans feierten es ab. Die elektronischen Sounds waren echt genial und die Menge hatte zusammen mit den Herren auf der Stage ihren Spaß. – by Scratchcat

Wir pilgerten dann aber schon wieder weiter. Das Agra-Gelände war wie jedes Jahr stark bevölkert und in der Stände-Halle wurde schon kräftig eingekauft. Mir gefiel, dass es dieses Mal viele kleine Verkaufsstände gab, die in den Vorjahren noch nicht dabei waren. So konnten wir beim Schlendern einige neue Dinge entdecken und es war spannend zu stöbern. Überall sahen wir gut gelaunte Gesichter, die die angenehme Atmosphäre widerspiegelten. Und trotz der Wärme war die Luft in den Hallen noch erträglich – noch, denn je wärmer es wurde, umso drückender wurde es. Ich hoffe, dass es alle gut überstanden haben. – by Scratchcat

Umbra et Imago

Auch in der Konzerthalle war es mit der Luft so – als die Moderatoren Elvis und Oliver die Stage enterten, war noch alles in Butter. Die beiden begrüßten die Anwesenden mit folgenden Worten: „Herzlich Willkommen hier in Leipzig zum 26. Wave-Gotik-Treffen. Wir leiten die viertägige Gruppentherapie.“ Oliver kündigte dann ein neues Album von Umbra et Imago an, die hier gleich in einem besonderen Line-Up auftreten sollten. Das wurde laut bejubelt und dann kamen auch schon die Musiker während des Intros nach vorn. An der Gitarre war Matthias Ambre zu sehen und an den Drums saß Oliver Himmighoffen. Sängerin Madeleine hatte ein schickes weißes Kleid an und schon tänzelte sie zur Musik drauf los. Als Frontmann Mozart nach vorn kam, war der Beifall groß. Der zweistimmige Gesang beim „Märchenlied“ war ganz gut anzuhören – dabei sahen sich Mozart und Madeleine immer wieder tief in die Augen. Insgesamt war der Klang in der Halle aber schon etwas vermatscht – schade. „Good morning brothers and sisters – schön, dass ihr da seid“, so die begrüßenden Worte des Sängers. Als „Alles schwarz“ begann, verließ sie schon wieder die Szenerie und überließ Mozart das Feld am Mikrofon. Mit seinem riesigen Irokesenhaarschnitt und dem Fell über den Schultern sah er sehr martialisch aus. Zum Song lief im Hintergrund auf einer Leinwand ein Video mit und die Fans klatschten im Takt. Nachdem kleine Wasserflaschen von der Bühne in die Menge geflogen waren, konnte es mit „Kleine Schwester“ weitergehen im Programm. Hier sang das Publikum laut mit – die Stimmung nahm also gut Fahrt auf und es wurde immer wärmer im Saal. Als dann die Frage „Wer glaubt an Gott“ gestellt wurde, meldete sich kaum jemand. Trotz allem stimmte die Formation ihren Hit „Lieber Gott“ an und wieder sangen die Zuschauer die Textzeilen mit. Uns wurde es dann aber zu warm in der Halle und so lauschten wir dem restlichen Gig von draußen. – by Scratchcat

Pouppée Fabrikk

Wir genossen die Sonne ein wenig, bevor es dann „härter und schneller“ wurde, wie Moderator Elvis verlauten ließ. Die Schweden von Pouppée Fabrikk waren an der Reihe und die beiden Herren verloren sich ein wenig auf der riesigen Bühne in der Agra-Halle. Aber nichtsdestotrotz gaben Leif und Henrik alles. Der schnelle Beat trieb die Menge an und so kam ganz fix Bewegung in die Zuschauermeute. Henrik lief immer wieder von links nach rechts und zurück und im nächsten Moment feuerte es das Publikum am vordersten Bühnenrand an. Dabei brüllte er den Text nur so raus. Vor der Bühne entstand sogar ein regelrechter Moshpit, weil die Fans so ausgelassen herum sprangen und tanzten. Videos unterstützten das Duo auf der riesigen Leinwand und der zweistimmige Gesang kam gut rüber. „WGT“-Rufe von Henrik heizten zusätzlich ein und immer wieder stand er mit ausgebreiteten Armen da und ließ sich feiern. Auch wenn der Sound immer noch ein wenig wie Brei war, die Menge ging mächtig ab und als verkündet wurde „we’re gonna do „Rage““ gab es kaum noch ein Halten. Die Texte wurden lauthals mitgebrüllt. Es folgte ein Stück, dass die Band „noch nie in Deutschland live gespielt“ hatte – dabei ging der Frontmann sogar auf die Knie beim Singen. Und als „Destruction“ an der Reihe war, machte er sein Hemd auf, um noch ausgelassener abtanzen und singen zu können. Und weil es noch nicht wild genug war, meinte der Frontmann mit einem Grinsen im Gesicht: „Let’s see some fucking action“, sagte aber gleichzeitig, dass der kommende Track „a little bit slow down“ wäre – na, was denn nun?! Es wurde aber umso schneller und knalliger. Dabei sprang Henrik in der Fotograben, lief dort hin und her und feierte mit seinen Anhängern um die Wette – geile Aktion! Diese Party war kaum zu übertreffen und wir schnappten wieder etwas frischere Luft im Freien. – by Scratchcat

Devilment

Schließlich war es Zeit für den Headliner des ersten Tages in der Agra-Halle – Devilment – das neue Projekt von Dani Filth – auch bekannt als Frontmann von Cradle of Filth. Das Intro, Filmmusik von Bram Stokers Dracula, wurde beklatscht und die Musiker kamen einzeln nach vorn. Dani trug einen Zylinder und war im Gesicht geschminkt. In dichten Nebel gehüllt ging es dann los – im Hintergrund prangte das Bandlogo auf der Videoleinwand. Der Sound war anfangs in meinen Ohren etwas chaotisch und arg laut, aber die Zuschauer feierten trotzdem gut mit bei „Judasstein“. Die Gitarristen Colin und Nick konnten kaum stillstehen und wechselten immer wieder ihren Standort. Keyboarderin Lauren habe ich zwar gehört, von meinem Standort aus aber leider nicht gesehen. Dani bewies wieder einmal, dass er stimmlich echt was drauf hatte – eben noch sang er tief und klar und im nächsten Akkord kreischte er in hohen, krächzenden Tönen – echt krass! Die Drums waren schnell und es wurde vor und auf der Stage geheadbangt. Die Pommesgabeln waren überall in die Luft gestreckt und bei den Gitarrensoli zog sich der Frontmann zurück und überließ seinen Kollegen das Feld am vorderen Bühnenrand. Immer wieder setzte er seinen Hut ab und parkte ihn in der Zwischenzeit auf seinem Mikrofonständer. Zahlreiche Fans waren anwesend, denn die Texte wurde auch hier mit Inbrunst mitgesungen. Bei „Hitchcock Blonde“ war der zweistimmige Gesang recht gut und der Sänger begrüßte endlich die Zuschauer mit den Worten: „Good evening Leipzig – we are Devilment. How many are fucking drunk?“ Viele meldeten sich auf die Frage und schon erklang „Summer arteries“ vom aktuellen Album. Die Haare flogen nur so und so konnte der Abend dann auch zu Ende gehen. – by Scratchcat

Wir überließen der feiernden Menge das Feld und zogen uns zurück – Kräfte schonen für die kommenden drei Tage. Und so ging es in unsere Ferienwohnung – noch einen Absacker genießen und dann ab ins Bett. – by Scratchcat

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Autor: Pitchfairy & Scratchcat

Photos: Michi & Pyro

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