27. WGT: 18.-21.05.2018 Leipzig – Tag 3

Den dritten, sehr sonnigen Festivaltag begannen wir im Heidnischen Dorf, wo die Security mit den Massen am Einlass fast ein wenig überfordert war. Die Schlange zog sich bis zur Hauptstraße hinauf, weil so viele Tagesgäste den Mittelaltermarkt am Torhaus Dölitz besuchen wollten. Bändcheninhaber hatten es da theoretisch leichter und gingen direkt durch.  – by Pitchfairy

Impressionen

Wir schlenderten über das Gelände, sahen uns kurz Nytt Land aus Russland auf der Hauptbühne an, konnten aber mit den ritualartigen Klängen am hellen Nachmittag nicht so richtig warm werden. Es war wirklich sehr voll – Memo an uns: sonntags nicht ins Heidnische Dorf gehen! Aber wir wollten ja sowieso in die AGRA, also ging es wieder zurück zur Hauptlocation des Treffens, wo wir die Ständehalle in Augenschein nahmen. Dort gab es in diesem Jahr neben den „üblichen Verdächtigen“ leider weniger kleine und ausgefallene Handwerkerstände, sondern hauptsächlich Waren „von der Stange“. Cool fanden wir allerdings den Massageservice, der rege genutzt wurde. – by Pitchfairy

Torul

Das Abendprogramm in der AGRA stand im Zeichen des Synthpops und startete am Sonntag mit Torul aus Slowenien, die auf eine gut gefüllte Halle schauen konnten. Das Trio ist ein Partygarant und hatte auch jede Menge Tanzflächenfüller im Gepäck. Es ging fluffig-poppig durch die Setliste und auch die aktuelle Single „You Won“ wurde präsentiert. Das Publikum ließ sich auch nicht lange bitten und tanzte, klatschte und sang sehr textsicher mit, was die Musiker auf der Bühne sichtlich begeisterte. Fast schüchtern bedankten sich die sympathischen Slowenen am Ende des Auftritts und nahmen tosenden Applaus in Empfang. Ein sehr schöner Start in den Abend, danke dafür! – by Pitchfairy

Xenturion Prime

Weiter ging es mit Xenturion Prime aus Norwegen, die alle mit abgefahrenen Brillen ausgestattet waren. Diese begannen im Verlauf des Sets auch zu leuchten, was leider in der Lichtshow unterging. Alles in allem erinnerte die Aufmachung der Bühne und der Band an die Transformers, was auch im Bandlogo deutlich zu sehen war. Musikalisch ging es ebenfalls in Richtung Synth- und Futurepop, wurde aber leider schnell eintönig. Da fehlte uns persönlich das gewisse Etwas. Schade! Wir wippten trotzdem noch eine Weile im Takt mit, bevor wir kurz an die frische Luft gingen, denn in der Halle war es ziemlich warm geworden. Drinnen tanzten die Fans und hatten ihre helle Freude an dem Konzert – alles richtig gemacht, Xenturion Prime! – by Pitchfairy

Elegant Machinery

Mit Kaffee und einem Snack versorgt betraten wir pünktlich zum Auftritt von Elegant Machinery wieder die Konzerthalle, wo Moderator Elvis (er hatte bereits am Samstag den „Ansager“ gegeben) den Wahl-Erfurter und seine schwedischen Bandkollegen ankündigte. Auch Robert Enforsen hatte ein dickes Paket an Hits und Klassikern geschnürt, das er nun auf die Bühne brachte. Der Sänger wirbelte über die Stage, während seine Musiker in schicken Anzügen an ihren Keyboards standen und in die Tasten hauten. Tracks wie „Entwined“, „Hard Rain (Watching You)“ und zum guten Schluss auch noch „Save Me“ ließen kein Tanzbein ruhig stehen und sorgten für die perfekte Partystimmung. Der Mann ist eben Profi und schon lange im Geschäft, das war deutlich spürbar. Nichtsdestotrotz freute sich der Sänger wie ein Kind über den Applaus und genoss den Moment. Sehr cool, Mr. Enforsen – well done! – by Pitchfairy

Solitary Experiments

Je später der Abend, umso schöner die Gäste – das bewahrheitete sich auch an diesem Tag. Neben Elvis stand nämlich als nächstes auch Dr. Mark Benecke auf der Bühne, um die folgende Band willkommen zu heißen. Gemeinsam kündigten sie Solitary Experiments an, die bereits im Vorfeld des Konzerts viele kleine Fähnchen verteilt hatten und die sie nun zum „Fähnchenappell“ einforderten. Sänger Dennis freute sich, dass seine Band endlich einmal in der AGRA spielen durfte und war auch ein bisschen gerührt über den Empfangsapplaus. Die Herren in den roten Hemden hatten an diesem Sonntag ganz klar den Auftrag, eine Menge Tanzorphine zu produzieren und das ist ihnen auf jeden Fall gelungen. Mit einem feinen Festivalset erzeugten Dennis und seine Kollegen lächelnde Gesichter, eine tanzende AGRA und tosenden Beifall nach jedem Stück. Als Dennis verkündete, dass im August ein neues Album kommt, wollte der Jubel des Publikums gar nicht mehr enden und so gab es „I am“ gleich noch als Vorgeschmack. Die Drummer Frank und Sebastian verausgabten sich an ihren Schlagzeugen, Dennis tanzte auf der Bühne, Michael und Markus standen ganz cool an den Keyboards – und das Publikum feierte, als ob es kein Morgen gäbe. Ein großartiger Co-Headlinerauftritt, den die Herren aus Berlin da abgeliefert haben. Wir empfehlen in jedem Fall einen Besuch der Tour im Herbst, es lohnt sich! – by Pitchfairy

De/Vision

Auch der Headlinerslot des Abends war mit einem Urgestein besetzt, denn De/Vision feiern in diesem Jahr schließlich schon ihr 30. Bandjubiläum. Sie hatten ihr aktuelles Album „Citybeats“ im Gepäck und freuten sich auf den Gig. Mit viel Applaus wurden auch Steffen Keth und Thomas Adam begrüßt und legten direkt los. Der Frontmann hätte jeden Dave-Dancing-Wettbewerb gewonnen mit seinen Tanzbewegungen und diese Stimme geht mir persönlich jedes Mal unter die Haut. Die Band ließ es ein wenig ruhiger angehen als ihre Vorgänger, so wurde aus der wilden Tanzfete in der AGRA jetzt eher ein kollektives Mitwippen und im Publikum gab es jede Menge selig-lächelnde Menschen zu sehen. Die teilweise fast technoiden Beats gingen jedoch extrem ins Ohr – das hat uns gut gefallen! Wir verließen aber nach gut der Hälfte des Auftritts die Halle für ein spätes Abendessen und hörten von der Zwischenhalle aus noch ein wenig zu. – by Pitchfairy

The Jesus and Mary Chain

Wir blieben noch zum Mitternachtsspecial, das von The Jesus And Mary Chain bestritten wurde. Diese Band war die erste, die für das WGT 2018 bestätigt wurde, was die Fans in wahre Begeisterungsstürme verfallen ließ. Wir waren gespannt, denn bis dahin hatten wir die Band noch nie live gesehen. Die Schotten gelten als Gothic-Noise-Rocker und so wurden die Anwesenden mit einem Geräuschteppich beschallt. Nichts für uns, zumal wir weder Lieder erkannten noch genau ausmachen konnten, was der Sänger in seinen Ansagen erzählte. Sorry, das war nicht unser Ding und so verschwanden wir schnell in unsere Ferienwohnung. – by Pitchfairy

Axel Hildebrand

Die Wärme des Vorabends setzte sich am Sonntag auch im Freien weiter fort. Als erstes machten wir uns auf ins Heidnische Dorf. In der prallen Sonne schlenderten wir die zahlreichen Stände ab, wo sich oftmals lange Warteschlangen bildeten. Es war echt voll und schon am Einlass war die Schlange so lang, dass die letzten schon fast an der Hauptstraße zur Agra hin standen. Auf der Brunnenbühne hatte sich der Autor Axel Hildebrand angesagt und da mussten wir selbstverständlich dabei sein. Mit einer „Pornobrille“ auf der Nase, saß er in der prallen Sonne und gab uns Ausschnitte aus seinem neusten Buch „Aussen – Asgard – Tag 2“ zum Besten, schließlich war er ja „auf die bescheuerte Idee“ gekommen, „Geschichten über Loki und Thor zu schreiben“. Wieder trug er die Dialoge zwischen den zwei Göttern in „einem bunten Reigen an verschiedenen Stimmen“ vor – „also zwei“. Das war wie immer sensationell. Zuerst hörten wir die Geschichte „Best of the Best“, in der Thor aus „Personalmangel“ in Asgard eine Art Castingshow veranstalten wollte – „Wir suchen die Supergötter“. „Am dringendsten wäre ein Schutzgott für kein W-Lan“. Dies rief beim Publikum einen Beifallsausbruch aus – sie waren also der gleichen Meinung. Ob nun solche „Supergötter“ gefunden wurden – das möchte ich nicht verraten. Lest es am besten selbst nach. In „Carpe diem“ ging es darum, dass Thor sich ein Tattoo stechen lassen wollte und über das Motiv oder den Text nachdachte. Loki hingegen wollte es ihm ausreden und sorgte mit seinen Begründungen und lockeren Sprüchen für diverse Lacher bei der Zuschauerschar, die tapfer in der Sonne ausharrte. Des Weiteren erfuhren wir, dass auch in Asgard der „Parkraum“ knapp wurde, denn „Parkplatzbewirtschaftung“ wurde nun auch dort eingeführt. Außerdem entwickelte Loki eine neue Art von „Terrorzelle“ – „Metterror“ mit „Selbsttrinkanschlägen“ war seine Idee – „alle in Grund und Boden saufen“. Das sei viel gesünder und bringe das Heidentum wieder ins Spiel in diesem „Krieg der Religionen“, der ja sowieso nur so etwas wie „ein Verdrängungswettbewerb“ sei. Denkt mal drüber nach! Die Lesung von Axel war viel zu schnell vorbei und nicht wenige Zuschauer holten sich gleich ein Exemplar des Buches beim Autor ab, natürlich mit persönlicher Widmung. – by Scratchcat

Cellar Darling

Nachdem wir viel Sonne getankt hatten, ging es für uns wieder in den Felsenkeller, wo an diesem Tag Metal angesagt war. Als Erstes stand Cellar Darling aus der Schweiz mit Folk-Metal auf dem Plan. Die Formation um Frontfrau Anna, die viele sicherlich noch von Eluveitie kennen, startete mit gutem Sound durch. Bassist Ivo hatte eine Kapuze auf dem Kopf und die Sängerin sah einfach toll aus. Sie hatte ihre Drehleier auf einem Stativ fixiert, so dass sie immer wieder bei „Black Moon“ befreit hin und her laufen konnte. „WGT – wir sind Cellar Darling aus der Schweiz“. Die Gitarristen rockten sich gegenseitig an und heizten nicht nur sich gegenseitig, sondern auch dem Publikum ein. Vor und auf der Stage flogen die Haare durch die Luft. Anna war in ihrem Element und sang mit Hingabe. Die Zuschauer ließen sich von der guten Laune anstecken und klatschten im Takt mit. Zu „Avalanche“ verkündete die Sängerin, dass dies ein „spezieller Abend“ sei – sie hatten einen musikalischen Gast mit am Start – Shi-Ran kam mit ihrer Geige hervor und begleitete die Band bei mehreren Stücken. Immer wieder waberten Nebelschwaden über die Bühne und unterstrichen so die Mystik der Texte. Bei „Six days“ griff Anna dann auch noch zur Querflöte – wie viele Instrumente spielt diese Frau denn noch? Wahnsinn! Weiter ging es mit Lieder wie „Under the oak tree…“ oder „Fire, wind & earth“. Der Gig kam super an und als Opener des Abends haben die Schweizer definitiv alles richtig gemacht – die Stimmung war echt klasse! Gern wieder… – by Scratchcat

Aeverium

Die nächste Formation war Aeverium aus Viersen dran. Selbst bezeichnet die Band ihren Stil als Alternative-Metal. Sie bieten außerdem etwas, dass es in der Metal-Szene nicht so oft gibt – gleich zwei Frontsänger. In diesem Fall sind es sogar ein Sänger (Marcel „Chubby“) und eine Sängerin (Aeva), die echt super miteinander harmonierten. Die Musiker wurden mit Jubel empfangen und dann ertönte „Do you remember“. Aevas Stimme war so kraftvoll, dass es mich fast umhaute. „Ist das schön, wieder hier zu sein“, so Chubbys begrüßende Worte. Zu „Distrust“ waren die Fäuste überall erhoben und die Gitarristen Michael und Lars rockten gemeinsam ab. Immer wieder stellten sie sich hierbei auf die Boxen am vorderen Bühnenrand und waren so auch noch in der letzten Reihe gut zu erkennen. Die beiden Sänger gaben ihr Bestes und sangen auch schon mal einzelne Zuschauer in den ersten Reihen an. „Lasst uns ´ne Party feiern“, war die Ansage, bevor „Hunted“, die aktuelle Single, erklang. Chubby hatte an diesem Tag wahrlich den Schalk im Nacken und meinte zu einzelnen Fans: „Der Lars und ich machen uns zur Hüpfburg für dich.“ Das sorgte für Lacher und ich fand es extrem erfrischend, dass ein Frontmann auch mal mit seinem Übergewicht kokettieren konnte. Außerdem begeisterte der vierstimmige Gesang der Band. Bei so einem Festivalgig durfte auch die „Quotenballade“ nicht fehlen und die gab es dann in Form von „The other side“ vom ersten Album der Band. Ich hatte hier wiederum viel Spaß und bin der Meinung, diese Formation müssen wir uns noch mal anschauen. – by Scratchcat

Pyogenesis

Eine weitere deutsche Band gab es dann, mit leichter Verspätung, auf Augen und Ohren – Pyogenesis aus Stuttgart. Beim Intro kamen „from the frozen north in the death winter“ alle Musiker einzeln nach vorn. Alle hatten sie Krawatten um den Hals und Hemden an – irgendwie war hier keine harte Musik zu erwarten – doch falsch gedacht. Das Quartett griff in die Saiten und rockte mächtig los. Der dreistimmige Gesang bei „This won’t last forever“ kam gut beim WGT-Publikum an. Bei den Soli posten Gizz und Malte ziemlich herum, aber das passte zu ihrem Stil. Das Anfeuern klappte allerdings nur bedingt – die Stimmung musste sich erst nach und nach wieder aufbauen. Wild und schnell war der Stil der Formation und die Mischung aus klarem Gesang und Gegrowle war schon recht fett. Die Scheinwerfer blitzten herum wie Strobo und unterstrichen den Takt von „A century in the curse of time“. Die Herren gaben alles und bangten nur so. Bei „Blaze, my northern flame“ wurde schließlich doch im Takt mitgeklatscht. Sänger Flo war so wild, dass er mal eben zu Boden fiel, aber er stand schnell wieder auf und sang beschwingt weiter. Der Funke war nun endlich übergesprungen und zu „Flesh and hair“ war in der Zuschauerschar richtig Bewegung. So sollte es sein! Der Sound war gut und die mehrstimmige Darbietung kam super an. – by Scratchcat

Dool

Mit einem Lichterstern und viel Nebel startete der Auftritt von Dool aus den Niederlanden. Beim Intro kamen die Musiker heraus und dann war Dark Rock angesagt. „The Alpha“ dröhnte aus den Boxen und schon flogen die Haare überall. Die vier Gitarristen gaben wahrlich alles und der zweistimmige Gesang kam gut rüber. Die Lichtstimmung hierzu war in weiß und grün gehalten. Das Stück „Golden Serpents“ bot wilde Gitarrensoli, wobei der jeweilige Herr am vorderen Bühnenrand stand und seine Künste zeigte. Die Stimme von Ryanne war leider hin und wieder etwas arg leise, aber die Fans feierten trotz allem gut ab. Immer wieder sang er mit geschlossenen Augen und legte viel Gefühl in den Text. Drummer Micha war wie ein Tier. Gitarrist Nick erinnerte mich in seinem Habitus und seinem Spiel immer wieder an John Frusciante von den Chili Peppers – ziemlich cool. Die Rhythmuswechsel in den Stücken fand ich persönlich ziemlich toll – das machte den Sound gleich noch interessanter. „Leipzig – guten Abend. You guys are looking fucking sexy.“ Das ist doch mal eine nette Begrüßung. Die Band hatte für uns „the songs of life and the songs of death“ im Gepäck. Die Mischung war gut und die Stimmung war entsprechend gehoben. – by Scratchcat

Tiamat

Den Abschluss bildete an diesem Abend die schwedische Kultformation Tiamat. Wieder war Einlass-Stopp im Felsenkeller, denn viele Fans wollten ihre Helden sehen. Fangesänge riefen die Musiker förmlich auf die Bühne. Bei einem Intro kamen die Herren auch schließlich nach vorn. Frontmann Johan trug Sonnenbrille und Basecap und sah irgendwie lustlos aus. Er breitete die Arme aus und ließ sich bejubeln. Es war wieder einmal sehr warm im Saal und die Menge feierte trotzdem los. Die tiefe Stimme Johans kam gut rüber und mit einer erhobenen Hand sang er drauf los. Nach jedem Stück verbeugte er sich ein wenig und hauchte ein „Thank you Leipzig“ ins Mikro. Die Musiker wurden in grünes und blaues Licht getaucht und Gitarrist Roger gab ein langes und beeindruckendes Solo zum Besten. Bei „Smell of incense“ nahm der Frontmann die Brille und den Hut ab – aber immer noch hatte er ein Kopftuch auf. Das Licht war nun lila und gelb und die Fans tobten schier. Überall wurde gebangt und gefeiert – nur der Sänger wirkte immer noch recht gelangweilt, was ich persönlich sehr schade fand. Das machte uns nicht wirklich Spaß und so überließen wir den Fans das Feld. – by Scratchcat

Dieser dritte Tag hatte uns geschafft – war es doch überall so warm. Und so machten wir uns auf, in unsere Betten zu kommen. – by Scratchcat

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Autor: Pitchfairy & Scratchcat

Photos: Michi & Pyro

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