27. WGT: 18.-21.05.2018 Leipzig – Tag 4

Scarlet and the Spooky Spiders

Der Montag stand für uns wieder einmal im Zeichen des Horror-Punk und wir freuten uns schon sehr drauf. Also ab ins Täubchenthal – pünktlich zum Einlass waren wir da und genossen noch ein wenig die Sonne in dem schicken Freisitz der Location. Den Anfang machten schließlich Scarlet and the Spooky Spiders aus Italien. Bassistin Death Wish sah in ihrem knappen Outfit sehr sexy aus. Sie und ihre Kollegen gaben sofort Gas. Passend zu den düsteren Themen der Texte waberte hier immer wieder Nebel über die gut gefüllte Bühne. Alle Künstler waren hier im Gesicht wie ein Totenschädel oder dergleichen geschminkt, was toll aussah. Die Gitarristen Evil und Lurch standen immer wieder beieinander und rockten ordentlich ab. „Hello Leipzig“, so die knappe Begrüßung durch Frontmann Scarlet. Immer wieder sangen auch die Herren an den Saiten mit, so dass es bisweilen dreistimmigen Gesang auf die Ohren gab. Der Sound war ganz gut und im Publikum wurde vom ersten Track an mitgewippt und getanzt. „Hope you enjoy“, war der zufriedene Kommentar der Band hierzu. Die Songs waren alle recht flott und so kam keine Langeweile auf, schon gar nicht, weil zwischendrin kaum Zeit zum Verschnaufen blieb. Drummer Emilio saß recht weit hinten auf der Bühne im Dunkeln – schade. Songs wie „20th Century Radio“ oder „Dr. Doom“ wurden beklatscht und die Fans hatten ihren Spaß. Death Wish stand immer wieder am vorderen Bühnenrand. Auch Scarlet war sehr präsent mit seinem großen Hut. Die Sonnenbrille hatte er irgendwann abgenommen und konnte so die Zuschauer beim Feiern beobachten. Das war ein guter Start in den Abend! – by Scratchcat

The Crimson Ghosts

Nach den Italienern sorgten dann The Crimson Ghosts für gute Laune. „Einen schönen guten Abend – wir sind The Crimson Ghosts aus Köln“, so stellte sich die Formation gleich zu Beginn selbst vor. Sie griffen in die Saiten und brachten die Zuschauer mit „Don’t follow“ zum Abtanzen. Dabei glänzten Frontmann Vlad und seine Kollegen mit Mehrstimmigkeit im Refrain. Der flotte Beat war extrem tanzbar und auch wir wippten gut mit. Die Gitarristen The Jackal und Monstro gaben alles und hatten Spaß an den eigenen Sounds. Bei einem Stück der aktuellen CD bildete sich sogar ein Moshpit direkt vor der Bühne – es wurde richtig wild. Gelbe Lichtstrahlen wanderten durch den Nebel und die Fans grölten die Textzeilen immer wieder lautstark mit, was die Musiker extrem freute. Die Frage „Lust auf Party?“ war fast überflüssig und wurde selbstverständlich mit lautem Gegröle bejaht. Weil es scheinbar noch nicht wild genug war, forderte Vlad zu noch mehr Pogo auf – diesem Wunsch wurde direkt Folge geleistet. Die Arme waren oben und kein Tanzbein stand still. Drummer Old Nick war wie das Animal aus der Muppet Show – er drosch nur so auf die Felle ein und seine Mitmusiker verausgabten sich bis zum Letzten. Diese energiegeladene Musik war absolut geeignet, um hier abzugehen und mitzubrüllen – geile Nummer! – by Scratchcat

The Fright

Bevor es mit The Fright weiterging, lief als Umbaumusik auch mal Musik von den Bee Gees – ein krasser Stilwechsel zum Rest des Abends – aber ich mag sowas gern. Oliver Klein kam schließlich hervor und kündigte die Band an. Beim Intro kamen die Herren vor und wurden mit Beifall begrüßt. Frontmann Lon trug eine Sonnenbrille und beeindruckte von Anfang an mit seiner vollen und coolen Stimme. Er und Bassist Kain harmonierten stimmlich echt super – ein Ohrenschmeichler. Das Licht war hier vorrangig in Rottönen gehalten. Bei „No one“ vom aktuellen Album sangen auch noch die anderen Gitarristen Kane und Danny mit – toll. Nicht nur das Publikum ging hier mächtig ab – auch die Musiker selbst drehten voll auf. „Endlich mal wieder schön, wieder hier zu sein“, Lon war sichtlich zufrieden mit der guten Stimmung im Saal. Helle Lichtkegel erleuchteten die Jungs von hinten, während sie am vorderen Bühnenrand alles gaben. Die Haare flogen nur so und nicht nur einmal wurde ich an Bands wie The 69 Eyes erinnert – die Show war mitreißend und absolut klasse! – by Scratchcat

Grave Pleasures

Moderator Oliver kam nach vorn und musste erst einmal einen Dank an die Crew der Location und an die Fotografen loswerden – das sorgte für großen Jubel. Doch dann war es Zeit für die Grave Pleasures aus Finnland. Damit war Post-Punk angesagt und die Musiker wurden freudig empfangen. Frontmann McNerney und Gitarrist Vanhanen sangen hier immer wieder im Wechsel, was für eine tolle Abwechslung sorgte. Ab und an klang es bei „Mind intruder“ stimmlich wie Elvis Presley – das hatte echt was. Dann war die Stimmlage mal hoch und gleich danach wieder tief – die Jungs hatten wirklich was drauf. Die Fans waren sichtlich zufrieden und applaudierten nach jedem Stück. „My friends – fear your fucking mind“, so kündigte McNerney den Beastmilk-Klassiker „Fear your mind“ an – die Band stand also zu ihren Wurzeln und spielte auch diese beliebten Tracks. Mit dieser Mischung aus alten und neuen Liedern ging es weiter und machte das zu einem absolut runden Set, dass die Zuschauer zum Tanzen und Abfeiern brachte. – by Scratchcat

The Other

Und dann war es endlich Zeit für den Headliner des Abends. Oliver Klein wurde noch schnell ein „vielen Dank für ein tolles WGT“ und „Applaus an Leipzig“ los und schon stürmten die Herren von The Other aus Köln bei ihrem Intro die Stage. Frontmann Rod meinte schelmenhaft: „Schön, dass ihr hier geblieben seid.“ Die Musik dröhnte los und vom ersten Ton an tobte der Moshpit vor der Bühne – die Fans hatten ihre Freude. Die Gitarristen Ben, Pat und Chris waren gut drauf und rockten wie die Irren. Rod sang mit Inbrunst und das Publikum tat ihm den Gefallen, bei jedem Stück laut mitzugrölen – das war eine absolut fette Party! Dann erbat die Formation Beifall für alle Bands des Abends, bevor es blutig weiterging – allerdings nur beim Liedtext. Passend dazu wurden die Musiker in rotes Licht getaucht. Hits wie „We are the Other Ones“ oder „Dreaming of the devil“ wurden mitgesungen und die Beifallsstürme pusteten die Jungs fast von der Bühne. Das nenne ich doch mal einen würdigen Abschluss für diesen gelungenen Horror-Punk-Abend. Und für uns war es außerdem ein absolut genialer Abschluss für das diesjährige Wave-Gotik-Treffen. Danke! – by Scratchcat

Das Wave-Gotik-Treffen neigte sich dem Ende zu, aber der Montag hielt noch ein paar Konzerte bereit. Wir hatten allerdings an diesem Abend unsere liebe Not mit der Planung und beschlossen „mal was anderes“ zu machen. Es ging also ins Haus Leipzig zum Postpunk, obwohl uns das Genre so gar nicht liegt. Die Location liegt ziemlich zentral und wurde vor ein paar Jahren rundumerneuert. Uns erwartete ein modernes Haus mit großzügig angelegten Sitzmöglichkeiten im Erdgeschoss, dem besten Eis der Stadt (von der Pinguin-Eisbar) und der wohl entspanntesten Security des Festivals. Im Obergeschoss befindet sich ein Foyer mit Bar und ein Saal, der sich bereits zu Beginn des Abends reichlich füllte. Trotzdem war es zu keiner Zeit zu voll oder unangenehm im Saal. – by Pitchfairy

Japan Suicide

Die relativ niedrige Bühne wurde zu Beginn auch gleich von Japan Suicide aus Italien gestürmt, die mit Tiermasken auf die Bühne kamen. Im Hintergrund lief ein Video, in dem ein Blutritual gezeigt wurde – sehr verstörend. Das Ganze wurde von Gitarrenklängen und weinerlichem Gesang begleitet und die Fans in den ersten Reihen begannen sich sofort im Takt zu wiegen. Da ich mich mit Postpunk so gar nicht auskenne, kann ich an dieser Stelle keine Lieder benennen. Die Band nahm nach dem ersten Track ihre Masken ab und zelebrierte eine gute Stunde lang ihre Musik, was vom Publikum auch entsprechend honoriert wurde. Wir sahen von der Bar im Foyer aus zu und schwatzten mit ein paar Freunden, die wir unverhofft getroffen hatten. – by Pitchfairy

Silent Runners

Die Umbaupause wurde von vielen genutzt, um kurz an die Luft zu gehen. Vor der Tür des Hauses Leipzig hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon eine ansehnliche Schlange gebildet, die gefühlt immer länger wurde. Im Saal machten sich derweil die Silent Runners aus den Niederlanden bereit für ihren Gig. Die noch recht junge Band aus Amsterdam präsentierte in erster Linie ihr aktuelles Album „The Directory“, das durchaus das Potential hat ins Ohr zu gehen. Sänger Dolf bewegte sich im Verlauf des Sets recht viel, lief herum, legte sich auf den Boden und schüttelte die Haare. Performancemäßig haben uns Silent Runners besser gefallen als die Opener, der Applaus des Publikums fiel auch freigiebiger aus. Nichtsdestotrotz verschwammen die Tracks nach einer Weile in unseren Ohren und wir überließen den Fans das Feld im Saal. Also gönnten wir uns ein Eis im Erdgeschoss und genossen noch ein wenig die Sonne vor der Tür. Die bereits erwähnte Warteschlange hatte sich indes noch vergrößert und viele mussten Geduld beweisen, um noch reinzukommen. – by Pitchfairy

Modern English

Als nächstes standen Modern English auf dem Plan, die schon seit 1979 im Geschäft sind. Die „alten Herren“ betraten in weißen Anzügen die Bühne und verbreiteten direkt eine derartige Präsenz, der wir uns nur schwer entziehen konnten. Der Saal war sehr voll und die Band wurde mit Applaus begrüßt. Modern English haben für mich an diesem Abend den „WGT-Sound“ schlechthin geboten – New Wave mit Gitarre und einer unaufgeregten Bühnenshow. Dabei hatten die Männer von der Insel eine Energie, die ihresgleichen sucht. Sänger Robbie forderte auch immer wieder zum Tanzen auf und machte dies auch vorbildlich vor, indem er über die Bühne wirbelte. Die Menge tanzte mit, klatschte im Takt und war auch ziemlich textsicher – wenn auch gothicmäßig zurückhaltend. Für uns war dieser Auftritt das Highlight des Abends. Das war sehr fein, Modern English! – by Pitchfairy

Trisomie 21

Trisomie 21 aus Frankreich wurde ebenfalls von vielen sehnsüchtig erwartet, im Saal wurde es nach der Pause wieder voller und auch an der Bar im Foyer drängten sich die Menschen. Ein Blick auf die Bühne war von unserem Standpunkt aus allerdings nur schwer zu erhaschen, weil sich vermutlich alle auftoupierten Iros und Robert-Smith-Gedächtnisfrisuren des Festivals hier versammelt hatten. Sei’s drum, es ging schließlich um die Musik. In der Tradition von The Cure und zum Teil mit feinem Synthpop hangelten sich die Franzosen durchs Set, wobei die Singstimme manchmal etwas wackelte. Schade! Zum Schluss gab es noch – wie originell – „The Last Song“ und dann wurde die Band mit viel Beifall verabschiedet. – by Pitchfairy

Chameleons Vox

Den Headliner im Haus Leipzig gaben Chameleons Vox, die Schlange vor der Location hatte sich nun endlich auch aufgelöst und der Saal war brechend voll. Die Band aus Manchester blickte auf ein gespanntes Publikum. Die Fans warteten auf die Klassiker, schließlich liegt die letzte Veröffentlichung der Band schon ganze sechzehn Jahre zurück. Und sie wurden nicht enttäuscht, die Formation um Frontmann Mark Burgess wurde ihrem Headlinerposten mehr als gerecht. Das Publikum klatschte und sang viele Tracks mit. Es wurde sich im Takt bewegt – viel Platz zum Tanzen war ja nicht mehr – und für jedes Lied gab es anständig Beifall. Wir schauten noch eine Weile vom Foyer aus zu und beschlossen das diesjährige Wave-Gotik-Treffen mit einem letzten Eis, bevor wir in unser Quartier zurück fuhren. Unser Verhältnis zu Postpunk ist nach diesem Abend immer noch ein Gespaltenes, sorry! – by Pitchfairy

Fazit:

Das 2018er WGT hielt wieder für jeden Geschmack etwas bereit, wenn auch die Verteilung der Bands zu diversen Planungsschwierigkeiten führte. Wir haben jedoch alles gesehen, was wir uns vorgenommen hatten und bereuen kaum etwas davon. Besonders gefallen hat uns die entspannte Security überall, die uns auch das eine oder andere Mal zum Lachen brachte. Danke für euren Einsatz! Nicht so schön fanden wir die Massen im Heidnischen Dorf, manche Tagesgäste können echt anstrengend sein – besonders wenn sie die WGT-Gäste anstarren und sich über sie lustig machen. Das finden wir uncool! Gefehlt hat uns der Kohlrabizirkus als „große“ Location, so kam es an anderen Spielstätten häufig zu langen Warteschlangen und enttäuschten Besuchern. Ansonsten haben wir nur auf hohem Niveau zu jammern, denn Verpflegung an den Locations, Getränkepreise und das ganze Drumherum war für uns gut bis sehr gut. Auch die Ausstellung im Treffencafè gab wieder interessante Einblicke in die Arbeiten der ausstellenden Künstler. Für uns ein wichtiger Programmpunkt, wenn wir schon so vieles anderes nicht schaffen. Und wie jedes Jahr nahmen wir mit einem weinenden und einem lachenden Auge Abschied von der Metropole, die uns auch nächstes Jahr wieder rufen wird, wenn es heißt: herzlich willkommen zum 28. Wave-Gotik-Treffen! – by Pitchfairy

Das 27. WGT war wieder einmal gefüllt mit viel Musik und tollen Menschen. Immer wieder gab es technische Probleme, die zu erheblichen Verzögerungen führten, oftmals war es zu warm in den Locations, aber insgesamt war es durchaus super. Die Securities waren immer super drauf und freundlich. Die Gastro-Angebote waren, bis auf das Westbad, wo es nichts gab, absolut in Ordnung und schmackhaft. Die Festivalgäste waren allesamt gut gelaunt und haben aufeinander Rücksicht genommen. So soll es sein und so wünschen wir uns auch das Wave-Gotik-Treffen 2019. Wir sind wieder dabei – und ihr? – by Scratchcat

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Autor: Pitchfairy & Scratchcat

Photos: Michi & Pyro

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