27. WGT: 18.-21.05.2018 Leipzig – Tag 1

Wie jedes Jahr hatten wir über Pfingsten in Leipzig eine Ferienwohnung gebucht, um uns ins Getümmel des nunmehr 27. Wave-Gotik-Treffens zu stürzen und das Wochenende hielt wirklich für jeden Geschmack etwas bereit. Es gab auch diverse Neuerungen und deswegen fiel die Planung im Vorfeld durchaus knifflig aus. Nichtsdestotrotz waren wir bestens für ein sonniges Pfingstabenteuer gerüstet – in der Stadt, die an einem Wochenende im Jahr im wahrsten Sinne des Wortes „schwarz sieht“. – by Pitchfairy

Impressionen

Wir begannen unser Festival im Heidnischen Dorf, das erfahrungsgemäß freitags noch nicht ganz so überfüllt ist wie an den beiden kommenden Tagen. Auf dem Gelände des Torhauses war jedoch schon allerhand los. Die Gäste schlenderten zwischen den Handwerker- und Händlerständen umher, begutachteten die Auslagen und füllten sowohl Händlern als auch Gastronomen die Kassen. Von der Bühne schallte der Mittelalterrock von Ingrimm über die Wiese, aber wir starteten das musikalische Programm erst mit Cesair aus Holland. – by Pitchfairy

Cesair

Die Band um Frontfrau Monique van Deursen hatte ihren Percussionexperten Jan de Vries wieder dabei, der krankheitsbedingt eine Weile aussetzen musste. So konnte das Sextett vollzählig durchstarten und das Publikum mit ihren paganfolkigen Klängen in den sommerlichen Abend begleiten. Bei Cesair macht es eindeutig die Mischung – glasklarer Gesang von Monique, kraftvolle Trommeln von Jan, eine schluchzende Geige von Sophie und die geheimnisvollen Töne von Luka Aubris Slideridoo wurden ergänzt durch Thomas an der Gitarre und Faber an der Nyckelharpa. Musikalisch ging es vom Orient über das Mittelalter bis hin zu nordischen Einflüssen und zauberte eine fast magische Stimmung ins Heidnische Dorf. Die Niederländer, denen ihre gute Laune anzusehen war, konnten auf zahlreiche Tänzer blicken und sich über jede Menge Applaus freuen. Auch uns hat der Auftritt Spaß gemacht, vielen Dank dafür! – by Pitchfairy

Rapalje

Nach einem kurzen Umbau stand nun Irish Folk auf dem Plan, denn Rapalje besuchten das WGT wieder einmal. Die Kiltträger aus den Niederlanden sind in jedem Fall ein Garant für beste Pubstimmung und tanzbare Klänge. Die vier Herren legten auch direkt mit einem Best Of Irish and Scottish Traditionals los und die Besucher vor der Bühne bedankten sich mit viel Applaus und geschwungenen Tanzbeinen. Williams Gesang versetzte auch uns in Gedanken nach Irland, so dass wir uns als nächstes mit einem kühlen Getränk versorgten und noch eine Weile mitschunkelten. Mit diesen Klängen im Ohr schlenderten wir noch ein wenig über das Torhausgelände und ließen uns – mit Blick auf die Bühne – ein Abendessen schmecken. Genau so gefällt uns das Heidnische Dorf! Aber der Abend war ja noch nicht vorbei, denn unser persönliches Wunschkonzert zum Freitag sollte noch stattfinden. – by Pitchfairy

Eivør

Die Sängerin Eivør von den Färöer-Inseln stand als Headliner auf dem Programm des Tages und das wollten wir unbedingt miterleben. Der Platz vor der Hauptbühne war gut gefüllt und alle warteten gespannt auf den Beginn des Konzerts. Die blonde Nordländerin betrat fast schüchtern die Bühne und legte mit ihrer Band auch gleich los. Zu Beginn gab Eivør eine Kostprobe ihres Crossover-Pops, der sich sofort in unsere Ohren bohrte und direkt das Tanzbein zum Zucken brachte. Was die Musikerin mit ihrer Stimme anstellte, erinnerte häufig an Kate Bush – sehr toll! Aber auch die traditionellen Stücke, bei denen Eivør allein auf der Bühne war und sich selbst mit einer großen Rahmentrommel begleitete, konnten uns überzeugen. Mit Stücken wie „Trollabundin“ zauberte die Künstlerin eine fast magische, schamanenhafte Stimmung ins Heidnische Dorf, was zu diversen Gänsehautmomenten führte. Unbestritten war dieser Auftritt ein wahres Highlight! Wenn ihr im Herbst die Möglichkeit habt, die Sängerin auf ihrer Tour zu besuchen – nutzt das aus, die Frau ist großartig und ihre Auftritte sind sehr beeindruckend! – by Pitchfairy

Mit diesen Eindrücken im Herzen begaben wir uns zurück in unsere Unterkunft, schließlich lagen noch drei Festivaltage vor uns und die wollten wir ausgeruht antreten. – by Pitchfairy

Das 27. Wave-Gotik-Treffen stand in diesem Jahr an und, wie sollte es auch anders sein, wir waren für euch mittendrin. Vier Tage voller Musik, Events und Angeboten – quer über die „schwarze“ Stadt Leipzig verteilt, wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. Das sahen auch 20000 Besucher aus der ganzen Welt so und so wurde es ein absolut gelungenes Treffen der dunklen Szene. – by Scratchcat

gen-zx

Für uns startete das Treffen im Non Tox. Pünktlich zum Einlass waren wir vor Ort und da waren wir noch fast ganz allein – die Besucherschar ließ hier leider noch ein wenig auf sich warten. gen-zx – die erste Formation des Tages – legte mit geringer Verspätung los. Das Duo absolvierte hier seinen „allerersten Auftritt“ und war entsprechend aufgeregt. Im Hintergrund war ein Video zu sehen, das mich sehr an HAL 9000 aus dem Kinofilm „2001“ erinnerte. Frontmann Marko begrüßte die wenigen Zuschauer mit den Worten: „Hallo – schön hier das WGT zu eröffnen.“ Zur Musik tanzte er herum und stellte auch seinen Kollegen Jan vor. Marko selbst stand 1991 das letzte Mal auf einer Bühne und fand es richtig gut. Der Sound war ebenfalls super und die Formation hatte echt Potential – eingängige Beats und die raue Stimme Markos passte gut dazu. Nach und nach hießen uns die beiden „Welcome to my hell“. Die Videoshow im Hintergrund zeigte immer wieder recht psychedelische Bilder, aber eigentlich ging es ja nur um die Musik und die kam recht gut an. Und weil es noch so kalt war an diesem Tag, wurde mitgewippt. – by Scratchcat

Neustrohm

Wenig später übernahm Neustrohm das Ruder. Die Bühne wirkte fast etwas leer, weil nur Lutz und seine ganze Technik zu sehen waren. „Non Tox – Hallo, ich bin Neustrohm“, so stellte sich der Künstler kurz selbst vor und dann krachte es aus den Boxen. Der Bass und der Rhythmus gingen direkt ins Tanzbein. Lutz drehte an den vielen kleinen Knöpfchen und war ganz in seiner Musik vertieft, während das Logo des Projektes auf der Videoleinwand herumschwirrte. Für mich war das Ganze eine gelungene Mischung aus Industrial- und Technoklängen und der Ohrwurm des Tages war definitiv das „Tetris“-Cover – der Sound des Kultgames im Technostyle – coole Sache! Das Ganze kam gut ohne Gesang aus und war gut gegen die Kälte – Tanzen machte warm. – by Scratchcat

Brigade Enzephalon

Weiter ging es dann mit Spaß – dargeboten durch die Brigade Enzephalon. Das Trio betrat die Bühne und Frontmann Kim meinte: „Die Brigade Enzephalon meldet sich zum Dienst.“ Dabei hielt er eine Fahne mit dem Bandlogo in Händen. Dieses Logo prangte auch vor den beiden Keyboards von Tom und Denny und alle drei trugen sie eine Kampfweste und Sonnenbrillen. „Leipzig – einen schönen guten Tag – wollt ihr tanzen?“ Die mittlerweile etwas zahlreichere Zuschauerschar bejahte das und so ging es gemeinsam in die Vollen. Kim war der geborene Frontmann und heizte mächtig ein, während er immer wieder hin und her lief. Mit der Ansage: „Wir lieben elektronische Musik“ ließen uns die Herren ihre „Stimmen im Kopf“ hören – „eine liebliche Nummer für den Sonntagmorgen“. Weiter ging es dann mit Werbung für ihre kommende CD – wir sind sehr gespannt darauf. Mit Roboter-Bewegungen wurden die eigenen Klänge betanzt und auch das Publikum hatte Freude an den Sounds. Dass das Trio Sea Shepherd unterstützte, verrieten sie, als sie „Roter Sand“ darboten – damit „protestieren wir gegen die Abschlachteaktionen der Färöer-Inseln“. Das war doch mal eine offene Ansage – leider wollte Sea Shepherd dieses Lied noch nicht als offizielles Lied für sich annehmen – vielleicht kommt das ja noch. Die Besucher des Non Tox fanden es auf alle Fälle super und spendierten dafür ein kleines Meer aus Armen. Auch der weitere Gig machte mächtig Laune und wir danken der Brigade für ihren guten Dienst! – by Scratchcat

Audiotherapie

Ich persönlich hatte mich sehr auf den Auftritt von Audiotherapie gefreut – hatte ich Frontmann Olli und seinen Kollegen Dr. Molle noch nie live erleben dürfen. „Einen wunderschönen guten Tag“, so die knappe Begrüßung an die Zuschauer – Olli war sehr nervös, aber das war vollkommen unbegründet. Los ging es mit „Healing hands“, wo die beiden mit zweistimmigem Gesang begeisterten. Dabei wurden sie in grünes Licht getaucht. Der Sänger lief immer wieder auf der Stage auf und ab und vertiefte sich voll und ganz in seine Texte, während Molle am Keyboard in die Tasten haute. An diesem Tag hatte das Duo ihre „ganz neue“ CD mit am Start – sie war direkt aus dem Presswerk mit zum WGT gekommen. Und daraus hörten wir auch sofort einige Stücke – wie etwa „Amok“. Dabei sang Olli die 1. Reihe an und Molles Stimme war durch einen Verzerrer leicht entartet. In „Stay“ ging es um Freundschaften – überhaupt waren die Songtexte mehr als tiefgreifend und absolut schön und ehrlich. Ich nahm Olli wirklich jede Silbe ab – war sowieso alles audiobiographisch. Und damit es nicht nur melancholisch blieb – „Audiotherapie goes EBM“, Der Beat wurde etwas flotter, doch die Intensität der Zeilen ließ auf keinen Fall nach – die Zeile „Ich schäme mich für dich“ machte irgendwie betroffen. Ich habe es sehr genossen und auch die Fans hatten hier ihren Spaß. Das muss auf jeden Fall mal wiederholt werden! – by Scratchcat

The Eden House

Dann mussten wir aber in die Spur – die Location wurde gewechselt und von der Kühle im Non Tox ging es los unter das Dach der Agra-Halle. Moderator Oliver Klein hieß die Besucher „Herzlich Willkommen zum WGT 2018“. Und dann ging es los mit The Eden House. Die beiden Sängerinnen Louise und Meghan-Noel sahen wahnsinnig schick aus und sie begeisterten auch mit ihrem tiefen mehrstimmigen Gesang. Das Licht strahlte die Musiker von hinten an, was toll wirkte. Wenig später kam auch Frontfrau Monica Richards nach vorn und die Fans jubelten ihr zu. „Hello there WGT“, so ihre ersten Worte. Der Tanzstil der drei Sängerinnen war recht lasziv und passte super zur Musik. Die Band, die aus vielen großen Namen bestand, wie etwa Tony Pettitt von Fields of the Nephilim oder Simon Rippin von Red Sun Revival, gab alles und trotz kleiner technischer Probleme bei der Gitarre ging es mit guter Laune immer weiter. Für mich bot diese Formation mit Stücken wie „Neversea“ den wahren Wave-Gotik-Treffen-Sound. Bei „Misery“ war alles in rot und weiß getaucht und die Damen begeisterten damit, dass sie sich gegenseitig im Töne lang aushalten übertrafen. Und so ging es immer weiter – der richtige Start in dieses Festival-Wochenende. – by Scratchcat

Seigmen

Und endlich war es soweit – darauf hatten die Fans und auch wir ganze 20 Jahre gewartet. Seigmen aus Norwegen standen endlich mal wieder auf einer deutschen Bühne. Wer nicht weiß, wer das ist – das ist sozusagen der Vorläufer von Zeromancer. Nach einem Intro kamen die Jungs nach vorn und wurden mit Jubel begrüßt. Mit einem kurzen „good evening“ begrüßte Frontmann Alex seine Fans und dann erklang „Performance Alpha“. Seine Stimme kam echt gut rüber und die Gitarre von Kim begeisterte. Trotz des vielen Nebels war die Band immer wieder zu sehen und jedes Mal feierte die Menge mächtig ab. Der dreistimmige Gesang von Alex, Kim und Marius ging unter die Haut. Die Lichtshow war mal wild und wirr und mal wurden die Musiker von hinten angestrahlt – eine Augenweide. Stücke wie „Ohm“ ließen die Zuschauer abtanzen. Alex stand immer wieder auf einer Box am vorderen Bühnenrand und Kim lief auf der großen Stage hin und her. Bei den Instrumentalpassagen machte der Sänger Pause und verschwand im Hintergrund, während die Herren an den Instrumenten alles gaben. Bei „Trampoline“ hingegen faszinierte der Frontmann mit einem tiefen Brummen in seiner Stimme – die Arme der Fans waren hier oben, denn diese Stimmung war förmlich zu greifen. Auch Kim gab sich die Ehre als Leadsänger bei „The modern end“. Im Anschluss meinte er: „Wir sind Seigmen aus Norwegen und das ist das 1. Mal seit 20 Jahren in Deutschland“. Die Fans sangen laut mit und die Herren waren sichtlich ergriffen. Und was der absolute Wahnsinn war, war „Agnus dei“ – dargeboten von Marius, der eine ausgebildete Opernstimme hat. Das war Gänsehaut pur! Die Spielzeit war viel zu schnell vorbei – wir hätten noch Stunden zuhören können. Na hoffentlich dauert es nicht wieder 20 Jahre, bis wir Seigmen wieder einmal live erleben dürfen. Das war definitiv unser WGT-Highlight! – by Scratchcat

Schandmaul

Im Anschluss gab es einen kompletten Stilwechsel – wie wir es ja auch vom WGT gewohnt sind. Nun gab es „Fiddlefolkpunk“ auf die Ohren, denn Schandmaul waren an der Reihe. Während des Intro kamen die Damen und Herren einzeln nach vorn. Alle lächelten sie in die Menge und so ging es gemeinsam los – „Vor der Schlacht“. Thomas war gut drauf und lief anfangs noch hin und her. Der Sound hätte hier etwas besser sein können, aber die Lichtshow ließ nichts zu wünschen übrig. An der Geige war an diesem Abend Ally the Fiddle mit an Bord und sie und Birgit hatten ihren Spaß zusammen. Dabei sahen sie in ihren kurzen Kleidern echt gut aus. Die Zuschauer klatschten im Takt mit. „Schönen guten Abend – es ist schön, bei euch zu sein“, meinte Thomas und nahm sich einen Hocker. Erst eine Woche zuvor hatte er eine OP über sich ergehen lassen müssen und so ging es im Sitzen weiter mit „Der Hofnarr“. Dabei wurde er von unten angeleuchtet, was toll wirkte. Die Stimmung nahm immer weiter Fahrt auf und bei „Leuchtfeuer“ sangen die ersten Reihen lautstark mit. Die Arme des Publikums bildeten ein Meer, das hin und her wogte. Genauso blieb es dann auch bei „Lichtblick“ – einem Klassiker der Formation. Ally bangte was das Zeug hielt und während Ducky sein Gitarrensolo gab. – by Scratchcat

Diese gute Laune steckte wahrlich an, aber wir waren für diesen Tag echt durch und machten uns schon auf den Weg in unsere Unterkunft. Die verschiedenen Musikstile waren absolut ein toller Querschnitt durch das Angebot des diesjährigen WGT – und so sollte es weitergehen. – by Scratchcat

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Autor: Pitchfairy & Scratchcat

Photos: Michi & Pyro

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