Alphaville: Forever Young-Tour 15.03.2019 Haus Auensee Leipzig

Seit nunmehr 35 Jahren stehen Alphaville auf den Bühnen dieser Welt und das muss gebührend gefeiert werden. Mit ihrer „Forever Young“-Tour wollten Marian Gold und seine Mitstreiter den Fans etwas zurückgeben – dafür, dass sie ihnen schon so lang die Treue halten. Am 15.03.2019 waren sie im Rahmen der Tour im Haus Auensee in Leipzig zu Gast und wir waren für euch mit dabei.

Ina West & Band

Der Saal war gut gefüllt und viele Zuschauer waren etwas nass, hatte es doch kurz vor Einlass noch geregnet. Aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Alle warteten gespannt auf das, was da kommen mochte. Doch zuerst war es Zeit für den Support-Act. Das waren an diesem Abend Ina West & Band – eine polnische Musikerin, die uns hier Sounds der anderen Art bot. Das Licht im Saal ging aus und Ina kam mit ihren beiden Mitstreitern nach vorn. Sie hatten alle drei Klanghölzer in Händen und starteten den Gig mit einer Rhythmusperformance, was bei einigen Zuschauern erst einmal nur fragende Gesichter zurückließ. Ina war voll bei der Sache, ihre blonden Haare flogen im Takt und alle drei lächelten sie. Dann zog Ina ihre Jacke aus und präsentierte sich im hautengen, bauchfreien Top. Ihre Kollegin Kasia griff zur Geige und der Mann im Trio, der auf den Namen Friedrich hört, nahm an den Drums Platz. Sein Gesicht war nicht zu erkennen, seine Dreadlocks hingen immer davor.

Ina West & Band

Der Beat war irgendwie dancelastig und dazu spielte die Sängerin mal am Keyboard und mal mit der Bassgitarre Sounds ein. In einem Song wechselten der Stil und der Rhythmus gleich mehrfach, als ob sie zeigte wollte, was sie so alles drauf hat. Was es genau war, kann ich allerdings nicht einordnen. Die Künstlerin selbst beschreibt ihren Stil so: „trance, new wave electronica with elements of modern Polish folk and jazz“. Mit einem schüchternen „Hi“ begrüßte sie das Publikum und stimmte schon wieder das nächste Lied an. Friedrich wechselte hier an die Keyboards und Kasia zeigte ihr Können. Alle drei sangen sie hier und ihre Stimmen harmonierten gut. Das Lied war extrem ruhig, so dass die Stimmung nicht wirklich Fahrt aufnehmen konnte. Dafür war „Coming back“ wieder etwas flotter und Ina stand mal hier und mal da – alle drei wechselten immer wieder mal ihren Standort. Beim Singen schüttelte Ina ihre Haare. „It’s so nice to be here.“ Sie stellte fix ihre Musiker vor und schon erklang das nächste Stück, das mich persönlich sehr stark an Loungemusik a la Café del Mar erinnerte.

Ina West & Band

Sie spielte hierzu Bass und sang mit ihrer doch recht leisen Stimme. Sie war extrem gut gelaunt und tanzte beim Singen und Bass spielen auch noch recht lasziv – sie ließ die Hüften kreisen. Dabei sang sie von Liebe und dem Sommer. „A really huge thank you to Alphaville for inviting us to this tour.” Mit einem Track, wo der Text zum Teil auf Polnisch und zum Teil auf Englisch war, ging es weiter – eine interessante Mischung. Zuvor erklärte Ina, dass es in diesem Lied um den Ozean gehen würde. Der Beat war hier sehr 80er-like und im Publikum wippten einige Zuschauer im Takt mit. Im Anschluss verriet die Sängerin auch ihren eigenen Namen und sie und Kasia griffen zur Ukulele. Mit einem kräftigen Dance-Beat unterlegt präsentierten sie uns „Soldier“. Die Mischung war echt mal was ganz anderes – sowas hatten wir noch nicht gehört. Es ging wohl vielen im Saal so und so fiel der Beifall eher höflich und verhalten aus. Nichtsdestotrotz war das Trio zufrieden und meinte zum Abschluss „Thank you so much“, während sie sich breit lächelnd verbeugten. Mit einem Winken räumten sie dann die Bühne und überließen den Helfern den Umbau.

Alphaville

Dann war es endlich Zeit für den Hauptact. Das Licht ging wieder aus und Jubel brandete auf. Die Musiker kamen hervor und Keyboarder Carsten griff sofort in die Tasten. Dann erschien auch Frontmann Marian auf der Bildfläche und es wurde vom ersten Ton an mitgeklatscht. Auf vier Videoleinwänden waren Bandbilder und Videos von vor 35 Jahren zu sehen, während Marian „Erkennst du mich nicht“ sang. Ich fand es toll, wie die alten Bilder zu dieser Textzeile passten. Seine Stimme kam absolut super rüber und wir waren direkt begeistert – er kann es immer noch! Bassistin Alexandra groovte grinsend mit und sang die zweite Stimme. Überhaupt war allen Musikern die Spielfreude anzusehen und der Frontmann tanzte zu den eigenen Klängen. Dann breitete er die Arme aus und stimmte „Dance with me“ an. Die Massen tobten und es wurde mitgeklatscht. Die Videoflächen zeigten Sterne, die an uns vorbeizogen – es war wie eine Reise zurück in der Zeit – die Musik nahm uns mit in die 1980er.

Alphaville

Das Ganze war allerdings neu aufgemischt und Marian sang mit voller Inbrunst. Mal stand er beim Singen bei Drummer Jakob und mal bei Gitarrist David. Carsten tanzte hinter seinen Keyboards, was das Zeug hielt – überhaupt stand er kaum einen Moment still und war voll in der Musik drin – großartig! Zu „I die for you today“ zeigten die Leinwände große Kirchenfenster. Marian hatte kurz Mikrofonprobleme und war ab und an nicht zu hören, doch das Problem wurde schnell gelöst und so war der Hörgenuss fix wieder ungetrübt. Es wurde überall getanzt und der Sänger lächelte ob der guten Stimmung im Haus Auensee. Bei „Monkey in the moon“ wurden die Textzeilen auf den Leinwänden als Piktogramme dargestellt und Carsten sang hier die zweite Stimme, was toll klang. Der Frontmann war gut drauf, tanzte und strahlte seine Fans an. Mit der Ballade „Flame“ wollten er und seine Kollegen zeigen, dass sie an ihre Anhänger glauben und so zeigten sie vielstimmig ihr Können. Feuerzeuge im Publikum komplettierten diesen stimmungsvollen Moment. Nachdem er bei „Danger in your paradise“ bewiesen hatte, dass er mit seiner Stimme gleich mehrere Oktaven bedienen konnte, stand er in einem Scheinwerferspot, der ihn von ihnen erleuchtete, und dann erklang „Jerusalem“.

Alphaville

Im Anschluss verkündete er: „Das war der erste Block des Konzerts – jetzt gibt es die andere Seite von Alphaville“. Wir waren gespannt. Viele Lichtstrahlen wanderten zwischen den Musikern umher und „Leben ohne Ende“ erklang. Dazu liefen auf den Leinwänden Bilder aus dem Filmklassiker „Metropolis“. Marian strahlte und Carsten war kaum zu bremsen – es machte echt Spaß ihnen zuzusehen. Auch Alexandra hatte ihre Freude und lächelte unentwegt. Schließlich erklang eine Sirene, doch das war kein Feueralarm oder dergleichen. Vielmehr gehörte es zum nächsten Stück „Elevator“. Der Beat war hier extrem cool und die Testbildstreifen, die auf alle projiziert wurden, sahen toll aus. Marian selbst ging mächtig ab und tanzte ausgelassen. Als nächstes sang Carsten drauf los, seine Stimme wurde aber von einer Art Verzerrer verfremdet. So ging es auf zu „Next generation“.

Alphaville

Passend zum Text, waren hier auf allen Leinwänden Augen zu sehen – eben die Augen der nächsten Generation. Nach einem weiteren deutschen Track, wo Fingerabdrücke auf die Herren und die eine Dame projiziert wurden, wurde der Sound technoider – es war Zeit für „Nevermore“. Carsten hüpfte im Takt auf und ab und David gab ein großartiges Solo zum Besten. Hiernach war es Zeit, mit den Fingern zu schnipsen – viele Zuschauer taten es den Musikern nach. Das war dann gleich der Rhythmus für „Duel“, wo Marian das „R“ im Text besonders intensiv rollen ließ – coole Nummer! Und die Lichter flackerten auf – wie bei einem Gewitter. Vor und auf der Bühne wurde ausgelassen getanzt – so gehört sich das. Der nächste Kracher war dann „Carry your flag“, wobei selbstverständlich verschiedene Staatsflaggen auf den Leinwänden gezeigt wurden. Die Arme im Publikum bildeten ein Meer, das im Takt wogte. Marian warf eine Kusshand in die Menge und lächelte fortlaufend. Und dann…

Alphaville

„Das war Block Nummer 2 – es folgt Block Nummer 3. Vor 35 Jahren haben wir angefangen, Musik zu machen.“ Der Sänger blickte mit uns zurück in der Zeit und verriet: „Das erste Livekonzert, was wir gemacht haben, war in Leipzig.“ Dafür bekam er einen Extraapplaus von den Zuschauern. Sie hatten 1984 das Album „Forever young“ aufgenommen und „konnte ja keiner ahnen, was daraus wird“. Und um diese Scheibe gebührend zu ehren, hatten sie beschlossen, „das ganze bescheuerte Album von vorn bis hinten zu spielen“. Der Jubel war groß und Marian grinste übers ganze Gesicht. Als „A victory of love“ angestimmt wurde, gab es für die Anwesenden kein Halten mehr. Es wurde getanzt und mitgesungen. Die Lichtshow war hier echt toll anzusehen und der Sänger hatte seine wahre Freude an der guten Stimmung im Saal. Weiter ging es dann direkt mit „Summer in Berlin“, wo zusätzlich das alte Musikvideo gezeigt wurde. Carsten bekam von Marian Gesellschaft hinter seinen Instrumenten und beide lachten – die gute Laune war fast greifbar. Und als dann Zeit war für „Big in Japan“ war auch der letzte Fan im Raum wieder ein Teenager – das war eine echte Zeitreise zurück in die Jugend – genial! Die Arme waren überall oben, es wurde mitgeklatscht und der satte Sound war eine echte Wonne. Rotes Licht und weiße Scheinwerferstrahlen rundeten den Gesamteindruck sauber ab. Mehrstimmig wurde der Text präsentiert – es hätte nicht besser sein können.

Alphaville

Marian haute nun einen Hit nach dem anderen raus, denn schon folgte „To Germany with love“. Hierbei waren Bilder einer Loveparade zu sehen und Carstens Gesang war wieder einmal von einem Verzerrer verfremdet. Mit „Fallen Angel“ kam dann ein Stück an die Reihe, wozu der Frontmann meinte: „I really love this song.“ Wie ihm ging es sicherlich auch einigen Fans im Saal, denn die Stimmung hätte nicht besser sein können. Was für ein Wahnsinn! Und es wurde noch besser. Dann war es endlich Zeit für einen meiner Favoriten – „Sounds like a melody“. Die Bühne wurde in gelbes Licht getaucht und Zuschauer und Band feierten eine wilde Party. Alexandra kam dafür sogar an den vorderen Bühnenrand, um mit Marian zu grooven. Auf den Leinwänden waren Blitze zu sehen und das Licht ließ ein Blitzlichtgewitter auf uns los. Und „Jet Set“ durfte selbstverständlich auch nicht fehlen. Hier war die Lichtstimmung blau und weiße Strahlen bildeten fast ein Lichtergitter. Der mehrstimmige Gesang war hier absolut irre und Carsten hob sein Keyboard sogar hoch beim Spielen. Marian hatte so gute Laune und dann war es endlich soweit – der Titelsong des 35 Jahre alten Albums und auch der Titelsong dieser Tournee war an der Reihe – „Forever young“ wurde angestimmt und der Sänger ließ den Refrain von den Fans singen, was richtig gut klappte. Das war so ein einzigartiger Moment! Die Musiker hatten ein Glitzern in den Augen – denen gefiel es sichtlich genauso gut wie uns allen. Am Ende waren alle Arme oben und die Band verabschiedete sich von uns.

Alphaville

Das war aber noch nicht genug für die Fans in Leipzig. Es wurde geklatscht und nach Zugabe geschrien. Carsten kam schnell wieder hervor und klimperte auf seinen Tasten herum. Alle anderen Musiker kamen nach und nach zu ihm und schauten ihm über die Schultern, um dann an ihre eigenen Plätze zu gehen. Dann gab es noch zwei weitere Stücke auf die Ohren. David hatte noch einmal einen besonderen Moment, in dem er ein beachtliches Solo spielte. Am Ende sang Marian „We had a great time, I hope you too!“. Absolut! Gemeinsam mit den Musikern des Support-Acts Ina West verbeugten sich alle Musiker. Sie winkten und warfen Kusshände in die Menge und dann verabschiedete sich Marian mit den Worten: „Es war einfach unglaublich!“

Dem kann ich nur zustimmen. Wir alle waren noch einmal Teenager und haben einen wahnsinnigen Abend verbringen können. Danke Alphaville – ihr habt es auch nach 35 Jahren immer noch drauf! Weiter so!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

Hier geht es zu den Galerien des Abends