Alice Cooper: Ol‘ Black Eyes Is Back World Tour 30.09.2019 Arena Leipzig

Alice Cooper steht für Rockmusik, die mittlerweile schon zum Kult geworden ist, denn der Künstler aus Phoenix bespielt seit so vielen Jahren die Bühnen dieser Welt, dass wir alle damit aufgewachsen sind. Und so war es für uns eine tolle Gelegenheit, dem Meister des Horror auf seiner „Ol‘ Black Eyes Is Back World Tour“ am 30.09.2019 in der Arena in Leipzig einen Besuch abzustatten. Einmal diesen Mann live sehen – das ist schon was…

Black Stone Cherry

Die Arena füllte sich allmählich und von unserem Platz aus hatten wir einen tollen Blick auf die Bühne. Dann ging das Licht aus und die Vorband Black Stone Cherry, deren Logo schon im Hintergrund prangte, betrat die Stage. Die Rockformation aus Kentucky war gut gelaunt und Frontmann Chris verkündete: „Let’s have some fun.“ Sie stimmten „Burnin‘“ an und der dreistimmige Gesang kam gut beim Publikum an. Gitarrist Ben sprang im Takt umher und hatte richtig viel Spaß. Mal kamen die Musiker an den vorderen Bühnenrand oder aber sie rockten zusammen ab. Der musikalische Mix aus Country und Rock war ziemlich cool und die ersten Reihen klatschten schnell mit. Auch Bassist Jon stand kaum eine Sekunde still. Chris‘ Stimme war echt toll und bei „Me and Mary Jane“ verausgabte sich Drummer John ganz und gar – er erinnerte mich ein wenig an Animal aus der Muppet Show – Arme und Haare wirbelten nur so umher.

Black Stone Cherry

Ben feuerte die Menge an und immer wieder flogen Plektren in die ersten Reihen. Der Sound war gut und das Mitsingspielchen vor „Blind Man“ klappte auch ganz passabel. Die Herren an den Saiten waren gut drauf und hoben am Ende der Songs ihre Instrumente in die Höhe. Und dann standen sie auf einmal gemeinsam im Scheinwerferlicht und rockten drauf los – „In my blood“ wurde von Chris mit viel Gefühl und geschlossenen Augen gesungen. Auf einmal kamen noch ein Keyboarder und ein Percussionist hinzu und so wurde das Klangerlebnis noch voller. Die Zuschauer quittierten das Ganze mit einem Meer aus Armen. John warf seine Drumsticks regelmäßig in die Höhe, fing sie wieder auf und drosch dann auf die Drums ein. So auch bei „White trash millionaire“. Fans sangen hier laut mit und das freute die Herren auf der Stage besonders. Während „Lonely train“ wurden im Takt die Fäuste erhoben und die Lichtshow war hier besonders schick anzusehen. „How do you feel on a Monday night? Thanks for being early here to hanging around with us.” Mit diesen Worten erklang “Cheaper to drink alone”, wo Ben auch mal zum Schellenring griff und das die Zuschauer zum „part of the band“ wurden, indem sie den Takt mitklatschten.

Black Stone Cherry

Beim instrumentalen Zwischenpart hatte jeder Musiker seinen kurzen Solo-Moment, was toll war. Doch dann kamen sie mit „Family Tree“ auch schon zu ihrem letzten Stück. Ben und Jon standen auf Podesten am vorderen Bühnenrand, spielten ihre Gitarre auch mal über Kopf und gaben noch einmal alles. Chris sang mit Inbrunst und so wurde es ein tolles kleine Finale. „Thank you so much“, so der Dank an die Menge. Gemeinsam verbeugten sie sich am Ende und Applaus begleitete sie beim Verlassen der Stage. Dieser Einstieg in den Abend war cool – anders kann ich es nicht sagen. Toll gemacht, die Herren!

Alice Cooper

Dann wurde für den Hauptact umgebaut. Das Intro erklang und die Fans tobten. Eine Stimme verkündete „Welcome to Alice Coopers nightmare castle“ und das Banner, das den Blick auf die Stage verhüllt hatte, fiel. Eine Burg kam zum Vorschein. Davor stand das Drumset und darüber hingen mehrere Kronleuchter – na das war doch mal ein imposanter Bühnenaufbau. Ganz vorn auf der Bühne war ein Steg, der von links nach rechts wie ein Podest genutzt werden konnte. Darauf standen vier Gitarristen und stimmten „Feed my Frankenstein“ an. Alice kam hervor und die Stimmung war direkt am Siedepunkt – irre. Er selbst hatte einige Probleme mit seinem Mikrofon, was sich glücklicherweise schnell legte und so war der fünfstimmige Gesang ein echtes Erlebnis. Mal lief der Sänger auf dem Steg hin und her und dann erklomm er die Burg über die Treppe an der rechten Seite. Ein riesiges Monster, das in Ketten lag, kam hinter der Burg hervor und wurde aber schnell wieder eingefangen und fort geschafft.

Alice Cooper

Die vier Gitarristen standen beieinander in der Bühnenmitte und spornten sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. „No more Mr. Nice Guy“ erklang und Alice wirbelte beim Singen seinen Gehstock umher. Doch dann flog dieser Stock in die ersten Reihen und ein Fan warf absolut glücklich. Die Fannähe war dem Sänger sehr wichtig und so kam er bei „Bed of nails“ fast zu ihnen – er stand auf einem Podest im Bühnengraben, während die vier Saitenkünstler auf der ganzen Stage verteilt abrockten. Immer wieder beeindruckte der mehrstimmige Gesang und Alice grinste über die gute Laune, die ihm vom Publikum aus entgegenschwappte. Die Fans klatschten im Takt mit und auch die Texte wurden mitgesungen. Zu „Raped and freezin‘“ stellte sich der Meister des Horrors im Wechsel zu dem oder der Gitarristin – ja, es war auch eine Frau an den Saiten dabei – der oder die gerade ein Solo hinlegten. Und am Ende des Tracks griff er zu einem großen roten Umhang und wirbelte ihn wie ein Stierkämpfer um sich her.

Alice Cooper

Im Anschluss bewies der Sänger, dass auch er ein Instrument beherrschte, nämlich die Mundharmonika. Er und einer der Gitarristen blieben im Scheinwerferlicht zurück, während sich der Rest zurückzog. Gemeinsam performten sie den Anfang von „Fallen in love“. Doch dann kamen alle zurück und schon wurde es wieder ein fulminantes Klangerlebnis. Die Lichtshow war hier in Weiß und Rosa gehalten. Mit Rasseln in der Hand stimmte Alice hiernach „Muscle of love“ an. Hierbei war sein breiter Gürtel gut erkennbar, auf dem in großen Lettern „Alice Cooper“ zu lesen war – tolles Teil! Danach verschwand er und kam mit weißem Frack und Zylinder zurück, um so „He’s back (the man behind the mask)“ für seine feiernde Fanmeute zu spielen. Wieder standen hier alle vier Gitarristen zusammen und wippten im Gleichtakt hin und her – das sah genial aus. Zwei „Groupies“ erklommen hier die Stage und schauten sich um, während Alice weg war. Auf einmal kam ein Killer hervor und „schnitt“ einem der Mädels die Kehle durch. Sie fiel zu Boden und das zweite Mädchen verschwand schnell vor Schreck. Diese theatralische Einlage war nicht blutig und gehörte zur Show – Horror muss eben sein bei Alice.

Alice Cooper

Er kam nun wieder hervor und stützte sich auf eine Krücke beim Singen – aber keine Sorge, das war Teil des Outfits und wurde von ihm auch mal zum Luftgitarrespielen genutzt. Zum Song „Billion Dollar Babies“ trug der Sänger auf einmal einen Degen, nachdem Drummer Neal ein Solo hingelegt hatte. Auch er warf seine Drumstick in die Luft, um sie dann wieder zu fangen und weiter zu spielen. Ein großes Gesicht wurde über die Burg projiziert und vorn wurde eine Kanone mit Totenkopf an den Bühnenrand gerollt. Beim Refrain schoss hieraus Konfetti hervor und die Fans feierten total ab. Als schließlich der Klassiker „Poison“ angestimmte wurde, war die Partystimmung am Höhepunkt angelangt. Es wurde lautstark mitgegrölt und getanzt. Die Hände waren in der Luft und Alice meinte: „You all are poison“. Wahnsinn! Im Anschluss verschwanden alle Musiker und Unwettergeräusche waren zu hören. Gitarristin Nita stand allein oben auf der Burg, mit einer Kapuze auf dem Kopf, und bewies mit einem fetten Solo, dass sie es echt drauf hat. Und dabei sah sie auch noch echt sexy aus in ihrem Outfit. Als die restlichen Kollegen zu ihr stießen, erklang „Roses on white lace“ und Alice „erstach“ eine Braut, die ihm nachstellte. Nach einem weiteren instrumentalen Zwischenspiel, bei dem dann auch die Gitarristen Tommy, Chuck und Ryan ihr Können unter Beweis stellten, tobte sich Neal noch einmal an seiner Schießbude aus.

Alice Cooper

Dafür gab es viel Beifall aus der Menge. In der Zwischenzeit hatte sich der Sänger wieder einmal umgezogen, denn nun trug er eine Zwangsjacke und sang für uns „Steven“. Zwei Freaks kamen ebenfalls hervor. Alice selbst gab hier den Irren, indem er mit dem Oberkörper wie verrückt nach vorn und zurück wippte. Eine düstere Braut tanzte um ihn herum und im Turm der Burg ging ein Loch auf, in dem ein Kopf eines riesigen Babies auf und ab hüpfte. Dann barst der Turm und das Baby lief, mit einem Hackbeil in der Hand, auf den Frontmann zu. Es wurde jedoch verhindert, dass dieses „Million Dollar Baby“ den Meister tötete. Das übernahmen dann andere Schergen, die eine große Guillotine aufstellten und Alice kurzerhand „köpften“. Was für eine Show – absolut irre! Das Baby spielte noch kurz mit dem Kopf des Sängers und verschwand schließlich wieder. Doch das war nicht das Ende der Performance. Aus einem Sarg kam Alice wieder hervor und stimmte „Escape“ an. Nun war er wahrlich der Meister des Horrors, denn von den Toten steht nicht jeder wieder auf. Ein letztes Mal wechselte er schließlich das Outfit und trug letztendlich eine schicke rote Jacke und einen schwarzen Zylinder. So gestylt wurde der Bogen zum Beginn der Show geschlossen, denn er erklang „Teenage Frankenstein“. Die gut gelaunten Gitarristen machten ihre Späße und auch das Monster vom Beginn des Konzertes kam noch einmal hervor, um mit dem Sänger zu tanzen. Toll gemacht und am Ende verbeugte sich Alice mit seinen Musikern gemeinsam.

Alice Cooper

Das Publikum schrie, klatschte und rief nach einer Zugabe. Dieser Bitte wurde schnell nachgekommen und Alice kam, im Fussball-Shirt, wieder nach vorn, um „Under my wheels“ anzustimmen. Einer der Saitenkünstler hüpfte wie einst Angus Young von AC/DC über den Steg am vorderen Bühnenrand. Und wieder war der Sound astrein. Seifenblasen flogen auf der Stage umher und mit Frack und weißem Zylinder bekleidet war es Zeit, den letzten Höhepunkt zu performen. „School’s Out“ wurde von der gesamten Menge abgefeiert und lauthals mitgesungen. Die Lichtshow war regenbogenbunt und noch einmal schoss Konfetti über die ersten Reihen. Passend zum Schul-Song stimmten die Musiker noch „Another brick in the wall“ von Pink Floyd an, was von den Zuschauern mitgegrölt wurde. Alice stellte all seine Kollegen namentlich vor und jeder erhielt seinen verdienten Applaus. Und dann winkten sie uns alle noch einmal, um sich dann zu verabschieden.

Damit war ein Abend mit Kultsongs zu Ende. Wir hatten richtig viel Spaß und waren von der reich gestalteten Show beeindruckt. Alle im Saal strahlten glücklich und so machten wir uns auf den Heimweg. Alice Cooper ist über 70 Jahre alt und bot trotzdem eine energiereiche und wilde Performance. Davor ziehen wir unseren Hut und hoffen, dass der Rocker aus Phoenix noch lange solch tolle Konzerte geben kann – es lohnt sich total!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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