And One: The Megashow 2016 15.10.2016 Alter Schlachthof Dresden

Im September und Oktober 2016 waren And One zusammen mit Beyond Obsession  auf Megashow-Tour und wir haben uns den 15.10.2016 ausgesucht, um in Dresden dabei zu sein. Zum Einen hatten wir And One schon längere Zeit nicht live gesehen, zum Anderen waren wir gespannt auf die Supportband. Also machten wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg in die Elbestadt, um den Musikern aus Berlin und Potsdam unsere Aufwartung zu machen.

Es war der fünfte Termin auf der Tour und auch in Dresden wartete eine riesige Fanschlange vor dem Alten Schlachthof und begehrte Einlass. Der verlief dann pünktlich um 18.00 Uhr ganz unaufgeregt und flott, so dass sich der Schlachthof in relativ kurzer Zeit bis fast auf den letzten Platz füllte. An den Bars, dem Merchandise-Tisch und im Raucherbereich versammelten sich die Besucher und nutzten die Zeit bis zum Beginn des Konzerts, um sich mit Getränken und Fanartikeln einzudecken. Einige sicherten sich die begehrten Erste-Reihe-Plätze und so konnten Beyond Obsession vor einer gut gefüllten Halle um 19.00 Uhr ihren Auftritt starten.

Beyond Obsession
Beyond Obsession

Die Potsdamer Formation hatte ihr aktuelles Album „Moments of Truth“ im Gepäck und so legten Nils Upahl und Andrè Wylar sich mächtig ins Zeug, um den Longplayer vorzustellen. Die beiden sahen zwar ziemlich verloren auf der großen Bühne aus, aber manchmal braucht es eben nicht mehr als zwei Männer, zwei Mikros und die Instrumente, um ein gutes Konzert abzuliefern. Beyond Obsession sind das, was für mich eine Synthiepop-Band ausmacht. Die Musik fluffig-elektronisch, die Texte voller Herzblut und die Melodien eingängig. Es ging auch direkt mit zweistimmigem Gesang los, was nicht nur mich mit offenem Mund dastehen ließ. „On My Way“ als zweiter Song der Setliste wurde dann auch schon mit entsprechend viel Applaus belohnt und obwohl sich im hinteren Teil der Halle noch sowas wie „Dresdner Beton“ (Anm. d. Red.: Publikum, das sich nur am Getränk festhält und auch sonst keine Gefühlsregung zeigt) befand, waren in der vorderen Hälfte viele Hände oben und die Band wurde beklatscht wie der Hauptact. Als Nils beim vierten Track eine weiße Gitarre zur Hand nahm – passend zu den weißen Doc Martens, die zum Markenzeichen der Band geworden sind –  erinnerte mich das Ganze ein wenig an Erasure oder Martin Gore und Andrew Fletcher, und das nicht nur optisch. Im Verlauf des Sets tanzten immer mehr Leute in den vorderen Reihen mit und jubelten den beiden Herren auf der Bühne zu. Nach gut 45 Minuten Spielzeit war es dann aber auch schon wieder Zeit zum Abschied nehmen und so beendeten Beyond Obsession ihren Gig mit dem Titel „Lie After Lie“, bevor sie sich winkend und verbeugend von der Bühne verabschiedeten. Später wird Andrè sagen, wir dürften nicht vergessen, dass sie „nur die Vorband“ sind. Und ich werde antworten, dass sie sich mal nicht so unter Wert verkaufen sollen. In diesem Punkt stimme ich nämlich mit And One-Frontmann Steve Naghavi überein, der Beyond Obsession bereits zum zweiten Mal als Gast mit auf Tour genommen hat und in seinem Tourtagebuch zu Dresden schreibt: „Die Band, die meines Erachtens gerade mit „Moments of Truth“ ein Jahrzehnt-Synthpop-Album abgeliefert hat, wird auch diesmal die AND ONE Gemeinde in ihren elektronischen Bann ziehen.“ Und genauso war es auch. Die beiden haben einen großartigen Job gemacht und können mehr als stolz auf sich sein.

And One

Der Umbau erfolgte nun innerhalb kürzester zeit, wobei da nicht viel zu tun war. Die Crew hatte nämlich die Bühne schon im Vorfeld startklar gemacht und einfach einen großen Vorhang platziert, der nun herunter gelassen wurde. So konnten And One auch überpünktlich um 20.00 Uhr beginnen. Mit dem Klassiker „Für“ startete die Megashow und als ob alle Fans darauf gewartet hätten, stieg die Stimmung quasi schlagartig auf den ersten hohen Peak. Hunderte Stimmen sangen den Refrain mit, mindestens doppelt soviele Arme waren oben und feierten And One. Es wurde mit den ersten Tönen auch ein wenig voller im Saal, denn einige hatten sich die „Vorband“ geschenkt und drängten nun herein. Leider teilweise so unaufmerksam und rücksichtslos, dass ich prompt ’ne Bierdusche abbekam – Mist! Vorn auf der Bühne tobte derweil die Party und Steve fetzte wie ein Derwisch über die Stage. Zwischendurch erzählte er von früheren Konzerten in der Stadt und erwähnte, dass „Dresden und And One wie Geschwister sind“. Außerdem gratulierte er dem ortsansässigen Fußballclub Dynamo zum 5:0-Sieg gegen Stuttgart, der auch am 15.10.2016 geholt wurde. Spontan fingen die anwesenden Fußballfans ihre „Dynamo!“-Gesänge an, was mich ein wenig irritierte und wohl auch auf andere befremdlich wirkte. Doch das Intermezzo war zum Glück nur kurz und es wurde sich wieder auf die Musik konzentriert. Mit einer großartigen Lichtshow untermalt, ging es im Set von And One quer durch die Diskografie. Das Pitchfork-Cover „Timekiller“ wurde ebenso zelebriert wie der „Panzermensch“ oder der All-Time-Klassiker „Metalhammer“, dessen Logo auch auf dem Banner im Hintergrund der schneeweißen Bühne zu sehen war.

And One

Das Publikum schwitzte gegen die Band an, was vom Frontmann mit einem Grinsen zur Kenntnis genommen wurde. Er hätte früher nie geschwitzt, meinte er, jedoch nur auf Grund der Tatsache, dass er sich während eines Konzerts kaum bewegt habe. Ja, der Schlachthof wurde zu einem wahren Hexenkessel und vorn standen vier Herren aus Berlin, die die ganze Sache mit ihrer Musik am Laufen hielten. Doch nicht nur Steve glänzte am Mikrofon, auch Joke Jay zeigte, dass er nicht nur am Keyboard eine gute Figur abgab. Das Set war so abwechslungsreich, dass es zwischendurch immer wieder Verschnaufpausen gab, wenn gerade wieder ein ruhiger Song wie „Speicherbar“, „Traumfrau“ oder „Unter meiner Uniform“ durch den Saal hallte. Doch solche Päuschen waren zu knapp bemessen, denn die Menge wollte vor allem eins – feiern! Und so ging es durch ungefähr zwei Stunden und 15 Minuten fetteste Fete mit And One, die ich je erlebt hab. Besonders toll fand ich den Part von Nico mit seinem „Somebody’s Song“, der er mit viel Gefühl ins Mikro hauchte. Das war auch der letzte Track, bevor die Band kurzerhand von der Bühne verschwand.

And One

Doch das ließen die Fans keinesfalls gelten und forderten lautstark eine Zugabe ein. Naghavi und Co. ließen sich auch nicht lange bitten und starteten mit „An alle Krieger“ ein zweites Mal durch. Falls der Schlachthof bis dahin noch nicht abbruchreif war, nach der halbstündigen Zugabe war er es bestimmt. Bei Joke Jays Paradestück „High“ waren alle Hände oben, viele Feuerzeuge wurden gezückt und entzündet. Das und eine in grünes Licht getauchte Bühne ergaben eine tolle Stimmung, die mir Gänsehaut bescherte. Wir wackelten uns noch durch den „Technoman“ und „Shouts of Joy“, bevor wie den Rückzug antraten und dem Feiervolk das große Finale überließen. Auf jeden Fall gab es an diesem Abend jede Menge Tanzorphine in Reinstform und wir verließen den Schlachthof selig grinsend. Zu Recht haben And One diesen Ort als eindeutigen Toursieger im heimlichen Duell zwischen den beiden sächsischen Städten Dresden und Leipzig auserkoren.

Fazit: ein And One-Konzert kann ich ohne Bedenken jedem empfehlen, der mal so richtig abtanzen und mitsingen will. Ich war bei fast jedem der insgesamt 34 Lieder sehr textsicher und auch die meisten Leute im Publikum hatten ihre Hausaufgaben gemacht. Was mich allerdings ein wenig gestört hat, war die Tatsache, dass es vielen scheinbar nicht möglich war, auch mal einen Schritt zur Seite zu treten, um jemanden vorbei zu lassen. Eine Sardinenbüchse war zumindest an der Stelle, wo wir uns befanden, ein glatter Kindergarten gegen das Gedränge im Alten Schlachthof Dresden, so dass wir mit der Fotoausrüstung auf den Gang auswichen, von wo aus die Musik sogar ein wenig besser zu verstehen war als in der Halle. Nichtsdestotrotz war es ein genialer Abend und falls And One zur nächsten Megashow aufbrechen, sind wir garantiert wieder dabei!

Autor: Pitchfairy

Photos: Michi

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