3. Kasematten Festival: 21.&22.04.2017 Sandsteinhöhle Langenstein – Tag 1

Bereits zum dritten Mal fand am 21./22.04.2017 das Kasematten Festival in der Sandsteinhöhle in Langenstein statt. An diesen beiden Tagen erwarteten die Konzertbesucher wieder besondere Live-Erlebnisse im Herzen des Harz.  Und wieder einmal waren auch wir für euch dabei.

NOVA-SPES

Pünktlich zum Einlass kamen wir vor Ort an und begrüßten sogleich das Orga-Team und alle Freunde. Dann warteten wir gemeinsam auf die erste Band des Festivals. Das waren dieses Mal NOVA-SPES. Die Leipziger Formation hatte eigentlich vor, hier ihren letzten Auftritt hinzulegen, wie Frontmann Matthias im Anschluss verriet, aber noch steht das nicht zu 100% fest. Doch nun erstmal zu diesem Gig hier in der Höhle. Das Licht ging aus und alle Anwesenden waren sehr gespannt. Eine Art Stummfilm-Video war auf der Leinwand im Hintergrund zu sehen, doch dann wechselte die Szenerie hin zu Kriegsbildern und ein Beat erschallte. Sänger Matthias, mit einer Kapuze auf dem Kopf, und sein Keyboarder Peter kamen nach vorn und los ging es mit „Spectators“. Von hinten setzten orangefarbene Lichtkegel das Ganze in Szene. Der Frontmann lief am vorderen Bühnenrand hin und her und meinte: „Guten Abend – wir sind NOVA-SPES. Ich wollte hier schon immer mal spielen, deshalb freue ich mich, euch heut hier begrüßen zu dürfen.“ Zu „I hate you, I love you“ erschien ein Teil des Liedtextes auf der Leinwand. Dafür war Peter aber kaum zu sehen, weil er sich mit seinem Instrument irgendwie in eine Ecke ohne Licht gestellt hatte. Allmählich wurde es tanzbarer, denn „Fucking Shit“ hatte einen flotten Beat – es wurde mitgewippt. Der Sänger sprang im Takt auf und ab. In dem dazugehörigen Video sahen wir erst einen Laptop und dann Unter-Wasser-Bilder. Mit einem Gebet ging es dann weiter im Set – schließlich hieß das Stück auch „Pray“. Leider war hier die Stimme soundtechnisch etwas zu leise, so dass der Text nur schlecht rüber kam. Dafür waren die Videobilder von Religionen und Politikern umso eindeutiger. Hiernach war dann aber „unser niedliches Video“ mit Wildtieren und mehr zu sehen. So wurde „We stand together“ toll bebildert und die Lichtshow war in rot und grün gehalten. Am Ende des Filmchen „ist alles gut“. Tiervideos gehen ja immer – deswegen sahen wir zu „Destroy“ den „coolsten Hund, den es gibt“. Nach und nach wurde es vor der Bühne immer voller und es wurde mitgewippt. Matthias war gut drauf und sang die erste Reihe an. Und dass Musik und politische Aussagen sich nicht ausschließen, zeigte die Formation mit „Standing back“ – der Sänger leitete den Track mit den Worten „Wir dürfen nicht weggucken – egal was passiert“ ein. Blut und Politiker waren wieder einmal zu sehen und die Musik lud zum Tanzen ein. Für uns ein guter Einstieg in das Festival, doch dann gingen wir nochmal nach draußen – an die Kühle in der Höhle war sich anfangs nur schwer zu gewöhnen.

X-Divide

Als X-Divide dann an der Reihe waren, waren auch wir wieder zur Stelle. Keyboarder Jens begrüßte die Menge mit: „Ihr schönen Menschen. Wir haben euch ein bisschen Synthpop aus Kölle mitgebracht.“ Die Scheinwerfer bildeten hinter Sänger Eric eine Art Gittermuster, was echt toll aussah. Der Frontmann hauchte ein „Guten Abend zusammen“ ins Mikrofon und schon konnte zu „Sympathy“ losgetanzt werden. Wieder war die Stimme etwas zu leise eingestellt – schade. Nichtsdestotrotz wünschte uns die Band „ganz viel Spaß auf dem Kasematten Festival 2017“. Mit dem Hit „My love is“ ging es schließlich weiter im Programm und die zweite Stimme von Jens kam hier ganz gut rüber. Es wurde mitgeklatscht und die beiden Herren hatten deswegen ein breites Grinsen im Gesicht. Überhaupt schwappte ihre gute Laune durch die Höhle und auch die Zuschauer kamen immer mehr aus sich raus. Der folgende Track „Crying over you“ war „ganz frisch“ und „hat ein Intro – Zeit für ein Bier zu trinken“ – selbiges wurde von Agonoize-Frontmann Chris L. aus dem Hintergrund gereicht. Mit gefiel das Ganze recht gut – guter „Wackelpopo-Synthpop“. Auch das Publikum empfand das so und tanzte zu den Klängen. Und dass das Duo nicht nur elektronische Klänge kann, bewiesen sie mit dem Billy Idol-Cover „White wedding“, wo Eric in die Saiten griff – oder wie Jens sagte: „Elvis, schnapp dir die Gitarre!“ Dabei war ein Lichtspot allein auf den Sänger gerichtet – schick. Ein weiteres Cover folgte – hatten sie sich doch wirklich an Depeche Mode versucht und präsentieren uns nun ihre Version von „Enjoy the silence“. Wieder hatte Jens einen flotten Spruch auf den Lippen und sagte: „Und wehe, es singen jetzt nicht alle mit.“ Ob das klappte, kann ich leider nicht sagen – die frische Luft lockte uns wieder ins Freie.

Ash Code

Musikalisch ging es als nächstes auf nach Italien – Ash Code sorgten für New Wave und Post Punk-Momente. Ein Testbild auf der Videoleinwand begleitete die Darbietung. Erst rauschte es und dann zuckte im Dunkeln auf der Bühne nur das Strobo-Licht auf. Am E-Drum stand Claudia mit ernstem Gesicht und Alessandro und Adriano nahmen ihre Plätze an Gitarre und Keyboard ein. Bei „It’s time to face the abyss“ tänzelte die Dame des Trios drauf los und der Frontmann begeisterte die Fans mit seiner tiefen Stimme. Diese waren sehr zahlreich anwesend – vor der Stage war es gut voll. Leider wurde das Licht auf der Stage aber nicht heller, so dass die Musiker eher im Dunkeln spielten und so nicht so gut zu erkennen waren. „Wir sind Ash Code“ war die kurze Begrüßung und schon erklang „Crucified“. Hierbei war das Logo der Formation auf der Videoleinwand zu erkennen und der Beat war durchaus schneller – Bewegung kam unter den Zuschauern auf. Gelbe Lichtkegel wanderten durch den Raum, während sonst alles in Rot erstrahlte. Die Herren der Band hatten die ganze Zeit über eine ernstes Gesicht – sie waren wohl zu sehr in ihrer Musik vertieft. So auch zu „Empty Room“. Der Sound war hier nun ganz gut und die beiden Herren wechselten auch mal an den Instrumenten hin und her. Die düstere Musik passte gut und die Szenerie der Sandsteinhöhle und die Fans waren mehr als zufrieden. Wir überließen ihnen an dieser Stelle dann auch das Feld.

Rome

Eine weitere Formation, die von vielen Anwesenden sehnsüchtig erwartet wurde, war Rome. Der Name des Projektes war als Logo auf der Videoleinwand zu sehen und bei einem langen Intro kamen Frontmann Jerome Reuter und seine Mitmusiker nach vorn – mit Jubel wurden sie begrüßt. Ein kleines Schlagzeug und zwei Gitarren – das waren die Klanggeber hier und mehr bedurfte es auch nicht. Mit „Celine in Jerusalem“ startete der Songreigen und viele der Fans genossen die Darbietung mit geschlossenen Augen, während sie leicht mitwippten. Die ruhige American Folk-Musik lud zum Entspannen und Wegschweifen ein und genau das machten die meisten auch. Es war total stimmungsvoll und die Drums und Percussion unterstrichen die Gitarrenklänge richtig gut. Nachdem Jerome „Eric an der Gitarre“ vorgestellt hatte, wurde es etwas schneller und bei den Klängen zu „One fire“ wechselte das Licht im Hintergrund im Takt der Musik seine Farbe – echt gut gemacht. Der Jubel nach den einzelnen Tracks war großartig und die drei Herren schienen sehr zufrieden mit dieser guten Stimmung hier in der Höhle. Der Frontmann war recht zurückhaltend und gab einfach nur einen Song nach dem anderen zum Besten, was ihm die Zuschauer mit Beifall dankten. Eric war auch eher cool drauf und setzte seine Sonnenbrille auch in der dunklen Umgebung nicht ab. Der Drummer des Trios zeigte sein Können mal an den Trommeln und mal am Glockenspiel – das war recht abwechslungsreich und begeisterte ebenfalls. Uns hat das Set sehr gefallen und wir kamen hier richtig gut vom Stress des Alltags runter – danke dafür!

Solar Fake

Nach dieser Entspannungsphase konnte es wieder wilder werden. Ein elektronisches Tanz-Workout mit Solar Fake war nun angesagt. Keyboarder Andre wurde schon mit Jubel empfangen und als Sänger Sven nach vorn kam, rasteten die Fans schier aus. Die Höhle war hier gut voll und alle wollten sie Spaß haben – und den gab es dann auch. Vom ersten Takt an wurde mitgeklatscht und Sven feuerte das Ganze noch an. Er sprang herum und Andre tobte zu “ Not What I Wanted“ mächtig an seinem Keyboard herum. Die Arme im Publikum waren oben und mit „No apologies“ ging es direkt so weiter. „Hallo – wir sind Solar Fake und wir freuen uns, das erste Mal beim Kasematten Festival dabei zu sein“, so die begrüßenden Worte des Duos. Das Licht war toll und unterstrich die Performance noch richtig. Wirklich jeder in der Höhle schwang das Tanzbein, was die Herren auf der Bühne recht beeindruckte. Schließlich meinte der Sänger: „Wahnsinn – ist mir doch mal warm – hätte ich gar nicht gedacht.“ Recht hatte er – auch uns war nun nicht mehr kalt, denn bei „Under control“ wurde es noch ausgelassener. Immer voller wurde es nun vor der Stage. Mit etwas „ziemlich altem“ ging es weiter im Set – „Here I stand“ konnte sogar mitgesungen werden, was die Band freute. Der Sound war großartig und auch die Lichtshow hätte nicht besser sein können. Weil es doch immer wärmer wurde, zog der Sänger schließlich sogar seine Jacke aus, um so selbst noch besser tanzen zu können. Ein Hit jagte den nächsten – „Reset to default“ kam gut an und wirklich jeder im Raum war zufrieden. Diese Party hätte nicht besser sein können – mit Solar Fake geht es auch gar nicht anders. Super!

Agonoize

Den Abschluss des ersten Festivaltages bildeten die Berliner von Agonoize – dieses Mal ganz ohne Kunstblut und aufgeschnittenen Kehlen. Während des klassischen Intros kam Keyboarder Oliver nach vorn und schließlich auch Frontmann Chris, der mit frenetischem Applaus empfangen wurde. Beide waren sie im Gesicht düster geschminkt. Die Beats von „Blutverlust“ erklangen und wieder waren die Arme im Publikum zum Mitklatschen erhoben. Chris Stimme war recht verzerrt und erinnerte mich vom Klang her sehr an Suicide Commando. Das blaue Licht war recht dunkel, so dass Oliver an seinem Keyboard leider nicht so gut zu erkennen war. Aber nichtsdestotrotz ging er gut ab und tanzte zu den eigenen Beats mit. „Dafür“ wurde von den Zuschauern lauthals mitgebrüllt, während Chris am vorderen Bühnenrand anfeuerte. Er schaute dabei recht grimmig und ging ganz in dem Text auf. Dann sprang er von der Bühne runter und kam direkt an die erste Reihe heran. Beim Singen zeigte er der Menge den Stinkefinger – gemeint waren damit wohl aber eher ganz andere. Wieder auf der Stage zurück kam dann „God for sale“ zu seinen Ehren. Grüne Lichtkegel wanderten umher und zeigten, dass es in der Höhle nun nicht mehr ganz so voll war, wie noch bei der vorherigen Formation. Das machte aber nichts – so hatten die Fans hier mehr Platz für ausgelassenes Tanzen. Wieder war Chris bei den Zuschauern in der ersten Reihe und sang diese direkt an. Sein irrer Blick machte dabei aber niemandem Angst – es wurde nur zusammen gefeiert. Als dann der Smashhit „Bäng bäng goodbye“ erklang, nahmen wir diese Verabschiedung als Anlass, um uns für diesen Tag zu verabschieden.

Um Energie aufzutanken, ging es für uns auf ins Pensionsbett. Es war an diesem ersten Tag schon viel Schönes dabei – was uns wohl am zweiten Festivaltag noch alles erwarten würde?

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Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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