Covenant: Sommer Open Air 16.07.2016 Festung Königstein

Das Festung Königstein Open Air ist bereits seit einigen Jahren fester Bestandteil des Sommer-Programms. Die Organisatoren laden alljährlich Bands verschiedener Genres auf die beeindruckende Festung am Rand des Elbsandsteingebirges ein und sorgen damit für großartige Konzerterlebnisse hoch über dem Elbtal. Am 16.07.2016 stand geballte Schwedenpower auf dem Plan, denn Covenant und The Exploding Boy als Supportband gaben sich die Ehre. Also machten wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf zur Festung Königstein und freuten uns auf den Abend.

Pünktlich 19 Uhr begann der Einlass mit Hilfe des Lastenaufzugs der Festung, der die Besucher auf die großen Mauern brachte, von wo sich den Gästen zunächst ein traumhaftes Panorama bis weit nach Tschechien hinein bot. Eine kleine Treppe führte uns dann in den Hof, in dem die Konzerte immer stattfinden. Dieser war gut gefüllt, aber nicht zu voll, so dass jeder genügend Platz zum Tanzen haben sollte. Vor der Bühne wurde es zwar ein wenig enger, aber das Sardinenbüchsenfeeling blieb zum Glück aus. Die Anwesenden vertrieben sich die Zeit mit ein paar Selfies auf der Brüstung, einem Getränk und etwas Leckerem aus der Festungsküche.

The Exploding Boy
The Exploding Boy

Zehn Minuten vor 20 Uhr begann auf einmal die Musik – The Exploding Boy standen mit ganzen sieben Musikern auf der Bühne und legten mit ihrem gitarrenlastigen Indierock los. Einzig der verfrühte Beginn – laut Ticketaufdruck sollte es erst 20 Uhr losgehen – verwirrte einen Teil der Besucher, die sich noch auf den Festungsmauern sonnten und den Ausblick genossen. Für diese hieß es also schnell sein, um nicht die ersten Titel komplett zu verpassen, wobei die Musik sicher laut genug über das Gelände schallte. Ich persönlich gebe ehrlich zu, dass ich die Band erst einmal gesehen habe bisher. Ich kenne mich also weder mit den gespielten Tracks noch den dazu passenden Alben richtig aus. Fakt ist aber, dass die Herren dort vorn auf der Bühne es innerhalb von Minuten schafften, den Hof zum Mitwippen zu bringen. Immer wieder gingen die Hände nach oben – wenn auch nicht bei allen Besuchern – es wurde mitgesungen und geklatscht. Die Fanbase der Schweden rockte sich, genauso wie die Musiker auf der Bühne, die Seele aus dem Leib. Faszinierend fand ich das nahezu synchrone Gitarrenspiel von Lars Sjöblom, Lars Andersson und Stefan Axell, die sich immer wieder gegenseitig anspielten und dabei ein breites Grinsen im Gesicht hatten. Die Band hatte also auch viel Spaß bei ihrem Gig, der nach knapp 40 Minuten allerdings auch schon vorbei war. Mit einem Gruß ans Publikum und dem Hinweis auf die folgende Band verschwanden die Herren genauso schnell, wie sie aufgetaucht waren. The Exploding Boy hinterließen jedoch eine aufgewärmte Crowd, denn im Laufe des Sets hatten sich immer mehr Leute zum Tanzen bewegen lassen.

In der Umbaupause stürmten entsprechend viele auch zum Merch-Stand, um sich mit Musik und T-Shirts einzudecken, oder an die zahlreichen Bars, um ihren Flüssigkeitshaushalt zu regulieren.
In der Zwischenzeit war es dämmrig geworden und die Bühne füllte sich mit viel Nebel, Lichter blitzten auf und die Musik verkündete den Headliner des Abends.

Covenant
Covenant

Covenant betraten die Bühne – Daniel Jonasson, Daniel Myer und zuletzt Eskil schälten sich aus den Nebelschwaden und begannen das Set mit „Bullet“. Applaus brandete auf, es folgte eine Tanzparty ohne Gleichen. Der Frontmann der Band überraschte nicht wenige Besucher mit seiner Optik, denn seit dem Kasematten-Festival trägt Eskil eine Glatze. Das tat seiner Stimme, und auch seiner Stimmung, jedoch keinen Abbruch, der Songtext kam glasklar aus den Boxen und die anwesenden Gäste wiegten sich sofort im Takt mit. Nach dem vergleichsweise ruhigen Start ging es allerdings richtig in die Vollen. Ein Kracher folgte dem nächsten – egal, ob es „The Men“, „Figurehead“ oder „Call the Ships to Port“ war. Die schwedische Formation spielte quasi meine persönliche Alltime-Favourit-Liste ihrer Tracks. Daniel und Daniel holten alles aus ihren Keyboards heraus, Eskil versank in seinen Texten, tänzelte zwischen seinen beiden Mitmusikern herum und verschwand hin und wieder in den Nebelschwaden, die das ganze Konzert nicht weniger wurden. Eins muss ich dem Frontmann lassen – er hat schon so eine Art Aura, die er da ausstrahlt. Keiner der Konzertbesucher konnte sich ihm entziehen, der Applaus zwischen den Liedern ebbte kaum ab und fast jeder im Festungshof tanzte, sang mit, sprang und feierte. Besonders beeindruckt haben mich die Titel „Ritual Noise“ und „Lightbringer“. Beim Erstgenannten wurde der Refrain immer wieder von Daniel Jonasson wiederholt, die Musik lief in einer Art Dauerschleife und hatte tatsächlich etwas Rituelles. Im Zusammenspiel mit den Lichtern und Lasern auf der Bühne wurde das Ganze zu einem Konzerthighlight für mich.

Covenant
Covenant

„Lightbringer“ wurde, wie sollte es auch anders sein, von Daniel Myer gesungen, er tauschte mit Eskil die Plätze und bezog mit dem Mikro in der Hand am Bühnenrand Position, während der Sänger sich hinter Daniels Keyboard stellte. Meine Güte, lasst Daniel Myer öfter singen! Der Mann hat so eine tolle Singstimme, die keine Verzerrer oder ähnliches braucht. Ich habe seinen „Soloauftritt“ sehr genossen und ein Blick ins Publikum zeigte, dass es nicht nur mir so ging. Kurz vor Ende des Liedes wurde zurück getauscht und dann ging es weiter mit heftigen Beats. Ich bin mir gar nicht sicher, ob Eskil auch sein, zu dem Zeitpunkt noch unveröffentlichtes, neues Stück „Sound Mirrors“ auf dem Zettel hatte. Ansagen gab es nämlich nicht und ich war so in der Musik gefangen, dass ich mich davon zeitweise nur treiben ließ. Aber ich habe mich erkundigt, es stand in der Setliste, alles andere wäre sträfliche Vernachlässigung gewesen. Auf jeden Fall haben die dargebotenen Stücke jede Menge „Tanzorphine“ freigesetzt, der Abend flog nur so dahin und (viel zu) schnell verabschiedete sich die Band.

Das konnten die Fans allerdings nicht gut finden und forderten lautstark eine Zugabe ein. Also gab es zum Schluss noch zwei Tracks auf die Ohren und in die Beine, bevor Covenant endgültig von der Bühne verschwand und ein sichtlich geflashtes Publikum hinterließ.

Wir machten uns dann auf den Heimweg und freuten uns über den gelungenen Abend auf der Festung Königstein. Alles daran war nahezu perfekt – das Wetter hatte es gut mit uns gemeint, das Publikum war sehr gut drauf, die Bands ebenso und die Location tat ihr Übriges dazu. Sound- und Lichttechniker haben einen sehr guten Job gemacht und zum wirklich ersten Mal haben mir persönlich Covenant rundherum gefallen – weil alles an diesem Konzert gepasst hat! In Gedanken tanze ich immer noch. An dieser Stelle geht nochmal ein Riesendank an die Konzertagentur Dresden, das Team des Festung Königstein Open Air, die Techniker, die feiernden Konzertbesucher und natürlich an The Exploding Boy und Covenant für diesen grandiosen Abend auf der Festung. Wir kommen gern wieder und sind schon gespannt, wer im nächsten Jahr auf dem Programm steht.

Autor: Pitchfairy

Photos: Michi

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