Beyond Obsession: Revolution from Below-Tour 27.10.2018 Predigerkeller Erfurt

Die Jungs von Beyond Obsession mussten ihre Tournee schon des Öfteren verschieben, doch in diesem Herbst war es nun endlich soweit. Am 27.10.2018 machten Nils und André dann endlich mit ihrer „Revolution from Below“-Tour im Predigerkeller in Erfurt Halt. Als Vorprogramm hatten sich Hartung & Schleinitz angesagt.

Hartung & Schleinitz

Der Einlass startete pünktlich und so warteten wir dann bei einem kühlen Getränk mit Freunden auf den Beginn der Shows. Der Predigerkeller füllte sich nur langsam. Das machte aber nichts, denn die Anwesenden hatten Bock auf die Musik und so erklang Beifall, als die Herren Hartung & Schleinitz die kleine Bühne betraten. Sänger André Hartung, schick im Anzug und mit Sonnenbrille auf der Nase, begrüßte die Zuschauer und meinte: „Wir sind sehr froh, mit unseren Freunden hier zu gastieren.“ Hinter den beiden waren mehrere LED-Leisten, die grün und blau aufleuchteten, als „Brauchst du nicht“ angestimmt wurde. Der Beat, den Sebastian Schleinitz uns da um die Ohren haute, war sehr cool und veranlasste direkt zum Mitwippen. Das ging also schon mal gut los. Mit „Wolfheart“ legte das Duo sofort nach und André vergrößerte das Sounduniversum noch, indem er mit einer Art Tablet zusätzliche Sounds einspielte. Sebastian hingegen war absolut auf all seine Technik konzentriert und drehte mal an diesem Knopf und dann an jenem Regler. Die Beats waren so mitreißend, dass auch er sich dem nicht entziehen konnte und auch mal einfach so lostanzte. Nebel waberte hierbei über die Stage und hüllte die Jungs kurz ein. „War ich es“, mein persönlicher Lieblingssong der Formation, war der nächste auf der Setliste an diesem Abend. Der Sound in dem gewölbeartigen Saal war extrem gut und so kam der Bass mächtig rüber.

Hartung & Schleinitz

Die Zuschauer ließen sich immer mehr auf das Dargebotene ein und wippten ordentlich mit. Auch der Sänger tanzte ausgelassen auf dem wenigen Platz, den er auf der Bühne hatte. Und der Beat nahm noch mehr Fahrt auf und bei „Greller“ rumste es kräftig aus den Boxen – echt Klasse! Um noch wilder abzufeiern zog André zu „Zeitlos“ schließlich seine Anzugjacke aus und konnte sich so voll und ganz dem nächsten Stück widmen. Seine Stimme war genial, seine Varianzen beim Singen kamen gut an. Der Beifall war auf keinen Fall zu verachten.„Jetzt bitte Ruhe – der nächste Song beginnt!“, so die Ankündigung. Und dann krachte es richtig – „Poor little girl“ sorgte für Stimmung und die beiden Jungs lächelten nur so, weil das Publikum gut mitging. Was mir persönlich an den Sounds von Hartung & Schleinitz so gut gefällt, ist unter anderem, dass sich die Tracks soundtechnisch so nach und nach aufbauen – wie etwa „Substance of sorrow“ – ganz großes Kino! Dabei gab der Frontmann seinen Text auch noch singend zum Besten – besser geht es kaum. Dafür gab es natürlich auch großen Beifall, wofür sich André auch tief verbeugte. Sebastian hatte auch richtig Spaß und drückte auf Knöpfchen, damit die „Simulation“ gestartet werden konnte. Die LED-Leuchten im Hintergrund drehten hier völlig frei und flackerten in allen Farben des Regenbogens.

Hartung & Schleinitz

Nachdem dann auch noch die „Struktur“ für Tanzende sorgte – auf und vor der Bühne – meinte der Sänger: „Schön, dass ihr alle da seid heute Abend.“ Dann forderte er uns schließlich auf, ihn uns doch mal mit Helm und Bauarbeiterweste vorzustellen – dann käme uns das nächste Lied auch noch bekannter vor. Die Rede war vom Patenbrigade:Wolff-Klassiker „Das Kraftfeld“, der an diesem Abend im Hartung & Schleinitz-Remix zu seinen Ehren kam. Der Sänger war hier so gut drauf, dass er vor lauter Tanzen auch schon mal seinen Einsatz verpasste. Das merkte aber kaum jemand und so war es nicht schlimm – das ist eben Livemusik. Weil dann keine Zeit war, die Bühne zu räumen und für einen Nachschlag nochmal nach vorn gerufen zu werden, forderte das Duo uns auf, doch gleich Zugabe zu rufen – gesagt, getan. „Eigentlich ruft man Flughafen und in einigen Kreisen heißt es Gewährleistung, aber das ist was anderes“, so André. „Auch als Vorband hat man einen letzten Song“ und dieser sollte „Die Brücke“ von Patenbrigade:Wolff sein – ebenfalls in der Hartung & Schleinitz-Remix-Version. Am vorderen Bühnenrand stehend sang der Frontmann die erste Reihe direkt an. Dabei brüllte er den Text nur so raus. Die Gäste des Abends klatschten im Takt mit. Am Ende strahlten die beiden Musiker übers ganze Gesicht und verbeugten sich glücklich Arm in Arm. „Ihr wart uns ein Fest“, so das Lob an das sehr dankbare Auditorium. Den Dank können wir nur zurückgeben!

Beyond Obsession

Auf der kleinen Stage wurde nun etwas umgebaut und dann war es endlich Zeit für den Hauptact des Abends. Nils und André betraten die Bildfläche und die Beyond Obsession-Fans stimmten ein „Happy Birthday“ an, denn Nils hatte an diesem Tag Geburtstag. Er freute sich auch sichtlich und dann konnte es losgehen. „Guten Abend Erfurt“ – eine kurze Begrüßung musste noch sein – aber dann… „My thoughts“. Der Sound war auch hier richtig gut und der Sänger sah mit seinem „Oh la la“-Shirt und dem Glitzer-MakeUp im Gesicht echt klasse aus. André hatte auch Spaß an seinem Keyboard und wippte zu den eigenen Sounds mit. „Willkommen auf der seltenen Beyond Obsession-Geburtstagsparty“. Der Saal war zwar nur halb voll, aber Stimmung machten die Zuschauer für mindestens das Dreifache. „Cold side of bed“ wurde angestimmt und Nils heizte gut ein. Er sprang herum, sang die erste Reihe an und im Publikum wurde wild getanzt. Auch der zweistimmige Gesang zu „Ghost pictures“ war ein Trommelfellschmeichler. Oft hatte der Nils die Augen geschlossen beim Singen – mit viel Gefühl gab er die Stücke zum Besten und seine Stimme war wirklich toll. Mit „I don’t hate you“ wurde es zwischenzeitlich etwas ruhiger – eine kleine Verschnaufpause musste auch mal sein. Hiernach forderte André nochmal ein Happy Birthday für seinen Kollegen ein – „er ist 20 geworden“. Das glaubte zwar niemand, aber alle sangen sie mit. Dieser Moment war wohl für beide besonders, denn „There is nothing like that“ war der Kommentar dazu – es war aber auch die Haupttextzeile des folgenden Tracks. Wieder ging es mächtig ab – auf und vor der Stage konnte sich niemand mehr zurückhalten und überall wurde getanzt.

Beyond Obsession

So ging es auch mit „Lie after lie“ weiter – die Party hätte nicht besser können. Beim Refrain hob Nils immer einen Arm in die Luft und sang mit geschlossenen Augen – der Mann ging echt in seinem Song auf – toll! Die Anwesenden klatschten im Takt mit – der Beat wurde so noch intensiver. Dass es auch dem Duo gefiel, war daran zu erkennen, dass sie sich immer mal wieder anschauten und übers ganze Gesicht grinsten – sie fühlten sich wohl wie „Home“ und das spielten sie schließlich auch. Um es nicht zu vergessen, lud André alle Fans noch dazu ein, nach dem Konzert zur Aftershow-Party da zu bleiben, um mit ihnen noch weiter zu feiern. Und schon war es „Zeit für einen neuen Song“. Nils wirkte noch ein wenig unsicher, aber auch „Paradolia“ kam gut an in Erfurt. Einzelne Gäste wurden hier wieder direkt angesungen und sowas bleibt in Erinnerung. Genauso wie der Moment, als Nils von der Bühne herunterstieg und zwischen den Zuschauern weitersang – das ist wahre Fannähe. Zurück auf den Brettern, die die Welt bedeuten, stimmte er schließlich „Moment of truth“ an, wobei André mit Inbrunst in die Tasten haute und die ganze Zeit nur lächelte. Nils hingegen versank in der Musik und tanzte wie für sich allein mit geschlossenen Augen. Am Ende bedankte sich der Sänger bei seinem Kollegen für die vielen gemeinsamen Jahre bei Beyond Obsession. Mit einem Küsschen auf die Wange umarmten sich die beiden unter dem Beifall der Anwesenden. Nach diesem rührenden Moment war es Zeit für eine „Würdigung an unsere großen Helden“. Nils stimmte „Never turn your back on Mother Earth“ an – ein Stück des großen Martin L. Gore. Die Menge tobte hier, denn die Stimme von Nils kam der seinen Vorbilds sehr, sehr nah.

Beyond Obsession

Danach ging es mit eigenen Stücken weiter – jetzt war „On my way“ dran. Die Arme waren im Publikum oben und bei Nebel, der durch den Raum zog, wurde getanzt – auch die Herren Hartung & Schleinitz bewegten sich ausgelassen zu den dargebotenen Tönen. Es wurde richtig war im Predigerkeller und die Party hätte nicht besser verlaufen können. „Ihr dreht ja voll durch“, war der beeindruckte Kommentar der Band dazu. Nochmal wurde ein Geburtstagsständchen für Nils angestimmt und hiernach gab es den „Song for the dead“ auf die Ohren. Der Sänger war an diesem Abend echt in Hochform und traf auch die hohen Töne gut – fein gemacht! Nachdem dann auch noch „Louder“ erklang, war der Beifall der Fans kaum noch zu stoppen – Nils verbeugte sich dafür tief. Dabei lächelte er zufrieden. Überhaupt war den beiden die Spielfreude anzusehen. Ausgelassenes Tanzen bei „Weight of words“ und zweistimmiger Gesang und sich dabei auch noch von der ersten Reihe auf die Wange küssen lassen – das ist doch Spaß pur! Der Geburtstagsständchen-Reigen wollte nicht enden – „auf unseren Nils – er hat es scheiße-nochmal verdient“. Der war ganz gerührt und dennoch gab er zu „Unwinnable war“ noch einmal richtig Gas und wirklich niemand konnte hier mehr stillstehen – sogar die Barmannschaft tanzte hinter dem Tresen.

Beyond Obsession

Damit sollte das eigentliche Set schon vorbei sein, doch ein Schmankerl hatten sie noch in petto. „Lasst uns die Aftershow beginnen“, so André und mit diesen Worten luden sie ihre Freunde von Hartung & Schleinitz auf die Bühne ein. Herr Hartung musste kurz gesucht werden, doch auch er war schließlich da und gemeinsam gaben sie uns „Tokyo Underground“ in der Remix-Version der Herren Schleinitz und Hartung zum Besten. „Das hat die Welt noch nicht erlebt“ – das stimmte wohl, denn es war eine Premiere. Alle vier tanzten zu den Klängen und auch das Publikum ließ sich nicht lumpen. Überall war Bewegung. Andrè Hartung und Nils gaben Arm in Arm an den Mikrofonen alles und auch André Wylar sang mit – dreistimmig war es eine wahre Wonne. Nils hielt einen Ton so lang, dass ich Angst hatte, er könne ersticken – irre! Die Fans rasteten schier aus und klatschten im Takt mit. „Vielen Dank“, mehr konnten die glücklichen Künstler nicht mehr sagen. Alle vier verbeugten sich am Schluss und wurden lange mit Beifall bedacht. Mit einem kurzen Hinweis auf einen weiteren gemeinsamen Gig im Dezember in Berlin verabschiedeten sich die beiden Duos von uns und schon war der ganze Spaß vorbei.

Wir waren mittlerweile gut durchgeschwitzt, denn im Predigerkeller war es echt warm geworden. Der Sound war super und auch die Stimmung war genial, trotz der nicht so zahlreichen Besucherschar – egal! Glücklich machten wir uns dann aber auf den Heimweg – die Aftershow überließen wir den Fans. Danke an alle Mitwirkenden – das war wirklich ein gelungener Abend! Bis zum nächsten Mal!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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