26. WGT: 02.-05.06.2017 Leipzig – Tag 3

Shireen

Der dritte Treffentag begann mit Nieselregen, was unsere Laune etwas bremste, doch gegen Mittag klarte es auf und so stand einem weiteren Besuch im Heidnischen Dorf nichts mehr im Weg. Dort absolvierten nämlich Shireen aus Holland ihren zweiten Festivalauftritt in diesem Jahr und das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Die Band bezeichnet ihren Stil selbst als Witch-Pop, wir waren also gespannt, zumal wir es ja am vorherigen Samstag nicht geschafft hatten, am Torhaus vorbeizuschauen. Bei nachmittäglichem Sonnenschein betraten Shireen die Bühne, vor der sich schon wieder einige Besucher versammelt hatten, und präsentierten ihre Songs. Sängerin Annicke, die wie immer im selbstgeschneiderten Outfit ans Mikrofon trat, fesselte ihre Zuhörer vom ersten Augenblick an. Die Leute vor der Bühne begannen zu tanzen und lauschten Shireen, die ihren Folk-Crossover im Stil von Fever Ray, Euzen und Valravn mit nach Leipzig gebracht hatten. Eine perfekte HeiDo-Band, wenn ich das mal so sagen darf. Obwohl ich mir das Ganze eher am frühen Abend gewünscht hätte, allein wegen der Stimmung, aber sei’s drum! Sowohl Musiker als auch Publikum hatten jedenfalls Spaß an diesem Auftritt und es bleibt zu hoffen, dass dies nicht das letzte Gastspiel von Shireen auf dem WGT war. – by Pitchfairy

Für uns hieß es dann auf zum Kohlrabizirkus, wo wir a) mit der WGT-Parkvignette in diesem Jahr praktischerweise den Parkplatz nutzen konnten und b) das zweite UnArt-Team trafen. Red Cell schauten wir uns noch gemeinsam an, danach war Ablösung – die beiden Kollegen fuhren zur AGRA, wir blieben da. – by Pitchfairy

Decoded Feedback

An dieser Stelle hatte ich ein Dejavù, denn Decoded Feedback hatten wir schon mal vor ein paar Jahren im Kohlrabizirkus gesehen, damals mit Claus Larsen als Gastsänger. Auch hier war die Crew pünktlich, so dass kurz nach sieben Uhr die kanadische Band die Bühne betreten konnte. Marco und Yone waren sichtlich entspannt und los ging die Show. Die gut gefüllte Location rockte auch direkt mit, als Marco die Stimme erhob. Es wurde im Takt geklatscht, getanzt und mitgesungen. Yone strahlte an ihrem Keyboard und bewegte sich zu ihrer eigenen Musik, während Marco die volle Bühnenbreite ausnutzte, um die Fans immer wieder anzusingen oder zum Mitklatschen zu animieren, was super klappte. Der Gastmusiker an diesem Abend stammte übrigens aus Holland – Ronny Moorings von Clan of Xymox stand an der Gitarre und unterstützte Decoded Feedback bei ihrem Gig – sehr schick! Wir hatten uns derweil eine leckere Erdbeerbowle geholt und auf unseren Hochzeitstag angestoßen – so viel Zeit muss sein. Vom hinteren Teil der Halle aus schauten wir den beiden Kanadiern noch eine Weile zu, bevor wir uns mit einem Burger stärkten. Schließlich stand als Nächstes volles Tanzprogramm auf dem Plan. – by Pitchfairy

S.P.O.C.K

Noch während der Umbaupause verteilen Fans im Publikum gelbe und blaue Luftballons, was sicherlich der Tatsache geschuldet war, dass die nächste Band aus Schweden kam. Außerdem waren uns in der Menge schon einige Star Trek-Uniformen aufgefallen. Ein kurzes Intermezzo von Ronan Harris, der den Moderator ankündigte – macht ja sonst keiner – und dann war der Ire mit viel Applaus im Rücken auch schon wieder verschwunden. Moderator Elvis – der Mann verfolgte uns schon das halbe Wochenende – kündigte den Act auch mit viel Enthusiasmus an, schließlich war er selbst einmal als Borg Teil der Bühnenshow. Wir freuten uns also mit dem Publikum auf „Star Pilot on Channel K“ – oder kurz S.P.O.C.K. Die Band betrat die Bühne in weißen Pilotenanzügen und schon stiegen die Luftballons in der Menge nach oben. Es ging quer durch die Diskografie der Schweden und die Fans in der Halle waren mehr als textsicher. Der Jubel der Masse war fast lauter als die Musik auf der Bühne, Sänger Alexander war sichtlich gerührt. Speziell für das WGT hatte die Band auch ein T-Shirt mitgebracht, was am Merchstand relativ schnell vergriffen war. Kein Wunder bei vollem Haus, es mussten sogar einige draußen bleiben, denn am Kohlrabizirkus wurde noch vor dem Gig ein Einlassstopp verhängt. Wir sangen und tanzten zu Hits wie „Trouble with Tribbles“, „Dr. McCoy“ und selbstverständlich „Never trust a Klingon“. Aber auch das Depeche Mode-Cover „Ice Machine“ und das auf deutsch vom Publikum gesungene Geburtstagslied für Johan machten das Konzert zu einem der WGT-Highlights. S.P.O.C.K. haben es halt einfach immer noch drauf und falls ihr mal die Möglichkeit habt, die Band live zu sehen – geht hin, es lohnt sich! – by Pitchfairy

Peter Heppner

Nach diesem fulminanten Auftritt der Schweden wurde noch ein letztes Mal für diesen Abend umgebaut, das Publikum im Kohlrabizirkus wechselte und Peter Heppner übernahm das Mikrofon. Die Besucher warteten gespannt und spendeten den ersten Applaus, als der Sänger und seine Livemusiker die Bühne betraten. Wer Heppner schon einmal gesehen hat, weiß, dass es auf so einem Konzert eher unspektakulär zugeht. Es braucht da keinen Nebel, keine aufwändigen Pyros oder irgendwelche überdimensionierten Aufbauten. Die Musiker genügen sich selbst, alles andere kommt mit der Stimme des Wolfsheim-Sängers und den Künsten der Livemusiker. Und Fans des Sängers haben sich zuhauf in der Halle versammelt. Heppner sang mit geschlossenen Augen, vergaß hier und da mal den richtigen Text und traf meiner Meinung nach leider nicht immer den richtigen Ton. Doch das störte die Fans so gar nicht, jedenfalls nicht alle. Ein Blick ins Publikum zeigte hin und wieder verwirrte Gesichter und gerunzelte Stirnen ob der Unsicherheiten im Vortrag des Sängers. Schade eigentlich, aber der Mann mit der einfühlsamen Stimme, der auch so gar nicht mit seinen Zuhörern interagierte, holte uns an diesem Abend nicht ab. – by Pitchfairy

Das hatte ich zu einem Mitternachtsspecial auch schon anders erlebt und so verabschiedeten wir uns recht früh vom Kohlrabizirkus und nutzen den zeitigen Feierabend, um noch in der Moritzbastei einzukehren, wo wir uns mit Christopher Juul (Euzen) trafen, der auf dem diesjährigen WGT als Gastmusiker bei Myrkur im Schauspielhaus auftrat. Den Abend haben wir dann mit viel Gelächter, lieben Freunden und dem einen oder anderen Getränk ausklingen lassen. – by Pitchfairy

Chrom

Auch am Sonntag zog es uns in den Kohlrabizirkus. Hier sollte es dieses Mal elektronisch zur Sache gehen. Schon zur ersten Band des Tages war der Saal gut voll und alle waren sie in Tanzlaune. Moderator Elvis begrüßte die Meute mit einem „Herzlich Willkommen“ und dann ging es auch schon los. Die Musik von Chrom startete und Keyboarder Tom kam nach vorn. Der Bass haute mächtig rein und als Frontmann Chris auf der Bildfläche erschien, brandete Jubel auf. Mit einem flotten „Hallo Leipzig“ und „Habt ihr Bock?“ begrüßte er sein Publikum und gemeinsam wurde zu „I don’t believe“ los getanzt. Seine Stimme war hier ganz gut abgemischt und klang toll. Die Arme waren überall oben und die Party nahm absolut schnell Fahrt auf. Da konnten auch wir nicht stillstehen und tanzten mit. „Wir freuen uns sehr, dass ihr schon so zahlreich zu so früher Stunde erschienen seid“, so der beeindruckte Sänger, denn die Halle war echt voll. Mit ausgebreiteten Armen stimmte er „The start of something new“ an. Hier klatschten die Zuschauer im Takt mit – „das sieht sehr, sehr geil aus“. Tom wippte an seinem Instrument ebenfalls im Rhythmus der Musik mit – so hatten alle ihren Spaß. Das Stück „In my world“ dröhnte leider etwas sehr – es hätte also durchaus etwas leiser sein können, aber der Stimmung tat das keinen Abbruch. Chris schaute im Anschluss verschmitzt und als die ersten Töne von „Loneliness“ erklangen, fragte er: „Kennt ihr den?“ Natürlich kannten die Fans die Hits der Band und jubelten los. Es wurde immer wärmer im Saal und die Lichtshow war auch sehr toll anzusehen. Der Sänger lief immer wieder hin und her und tanzte zu den eigenen Klängen. Und jede Textzeile wurde lauthals mitgegrölt – Party ohne Ende! Mit „My desire“ ging es weiter im Set und die Lichter tauchten die beiden Herren in rot und weiß. Und so ging es noch eine Weile weiter – tanzen und Freude haben – das war das Grundthema hier und somit ein absolut gelungener Start in den Tag. – by Scratchcat

Red Cell

Der kommende Act wurde von Elvis mit diesen Worten angekündigt – sie haben „eigentlich noch nie hier gespielt – sie sind das erste Mal in Deutschland“. Die Rede war von Red Cell aus Schweden. Das Duo kam heraus und sah in seinen Anzügen recht adrett aus. Sänger Jimmy beeindruckte mit seiner Stimme, auch wenn hier wieder einmal der Sound insgesamt zu laut war. Mit geschlossenen Augen sang er für uns die Zeilen von „Underground windows“ – da war viel Gefühl dabei. Keyboarder Stefan wippte im Takt mit und widmete sich voll und ganz seinem Instrument. „I hope you like the music – it’s pop music. Here we are – Red Cell from Stockholm“, so die Ausführungen des Frontmanns. Zu „Vial of dreams“ sang Stefan die zweite Stimme und es klang wahrlich gut. In der Halle war es dieses Mal um einiges leerer – wohl weil die Formation noch etwas unbekannter war. Aber der Electronic Pop-Sound war durchaus hörenswert. Jimmy lief viel auf der großen Bühne herum – oft auch im hinteren Bereich der Stage und so bekam er nicht so gut einen direkten Draht zum Publikum. Aber am Ende der Stücke verbeugte er sich jedes Mal. „The ladder“ wurde von ihm mit viel Gestik ausgeschmückt – er lebte seine Texte wahrlich. Der Beifall war jedes Mal ganz anständig und die Band bedankte sich: „Danke Leipzig you beautiful people.“ Mit „Shine“ bekamen wir schließlich auch einen „older song“ auf die Ohren. Dieser war flotter und hatte einen treibenderen Beat als alles vorherige und so konnte endlich ausgelassen getanzt werden. Und tanzend verließen wir dann die Halle, um ein wenig frische Luft zu schnappen – es war schon wieder gut warm. – by Scratchcat

The 69 Eyes

Außerdem machten wir uns dann so langsam auf, die Location zu wechseln. Nach einem weiteren Schlendergang durch die Ständehalle auf der Agra, ging es dann in die Konzerthalle, denn wir wollten den Gig von The 69 Eyes auf keinen Fall verpassen. Die „Gothic Legende – the Helsinki Vampires“ wurden von Oliver Klein angekündigt und bei einem Intro von Edith Piaf kamen die Herren unter Begeisterungsstürmen ihrer Fans nach vorn. Frontmann Jyrki, den ihr ehrlicherweise kaum wiedererkannt habe, begrüßte die Menge mit einem „Good afternoon“. Zuerst erklang “ Framed in blood “ und der dreistimmige Gesang kam ganz gut rüber. Fast alle Musiker trugen eine Sonnenbrille auf der Nase – sie sind eben cool! Die Arme im Publikum waren von Anfang an oben und der Sänger meinte „Good to see you, guys.“ Bazie, Timo-Timo und Archzie, die Gitarristen, waren sehr agil und standen kaum eine Sekunde an der gleichen Stelle – die volle Breite der Stage wurde hier ausgenutzt. Jyrki selbst sang die erste Reihe immer wieder an und ging auch mal in die Hocke, um einzelne Fans direkt anschauen zu können. Bei folgenden Track war der Bass etwas zu laut und drückte mir persönlich schon ganz schön gegen den Kehlkopf, was unangenehm war – schade! Die Fans in den ersten Reihen hatten dieses Problem wohl nicht und tobten mächtig ab – die Arme waren oben und es wurde mitgeklatscht. So auch bei „Blue“, wo die Musiker einen Daumen hoch gaben, weil ihnen die gute Stimmung echt gefiel. Immer wieder war ein anderer der Gitarristen am vorderen Bühnenrand, rockte ordentlich ab und ließ sich so feiern. Das Licht war, passend zu den Vampiren, oft nur in rot gehalten, was zur Musik passte. Wir hatten auch unseren Spaß, weil aber die Lautstärke immer weniger zu ertragen war, hörten wir uns den Rest des Sets von draußen an. – by Scratchcat

The Mission

Den Headliner des Abends stellte „eine großartige Band“, so Oliver Klein. Er erzählte, dass The Mission auf großer Jubiläumstour seien und an diesem Abend eben Halt beim WGT machten. Nach einem sehr langen Intro mit Videofilm auf einer Leinwand kamen die Briten einzeln aus dem Nebel, der über die Bühne waberte. Zuerst wurde von den Musikern der „Dambusters March“ als Instrumental dargeboten und dann ging es in die Vollen. Die Formation hatte sich gesangliche Unterstützung geholt durch Sängerin Evi Vine, die bei den ersten Tönen von „Beyond the pale“ begann zu tanzen. Frontmann Wayne trug eine Sonnenbrille und seine Stimme harmonierte wunderbar mit der von Evi – echt schick! Im Refrain sang auch noch Bassist Craig mit – toll. Drummer Mike war extrem gut drauf und verausgabte sich vollkommen. Nach Waynes Gitarrensolo jubelte die Zuschauermenge und er rockte gut an. Mal spielte er in Richtung des Publikums und mal rockte er seinen Drummer an. Lichtstrahlen, die von hinten durch den Saal wanderten, setzten das Ganze toll in Szene und Gitarrist Simon stellte sich an ein zweites Drumset, um „Met-amor-Phosis“ noch mehr Beat zu verleihen. Dort sang er auch noch mit – der Song bekam dadurch wahre Tiefe. Die Fans ließen sich auch nicht mehr halten und sangen ebenfalls lautstark mit. Hiernach verschwand Evi und die Herren gaben nun allein alles mit „Serpent’s kiss“. Die Arme waren oben, es wurde mitgeklatscht und grünes Licht erstrahlte. Beim Gitarrensolo wurde der Frontmann von unten angeleuchtet – er wirkte hier wie von einer anderen Welt. „Do you have a great weekend?“, so seine Frage in der Pause vor dem nächsten Stück. Das wurde lautstark bejaht und mit einem Lächeln stimmte die Band nun „Swoon“ an. Musiker und Fans genossen die Klänge mit geschlossenen Augen und überall wurde getanzt. Die Stimme von Wayne war ein echter Trommelfellstreichler – ich hätte noch länger lauschen können. – by Scratchcat

Aber die Wärme des Tages und die späte Stunde hatten mich müde gemacht und so überließen wir wieder einmal den Fans das Feld und machten uns vom Acker – es war ein gelungener Tag und immer noch stand ein letzter bevor. – by Scratchcat

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Autor: Pitchfairy & Scratchcat

Photos: Michi & Pyro

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