28. WGT: 07.-10.06.2019 Leipzig – Tag 1

Das Wave-Gotik-Treffen 2019 wurde von der „schwarzen Szene“ wieder sehnsüchtig erwartet und auch das Team von UnArt war für euch wieder unterwegs. Wir hatten wieder einmal eine tolle Ferienwohnung im Herzen der Stadt gefunden und von dort aus schwärmten wir alle vier Tage aus. – by Scratchcat

Das diesjährige Wave-Gotik-Treffen zog natürlich auch uns in die Messestadt. Wir konnten allerdings aus beruflichen Gründen erst am frühen Freitagabend anreisen und stürzten uns bei angenehmstem Festivalwetter direkt ins Getümmel des Heidnischen Dorfes. – by Pitchfairy

Coppelius

Auf Grund unseres „späten“ Erscheinens starteten wir mit Coppelius in das Festivalwochenende. Die Herren haben glücklicherweise ihre Konzertabstinenz wieder beendet und stürzen sich aktuell voller Elan in neue Aufgaben. Dazu gehörte auch der Auftritt in Leipzig, nicht zuletzt, um den neuen Mann am Schlagzeug live vorzustellen. So erhielt Herr Linus von Doppelschlag gesonderten Applaus, als er die Bühne betrat. Natürlich sparte das Publikum auch bei den anderen Herren nicht mit Beifall, was den Musikern ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Um ihre Rückkehr auf die Festivalbühne entsprechend zu feiern, boten Coppelius einen Querschnitt durch ihr bisheriges Schaffen, was von den Zuschauern gebührend honoriert wurde. Es wurde den Aufforderungen von Butler Bastille und Le Comte Caspar mit höchster Präzision nachgekommen und mit den Herren getanzt und gesungen. Im Verlauf des Konzerts wurde Herr Linus noch einmal gesondert vorgestellt und bekam Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen, was er mittels eines eindrucksvollen Solos tat. Später ließ sich der Le Comte von Bastille auf den Schultern durchs Publikum tragen, was die ohnehin schon brodelnde Stimmung noch mehr anheizte. Chapeau, meine Herren Coppelius! Das war ein würdiger Rückkehrauftritt und für uns ein toller Start ins WGT. – by Pitchfairy

In Extremo

Wir blieben auch im Heidnischen Dorf, denn niemand Geringeres als In Extremo hatten sich angekündigt, was zu einer Zunahme an Publikum führte. Viele Gäste nutzten den Festivalauftritt der Mittelalterrocker, um einen Abend lang WGT-Luft zu schnuppern. Ungewöhnlich war der fast schon karge Aufbau auf der Bühne – kein aufwendiges Bühnenbild, keine auffälligen Pyrovorbereitungen. Dafür eine Menge Presse im Bühnengraben und viele gespannte Gesichter weit bis ins Heidnische Dorf hinein prägten das Bild. Die Band um Frontmann Micha Rhein erstürmte recht unspektakulär die Bühne und legte direkt los. Die Formation freute sich, auf dem WGT spielen zu können und bot uns eine Show ohne Show, wenn ich das so nennen darf. So pur habe ich In Extremo noch nie erlebt, das Ganze hatte fast etwas von einem Clubkonzert – und das stand der Band sehr gut zu Gesicht. Musikalisch setzten In Extremo auf ein Best Of-Set und führten die anwesenden Fans durch ihre Alltime-Klassiker. Das Publikum war – wie zu erwarten – sehr textsicher und spendete der Band viel Beifall. Überall waren selig lächelnde Gäste zu sehen, die friedlich feierten und trotz der Enge im Auditorium bereitwillig Platz machten, falls sich jemand mit einem Getränk in der Hand durch die Massen schlängelte. Alles in allem also ein gelungenes Konzert, bei dem einfach alles gestimmt hat. Mein spezieller Dank geht hier an In Extremo für diesen entspannten und unaufgeregten, aber sehr tollen Auftritt, der ganz ohne Schnickschnack auskam und mir ausnehmend gut gefallen hat. – by Pitchfairy

Viktorianisches Picknick

Los ging es für uns am ersten Tag des Treffens mit dem Viktorianischen Picknick im Clara-Zetkin-Park. Das Wetter hätte kaum besser sein können – na doch, ein wenig kühler wäre schon in Ordnung gewesen. Als wir im Clara-Park ankamen, war schon einiges los und alle Anwesenden hatten sich die schattigen Plätze auf den Wiesen gesichert, denn die Sonne brannte heiß vom Himmel. Genauso wie viele Picknickgäste waren auch Schaulustige da, die sich die tollen Roben der Picknicker ansehen wollten. Leider war dadurch an mancher Stelle kaum ein Durchkommen und die Picknick-Gemeinde konnte so keine speisende Gemeinschaft bilden. Sie saßen mal hier und mal dort  und zwischendrin war eben das Gewusel der „Normalos“, die ihren Spaziergang am Picknick vorbeiführten und alles mit ihren Handys knipsten – meist ohne vorher zu fragen, ob dies okay sei. Dadurch hatte das Ganze so gar kein Flair mehr – schade. Die wenigen aufwendig gekleideten Anwesenden wurden von allen Seiten begafft und fotografiert, aber oftmals ließen sie sich davon nicht stören und aßen einfach ihre mitgebrachten Kleinigkeiten. Für etwas musikalische Untermalung der Szenerie sorgte die Formation Feline & Strange. Der Eisstand am Musikpavillon bot zur Feier des Tages schwarzes Eis an, was bei diesen Temperaturen reißenden Absatz fand. Uns war aber der Grundgedanke des Viktorianischen Picknicks abgängig und so machten wir uns schnell wieder aus dem Staub – echt schade! – by Scratchcat

Das Ich

Dann sollte es musikalisch starten und so fanden wir uns pünktlich zum Einlass an der Agra-Halle ein. Den Opener gaben an diesem Treffen-Freitag die Herren von Das Ich – einem Szene-Urgestein. Die Herren an den beweglichen Keyboards kamen schließlich einfach nach vorn und los ging die Musik. Bruno Kramm haute in die Tasten und auf einer Videoleinwand wurde der Bandname eingeblendet. Den Anfang machte der Klassiker „Die Propheten“, bei dem Stefan und Bruno mit ihrem zweistimmigen Gesang für Begeisterung im zahlreich erschienenen Publikum sorgten. Stefans Gestik und Mimik waren einmal mehr sehr ausdrucksstark, wobei er so am vorderen Bühnenrand hin- und herlief beim Singen. Sie heizten ordentlich ein und die Fans sangen lautstark mit. „WGT – willkommen zum 28. Wave-Gotik-Treffen. Thank you family“, so die begrüßenden Worte der Band. Und schon erklang „Der Schrei“. Der Sound war gut und Musiker und Zuschauer hatten ihren Spaß. Vor und auf der Stage wurde zu den Beats getanzt – toll. Stefan sang zwischenzeitlich mit dem Blick gen Hallendecke gerichtet – als ob er zu Gott sprechen würde. Im Anschluss fragte Bruno fix ab, woher denn die einzelnen Zuschauer im Saal so kommen würden – den US-Amerikanern gab er Folgendes mit auf den Weg: „Ich hope you can go back in your country – you’re welcome here.“ Nach diesem Augenzwinkern stimmten die Herren „Kannibale“ an. Hier sangen auch die beiden Mitmusiker mit, so dass es vierstimmig aus den Boxen schallte. Die Arme waren oben und die Stimmung hätte nicht besser sein können. Bei „Das Dunkle Land“ war Brunos Gesangspart toll – was für eine Stimme! Die Zuschauer rasteten schier aus und Bewegung war echt überall. Der Start ins Festival war damit mehr als gelungen. – by Scratchcat

Forced To Mode

Wir machten hier aber eine Verschnaufpause und waren erst wieder zur nächsten Band in der Halle. Die Moderatoren Elvis und Oliver Klein begrüßten uns mit den Worten. „Hallo Leipzig. Herzlich Willkommen zum 28. WGT. Herzlich Willkommen schwarze Familie.“ Die beiden kündigten an, dass es doch eine „wirklich gute“ Möglichkeit gäbe, Depeche Mode zu covern, denn bei Forced To Mode wäre ein „Unterschied fast nicht zu hören“. Davon wollten sich die Massen im Saal auch überzeugen und schon war das Trio aus Berlin an der Reihe. Mit „Rush“ ging es in die Vollen und Frontmann Christians Stimme überzeugte sogleich jeden Zweifler. Wer hier die Augen schloss, hatte das Gefühl, da würden wirklich die Herren aus Basildon für uns spielen. Sofort wurde auch hier ausgelassen getanzt und mitgesungen. Auch die Lichtshow machte einiges her. Christian hatte mächtig gute Laune und wirbelte nur so auf der Bühne hin und her. „Hallo WGT“, so die knappe Begrüßung und dann griff er zum Mikrofonständer, schwang ihn sich über die Schulter und drehte sich Dave-like im Kreis. Zu „The sun and the rainfall“ lief ein Video auf der Leinwand im Hintergrund, während Gitarrist Matthias alles gab. Der zweistimmige Gesang sorgte für Beifall. „Wir freuen uns tierisch und waren sehr aufgeregt“ – das verriet der Sänger, bevor die Gitarre „World in my eyes“ einläutete. Die Menge grölte lauthals mit und das spornte das Trio immer mehr an. Bei „Behind the wheel“ musste selbstverständlich ein Video mit einem Auto gezeigt werden und im Publikum tanzte nun auch der Letzte noch mit, wenn nicht gerade im Takt mitgeklatscht wurde. Es war großartig! Als die ganze Halle schließlich den Refrain von „Stripped“ sang, hatte auch ich eine Gänsehaut. Auch Christian genoss diesen Augenblick mit geschlossenen Augen am Bühnenrand. Dann wurde der Platz am Mikrofon getauscht und Keyboarder Thomas kam nach vorn, um „Question of lust“ und „It doesn’t matter two“ darzubieten. Auch das sorgte für Gänsehaut und schmusende Pärchen. Der mehrstimmige Gesang war ein Ohrenschmeichler. Es folgte ein Hit „von 1985“ – gemeint war „Shake the disease“. Das Repertoire von Depeche Mode bietet so viele große Songs und Forced To Mode hatten ihr Set an diesem Tag wahrlich mit einigen der besten gespickt – wie etwa „Here is a house“ oder auch „Question of time“, bei dem Christian den berühmten Dave-Dance vorführte. Stolz waren sie vor allem, weil „nie niemals eine Coverband in der Agra“ gespielt hat zum WGT. Dieser Stolz war durchaus berechtigt, denn auch „Personal Jesus“ oder als Abschluss „Never let me down again“ kamen mega an. Das bekannte Arme-Meer beim letzten Song war grandios und alle waren wir durchgeschwitzt – sowohl Fans als auch Musiker. Alles richtig gemacht! Vielen Dank dafür! – by Scratchcat

Hämatom

Elvis verriet hiernach: „Es geht fett weiter“, denn nun standen Hämatom auf dem Plan. Als Intro lief hier ein Song von Eminem, den doch erstaunlich viele „Schwarze“ mitsingen konnten. Dann betraten Ost, West, Nord und Süd die Stage und griffen in die Saiten. Es war Metal-Zeit und Süd drosch auf seinem Podest auf die Drums ein. Die Zuschauerschar war im Vergleich zu der Vorgängerformation erheblich geschrumpft, aber die Anwesenden rockten dafür umso ausgelassener. Den Anfang machte „Zeit für neue Hymnen“ und hier warfen die Musiker direkt eine ganze Ladung Flyer in die ersten Reihen. Frontmann Nord rockte ordentlich ab und stand kaum einen Moment still. Der Sound war leider nicht der beste, nichtsdestotrotz verausgabten sich die Anhänger der Formation vor der Bühne. Bei „Mein Leben – Meine Regeln“ brüllten sie den Refrain laut mit und feierten das Drumsolo von Süd am Ende, bei dem er in einer Art Blitzlichtgewitter in Szene gesetzt wurde. „Einen wunderschönen guten Abend hier in Leipzig. Wir sind zum allerersten Mal auf diesem wunderschönen Festival“ – das verriet der Sänger stolz. Sogleich stimmte er „Ich hasse dich zu lieben“ an und ein Feuerwerk aus den Masken der Gitarristen sorgte für Szenenapplaus. Wir mochten den schlechten Sound so gar nicht und schnappten frische Luft im Freien. – by Scratchcat

White Lies

Als Mitternachtsspecial waren an diesem ersten Treffentag die Briten von White Lies angekündigt und die Fans des Trios warteten schon gespannt. Auch hier kamen die Musiker ohne eine vorherige Ankündigung nach vorn und wurden mit Beifall empfangen. Frontmann Harry strahlte und sang drauf los. Mit „Time To Give“ traf er ins Schwarze der Fanherzen und bei super Sound wurde hier abgefeiert. Der zweistimmige Gesang tat dann noch sein Übriges zur guten Laune im Saal. Die drei wurden immer wieder in Nebel und blaues Licht gehüllt und da sie sich kaum auch mal bewegten, waren sie so ab und an kaum zu sehen. Das machte aber nichts, denn hier ging es um die gute dargebotene Musik und dazu wurde mitgewippt oder getanzt. Der Rhythmuswechsel beim Stück „Fairwell to the Fairground“ war besonders cool und die Arme im Publikum waren oben zum Mitklatschen und Abfeiern. Das Blitzlichtgewitter auf der Bühne tat schon fast in den Augen weh, aber zum Glück war es schnell vorbei. Dafür war die Lichtshow beim Track „There goes our love again“ umso schicker anzusehen. „Gothic Wave – how’s it going?“, so die Frage an das Auditorium. Das Ganze wurde mit Jubel beantwortet und sorgte für zufriedene Gesichter bei den Dreien. Als schließlich dann „our first single from 2008“ angestimmt wurde, fand die Stimmung ihren Höhepunkt. Hier wurde mitgesungen und ausgelassen getanzt. – by Scratchcat

Wir wechselten noch einmal kurz an die AGRA, um dort etwas zu essen, ein paar Bekannte zu treffen und ein wenig Flair mitzunehmen, bevor wir uns nach einer Stippvisite bei den White Lies in unsere Unterkunft verabschiedeten. – by Pitchfairy

Das machte echt Spaß und mit einem Lächeln machten wir uns dann aber ab ins Bett – die Kräfte mussten schließlich noch für weitere drei Festivaltage ausreichen. – by Scratchcat

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Autor: Pitchfairy & Scratchcat

Photos: Chrounos

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