And One: World Vibration Tour 2018 06.10.2018 Alter Schlachthof Dresden

Wenn And One sich zu einer Tournee aufmachen, dann ist das für die Fans der Bodypop-Formation ein Grund, von nah und fern anzureisen, um auf den Konzerten zu tanzen oder zumindest mächtig mit dem Popo zu wackeln. Am 06.10.2018 startete die World Vibration Tour in Dresden im Alten Schlachthof und auch wir waren gewillt, ordentlich das Tanzbein zu schwingen.

Future Lied To Us

Schnell füllte sich der große Saal im Schlachthof und wir warteten gespannt auf die Vorband des Abends – Future Lied To Us. Das Trio, das aus drei Größen der elektronischen Szene besteht, betrat recht unaufgeregt mit einem knappen „Guten Abend“ die Bühne. Dann startete die Musik und der Lichtmann zeigte gleich, was er so drauf hatte – das sah schon ganz gut aus. Frontmann Tom lief beim Singen von links nach rechts und wieder zurück, während seine Kollegen Krischan und Vasi hinter ihrem Tisch voller Technik standen und sich um die Sounds kümmerten. Dabei sang Krischan auch noch die zweite Stimme, was ganz gut rüberkam. „Einen schönen guten Abend Dresden – wir sind Future Lied To Us“, so begrüßte der Sänger schließlich auch die Zuschauer. Beim nächsten Stück ging es rhythmisch gesehen etwas flotter zur Sache und die drei Herren rockten zu den eigenen Klängen richtig ab – der Spielspaß war ihnen anzusehen. Und auch wenn Toms Stimme zumeist recht leise war, die Menge vor der Stage ging ganz gut mit und der Applaus war recht anständig. Schließlich folgte „von unserem ersten Album „Presence“ – hier ist „Lost““.

Future Lied To Us

Vasi und Krischan drehten hier ordentlich an den zahlreichen Knöpfchen, so dass hier besondere Soundeffekte für den gewissen Kniff sorgten. Mir war der Track aber ein wenig zu seicht, da war „Falling“ schon besser und hier kam auch wieder Bewegung im Publikum auf. Die Lichtstimmung war hier in lila und orange gehalten, was einen tollen Lichtrahmen für die Jungs bildete. Mit einem letzten Lied verabschiedete sich das Trio dann aber schon wieder. Der Frontmann stellte seine Kollegen noch namentlich vor, bevor er ein wenig einheizte und die Menge dazu brachte, im Takt mitzuklatschen – das hätte er echt eher tun sollen, denn dann wäre noch ein wenig mehr Stimmung aufgekommen. Bis dato war es eher seicht und nur die ersten Reihen kamen aus sich heraus. „Vielen Dank und ganz viel Spaß“ wünschte uns Tom noch, bevor sie alle winkend verschwanden. Der musikalische Anfang war also gemacht – nun warteten alle auf den Hauptact des Abends.

And One

Der Umbau verlief recht schnell und die Fans wurden allmählich ungeduldig. Die Soundtechniker vertrieben uns die Wartezeit mit alten Depeche Mode-Songs, was auch schon für tanzende Zuschauer sorgte.  Als das Licht im Saal ausging, jubelte die Menge und dann kamen die Keyboarder Nico und Rick hervor – zusammen mit Drummer Joke. Schließlich betrat auch And One-Mastermind Steve die Bühne und grinste in den Saal. Dieses Mal hatte er gar keinen Anzug an, sonst kam lässig in schwarzer Hose und T-Shirt daher. Auch hier machte das Licht von Anfang an echt was her – sehr schick. „Krieger“ erklang und die Menge klatschte direkt im Takt mit. Joke drosch auf seine E-Drums ein und Steve sprang und tanzte sich quer über die Bretter, die die Welt bedeuten. Die Textzeilen wurden von den Zuschauern auch lautstark mitgegrölt. Mitten im Song sang Steve den Eurythmics-Klassiker „Sweet dreams“ an und die Fans sangen mit – das passte wirklich gut zum Beat des Stückes. Und der laute „Zu Hause“-Ausruf des Sängers sorgte für zusätzlichen Jubel. „Dresden, seid ihr bereit für einen neuen Stimmungsrekord? Wir sind And One aus Ost-Berlin.“ So gut gelaunt stimmte er schließlich „Shining star“ an und die Menge tobte. So geht Party! Rote und weiße Lichtstrahlen tanzten hierbei zwischen den Musikern hin und her. „Achtung“ war zu hören und Steve salutierte am vorderen Bühnenrand. Das war der Anfang zu „Back Home“, wo es gut abging. Joke sang hier die zweite Stimme, was ein Ohrenschmeichler war. Steve himmelte ihn dafür auch ein wenig an. Alle Arme waren oben, als dann das „Sternradio“ besungen wurde. Hierbei zeigte der Sänger, dass auch er bei einem Dave-Dancing-Wettbewerb gute Chancen auf den Sieg hätte – passend dazu stimmte er zum Rhythmus des Liedes den Depeche Mode-Hit „Photographic“ an und wieder stiegen die Zuschauer mit ein. Scherzhaft meinte Steve dazu: „Dankeschön Forced To Mode!“ Bei „U-Boot-Krieg in Ost-Berlin“ war der zweistimmige Gesang super und Steve fragte schelmisch: „Habt ihr mich noch lieb?“ Selbstverständlich wurde das lauthals bejaht. „So klingt Liebe, Freunde – Apropos“ – gleichnamiger Song kam als nächstes zu seinen Ehren. Im Takt wurde mitgeklatscht. „Das ist And One 2006-2046.“

And One

Die Herren an den Keyboards waren oft kaum zu sehen, weil sie zum einen recht weit hinten standen und oftmals im Dunkeln verborgen blieben – schade. Während „Get you closer“ schwang auch der Frontmann zum wiederholten Male das Tanzbein, was toll anzusehen war und am Ende stand er in einer Art Stern aus Licht. Zum Ausruhen für alle wurde schließlich „Zeit ohne Zeit“ angestimmt, wo Steve mit Hingabe und geschlossenen Augen sang. Auch „Zwei Tote“ war noch als Ruhephase zu verstehen, bevor es mit „Für“ wieder flotter wurde. Hier zeigte der Lichtmann zweifarbige Lichtkegel – so etwas hatte ich noch nicht oft gesehen und es sah wirklich klasse aus. Am Ende dieses Liedes verbeugte sich der Sänger, doch es war noch lange nicht Schluss. „Unter meiner Uniform“ wurde sogar dreistimmig – zusammen mit Nico. Immer wieder kam Steve hierbei an den vorderen Bühnenrand und sah einigen Fans direkt in die Augen. Schließlich kam der Track an die Reihe, der schon von Beginn an am riesigen Banner im Bühnenhintergrund zu lesen war – „Keiner fühlt’s wie wir“ – wobei am Banner „ihr“ statt „wir“ stand. Den Text nahm ich dem Sänger an diesem Abend auch richtig ab, denn er sang wiederum mit absoluter Inbrunst. Nico sang auch bei Stück „Traumfrau“ wieder mit – der Sound war überhaupt sehr gut, was wohl auch daran gelegen haben mag, dass niemand Geringeres als Krischan Wesenberg am Soundpult stand. „Das war jetzt der langsame Teil“, so der Frontmann scherzhaft. Er nutzte hier noch schnell die Gelegenheit, Werbung für seine neue Solo-Tournee im kommenden Jahr zu machen, die den Titel „Live & Überheblich“ tragen wird – „woher das wohl kommt“.

And One

Doch dann hob er wieder an zu singen, denn es war Zeit für „Love you to the end“. Hierbei wurde Nico persönlich vorgestellt. Diesem etwas neueren Stück folgte ein Lied „von 2006“ – gemeint war „Body Company“. Die Stimmung im Saal hätte nicht besser sein können – überall wurde getanzt und Steve selbst ließ die Hüften kreisen oder drehte sich wie es Dave Gahan auch immer wieder gern tut. Alle Lieder waren für diese Tour neu aufgemischt worden und enthielten hier und da neue kleine nette Soundfetzen, die einen gewissen Reiz ausmachten. Uns gefielen diese Varianten ausgesprochen gut. So auch „Schwarz“, das mit „Ich kann es sehen – verstehste“ endete. Das sorgte für einige Lacher. Wieder lief er grinsend hin und her, während er „Seven“ zum Besten gab. Allerdings waren die Herren hierbei kaum zu sehen, da so viele Lichtkegel auf der Bühne herumtanzten und dabei fast schon blendeten. Die Party ging dennoch weiter, denn „Killing the mercy“ erklang – ein blauer Lichtstern wirkte hier sehr toll. Und dann endlich – „Meine Damen und Herren – Joke Jay.“ Joke und Steve tauschten die Plätze und Joke kam als Frontsänger an die Reihe, um „Most of the tears“ darzubieten. Steve drosch dabei auf die E-Drums ein. Als das Stück vorbei war, war der Tausch auch schon wieder vorbei, was den Fans nicht so ganz gefiel, denn es waren zahlreiche Zugabe-Rufe zu vernehmen. „Hört auf – das kann der gar nicht ab“, meinte Joke betreten dazu. Und Steve konterte: „Er ist zwar der bessere Sänger, aber ich kann besser mit dem Arsch wackeln“, was er auch gleich unter Beweis stellte. Was haben wir da gelacht! Schnell berichtete der Sänger noch von ihren Konzerten im Ausland, bevor es musikalisch in der Zeit zurückging, denn nun stimmten sie „Second voice“ an. Hier wurde Keyboarder Rick vorgestellt. Die Menge sprang im Takt auf und ab oder aber es wurde wild mitgetanzt – so gehörte sich das. Und als die Noten alle gespielt waren, zuckte Steve kurz mit den Achseln und schon verschwanden er und seine Kollegen hinter der Bühne.

And One

Der Jubel wollte nicht enden und wieder waren Zugabe-Rufe zu hören. Die Band ließ sich nicht lange bitten und schnell kamen die vier wieder hervor. Dieses Mal waren aber Joke und Steve am vorderen Bühnenrand zugange – mit einem Mikrofon in der Hand. Gemeinsam kam ihre Aufforderung „An alle Krieger!“ gut an und die Menge brüllte laut „And One“ mit. Hierbei waren auch alle Fäuste in der Höhe – ein tolles Bild. Und wer noch bei Stimme war, grölte auch „Steine sind Steine“ aus voller Kehle mit. Wieder wanderten die rot-weiß-gestreiften Scheinwerfer-Kegel zwischen den Musikern hin und her und rundeten das Stimmungsbild gut ab. Niemand stand mehr still, denn alle hatten wir von den Tanzorphinen genascht, die uns And One hier darbot. Mit dem „Panzermensch“ war der nächste Höhepunkt erreicht, wobei Joke und Steve wieder gemeinsam für gute Laune sorgten und sich gegenseitig ansangen. Die beiden harmonierten hier wahrlich und nicht wenige Zuschauer waren in diesem Moment einfach glücklich. Weniger glücklich machte sie allerdings, dass das dann der Schlusspunkt sein sollte, denn die vier verabschiedeten sich schon wieder von ihrem Dresdner Publikum.

Und so wurde wieder gejubelt, bis Steve und seine Kollegen wieder auf der Bildfläche erschienen. Wir allerdings konnten schon nicht mehr und zu den Klängen von „Sometimes“ machten wir uns auf den Heimweg. Wir hatten mächtig Spaß und unser Tanzbein zuckte noch im Auto. Danke für diesen tollen Abend – die Herren von And One wissen eben wie es geht. Bis zum nächsten Mal!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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