28. WGT: 07.-10.06.2019 Leipzig – Tag 4

Impressionen

Der letzte Festivaltag begann für uns wieder beim VEID e.V., denn wieder lockte ein tolles Programm. Als wir eintrafen, las Isa Theobald gerade aus der Anthologie „Dunkle Ziffern“. Über die aufgebauten Boxen vor der Tür lauschten wir ihr noch ein wenig. Zwei Geschichten stellte sie hier noch vor. Ihre Art vorzulesen, mit intensiver Intonation und Emotion in der Stimme, war wahnsinnig schön. – by Scratchcat

Janus

Derweil füllte es sich auf dem Platz vor dem VEID e.V. immer mehr, denn als besonderes Schmankerl hatten sich Janus in der akustischen Variante angekündigt. Als RIG und Toby dann endlich nach draußen kamen, war der Jubel groß. „Super, dass ihr alle seid“, so die einleitenden Worte des Sängers. Nachdem dann auch das „Peter Heppner Gedächtnisbüchlein“ mit den Liedtexten gefunden war, konnte es losgehen mit „ Halt dich an deinen Lügen fest“. Der intensive Gesang von RIG und das Klavierspiel von Toby bildeten eine großartige Harmonie und die Fans lächelten allesamt selig. Gute Laune war angesagt. Zu „Du siehst aus wie immer“ genossen die Zuhörer mit geschlossenen Augen die Darbietung, die einigen allerdings so nah ging, dass sogar Tränen flossen. Alte und neue Songs hatte das Duo dabei, denn auch ein Stück aus dem Jahr 1989 hatte es in das kurze Set geschafft. Bei „Sag doch was“ bellte und jaulte im Hintergrund ein Hund, was nicht einer gewissen Situationskomik entbehrte, aber die Musiker schmunzelten nur und gaben weiter ihr Bestes. Die Fans sangen die Texte ganz leise mit, denn niemand wollte diese wunderbare Akustikshow von Janus stören, so auch bei „Ein Hund, der sich hinlegt, wo er will“. RIG unterstrich hierbei den Gesang mit Gestik, was das Ganze noch intensiver machte. Seine Stimme kam super rüber und der Jubel nach jedem Stück schwoll immer mehr an. Hits wie „Das Gesicht“ oder „Was uns zerbricht“ waren Bestandteil der Darbietung. Und besonders grandios war das Leonard Cohen-Cover „Halleluja“, wozu das Duo einen deutschen Text gefunden hatte. Immer wieder rief die Formation zu Spenden für den VEID e.V. auf. Und „falls ihr immer noch einen Funken gute Laune verspürt“ – mit diesen Worten legte Toby los und „Anita spielt Cello“ wurde gesungen. Das sollte das Ende sein, doch die Fans forderten eine Zugabe, die es mit „Ein schwacher Trost“ auch gab. „Vielen Dank, dass ihr hergekommen seid. Wir haben uns sehr gefreut.“ Wir auch. Danke für diesen emotionalen und intensiven Auftritt. Das war definitiv eines meiner Highlights des WGT 2019! – by Scratchcat

Für den letzten WGT-Tag hatten wir uns einen ausgiebigen Besuch der Shoppinghalle auf dem AGRA-Gelände vorgenommen, denn das war bisher zu kurz gekommen. Beim Stöbern fanden wir neben den „üblichen Händlern“ auch eine tolle Gürteltasche aus recycelten Feuerwehrschläuchen und einen Illustrator aus Italien, der verschiedenste Zeichnungen, Fangoodies und Schriftbilder anbot. Wer von euch zum Beispiel schon immer mal einen personalisierten Hogwarts-Brief oder die Karte aus „Der Hobbit“ haben wollte, der kann sich gern bei uns melden – wir geben euch dann den Link zu seiner Webseite. Außerdem ist es unser persönliches Ritual, die Ausstellung im Treffen-Cafè zu besuchen, was wir dann auch taten. – by Pitchfairy

Nach einer letzten Abschiedsrunde auf dem AGRA-Gelände und einem Abstecher zum Auftritt von Patenbrigade:Wolff zogen wir noch einmal ins Heidnische Dorf, wo wir uns Knasterbart anschauen wollten. Im Hinterkopf hatten wir allerdings die amtliche Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes und hofften, dass uns der angekündigte Starkregen keinen Strich durch die Rechnung macht. – by Pitchfairy

Patenbrigade:Wolff

In der Agra-Halle waren dann ganz andere Klänge angesagt. Moderator Oliver wurde von Mark Benecke begleitet, der meinte: „Ihr seid in Sicherheit“, denn er als Brigade-Arzt sei ja anwesend. Schnell verkündeten die beiden, dass die Patenbrigade:Wolff zum Wave-Gotik-Treffen einen exklusiven Pre-Sale ihres neuen Albums anbot. Hierauf sei „Musik der besten Art, die Ost und West vereint“. Und schon stürmten der Brigadier Wolff und Lance die Stage. Hinter ihren Keyboards gaben sie den Takt mit leuchtenden Drumsticks an. Den Anfang machte der „Ostberliner Bauarbeiter“, wo die Fans direkt mitklatschten. Beim nächsten Track kamen auch die anderen Bauarbeiter nach vorn und Antje stimmte „Feind hört mit“ an. Sie sah wie immer bezaubernd aus und ihre Stimme war der Hammer. Stefan und Andre brüllten den Refrain durch eine Art Flüstertüte in die Menge. Hits wie „Stalinallee“ oder „Fehler 404“ durften an diesem Tag nicht im Set fehlen. Stefan sang lässig und immer wieder hatten die Herrschaften ein Brigadierbier in der Hand. Auf der großen Videoleinwand wechselten sich Livebilder und andere Videos ab. Bei „Freunde der Technik“ kam ein „Roboter“ nach vorn, der einen Teddybär auf den Schultern trug. Andres Stimme bei „Die Brücke“ war anfangs etwas leise, aber schnell hörten wir ihn besser, so das „Im Eis“ richtig gut durch die Halle dröhnte. Als Wolff zu „TU 144“ den Text technisch verzerrt zum Besten gab, dirigierte Andre die feiernde Menge, die zu den Beats tanzte. Auch neue Songs vom neuen Album waren dabei und hier brillierte Antje mit ihrer Stimme wieder einmal. Die Mischung war toll und wir hatten richtig viel Spaß. Es wurde getanzt und mitgesungen und die Bierpipeline durfte selbstverständlich auch nicht fehlen, worüber sich die ersten Reihen richtig freuten. Danke Patenbrigade:Wolff – wir kommen gern wieder. – by Scratchcat

Knasterbart

Die Formation Knasterbart, die einen Teil der Musiker von Versengold, Mr.Hurley himself und Mitgliedern der Rockband Afterburner vereint, bezeichnet ihre Musik selbst als Gossenfolklore – basierend auf einem Ort namens „Die Gosse“ beim LARP-Event Conquest of Mythodea. Entsprechend abgerissen und „verdreckt“ sind auch die Figuren und Bühnenoutfits der Band, die die Bühne enterte. Markenzeichen von Knasterbart sind neben folkiger Kneipenmusik auch die rotzigen Texte rund um das Bettlersein und das Leben als Taugenichts. Hierbei muss ich darauf hinweisen, dass ebenjene Texte so voller genialer Wortspiele und Anspielungen sind, dass es eine Freude ist, den beiden Sängern Hotze und Fummelfips (aka Malte Hoyer und Simon Erichsen) zuzuhören. Was haben wir zum Beispiel über „Mein Stammbaum ist ein Kreis“ gelacht und zusammen mit Fummelfips das „Gossenabitur“ abgelegt. Großartig! Damit hat sich die Band wahrlich kein Armutszeugnis ausgestellt, auch wenn sie davon berichtet haben. Wir hatten jedenfalls eine reichliche Stunde lang extrem viel Spaß mit Knasterbart. – by Pitchfairy

Nach diesem Auftritt verkündeten die Veranstalter dann, dass das Heidnische Dorf nun auf Grund des herannahenden Unwetters geräumt werden müsse, was unserer Ansicht nach sehr geordnet und entspannt vonstatten ging. Auch wenn sich einige Besucher darüber aufregten, dass Bannkreis und Tanzwut nun doch nicht auftreten konnten, fanden wir die Entscheidung richtig. Auf dem Weg zu unserem Auto fielen dann auch schon die ersten dicken Tropfen und wir waren froh, als wir halbwegs trocken im Auto saßen und durchs Gewitter Richtung Heimat düsten. – by Pitchfairy

Eigentlich wollten wir uns später noch die Auftritte von Bannkreis und Tanzwut ansehen, aber wegen des nahenden Unwetters wurde diese im Heidnischen Dorf abgesagt und des Gelände wurde evakuiert, da es eine behördliche Warnung gab. Das war zwar mega-schade, aber genau die richtige Entscheidung, denn was dann so an Wasser vom Himmel kam, war schon ganz schön arg. Wir sahen in der Stadt zwar einige Menschen, die im Regen tanzten, aber wir suchten das Trockene der Ferienwohnung auf. – by Scratchcat

Fazit:

Damit war das 28. WGT für uns recht abrupt zu Ende und wir brauchten eine ganze Weile, um runter zu kommen und uns verabschieden zu können innerlich. Wir hatten richtig viel Spaß und haben viele Freunde getroffen. Die musikalischen Darbietungen waren allesamt toll und es gab kaum technische Probleme. Auch wurde überall der zeitliche Plan super eingehalten – gut gemacht. An dieser Stelle ein Lob an alle Techniker und Helfer auf den Bühnen. Es hätte also nicht besser sein können und bis auf den letzten Tag hat auch das Wetter super mitgespielt. Danke für vier einzigartige Tage – wir freuen uns schon jetzt auf das WGT 2020. Sehen wir uns? – by Scratchcat

Unser diesjähriger WGT-Besuch war ein eher kurzer. Durch unsere Jobs konnten wir erst relativ spät anreisen und mussten Leipzig auch bereits Montagabend verlassen. Aber alles in allem war es wieder ein schönes WGT mit vielen Freunden, guter und nicht so guter Musik (die war zum Glück relativ selten), einer einmal mehr tiefenentspannten Security und tollen Begegnungen. Danke Leipzig, danke WGT – wir kommen sehr gern im nächsten Jahr wieder! – by Pitchfairy

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Autor: Pitchfairy & Scratchcat

Photos: Chrounos & Pyro

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